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Alt 19.04.2017, 18:03
Adlumia Adlumia ist offline
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Standard AW: Sterbebegleitung oder schon Sterbehilfe im Hospiz?

Hallo Anne,

mein aufrichtiges Mitgefühl zum Tode deiner Oma.
Vorab muss ich dazu sagen, dass keine 'Erfahrung' beim Thema Hospiz, jedoch möchte ich dir trotzdem meine Erfahrung bzw. meine Sicht als Angehörige schildern.

Mein Vater wollte nicht in ein Hospiz, daher nahmen wir die ambulante Palliativversorgung in Anspruch.
Er hatte sehr starke Schmerzen, konnte nicht mehr aufstehen, kein drehen und wenden ohne Schmerz war mehr möglich, Dekubitus etc., das volle Programm. Er hatte eine Morphinpumpe und weitere Medikamente aber so lange ein Mensch noch selbst entscheiden kann, muss er diese Entscheidung treffen, inwieweit er sediert werden möchte oder nicht, ich meine eben diesen Dämmerzustand, den du auch beschreibst.
Mein Vater wollte dies bis zu seinem Todestag nicht, er wollte klar bleiben.
Aber der Preis waren höllische Schmerzen und das müssen auch die Angehörigen mit(er)tragen.

Was ich dir damit sagen will: Man muss aus meiner Sicht immer einen Preis bezahlen. Wer sehr viele Schmerzen hat, kommt kaum drum herum, die Dosis der Schmerzmittel dementsprechend anzupassen. Dass darunter auch bei allgemeingeschwächten Zustand dann das Bewusstsein leidet, ist leider die Folge aber auch "gewünschter" Nebeneffekt. Keine Schmerzen mehr, kein Leid mehr, keine Konfrontation mehr mit z.B. Todesängsten, gerade wenn es um Luftnot geht.

Deine Oma wünschte sich zu sterben, ich nehme an, sie hat auch eingewilligt in diese palliative Sedierung. Es war ihr Wunsch so wenig wie möglich zu leiden.
Dass deine Oma nicht mehr essen und trinken konnte/wollte lag sicher zum Einen an ihrem Bewusstseinszustand aber vor allem an der Tatsache, dass sie im Sterben lag.

Die andere Frage, die du dir stellen kannst ist: Was hättest du ihr stattdessen gewünscht?
Ich verstehe dennoch sehr gut, dass es dich wahnsinnig trifft und mitnimmt, wie schnell so ein Menschenleben doch zu Ende gehen kann. Vor Wochen war es noch so und dann geht das Leben unaufhaltsam dem Ende entgegen. Wir wollen immer begreifen, mit aller Macht verstehen, wir suchen nach Antworten auf dieses Unbegreifliche, den Tod, den wir nun mal nicht vorerfahren können, bis es uns nicht selbst trifft. Aber ich glaube, es gibt keine Antwort.
Diesen Schmerz muss man aushalten lernen, akzeptieren lernen und das braucht seine individuelle Zeit. Es ist gut, dass du Fragen stellst, es ist (so denke ich) einfach Teil deiner Verarbeitung des Todes deiner geliebten Oma.

Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg ohne deine Oma und dass wieder Momente/Tage kommen werden, in denen du das vor Augen hast, was sie dir als Mensch vielleicht mitgegeben hat.

Grüße
Adlumia
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