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  #1  
Alt 14.07.2019, 22:09
Onno Onno ist offline
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Standard Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich dachte, ich könnte mit fast 60 Jahren jetzt mal zum Urologen zur Vorsorge gehen. Früher war das kein Thema für mich. Jetzt war ich fest entschlossen, zumal ich festgestellt habe, dass es nachts nicht mehr so toll läuft, wenn ich mal auf Toilette Wasser lassen muss.

Während der Untersuchung habe ich mir die Frage gestellt, warum ich das nicht früher gemacht habe. Die Untersuchung war nicht so unangenehm wie ich es mir ausgemalt hatte. Nichtmal das ein junger Arzt der als Assistent anwesend war, hat mich gestört.

Die Untersuchung verlief zunächst auch sehr positiv. Das Abtasten der Hoden, Ultraschalluntersuchung Nieren, Blase... alles top. Dann kam die Prostata. Der Ultraschall schien noch gut zu sein, jedenfalls hat der Arzt nichts gesagt. Dann die Tastuntersuchung. Und 10 Sekunden später war meine Welt nicht mehr dieselbe. Er stellte eine Verhärtung unten an der Prostata fest. Und war recht deutlich in seiner Aussage. Auf jeden Fall weiter untersuchen und könnte ein positiver Befund sein (nicht wortwörtlich, sondern im Kontext). Ich holte meine Frau die mich begleitet hatte mit in das Arztzimmer. Sie kennt sich aus und ist eine gute Beraterin. Außerdem war ich schon in einer ersten Grundpanik.


Zunächst erstmal Bluuntersuchung (PSA). Aber gleich auch schon für den Montag einen Termin für die Stanzbiopsie. Die Probe soll ich selbst direkt zur Pathologie bringen. Der Urologe hat nach Freitag Urlaub und will mich nicht 3 Wochen lang im Unklaren lassen, was ich erstmal gut fand.


Unsere Welt ist jetzt ein Stück aus den Fugen geraten. Wir machen eine Berg- und Talfahrt der Gefühle durch. Und das, während ich Urlaub habe. Was jetzt kein Urlaub mehr ist. Meine Tochter war aus Berlin sofort angereist und war bei uns. Das hat so gut getan. Jetzt ist sie wieder zurück.

Zu allem Überfluss haben wir uns mit Bekannten auf einen Kaffee am Sonnabend getroffen. Wir haben ihnen davon erzählt und auf Unterstützung gehofft. Was dann kam, spottet jeder Beschreibung. In einem Moment, an dem ich kurz weg war, hat mein Bekannter meiner Frau und meiner Tochter gesagt, er müsse es leider sagen, aber sein Onkel ist daran gestorben. Seine Frau goss noch etwas Oel ins Feuer und meinte, es würden ja auch einige überleben. Eine erste Lektion für mich. Vorsichtig zu sein damit, wem ich was erzähle. Anschließend ging es uns richtig schlecht. Ich bin total sauer über so wenig Empathie. Wir haben uns versprochen, in unserer kleinen Familie offen mit dem Thema, unseren Ängsten und Gefühlen umzugehen. Deshalb haben meine Frau und meine Tochter erzählt, was unsere Bekannten gesagt haben. Ich hatte gefragt, warum sie plötzlich so schlecht drauf sind,


Ich freue mich auf den Freitag wenn ich das Ergebnis der Pathologie kenne. Und habe gleichzeitig schreckliche Angst vor diesem Termin.


Wie übersteht man diese Zeit? Hat jemand einen Tipp für mich?

Schöne Grüße,
Onno

Geändert von Onno (14.07.2019 um 22:14 Uhr)
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  #2  
Alt 15.07.2019, 08:47
Beccamaus Beccamaus ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo Onno,

ich drücke dir ganz fest die Daumen das das Ergebnis nicht so schlimm ist wie du befürchtest. Ich kenne mich mit diesem Thema leider nicht aus. Kann mir aber vorstellen wie eure Welt gerade aus den Fugen geraten ist. Haltet zusammen, geht viel raus und macht das was euch eigentlich Spaß macht. Ich hoffe das wir bald was von dir lesen....lg
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Mein Daddy
* 04.08.1947 25.06.2018

ED: 03.04.2017 (metastasierendes Lungenkarzinom (Adeno))


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  #3  
Alt 15.07.2019, 11:15
Elicita Elicita ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Lieber Onno, unmöglich, wie unsensibel eure Bekannten sich verhalten haben. Und das auch noch, bevor überhaupt eine Diagnose gestellt ist. Lasst euch nicht verrückt machen. Selbst wenn es etwas bösartiges sein sollte, ist es sehr oft gut behandelbar/heilbar.
Mein Papa hatte 2003 Prostatakrebs. Nach Hormontherapie und Bestrahlung (wenig Nebenwirkungen) war der Krebs besiegt.
Jetzt ist mein Vater 87. Die Prostata ist kein Thema mehr. Leider hat er nun einen anderen Krebs (nicht im Zusammenhang mit vorheriger Erkrankung) und wir kämpfen wieder.

Geändert von Elicita (17.07.2019 um 14:21 Uhr)
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  #4  
Alt 15.07.2019, 13:23
Onno Onno ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo, vielen Dank für die aufmunternden Sätze. Ich verstehe ja, dass Leute mit der Thematik Krebs nicht umgehen können. Aber statt von Menschen zu sprechen die an dieser Krankheit gestorben sind, wäre ein "wir sind für euch da"" besser gewesen. Wofür habe ich denn sonst Freunde und Bekannte? Ich versuchte aktuell meine Nerven in den Griff zu behalten und mir eine persönliche Beratung zu organisieren. So bleibe ich wenigstens in Bewegung. Und mit Sport den Kopf ein wenig frei zu bekommen.
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  #5  
Alt 15.07.2019, 17:38
Onno Onno ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Nochmal Hallo an das Forum,

die Biopsie habe ich heute gut überstanden. Unfassbar was Mann plötzlich kann nachdem ich mich die ganzen Jahre vor lächerlichen Vorsorgeuntersuchungen gedrückt habe. Bei allen Gedanken schwebt das ständig in meinem Kopf mit. Und das dieses Verhalten ganz schön egoistisch war, denn es betrifft ja nicht mich alleine, sondern genauso meine Familie.

Wenigstens bin ich bereit auf meine Familie und besonders meine Frau zu hören und verfalle nicht auf die Idee das alleine für durchstehen zu können. Und Hilfe jeder Art anzunehmen. Dazu gehört auch das Schreiben hier im Forum und der Austausch mit anderen Menschen.

Interessant ist zu beobachten, wie die Menschen mit der Nachricht von meiner Erkrankung umgehen.
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  #6  
Alt 16.07.2019, 07:41
Beccamaus Beccamaus ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo Omno, ich finde das sehr gut, dass ihr über alles sprecht. Mein Vater hat nur mit mir über alles gesprochen. Mit meiner Mama leider gar nicht, nicht ein Wort haben sie über Angst, Tod, Kampf, Hoffnung etc. gesprochen. Finde ich toll das ihr das macht.
Ja, was soll ich sagen. In solchen Momenten trennt sich die Spreu vom Weizen. Aber viele sind mit der Situation auch überfordert. Du wirst merken auf wen du dich verlassen kannst und auf wen nicht. Sagt euren "Bekannten/Freunden" einfach das dieser Spruch gar nicht geht, dass deine Frau das ziemlich mitgenommen hat. Nur so wissen sie wie ihr fühlt und denkt. Total unsensibel sowas zu sagen, aber manche Menschen sind so...das meinen sie gar nicht böse und denken sich sicher auch nichts bei.

Wann bekommst du denn das Ergebnis?
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* 04.08.1947 25.06.2018

ED: 03.04.2017 (metastasierendes Lungenkarzinom (Adeno))


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  #7  
Alt 16.07.2019, 14:30
Onno Onno ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo Beccamaus,

das offene Sprechen über unsere Ängste oder einfach nur das Fragen, was denkst/glaubst Du, dass alleine tut schon sehr gut. Meine Stimmung war nach der Biopsie schlagartig gut. Ich weiß nicht warum, aber ich denke, ich habe den Gedanken jetzt aufgenommen und bereite mich vor. Ich tue so, als wüsste ich was Freitag kommt (eigentlich weiß ich es ja auch). Freitag um 09:45 h habe ich den schlimmsten Termin meines bisherigen Lebens. Vermutlich den ersten schlimmen Termin.

Mein Vater hatte 1989 Lungenkrebs. Er und meine Mutter haben bis zum seinem Tod nicht darüber gesprochen. Beide wußten dass mehr als 50 Jahre Nikotin dann doch seinen Preis haben könnte. Wir wohnten damals in Oldenburg, wo mein Vater im Krankenhaus war. Eines Abends habe ich ihn besucht. Ich wußte, die behandelnde Ärztin wollte meinen Eltern den Befund mitteilen. Um so erstaunter war ich, als mein Vater meinte, so genau sei das Ergebnis nicht ausgefallen und es wäre eher eine Lungenentzündung. Ich sprach daraufhin mit der Ärztin, allein. Sie meinte, meine Eltern hätten sofort eine Abwehrhaltung eingenommen und wollten den Befund nicht kennen. Woraufhin sie ihn auch nicht im Detail erklärt hat.

So waren mein Vater und meine Mutter noch eine Weile zusammen. Und haben mit keiner Silbe über seine Erkrankung, die Folgen und ihre Gefühle gesprochen. Dazu muss man sagen, dass Gefühle zeigen in meiner Familie nicht opportun war. Das ich heute in meiner Situation mit meiner Familie und anderen über meine Ängste und Gefühle sprechen kann, verdanke ich meiner Frau. Sie hat nie akzeptiert das ich nicht rede oder meine Gefühle (außer fröhliche) zeige. Ich hätte nicht gedacht, dass man das lernen kann. Jetzt kommt mir das Zugute.

Übrigens.... Reaktion von Freunden und Bekannten. Meine Frau hat gestern alle informiert. Und auch klar benannt, dass es kein Schnupfen ist, der mich befallen hat. Die Reaktionen waren ernüchternd. Und: die meisten haben mir weder geschrieben noch irgendwas gesagt. Und das im Zeitalter von WhatApp und sonstigen Medien.
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  #8  
Alt 18.07.2019, 13:50
Beccamaus Beccamaus ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo Omno, ja die Generation von früher hatten es wohl nicht so mit dem Reden. Aber mein Daddy wollte reden, hat es halt nur mit mir getan da er meine Mama nicht behängen wollte. Sie war auch am Ende ihrer Kräfte, das hat er ja gesehen. Naja, egal... Vergangenheit. Ich wollte dir damit nur sagen das es auch anders geht, aber wie ich jetzt mitbekommen habe, weißt du das selber.

Das mit deinen Freunden ist fett. Dann muss ich dir ehrlich sagen das es keine wahren Freunde sind. Klar weiß man manchmal nicht wie man in so einer Situation reagieren würde. Aber wenigstens melden, kann man sich oder sollte man. Und wenn es nur ein Satz ist"bin für euch da" o.ä.
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  #9  
Alt 18.07.2019, 15:58
Onno Onno ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo Beccamaus,

gestern war ein schlimmer Tag. Und gleichzeitig ein guter Tag.

Fange ich mit dem Guten an. Alle Freunde, Bekannte und Verwandte haben sich gemeldet. Fast alles haben ihre Bestürzung zum Ausdruck gebracht und dass sie mehr oder weniger sprachlos waren. Alle haben mir gesagt, sie wären für uns da. Es scheint, ich war zu ungeduldig. Ich habe ihnen wohl zu wenig Zeit gegeben um die Nachricht zu verarbeiten. Um so mehr freue ich mich über die Reaktionen.

Mein Befund war bereits gestern da. Mein Urologe hat mich angerufen und in seiner Mittagspause informiert. Der Befund liegt was das Karzinom angeht in der Mitte. Eine OP ist unvermeidlich. Jetzt kommt es auf die weiteren Untersuchungen an, die kommende Woche losgehen. Also erneutes Warten. Aber das ist halt so.

Es ist kaum zu beschreiben, mit welchen Gefühlen wir bis zum Termin kämpfen mussten. Wir sind kaum die Treppe in der Arztpraxis hochgekommen mit weichen Knien. Zum Glück liegt die Praxis im ersten Stock :-). Während wir noch kurz warten mussten, konnte ich meinen Puls in der Ader meiner Armbeuge schlagen sehen. Blanke Angst hatte mich ergriffen. Direkt nachdem der Arzt dann anfing zu sprechen, würde ich ruhig. So wie bei einer Klausur. Erst ist man aufgeregt, dann kommt die Konzentration. Wie sich hinterher herausstellte, war die Konzentration meiner Frau die Bessere. Ich hatte ein paar Dinge nicht richtig mitbekommen.

Ich habe festgestellt, dass ich mir offensichtlich einen guten Arzt ausgesucht habe. Er hat nichts beschönigt, aber auch nicht dramatisiert. Ich hatte Zeit und konnte Fragen stellen. Was hauptsächlich meine Frau gemacht hat, da ich irgendwo unter der Decke schwebte. Ich bin so froh sie an meiner Seite zu haben. Und meine Freunde, die doch da sind.

Geändert von Onno (18.07.2019 um 16:16 Uhr) Grund: Etwas vergessen...
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  #10  
Alt 19.07.2019, 12:16
Beccamaus Beccamaus ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Das klingt gut, das freut mich sehr für dich. Einen festen Freundeskreis + Familie hinter einen zu haben bringt unwahrscheinlich viel Kraft in so einer schweren Zeit.

Dann drücke ich dir alle Daumen für nächste Woche. Bleib stark
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  #11  
Alt 22.07.2019, 21:01
Onno Onno ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo Beccamaus,

ganz lieben Dank für Deine Nachricht. Morgen gehen ja die Untersuchungen weiter. Und kommende Woche habe ich einen Termim im Krankenhaus wo das Ganze besprochen wird und der Behandlungsvorschlag kommt. Heute war ich wieder arbeiten und habe das gemacht was ich mir vorgenommen habe. Offensiv mit der Krankheit umgehen. Ich habe mit Vorgesetzten, Teammitglieder usw. gesprochen. Das kam gut an, auch wenn natürlich alle geschockt waren. Glücklicherweise brauche ich mir wegen der Arbeit keine Gedanken zu machen. Es ist zum Beispiel toll, dass mein Chef sagt, wenn ich mal Auszeit brauche, genügt eine kurze Nachricht. Das hilft alles.
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  #12  
Alt 04.08.2019, 17:50
Onno Onno ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Nachdem ich meine Gedanken wieder sortieren konnte, hier ein Update von mir. Ich habe mittlerweile den Befund vom CT und Knochen CT. Die gute Nachricht: keine Metastasen. Allerdings in den angrenzenden Lymphen Verdickungen. Deshalb gibt es jetzt erstmal eine Hormontherapie und ab etwa Oktober eine OP wenn alles klappt.

Jetzt wo ich weiß, wo ich stehe und es einen Behandlungsplan gibt, kann ich nach vorne schauen.

Es ist interessant wie unterschiedlich Menschen reagieren. Von echter Hilfe über totales Schweigen bis hin zu unterschwelligen Vorwürfen dass durch die Nachricht der Urlaub nicht richtig genossen werden konnte ist alles drin.
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  #13  
Alt 07.08.2019, 07:55
Beccamaus Beccamaus ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Das klingt super... ich drücke weiter alle Daumen!!!
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  #14  
Alt 07.08.2019, 14:37
Mr.Smith Mr.Smith ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Lieber Onno,

Auch wenn ich selbst kein Betroffener bin, kann ich sehr gut nachvollziehen, was du durchmachst.
Mich haben deine Geschichte, und wie du darueber schreibst bewegt. Ich kenne dich nicht, schreibe hier mein erstes post....aber einfach ganz ehrlich...ich hatte spontan den Drang dir einfach von meiner Seite, unbekannterweise viel Kraft zu senden...und das tue ich hiermit :-)

Ich finde es grossartig, wie du mit dieser Schockdiagnose umgehst. Bewundernswert vorallem aufgrund der Tatsache, dass dein Vater anscheinend eher den Weg der Verdraengung bevorzugte und es aus deiner kurzen Schilderung rausinterpretiert, die furchtbare Tatsache der Krankheit nicht akzeptiert hat, und somit in seinem Inneren wohl grosses Leid erzeugt haben musste.
Du hingegen schaust nun nach vorne, deine liebe Frau an deiner Seite.
Du scheinst auf einen guten Weg (das was jetzt kommt,... ganz allein meine Meinung...es soll jeder natuerlich tun wie er will :-)) zu sein, -
die der Akzeptanz , was nicht bedeutet, dass du lethargisch dich hier fallen laesst, sondern ja sagst zu dem was is. Ich finde folgende Weisheit wunderschoen, gefaellt dir, und vielleicht hilft es dir ja auch ein wenig Nicht die Ereignisse ängstigen, ärgern oder deprimieren uns. Sondern unsere Einstellung ihnen gegenüber
Das heißt, frei wird oder ist der Mensch nur, wenn er das Unfreie im Leben, die Bedingungen, Krankheit akzeptiert und annimmt. Wenn er einwilligt, dass das Leben immer wieder auch Grenzen beinhaltet. „Das große Können ist weitgehend ein Lassen[...]. Mit dem arbeiten, was da ist, das lässt mich können.“
(is so ein Mix aus Stoizismus und Frankl :-)

Man kann jetzt denken, "leicht geschrieben als Nichtbetroffener", das ist es auch...es faellt mir wohl sicher leichter..."theoretisch" ist immer alles einfacher - wenn es aber an die "Praxis" geht, dann kommen die echten Huerden.Dafuer hiermit viel Kraft.

Viel tut sich halt auch nicht im Forum, wie es scheint....und die Sache mit den Freunden, die du beschreibst, kommt dann noch zusaetzlich als Herrausforderung hinzu. Aber...hat sich ja alles zum Guten gewendet!
Und bezueglich Freunde nur so viel - nichts persoenlich nehmen, die meisten Menschen meinen es nicht boese, und koennen trotzdem wahre Freunde sein.. Die anderen Menschen haben durch alles was sie erlebt haben, durch ihre eigene Geschichte eine andere Ansicht mit Dingen umzugehen,andere Gedankengaenge,Meinungen, ein Vergleich "wie man selbst in der Situation umgehen wuerde" hat wenig Sinn meiner Meinung nach....abgesehen davon, das viele in solchen speziellen Situation ueberfordert sind. Viele hadern mit dem Gedanken - "was ist jetzt richtiges Verhalten, was nicht richtiges"....und dann geschieht vorerst mal keine Reaktion.
Aufjedenfall....Dir wuensche ich jedenfalls alles Gute, und halt uns auf den Laufenden!
lg,
Mr.Smith
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  #15  
Alt 09.08.2019, 17:40
Onno Onno ist offline
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Standard AW: Erste Vorsorge mit Volltreffer

Hallo Beccamaus,

ganz lieben Dank für Deine Antwort! Du bist echt toll!

Hallo Mr. Smith,

Deine Nachricht hat mich wirklich berührt! Wenn mir Personen (wie Beccamaus und jetzt Du) mir schreiben, die zwar nicht selbst betroffen sind, dann hat das für mich eine ganz besondere Bedeutung. Ihr wisst es vielleicht nicht, aber ihr seid für mich eine echte Bereicherung in dieser Zeit. Vielen Dank dafür!

Wie ich schon berichtet habe, mache ich unterschiedliche Phasen durch. Seit mehreren Tagen bin ich wirklich gut drauf. Tatsächlich habe ich mich zwischenzeitlich gefragt, ob ich vielleicht nicht zu gut drauf bin. Dieses Gefühl habe ich aber ganz schnell weggeschoben. Weil es Unsinn ist. Ich weiß (oder glaube zu Wissen) wie es weiter geht und kann anfangen gegen die Krankheit anzugehen. Bzw. bin schon angefangen weil ich seit Montag mit der Hormontherapie angefangen habe. Bislang keinen nennenswerten Nebenwirkungen. Ich war schon darauf eingestellt dass ich alle Sissi Filme sehen wollte da ich ja Hormonblocker nehme....

Ich mache aber auch eine ganz andere Erfahrung. Ich fühle mich gleichzeitig glücklich. Glücklich, weil ich meine Familie habe, die mit mir lacht und weint und einfach für mich da ist. Glücklich, weil es Leute wie euch gibt. Glücklich, weil ich so tolle Kollegen habe und einen tollen Arbeitgeber, der mir alle Freiheiten gewährt. Ich bin nicht allein. Was kann es Wertvolleres geben?

Was auch toll ist: Wenn Menschen eine Krebsdiagnose bekommen und den Weg der Behandlung hinter sich haben, denken sie meistens über ihr Leben nach. Die Reise, die immer geplant war, aber nie gemacht wurde, der stressigen Job, der in Zukunft überdacht wird usw. Ich habe dieses Gedanken gar nicht, weil ich mit meinem Leben total zufrieden war und bin und alles für mich toll ist. Es geht mir gut und dafür war und bin ich dankbar.

Ich finde, das ist ein Geschenk.

Euch nochmals vielen Dank für Eure Worte!

Geändert von Onno (09.08.2019 um 17:51 Uhr)
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