PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ein Bekannter von mir hat Krebs


PeterB
20.11.2007, 13:16
Hallo Zusammen,

ich bin ganz neu hier, und hoffe, dass ich in diesem Forum richtig bin. Ein Bekannter von mir, der Bruder eine sehr guten, langjährigen Freundin, hat mich gestern Nacht angerufen, und mir mitgeteilt, dass er Krebs im Bereich Kiefer, "Kehle" und bis ins Gehirn hinein hat. Wir haben letzte Nacht 2 Stunden gesprochen und ich hab ihn schliesslich "soweit gekriegt" dass er sich "mal eine Selbsthilfegruppe anschauen will". Ich würde in diesem Forum, falls dieser Mann sich noch öfter an mich wendet, gerne immer mal wieder erzählen dürfen bzw. mir von den "alten Hasen" hier den einen oder anderen Tip holen.

Am Meisten hat mich erschreckt, dass er davon sprach "nach Holland zu gehen", womit er aktive Sterbehilfe angesprochen hat.

Ich hab hier inzwischen schon ein paar Hinweise auf Selbsthilfegruppen gelesen und mich an eine mögliche Adresse gewandt.

Herzlichen Dank, für das gute Forum und dass ich mir das hier mal von der Seele schreiben dürfte.

Alles Gute und bis bald.

Peter

Dirk1973
20.11.2007, 13:49
Hallo Peter,

sei ersteinmal herzlich wilkommen hier, auch wenn der Anlaß ein sehr besch** ist.

Ich finde es gut und wichtig, dass Du Dich hier austauschen und vielleicht auch mal erleichtern möchtest. Denn genau dafür ist ja dieses Forum auch da. Sei Dir bitte dessen bewußt, dass Kontakte oder die Betreuung von schwer erkrankten Menschen mitunter sehr viel Kraft abverlangen können. Um so schlimmer, wenn es sich dabei um Bekannte, Freunde oder gar Familie handelt. Damit sich dies nicht zum Boomerang für Dich entwickelt, scheue Dich nicht, hier weiter zu schreiben....

PeterB
20.11.2007, 14:25
Hallo Dirk,

danke für Deine freundliche Begrüssung.

Da öfter mal Leute mit Problemen auf mich zukommen, weiss ich, dass das ziemlich anstrengend sein kann. Ich möchte mich bei diesem Bekannten zuerst mal hauptsächlich darauf beschränken, ihm zu helfen, die für ihn nötigen Kontakte herzustellen. Natürlich wird er sich dann auch immer wieder mal "ausheulen" wollen, aber ich denke, das geht nur so lange, bis er eine Selbsthilfegruppe gefunden hat, was mein persönliches Ziel für diesen Mann ist.

Alles Gute

Peter :)

PeterB
20.11.2007, 15:11
Hallo Zusammen,

ich wollte Euch nur schnell ein paar ermutigende Neuigkeiten zukommen lassen.
Mein Bekannter hat mich grade angerufen, und mir gesagt, dass es ihm sehr geholfen hat, dass ich ihm gestern "den Kopf zurechtgerückt" habe. Er ist gleich heute früh in eine Selbsthilfegruppe gegangen.
Nach allem, was er erzählt hat, ist das wohl eher so eine Art "Notruf"-Anlaufstelle, aber denen ist es scheinbar sogar gelungen, ihm den Gedanken an "Holland" auszutreiben. Er hat mir erzählt, er habe den Termin sofort abgesagt. Er kann diese Leute scheinbar zu jeder Tages - und Nachtzeit erreichen. Das ist für mich natürlich ein grosser Vorteil, da ich Früh um 3 nicht besonders fit bin, vor allem, wenn ich aus dem Schlaf gerissen werde...

Hört sich für mich sehr gut an. :grin:

Danke fürs Lesen und für Eure Unterstützung.

Peter

Sabine36
20.11.2007, 19:31
Hallo Peter,

auch von mir ein herzliches Willkommen in unsrer Runde. Auch wenn der Anlass, wie Dirk schon sagte, ein sehr trauriger ist.
Dein Freund scheint eine sehr enge Beziehung und jede Menge Vertrauen zu Dir zu haben, was ich sehr schön finde.
Aber die Gedanken an aktive Sterbehilfe, die er hatte, kann ich schon so ein bißchen nachvollziehen...Du kriegst gesagt, Du hast Krebs, dieser Krebs hat sich ausgebreitet, er ist in Kopf, Hals und bis ins Gehirn vorgedrungen...da zieht`s Dir erst Mal sowas von den Boden unter den Füßen weg. Dein ganzes Leben läuft an Dir vorbei, Du denkst, verdammt, ich muss sterben. Den Gedanken, dass es Hilfe gibt, Hilfe für Dich und Dein Leiden...den hast Du in diesem Moment nicht. Dein Leben steht kopf, nichts ist mehr so, wie es mal war. Und das wird es auch nie wieder, ein Leben mit oder nach Krebs ist ein ganz anderes, auch wenn Du als geheilt giltst. Ich hab das jetzt so drastisch geschrieben, damit es Dir vielleicht ein wenig leichter fällt, Dich in den Kopf Deines Freundes "hineinzudenken". Bitte nicht falsch verstehen.
Toll, dass Du für ihn Kontakte hergestellt hast und er diese Hilfe auch angenommen hat. Und wenn er weiß, dass Du weiterhin für ihn "ansprechbar" bist, wird er bestimmt seinen Weg finden.

Einen lieben Gruß
Sabine36

PeterB
21.11.2007, 23:40
Hallo Sabine,

auch Dir herzlichen Dank für Deine Begrüssung.

Ein Grund, warum ich hier bin, ist ja genau der, von Euch diese Art von Hilfe zu bekommen. Ich danke Dir also auch für Deine offenen Worte. :)

Ich habe den Bekannten heute mal von mir aus angerufen. Wir haben "einfach so" gequatscht, ohne, dass der Krebs eine Rolle spielte.

Was mich an der ganzen Geschichte so erstaunt hat, ist eigentlich, dass ich hautpsächlich mit seiner Schwester befreundet bin, und von ihm schon seit Jahren nichts mehr gehört hatte. Ich denke, ein Grund für seinen Anruf war, dass ich selbst eine Behinderung habe, also auch weiss, dass das Leben nicht immer Honigschlecken ist.

Den Kontakt zu dieser "Nothilfestelle" hat er übrigens sogar selbst hergestellt. Ich hab ihm nur "mal ordentlich den Kopf gewaschen", als es um "Holland" ging. Ich hab einfach meinen Schrecken über diese Möglichkeit nicht versteckt, sondern klar gefragt, was das soll, und wie er sich das vorstellt, u.s.w.. Diese Bekanntschaft könnte mit der Zeit eine Freundschaft werden. Mal sehen.

Alles Gute und Gute Nacht Euch allen.

Bis bald mal wieder.

Peter :winke: