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-   -   TMMR mit Chemo oder alleinige Radio-Chemo? (https://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=71273)

Zizipäää 10.07.2018 08:56

TMMR mit Chemo oder alleinige Radio-Chemo?
 
Wenn ihr die Wahl hättet und für beide Verfahren jeweils Spezialisten in erreichbarer Nähe, wie würdet ihr euch entscheiden?

Gebärmutterentfernung mit einem die Nerven schonenden Verfahren und anschließende große Chemo oder abgeschwächte Chemo mit Bestrahlung (ohne vorherige operative Tumorentfernung), die die Schleimhäute reizt und ggf. zu Scheidenverengung (und anderem) führen kann.

Argumentiert wird, dass eine Operation (Wertheim) eben die Nerven schädigen kann, was dann in der Folge von Blasenentleerstörungen bis hin zu Stuhl- und Harninkontinenz führen kann, und nach einer Operation trotzdem noch bestrahlt werden muss. Demzufolge kann man sich die große OP sparen. Bestrahlt wird ja auf jeden Fall.

Beim TMMR-Verfahren werden zwei Vorteile herausgestellt. Zum einen, dass im Gegensatz zur Wertheim-Methode Rücksicht auf die Beckenbodennerven genommen wird und diese nicht durchtrennt werden und zum anderen, dass keine Bestrahlung notwendig wäre und somit auch keine Bestrahlungsspätschäden entstehen können. Die Chemonebenwirkungen würden alle wieder zurückgehen.

Ich bin 41 Jahr alt mit FIGO 2b, cT2b pN0 (0/31) cM0 L0 V0 Pn0.

Diavolessa 10.07.2018 09:18

AW: TMMR mit Chemo oder alleinige Radio-Chemo?
 
Hallo. Ich hatte Gebärmutterhalskrebs Stadium 1b1 L1V1 G3. ich habe zuerst die wertheim-op R0 und danach die Sicherheits radiochemo. diese nach Therapie hat sich aber nur aufgrund der drei Risikofaktoren. Bei deiner tumorformel sehe ich momentan keine Risikofaktoren. Ich an deiner Stelle würde mich zuerst operieren lassen, vielleicht bleibt ihr dann der harte Teil erspart.
Von der OP her habe ich keine Nebenwirkungen oder Einschränkungen. Aber derzeit auch nicht von der anderen Therapie...

Du wirst für dich selbst die richtige Entscheidung treffen liebe Grüße Dia

susi 1964 11.07.2018 14:34

AW: TMMR mit Chemo oder alleinige Radio-Chemo?
 
Ich hatte auch eine Wertheim und absulut keine Nervenschädigung.Mein Tumor war knapp 4cm.Also sehr knapp.Mir sagte man,dass man ab 4 cm nicht mehr operiert.Aber spaziergang war die Op keiner.Ich würde aber trotzdem die Op vorziehen.Da du Spezialisten hast,musst du vertrauen,dass sie wissen was sie tun.

Zizipäää 11.07.2018 21:37

AW: TMMR mit Chemo oder alleinige Radio-Chemo?
 
Mein Risikofaktor ist tatsächlich nur die Größe des Tumors. Er ist größer als 4 cm, an einer Stelle sogar knapp über 5 cm. Von einer Operation wurde mir auf mein Nachfragen abgeraten. Erst als ich eine Zweitmeinung einholte wurde mir die Möglichkeit der TMMR mit anschließender Chemo abhängig von Histologieergebnis aufgezeigt. Ich überlege immer noch hin und her und glaube, dass beide Therapiewege zu einem guten Erfolg führen... Überseh ich irgendwas?

Karlotta1 04.08.2018 13:18

AW: TMMR mit Chemo oder alleinige Radio-Chemo?
 
Zitat:

Zitat von Zizipäää (Beitrag 1392016)
Mein Risikofaktor ist tatsächlich nur die Größe des Tumors. Er ist größer als 4 cm, an einer Stelle sogar knapp über 5 cm. Von einer Operation wurde mir auf mein Nachfragen abgeraten. Erst als ich eine Zweitmeinung einholte wurde mir die Möglichkeit der TMMR mit anschließender Chemo abhängig von Histologieergebnis aufgezeigt. Ich überlege immer noch hin und her und glaube, dass beide Therapiewege zu einem guten Erfolg führen... Überseh ich irgendwas?

nein, tust du nicht. Meinung 1 hat Recht.

Zitat:

Zitat von Zizipäää (Beitrag 1391921)

Argumentiert wird, dass eine Operation (Wertheim) eben die Nerven schädigen kann, was dann in der Folge von Blasenentleerstörungen bis hin zu Stuhl- und Harninkontinenz führen kann, und nach einer Operation trotzdem noch bestrahlt werden muss. Demzufolge kann man sich die große OP sparen. Bestrahlt wird ja auf jeden Fall.

Stimmt, das kann sie. Es gibt aber auch Chirurgen, die es wirklich KÖNNEN und es tausende Male gemacht haben - mit der Wahl eines solchen Chirurgen sinkt auch das Risiko für Probleme nach der OP deutlich. Man muß sich heute nichtmal mehr den Bauch aufschlitzen lassen für eine solche OP incl. pelviner und paraortaler Lymphonodektomie. Daß zwingend danach bestrahlt werden muß, ist so nicht korrekt - wie auch bei der TMMR kommt es auf das histologische Ergebnis nach der OP an. Also mit "auf jeden Fall" is nun wirklich Unsinn. :mad:

Zitat:

Zitat von Zizipäää (Beitrag 1391921)

Beim TMMR-Verfahren werden zwei Vorteile herausgestellt. Zum einen, dass im Gegensatz zur Wertheim-Methode Rücksicht auf die Beckenbodennerven genommen wird und diese nicht durchtrennt werden und zum anderen, dass keine Bestrahlung notwendig wäre und somit auch keine Bestrahlungsspätschäden entstehen können. Die Chemonebenwirkungen würden alle wieder zurückgehen.

Hallelujah. :mad: nun hab ich aber das Pech, daß nach der OP L1 und/oder V1 rauskommt - und dann? Dann hab ich exakt die gleiche Situation wie nach der Wertheim. Da sollte MIR mal einer kommen mit: nö, Bestrahlung tut nicht not. Dem würd ich aber tut nicht not geben! :eek:

Und das mit der Schonung der Nerven ist in meinen Augen auch reine Augenwischerei. Ich lese nun wirklich viel - aber ich hörte bisher noch von keiner einzigen TMMR, die nicht die gleichen Nachwirkungen hervorbrachte wie eine Wertheim OP (die nicht optimal lief). Weiter will ich mich gar nicht zur TMMR auslassen, das sprengt hier den Rahmen...


Um es auf den Punkt zu bringen: An Deiner Stelle wäre ich mit der leitliniengemäßen Therapie dabei und die lautet hier ja wohl: Radiochemo ohne OP.


Alles Gute für Dich! :knuddel:

Soluna 09.08.2018 23:09

AW: TMMR mit Chemo oder alleinige Radio-Chemo?
 
Nachdem ich sehr lange stille Mitleserin war, melde ich mich selbst einmal zu Wort.
Nach starken Zwischenblutungen habe ich im Oktober 2015 einen Pap V gehabt und da ist für mich eine Welt zusammen gebrochen. Nach Biopsie sollte eine Wertheim Op anstehen, aber die ganzen möglichen Nebenwirkungen haben mich dermaßen abgeschreckt, dass ich mich auf die Suche nach einer Alternative begeben habe und mit der TMMR Methode fündig wurde. Ich bin dann in Leipzig vom Prof operiert worden, der diese Methode entwickelt hat. Diagnose war plattenepithelkarzinom pt2b pN1 MX L1 V0 PnO R0 G2 mit 6/42 befallenen Lymphknoten. Keine besonders tolle Prognose, aber ich habe die 11stündige Op sehr gut überstanden ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Ich mache noch regelmäßig Lymphdrainage, habe aber auch da so gut wie keine Probleme. Ich habe nach der Op eine Hochdosischemotherapie mit Cisplatin bekommen, 10 von 12 habe ich bekommen, die letzten beiden habe ich aufgrund schlechter werdender Nierenwerte nicht mehr bekommen. Aber ich habe keine Strahlentherapie nach der TMMR bekommen und bin seitdem krebsfrei. Die neuesten Ergebnisse zeugen von der Wirksamkeit der TMMR und einer nur sehr geringen Rezidivrate auch in fortgeschrittenen Stadien und Ohne Strahlentherapie.
Ich würde mich jederzeit wieder für diese Methode entscheiden.
LG
Soluna


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