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Das ganze Krebs-Kompass-Team möchte sich an dieser Stelle ganz ganz herzlich bei der Autorin Maryjoe bedanken, die mit ihrem Bericht wohl einigen Betroffenen aus der Seele sprechen wird. Wer mit Maryjoe Kontakt aufnehmen möchte, kann dies über uns tun, wir leiten alle Anfragen direkt an sie weiter. Einfach an Nicole Oehlrich schreiben. Was war das damals für ein Tag? Ein Tag der alles in meinem Leben veränderte! Dieser Schock! Ein Dienstag war es, der 14.Dezember 1999, der mich aus der Bahn geworfen hat. Die Diagnose war nach der Mammografie schon festgelegt. Verdacht auf Mammacarcinom, links! Die nächsten Schritte standen oben auf dem Berichtsbogen für ´s Krankenhaus. Alles Abkürzungen, trotzdem konnte ich sie entziffern. Aber nicht mit mir, sagte ich innerlich zu mir. PE, SS, OP, Ablatio, Radiatio, usw.........nicht mit mir! Das sagte ich auch zu dem Oberarzt. Was er seiner Frau empfehlen würde, fragte ich ihn. Da machte er das, was ich wollte. Zumindest was die Ablatio betraf. Diese habe ich nicht unterschrieben. Das war für mich wie ein Schlag auf den Kopf. Von einem Augenblick an war alles anders. Wenn ich doch die Bilder nicht lesen könnte? Hin und her gingen meine Gedanken, alles war verrückt in meinem Hirn. Ich wusste nicht mehr, wo ich hinsollte. Am liebsten wäre ich nach diesem Schock mit dem Auto irgendwo gegen gefahren und dabei..., so ganz wohl war mir bei diesen Gedanken auch nicht. Aber mein Glück war, mehr Wissen als die meisten Frauen zu haben durch meinen Beruf. Ich dachte immer noch, es kann nicht sein. Doch diese Mikroverkalkungen erkannte ich als etwas Böses auf dem Röntgenbild. Die ganze Woche über war ich zwischen Bangen und Hoffen, dass das alles nicht wahr ist! Immerzu dachte ich daran, dass es doch kein Krebs ist. Ich fühlte den Knoten, der sich in der letzten Zeit sehr verändert hatte. Zuhause war nur Streit und Kampf, ich wollte aber Ruhe finden. Meine Gedanken fuhren Karussell, was sollte aus mir werden? Wie lange kann ich noch arbeiten? Wer hilft mir in meiner Not? Es war keiner da, der mich tröstete, wenn ich geweint hatte, mich in den Arm nahm und mich einfach nur streichelte. Ich brauchte das, bekam aber nur Hass und Vorwürfe! Nun, am 20.12. dann der Termin im Krankenhaus, denn vorher war dort kein Platz. Ich fand das in Ordnung, obwohl ich psychisch irgendwie am Ende war. Ich konnte mit niemandem reden, was in meiner Angst in meinem Kopf sich so ansammelte. Ein einiges Durcheinander war in meinen Gedanken. Wenn nur der Streit zu Hause nicht gewesen wäre...! Mein Mann nervte mich wegen meines damaligen Freundes. Werner entwendete mir die Röntgenbilder, machte mir nichts als Vorwürfe, es gab Streit bis zur Handgreiflichkeit. Bei diesem Gefecht stieß er mich einige Stufen der Kellertreppe hinab. Einige Tage später hatte ich mächtige blaue Flecken, besonders an den Beinen, dort wo ich an den Stufen der Treppe angestoßen war. Einige Tage später im Krankenhaus wurde ich gefragt, woher ich diese Verfärbungen hatte. Erst war es mir peinlich, doch dann erzählte ich dem Arzt, was ich erlebt hatte. Der stellte mir ein Attest aus, mit dem ich eine Anzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei machen konnte. Die OP am Dienstag den 21.12.1999 war drei Stunden lang, durch Präparation, Schnellschnittuntersuchung, Diagnosestellung, LK- Ausräumung und alle Nähte. Irgendwann wachte ich im Aufwachraum auf, die Uhr über mir zeigte 14:00 Uhr. Ich fragte so im Halbschlaf:" ist alles vorbei?" und schlief weiter. Gegen 16:00 Uhr kam Frau Doktor Tenge zu mir, lächelte und sagte: "wir haben alles im Gesunden entfernt! Es war ein Carcinom!" Das wusste ich schon vorher, denn wenn der Knoten gutartig gewesen wäre, hätte ich nur eine Redondrainage gehabt. So waren es zwei! Abends kam der Tee, den ich trank, postwendend wieder raus. Ok, mit Essen war nichts. Meine Brust wurde immer schwerer, heißer, mein Kopf dröhnte.....was wird das jetzt! Nachblutung!!! Schoß es mir durch die Gedanken. Am nächsten Morgen sagte ich das den Kolleginnen, kriegte Vorwürfe, weil ich abends nichts gesagt hatte. Ich wollte aber in den Narkoseüberhang nicht noch eine solche haben. Nach der Untersuchung durch den Professor am nächsten Morgen, hieß es: Revision! Dem Anästestesisten sagte ich, dass er keine Intubation machen solle, denn ich brauche meine Stimmbänder noch zum Singen! Da meinte er auch, ich hätte wohl trotz allem noch Humor. Für 20 Minuten Narkose brauchte er das doch nicht! Nun gut, danach ging es mir entsprechend gut, mein Abendessen schmeckte mir so gut wie nie. Wenn ich auch noch kreislaufmäßig und physisch noch nicht gut drauf war. Nun, nach den beiden Operationen in zwei Tagen ging es mir noch sehr bescheiden. Mein Kreislauf war ständig im Keller, mein Gewicht wurde auch nicht mehr, es war zum Heulen. Und genau das tat ich sehr oft, denn das half mir offensichtlich. Ich hätte so gerne mit Werner geredet wegen meiner Ängste und Nöte. Doch er machte dicht, sobald ich nur das Thema ansprach. So "gefühlskalt" und eingeigelt zeigte er sich mir immer. Am zweiten Weihnachtstag kam Werner in einem dunklen Anzug zu Besuch. Ich fauchte ihn an, ob er denn zur Beerdigung wollte. Er schaute mich nur feindlich an, kein liebes Wort, nur Vorwürfe. Die bauten mich auch nicht gerade auf. Irgendwie brachte ich es fertig, Werner hinauszuwerfen. Denn mit diesem Blick machte er mich nur fix und fertig. Als er endlich weg war, ließ ich mir von der diensthabenden Schwester Baldrian geben. Denn ich war nur am Heulen. Ich konnte mich gar nicht beruhigen, so aufgewühlt war ich. Doch auch das half mir nicht viel, denn in meinem Kopf war ein großes Durcheinander. Ich machte mir meine Musik an, (Weihnachts-Oratorium von Bach hatte ich auf MC dabei) versuchte mich damit etwas zu beruhigen. Irgendwann schlief ich über meinem Gedanken ein. Das war das Beste zu diesem Zeitpunkt für mich. Denn diese Streitereien waren pures Gift für mich. Der Krebs hatte mich ja schon erreicht, da war alles andere nicht gut! Ich fühlte mich allein gelassen mit den Entscheidungen. Meine Gedanken kamen einfach nicht zur Ruhe, trotz aller schönen Töne die ich in der Musik fand. Wie sollte das alles weitergehen? Ich wusste es nicht, was danach alles auf mich einstürmte. 14 Tage Krankenhausaufenthalt waren wie ein Alptraum für mich. Zwei Operationen hatte ich mir nicht träumen lassen. Aber wie es im Leben oft geht, Wünsche werden leider nicht erfüllt. Alles Bestimmung, so dachte ich auch dann noch, als es mir dann besser ging. Aber das Entscheidende kam noch für mich. Die dritte Operation! Infektion mit Staphylokken in der Achsel über den Lymphweg. Spaltung des Abszesses am 07.02.01, mittags um 13:00 Uhr. Wieder eine kleine Narkose, und dann 14 Tage Aufenthalt wegen der Sekundärheilung. Wie das Leben so spielt: Krankenschwestern und Rothaarige sind potentielle Risikoträger! Wieder die Chemotherapie, ständige Blutentnahmen, 28-mal Strahlentherapie. Meine Venen litten mächtig unter der ewigen Piekserei, denn die beste Vene war am linken Arm, den durften sie zum Blutabnehmen und zur Injektion nicht nehmen. Und ein Risiko wollte ich auch nicht eingehen. Ein Lymphödem konnte ich nicht gebrauchen. Doch irgendwie schaffte ich das alles. Ich hatte in meinem Kopf immer den Gedanken, dass mir diese Gifte auf meinem Weg nur helfen können. Ich nahm schon eine Flasche Wasser zur Chemo mit und trank diese dort aus, so dass das Gift schneller wieder ausgeschwemmt wurde. Egal, was auf mich einstürmte, ich wollte wieder gesund werden! Trotz der Chemotherapie am Donnerstag bin ich abends zum Chor gefahren. Denn das war für mich Ablenkung von allem. Auch die Konzerte, die den Proben folgten, waren für mich Schwingungen, die ich liebte. Mit dem Gesang half ich mir selber. Nach einem halben Jahr hatte ich die ganzen Therapien geschafft. Meine Kur hatte ich nach der Strahlentherapie durchgezogen. Denn ich wollte nicht abgekämpft zur Rehabilitation gehen. In der AHB habe ich mich mit Schwimmen, Wandern, Fahrradfahren und Medizinischer Trainingstherapie wieder auf einen guten Konditionsstand gebracht. Nun sind schon fast zweieinhalb Jahre vergangen. Mir geht es gut. Ich muss nur weiter meine Medikamente nehmen, Tamoxifen und Favistan. Das Antihormon vertrage ich gut mit der Dosierung von 20 mg täglich. Von anderen Frauen hatte ich schon gehört, dass es nicht jeder Frau so geht. Manchmal habe ich schon noch wilde Gedanken im Kopf. Was ist eines Tages, wenn ich das Tamoxifen absetzten darf? Wie geht es dann weiter? Fragen, die mir niemand beantworten kann. Damit muss ich auch wieder alleine fertig werden. Doch die Gedanken im Kopf spielen oft verrückt..........! Ich habe inzwischen meine Selbsthilfegruppe hier im Ort gegründet. Neun Damen, alle Brustkrebs Betroffene nehmen daran teil. Hier geben wir uns Halt! Hatten schon eine tolle Vorführung einer Prothetikfirma. Kam gut an. Die nächsten Termine sind ab August, denn in den Ferien macht unsere Gruppe Sommerpause. Inzwischen habe ich mit dem Schreiben angefangen. Geschichten und Gedichte kommen so zustande. Vieles dreht sich um meine Erkrankung, andere Gedichte handeln von allem, was um mich herum passiert. Sogar ein Verlagshaus hat mich angeschrieben, meine Gedichte sollen veröffentlicht werden! Jubel! Vielleicht schaffe ich es doch noch, "berühmt" zu werden! Euphorische Gedanken lassen immer neue Gedichte entstehen. Ich freue mich, wenn diese anderen gefallen. Seit einiger Zeit habe ich eine mail- Partnerin, Inge, in Hessen. Auch eine Betroffene, hatte aber einen Hormon -negativer Tumor. Ihre Lebenserwartung, die die Ärzte ihr gegeben hatten, hat sie längst überlebt. Sie freut sich über jeden Tag, der ihr geschenkt wird. Wir tauschen uns über das Internet aus, verschicken unsere Gedichte. Ich hoffe, dass uns noch lange Zeit bleibt, das zu erleben. Eine neue Herausforderung habe ich auch. Ich mache die Ausbildung als Pflegedienstleitung. Außerdem hat mein Mann meine Gedichte inzwischen zum Binden mitgenommen. So habe ich bald etwas zum Vorzeigen. Juli 2002: Diese Geschichte ist auch fertig geworden. September 2002: Mammografie(beide Brüste): Fazit: Meine Gesundheit ist stabil! Dachte ich, aber das wird sich im September herausstellen. 09-2002: Mein erstes Exemplar meiner Gedichte-Sammlung ist gebunden und wunderschön anzusehen. Das hat die Buchbinderin ganz super gemacht. Ich habe mich riesig darüber gefreut.
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