Pankreaskarzinom: Krebs der Bauchspeicheldrüse PDF Drucken E-Mail
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Sonntag, 11. Juni 2006

Von Marianne Kestler

In Deutschland erkranken jährlich über 4.900 Männer und 5.500 Frauen an einem Pankreaskarzinom. Das sind drei Prozent aller Krebserkrankungen. Pankreaskarzinome sind für etwa fünf Prozent aller Krebstodesfälle verantwortlich und die sechst häufigste Todesursache bei Männern und Frauen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt für Männer bei 67, für Frauen bei 74 Jahren. Um zu verstehen, was bei einer Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse vor sich geht, ist es wichtig, sich vorab ihre Lage und ihre Funktionen im Organismus zu vergegenwärtigen

Eine lebensnotwendige Drüse

Die Pankreas (Bauchspeicheldrüse) ist ein lebensnotwendiges Organ. Sie liegt im oberen Bereich der Bauchhöhle, oberhalb des Zwölffingerdarms und hinter dem Magen, nahe der Wirbelsäule und vor den Nieren. Sie ist also gewissermaßen gut versteckt im Körper und von außen schwierig zugänglich. Ihre Vorderfläche ist mit Bauchfell überzogen und die Hinterfläche sekundär mit der hinteren Bauchwand verwachsen. Die Pankreas ist eine Drüse von etwa 15 bis 20 cm Länge und 60 bis 80 g Gewicht. Vom Aufbau her unterteilt man sie in drei Abschnitte: den Kopf, den Körper und den Schwanz, der sich bis zur Milz erstreckt. Der Hauptausführungsgang der Bauchspeicheldrüse (Ductus pancreaticus) mündet gemeinsam mit dem Gallengang von der Leber bzw. Gallenblase als Ductus choledochus in den Zwölffingerdarm ein.

Die Pankreas erfüllt zwei lebenswichtige Funktionen: Ihr Gewebe besteht aus einem exokrinen und einem endokrinen Anteil. Im exokrinen Teil produziert sie ca. 1,5 Liter Pankreassaft pro Tag, der über das Pankreasgangsystem in den Zwölffingerdarm abgegeben wird. Er enthält die Verdauungsenzyme, die für Aufschließung und Verdauung der Nahrungsbestandteile nötig sind. Dazu gehören vor allem die Amylase (für die Verdauung der Kohlehydrate), die Lipase (für die Fettverdauung) und die Proteasen (für die Eiweißverdauung).

In ihrem endokrinen Teil produziert die Pankreas in besonderen Strukturen, den Pankreasinseln, die Hormone Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel regeln und kontrollieren. Insulin spielt für den Stoffwechsel eine lebenswichtige Rolle.

Fällt nun die eine oder andere dieser beiden Funktionen aus, so hat das lebensbedrohliche Auswirkungen auf den Organismus. Entweder werden lebensnotwendige Nahrungsbestandteile vom Körper nicht mehr aufgenommen, so dass Auszehrung die Folge ist. Oder es kann zur Diabetes mellitus führen, wenn die Pankreas kein Insulin mehr produziert. Ist das Pankreasgangsystem durch einen Tumor oder eine Entzündung verstopft, kommt es zu lebensbedrohlichen Vergiftungen, in der Regel begleitet von einem Ikterus (Gelbsucht).

Tumore der Bauspeicheldrüse

Das Pankreaskarzinom gilt als das Malignom mit der bei weitem schlechtesten Prognose von allen Neubildungen des Gastrointestinaltraktes. Fünf Jahre nach Diagnosestellung leben im Durchschnitt noch vier von 1.000 Patienten. Die mittlere Lebenserwartung beträgt vier bis sechs Monate. Bei 80 bis 90 Prozent der Betroffenen ist die Ausdehnung der Tumorerkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits so weit fortgeschritten, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Das liegt vor allem daran, dass ein Pankreaskarzinom erst sehr spät und auch sehr unspezifische Symptome hervorruft. Dazu gehören vor allem:

  • Gesteigerter Durst
  • Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichtes innerhalb kurzer Zeit
  • Appetitlosigkeit
  • Ikterus (Gelbsucht)
  • Abgeschlagenheit
  • Schmerzen (je nach Lage des Tumors im Bauch oder Rücken)
  • Quälender Juckreiz

Seltener treten Fieber und/oder Nachtschweiss auf. Grundsätzlich gilt: Bei allen Beschwerden ohne erklärbare Ursache, die länger als 14 Tage andauern, ist unbedingt ein Besuch beim Arzt angesagt.

Die Ursachen für Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind nach wie vor weitgehend unbekannt. Zu den Risikofaktoren gehören vor allem das Rauchen, ein erhöhter Konsum von tierischen Fetten und die chronische Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse). Ob auch ein vermehrter Alkoholkonsum das Risiko eines Pankreaskarzinoms erhöhen kann, ist bislang noch nicht eindeutig nachgewiesen worden. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass Alkohol unschädlich ist.

Diagnose

Die Diagnose eines Pankreaskarzinoms ist schwierig, weil die laborchemischen Veränderungen überwiegend unspezifisch sind. Bei 15 bis 20 Prozent der Patienten entsprechen Symptomatik und Laborwerte einer akuten Pankreatitis. Zurückzuführen ist das auf die Obstruktion (Verstopfung) des Pankreasganges durch die bösartige Neubildung. Die diagnostischen Verfahren bei Pankreaskarzinomen umfassen Anamnese, Routine-Laborparameter (Blutbild), serologische und Tumormarker, Pankreasfunktionstests (Stuhlproben) und bildgebende Verfahren. Zu den bildgebenden Verfahren gehören Sonographie, Endosonographie, Computertomographie (CT), endoskopische retrograde Choledocho-Pankreatikographie (ERCP), magnetische Resonanztomographie (MRT), Angiographie und zunehmend die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Das Stadium der Erkrankung - Lokalisation, Größe, Metastasierung - kann in den meisten Fällen nur mit einer Kombination all der genannten Verfahren genauer bestimmt werden. Das liegt zum einen an der "versteckten" Lage der Bauchspeicheldrüse, weswegen man allein mit bildgebenden Verfahren oft nicht weiter kommt. Zum anderen geben Laboruntersuchungen nur unspezifisch Auskunft, weil die Pankreas in so viele Stoffwechselvorgänge "verwickelt" ist, dass sich die Veränderungen bestimmter Werte oft nicht eindeutig einer Ursache zuordnen lassen.

Therapie

Dadurch dass Pankreaskarzinome in den meisten Fällen erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden, konzentriert sich die Behandlung vorwiegend auf palliative bzw. supportive Maßnahmen mit dem Ziel der Symptomlinderung. Eine kurative Resektion (Entfernung) der befallenen Bereiche mit dem Ziel der Heilung kommt nur für zehn bis 20 Prozent der Patienten in Frage.

Wird die Pankreas ganz oder teilweise operativ entfernt, müssen ihre Funktionen durch die tägliche Einnahme der entsprechenden Enzyme und/oder Hormone als Medikamente ersetzt werden. Der Mensch kann so auch ohne Pankreas überleben. Allerdings ist eine radikale Entfernung der Bauchspeicheldrüse (totale Pankreatektomie) mit hohen postoperativen Komplikationsraten verbunden. Deswegen hat sich bei Tumoren im Pankreaskopf inzwischen die so genannte "Whipple'sche Operation" durchgesetzt. Dabei wird jeweils ein Teil der Pankreas und des Zwölffingerdarms entfernt und die "Enden" miteinander verbunden. Papillenkarzinome im Pankreaskopf können auf diese Weise in 70 Prozent der Fälle kurativ resektiert, also geheilt werden. Allerdings weichen hier die Statistiken stark voneinander ab. Neueren Untersuchungen zufolge liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate nach einem solchen, in kurativer Absicht durchgeführten Eingriff zwischen drei und 25 Prozent. Karzinome im Körper oder Schwanz der Bauchspeicheldrüse können durch eine Operation zumeist nicht entfernt werden. Insgesamt macht eine operative Entfernung der Tumore nur dann einen Sinn, wenn der Krebs noch nicht metastasiert ist oder wenn die Tumormasse so groß ist, dass sie starke Beschwerden verursacht. In letzterem Fall spricht man dann von einer palliativen Maßnahme.

Da in nahezu 90 Prozent der Pankreaskarzinome im fortgeschrittenen Stadium durch das Tumorwachstum Gallengänge, Magenausgang und Zwölffingerdarm verstopft sind, kommt es zu Magenentleerungsstörungen, die sehr unangenehm sind. Übelkeit, Erbrechen, Gelbsucht, Völlegefühl und Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum sind die Symptome. Zur Linderung dieser Beschwerden wird in den meisten Fällen ein so genannter Stent gelegt, ein schmales Röhrchen, das die verengten Gänge wieder durchlässig macht, damit die Verdauungssäfte abfließen können. Das Einlegen des Stents kann endoskopisch, also von oben durch die Speiseröhre erfolgen. Wenn das aufgrund von Komplikationen nicht gelingt, wird ein Zugang von außen gelegt und die Flüssigkeit direkt durch die Bauchdecke nach außen abgeleitet.

Zur palliativen Behandlung des Pankreaskarzinoms gehören auch die Chemo- und die Strahlentherapie. Bis heute gibt es da aber noch keine Standardtherapie. Deswegen sollten alle Patienten innerhalb von kontrollierten Studien behandelt werden. In bisher durchgeführten Studien hat die alleinige Bestrahlung nicht zu einer signifikanten Lebensverlängerung geführt. Für die Chemotherapie bei Pankreaskarzinomen sind bislang mehr als 30 Einzelsubstanzen getestet worden. Keine davon hat die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Die besten Ansprechraten von 20 Prozent werden mit 5-Fluoracil (5-FU) erreicht. Hinzu kommt, dass dieses Präparat auch die wenigsten Nebenwirkungen hat, was bei einer ohnehin geringen Lebenserwartung (drei bis vier Monate) eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Lebensqualität ist. Nebenwirkungsarm ist auch das ebenfalls getestete Gemcitabin. Beide Substanzen allein konnten die Lebenserwartung bislang aber nicht verlängern. Ist die Leber - als wichtigstes Entgiftungsorgan - noch nicht in Mitleidenschaft gezogen, kommt auch eine aggressivere Kombinationstherapie in Frage. Mit der Kombination Gemcitabin/Cisplatin hat man bereits gute Erfahrungen gemacht, die Erkrankung über längere Zeiträume zu kontrollieren. Allerdings muss auch hier sorgfältig zwischen voraussichtlicher Lebenserwartung und Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Nebenwirkungen abgewogen werden.

Die Todesursache beim Pankreaskarzinom ist in den überwiegenden Fällen ein multiples Organversagen durch tumorbedingte Obstruktion (Verstopfung) der Verdauungsgänge und Abklemmen lebensnotwendiger Blutgefäße.

Letzte Aktualisierung ( Montag, 2. März 2009 )
 

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