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Alt 04.10.2017, 07:54
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Kaffeetrinkerin Kaffeetrinkerin ist offline
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Standard AW: Vati mit Adeno-CUP, Metastasen in Leber und Lunge

Liebe Kathi,
leider habe auch ich Erfahrung mit dieser furchtbaren Krankheit machen müssen und will dir sagen, man kann die Palliative Versorgung zu Hause schaffen.
Bitte erkundige dich, ob es ein ambulantes Palliativteam in eurem Ort gibt. Wenn es eins gibt, kannst du aufatmen, denn dann wird die Versorgung leicht.
Bei meinem Mann hat das Krankenhaus, dort der behandelnde Arzt, die erste Verordnung dafür geschrieben. Fortgesetzt wurde die Verordnung vom Hausarzt und von der Onkologin.
Des Weiteren ist mein Mann von einem Pflegedienst über den Port Zuhause künstliche ernährt worden. Dazu benötigst du auch keine Pflegestufe, das kann und muss der Hausarzt verordnen.
In der ganzen Zeit hatte mein Mann keine Pflegestufe. Ich hätte sie jedoch besser direkt beantragt, als es auf eine Palliative Symptombehandlung hinauslief. Es gab zwar keine Probleme, die Versorgung wurde komplett abgedeckt. Wenn sich das Leiden meines Mannes jedoch noch verlängert hätte, hätten wir Probleme bekommen mit der Bewilligung von Hilfsmitteln ohne Pflegestufe, sobald er bettlägerig wurde. Deshalb rate ich euch dringend, die Pflegestufe zu beantragen, selbst wenn es jetzt noch keinen Pflegegrad geben sollte.
In dieser schweren Zeit kann ich dir insofern Mut machen, dass deine Mutter mit diesem Netzwerk (Hausarzt, Onkologen, Palliativteam, Pflegedienst) es gut schaffen kann, deinen Vater zu Hause zu versorgen.
Man muss nur wissen, wo man was beantragen muss. Frage mich gerne, ich helfe dir mit Informationen aus.
Ich wünsche dir viel Kraft!

Und noch etwas zum Weinen.
Mir hat die Sterbebegleitung dringend dazu geraten zu weinen. Ich habe es mir immer verkniffen. Bin laufen gegangen und habe mich so sehr zusammengerissen. Die Krankenschwester sagte mir aber, es muss raus. Man darf und soll weinen, will sich sonst der Körper andere Wege sucht, den Druck abzubauen. Habe dann mit meinem Mann darüber geredet und wir haben vereinbart, dass ich ihm vorher sage, dass ich einmal mit ihm zusammen oder vor ihm weinen muss, weil mich die Situation so traurig macht und dann habe ich das einmal richtig vor ihm getan. Dann war gut und der Druck war weg und ich war nicht die ganze Zeit weinerlich sondern wieder stark. Das könnte er gut akzeptieren, weil er mich dann beim Weinen trösten konnte und ich auch getröstet war. Danach aber nicht immer diese depressive Stimmung vor ihm hatte.
Beim Sterben hat die Sterbebegleitung mir gesagt, dass es sogar wichtig ist, vor ihm zu weinen. Es hilft dem Sterbenden die Situation richtig einzuschätzen und es ist auch eine Art Trost, das man beweint wird. Aber wie gesagt, ich war danach auch immer wieder stark.

Geändert von gitti2002 (04.10.2017 um 22:24 Uhr)
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