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Alt 18.06.2017, 17:13
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mohnblume79 mohnblume79 ist offline
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Standard AW: G3, Triple negativ

Ja, das Kortison ist schon eine recht nette Droge finde ich . Genieß es solange es wirkt - während Taxol habe ich dabei immer die halbe Bude auseinandergerissen, hätte Renovieren können, wenn wir nicht sowieso gerade frisch umgezogen wären.

Und das andere ist leider-leider-leider das miese fiese Chemoloch, was viele von uns kennen, was aber nach einigen Tagen auch wieder aufhört - versprochen, das bleibt jetzt nicht für den Rest Deiner Chemozeit ununterbrochen so, es gibt auch wieder bessere und fast normale Tage, die folgen - vielleicht schon morgen. Und an den schlechten Tagen immer dran denken: nicht nur Du hängst allein so in den Seilen, sondern die mutierten Zellen sind noch viel beleidigter als Du.

Die Geruchs- und Geschmacksveränderungen sind echt igitt. Mein Mann wollte irgendwann während der Chemo lecker Frühstück machen und hat Speck angebraten. Das ging sowas von gar nicht, ich mußte ihn bitten, den Speck zu entsorgen (sofort raus in die Biotonne) und gründlich zu lüften und die Pfanne zu spülen. Hat Stunden gedauert bis mir nicht mehr schlecht war.

Das mit dem stark salzig könnte sich bald erledigt haben - Salz habe ich ab der dritten Taxol überhaupt nicht mehr geschmeckt - ab dann am besten jemand anders kochen lassen

Tja und die liebe Psyche... Dafür gibt es dieses Forum, schön dass Du hier schreibst. Du könntest auch mal in Deinem Krankenhaus nach der Psychoonkologie fragen - ich hatte soooo eine nette Psychoonkologin, die mich sehr liebevoll begleitet hat.
Am besten wäre, wenn man unter der Therapie nicht denken und schon gar nicht googlen würde: nichts davon habe ich selbst hinbekommen, daher kann ich Dir leider gar nicht sagen, wie man diese Gedankenspirale abstellt. Einzig wirksamer Tipp war bei mir: A B L E N K E N...
Habe Adventure Games am PC gespielt, gelesen und so ungefähr jede Serie leer geschaut die es ging. Andere haben Hörbücher gehört... Vielleicht findest Du etwas, was bei Dir hilft, an den schlimmsten Tagen die Gedanken wieder auf die Spur zu bringen.

Ach ja: und Du tust Deinem Sohn mit "Deiner" Krankheit gar nichts an. . Ja, Krebs macht etwas mit der Familie, aber das ist der Krebs, nicht Du.
Ich hatte bei meiner eigenen Erkrankung auch oft das Gefühl "was tue ich meinem Mann hier an", wenn seine Studienkommilitoninnen mit ihren Freundinnen tolle Urlaube oder fazinierende Auslandssemester hatten und mein Mann mit mir bei den Chemotherapien saß. Es hat lange gebraucht zu akzeptieren, dass er bei mir war, weil er immer noch lieber bei mir mit Krebs wäre als ohne mich.

Und wenn Ihr alle aus der Phase raus seid: Du, Dein Mann, Dein Sohn, wird es Euch viel abverlangt haben, aber auch zu anderen Menschen gemacht haben. Und Dein Sohn wird sicher einen Reifeschritt gemacht haben und dadurch vielleicht emphatischer und stärker sein als Du je erwartet hättest.
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