Einzelnen Beitrag anzeigen
  #6  
Alt 02.06.2017, 22:02
hierfalsch hierfalsch ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 10.02.2012
Ort: Tief im Westen
Beiträge: 313
Standard AW: G3, Triple negativ

Hallo :-)

Also, vorweg: Ich bin ein SEHR ehrlicher Mensch. Du kannst mich absolut alles fragen, ABER Du musst damit leben, dass ich ehrlich antworte. Schöne Lügen sind nicht mein Spezialgebiet.

Okay. Geht los.

Den Port habe ich bei der Sentinel OP gleich mit reinbekommen. Es war ziemlich blöd, weil es Komplikationen gab, die mich ganz übel erschreckt haben (Lunge angepiekt). Es war im Endeffekt schmerzhaft und lästig, aber problemlos zu behandeln und danach wieder weg. Doof. Nicht gefährlich. Das Schlimmste war der Schock. "Was ist mit meiner Lunge????" Pech, sonst nichts.

Die Chemo... Also ich habe EC und Taxol bekommen. EC habe ich gefühlt unter-aller-Sau vertragen (offiziell sagt man wohl "gut vertragen" wenn keine Allergien auftreten, die hatte ich nicht), es ging mir jedenfalls richtig schlecht, ich lag einen Teil der Zeit im Krankenhaus, die EC war WIRKLICH hart. War aber wohl Pech, ich kenne persönlich (!!!) Leute, die es viel viel besser vertragen haben, meine Freundin hat sogar teilweise unter EC gearbeitet. Taxol war im Vergleich ein "Klacks". Blöd, lästig, unangenehm, aber kein "echtes" Problem.

Trotz der schlechten Verträglichkeit ist meine Geschichte keine Negativgeschichte. Ich will nicht lügen: Die EC war scheußlich, sonst nichts. Trotzdem würde ich es wieder tun: Es hat nämlich funktioniert. Der Tumor war tot bei der OP, (PCR) die Chemo hat alles platt gemacht!!! Meine Prognose ist prima. Was sind da drei scheußliche Monate? Alles gut.

Tipps zu Nebenwirkungen habe ich tonnenweise. (Ich hatte reichlich Nebenwirkungen, das schult *g*) - aber lass uns abwarten, welche Medikamente Du tatsächlich bekommst, okay? EC und Taxol/Carbo sind echt unterschiedlich... Ich hab letztes Jahr für eine Freundin Chemo-Survival-Listen geschrieben - kannst Du alle kriegen.
Was ich jetzt schon sagen kann, ist das Sport hilft. Gerade, wenn man sich schlecht fühlt. Es ist ätzend sich aufzuraffen. Aber es nützt! Die Muskeln bauen die Giftstoffe besser ab, d.h. man hat den Dreck, der nicht heilt sondern nur "Restmüll" ist, von dem man sich furchtbar fühlt kürzer im Körper. Machen, wenn irgendwie geht.

Das Kontrastmittel kam mir damals sooo scheußlich glaube ich nicht vor. Ich hatte "nur" fürchterliche Angst vor den Ergebnissen. Aber wir vertragen ja alle die Dinge unterschiedlich... Hauptsache Du hast es geschafft. Sehr gut!

War's das schon mit "vielen Fragen" ? Das ging gut.

Wenn Du was tun willst, kannst Du schon mal ne Perrücke aussuchen gehen (Sowohl von EC als auch von Carbo gehen mWn die Haare aus). Außerdem "lästige" Dinge wegarbeiten. In der Chemo hast Du keinen Bock auf Steuererklärung und so'n Kram. (Solches Zeug den Leuten auf's Auge drücken, die helfen wollen ist auch super. Die können was tun - und Du hast das erledigt.) Wenn Du dann noch Zeit und Langeweile hast, könntest Du zB ein paar leichte Gerichte vorkochen und einfrieren. Ich hatte manchmal Hungerattacken, da ist es gut ein paar Vorräte zu haben...
Kurzum: Es schadet nichts, alles vorzubereiten, als ob Du die nächsten Wochen zu nix kommst. Wenn Du die Chemo schlecht verträgst, bist Du froh, Dich um Nichts kümmern zu müssen, verträgst Du sie gut, kannst Du die gewonnene Zeit für etwas schönes nutzen.

Was ICH persönlich (da hat jeder so seine Strategie, dies ist meine) sehr hilfreich fand, war offen reden. Meine Erfahrung: Die Menschen wollen helfen und wissen nicht was und wie. Sie wissen nicht was sagen oder tun... Wenn man da offen mit ein paar Infos aushilft, bekommt man Super Unterstützung und schwimmt auf einer Welle von Hilfe, Zuneigung und Rücksicht, die mir sehr gutgetan hat.

Ich hatte auch so einen "Kampf" Ansatz. Ich hatte ein TShirt "Supergirl" extra für die Chemo. "Stronger, faster, better than ever". Es hat mir tatsächlich geholfen mich daran zu erinnern: Es ist nicht wichtig, stark zu wirken. Ich konnte heulen, brechen, im Krankenhaus liegen. Trotzdem war ich stark und tapfer. Beweis: Ich hatte nicht aufgegeben. Was sonst war wichtig? Du findest das mit der Haltung des Kriegers funktioniert nicht immer? Nun, Du informierst Dich, machst die ganzen Untersuchungen, gehst es AN. DAS ist tapfer. Dass Du Angst hast, oder Dir zum heulen ist, ist normal und kein Gegenargument. "Fear is wisdom in the face of danger. It is nothing to be ashamed of." Mark Gattis.


Das wäre so das, was mir spontan einfällt. Bei Fragen einfach fragen.

Geändert von hierfalsch (03.06.2017 um 10:32 Uhr)
Mit Zitat antworten