Einzelnen Beitrag anzeigen
  #19  
Alt 02.09.2014, 14:41
Triangel Triangel ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 03.12.2012
Beiträge: 136
Standard AW: Hospiz - Segen und Fluch?

Hallo Zwilleling,

magst du erzählen, wie es dir inzwischen ergangen ist?
Ob du einen Weg finden konntest, das Thema anzusprechen?

Weißt du, auch wenn es bei meiner Mutter die richtige Entscheidung mit dem Hospiz war... noch heute aber wird mir ganz eng bei der Erinnerung wie es war, als wir sie tatsächlich dorthin gebracht haben.

Es ist und bleibt ein unglaublich schwerer Schritt, denn jedem ist doch schon auch klar, was es mit einem Hospiz auf sich hat.

Und trotzdem sehe ich das Hospiz als ein Segen an.
Die Menschen dort sind unglaublich aufmerksam, liebevoll, kein elend langes Warten, bis mal jemand kommt, wenn man Schmerzen hat oder unruhig ist.

Und wir als Familie konnten die Zeit mit meiner Mutter geniessen, sind mit ihr im Rollstuhl spazieren gefahren, haben zusammen gelesen, uns lange unterhalten, es war so ruhig und entspannt, ganz anders als die Zeit, als sie zuhause war und wir uns um all das Drumherum wie Termine, Medikamente, Einkaufen, Pflege usw. kümmern mussten.
Da war dann oft gar keine Zeit gewesen, Muße zu haben für einfach nur das Zusammensein.

Im Hospiz geht der Lebensweg zu Ende.
Aber er geht nicht zu Ende, weil man im Hospiz ist, sondern weil es diese Krankheit gibt.

Das Hospiz gibt gute Rahmenbedingungen für die letzte Lebenszeit, aber es verkürzt das Leben ja nicht.

Meine Mutter war einem Hospiz gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen, aber als es dann soweit war, scheute sie doch, wollte es sich eine zeitlang nicht eingestehen, dass es nun soweit sei.

Ich habe mich dann um eine Platz bemüht, bin anschließend zu ihr gefahren und habe gesagt: "Ich habe mir heute das Caritas Hospiz angesehen und dort ein sehr nettes Gespräch mit dem Leiter gehabt. Wenn du magst, kann ich dir gerne davon erzählen."

Ihre Antwort. "Jaja, später mal." und ich "Ja, in Ordnung."
Habe dann auch nicht wieder davon angefangen.
Am nächsten Tag dann am Telefon (vielleicht brauchte sie die Distanz?) dann "Ach, erzähl doch mal, würde mich doch mal interessieren, du warst doch gestern in dem Hospiz."

Ich habe ihr dann davon erzählt, aber ausgelassen zu sagen, dass es jetzt wirklich auch an der Zeit wäre.
Das hat sie dann kurz danach selber erkannt.

Sie war nur noch drei Wochen im Hospiz, die ersten zwei Wochen ging es ihr deutlich besser, weil sie sich dort so wohl und umsorgt fühlte, dann aber forderte die Krankheit ihren Tribut.
Sie hat es bedauert, nicht früher ins Hospiz gegangen zu sein, denn "Hier konnte ich zur Ruhe kommen." wie sie sagte.


Liebe Zwilleling, ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass Ihr einen guten Weg findet und ins Gespräch kommen könnt.

Alles nur Liebe und Gute,
Triangel
__________________
„Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben ist Pflicht. Ich tat meine Pflicht, und siehe da, das Leben ward Freude. “

Rabindranath Tagore
Mit Zitat antworten