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Alt 12.01.2017, 19:34
axiom axiom ist offline
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Standard AW: Das Chemo-Dilemma ...

Hi Tim,

ich habe mit 24 Jahren (letztes Jahr) Hodenkrebs mit einem sehr vergleichbarem Stadium, nur andere Keimzelltumorvarianten, diagnostiziert bekommen.
Nach der OP sind die Marker bei mir gefallen, dann nach ca 4 Wochen wieder gestiegen und daher wurden bei mir 3 Zyklen Chemo gemacht.
Ich hatte allerdings einen 1,5 cm großen Lymphknoten paraaortal.

Zum Thema Hormone/Pubertät:
Hatte ähnliche Erfahrungen nach der Chemo. Mein Bart ist nun dichter geworden und ich habe wieder mehr Pickel als vorher. Das mit den Pickel ist aber meistens bei der Chemo und sollte sich wieder geben nach paar Monaten (hoffentlich).

Ich möchte dir nicht die Luft aus den Segeln nehmen oder dich verunsichern, aber nach Stand der Wissenschaft hast du hier zwei Keimzelltumoren die wohl aus embryonalen Zellen entstanden sind (nicht seminom) und Tumoranteil aus Keimzellen der Spermatogonien. Es ist zwar nicht ausreichend erforscht, aber es deutet darauf hin, dass ersteres praktisch schon vor deiner Geburt feststand, dass diese Zellen entarten werden, während das andere Gewebe erst später dafür programmiert wird.
Klar ist, dass eine Immunschwäche so etwas begünstigt, aber im Grunde war es wahrscheinlich schon vor deiner Geburt bestimmt.

Du hast natürlich recht, dass ein intaktes Immunsystem Krebszellen ausschaltet. Das passiert bei uns täglich sogar sehr häufig. Auch nach einer Chemo wird das noch passieren.

Leider ist es nun so, dass dein Immunsystem nicht stark genug ist, um Krebs alleine zu besiegen, das ist der Grund, warum der Tumor überhaupt erst entstehen konnte. Denn dazu musste er eine Reihe von Stadien erstmals überwinden, in denen der Körper eingreift. Das erste Entstehungsstadium ist das, wogegen Antioxidantien helfen, doch bei einem fertigem Krebs sind wir bereits in einem 4. Stadium.
1. Stadium ist Initiation, 2. Promotion, 3. Progression und 4. sind Krebs und Metastasen.
Es gibt auch chemische Wirktoffe in Lebensmittel die in späteren Phasen wie zum Beispiel der Progression funktionieren, um zum Beispiel eine Angiogenese (Bildung von Blutgefäßen zur Versorgung des Tumors) zu verhindern. Doch auch hier reden wir eigentlich vor der wirklichen Entstehung von Krebs.

Sollten sich Metastasen in deinem Körper eingeschlichen haben (diese können bei manchen Tumorarten wie dem Teratom auch Markernegativ sein), so ist das Immunsystem eher nicht in der Lage diesen Krebs alleine zu bekämpfen.

Du hast auch recht, dass eine Chemo sich nur an die Krebszellen wendet. Diese würden dich ja auch in dem Fall dass man sie nicht behandelt, und sie vorhanden sind, umbringen.
Im Fall von Hodenkrebs in der Form vom Seminom nimmt man an, dass der Auslöser Hormone sind, die in der Schwangerschaft auftreten. Ein nicht eindeutig bewiesener Risikofaktor ist das Alter der Mutter und vor allem Hormoneinnahmen während der Schwangerschaft (vielleicht auch unfreiwillig/unbewusst durch die Nahrung).

Vitamine und ähnliches haben keinen Einfluss auf die Tumormarker. Das sind spezifische Eiweiße, die durch den Tumor erzeugt werden. Klar, wenn der vernichtet wird, gehen die runter, aber sollten sie eindeutig ansteigen, lass dich bitte schulmedizinisch behandeln.

Man kann Anhand von dem CT bzw MRT sehen welche Lymphknoten im Bauchraum vergrößert sind. Es gibt eine Art Straße, bei denen jede Vergrößerung mehr oder weniger suspekt ist. Bei 1 cm würde ich schon hellhörig werden, manch einer behauptet alles über 0,5 cm ist suspekt. Besprich am besten mit einem Onkologen oder einem erfahrenen Radiologen wegen der Knoten und deinen Entzündungen. Besonders die Lymphinvasionen machen diese Lymphknoten sehr suspekt!

Wenn die Lymphknoten im restlichen Bauchraum, sprich bilateral (beidseitig) vergrößert sind auf 1 cm, dann würde ich, wenn die Marker innerhalb von kürzester Zeit auf den Normalwert wandern, wait and see machen.

Sollten die Marker stehen bleiben oder steigen, auf jeden Fall Chemo.

Wenn du es psychisch aushältst würde ich nicht den einen Zyklus adjuvant machen, da du zwar eine nette Statistik hast mit den 4%, aber auf der anderen Seite das Risiko hast, dass du im endeffekt mehr Chemo brauchst, da Teratome/Seminome nicht so gut auf Chemo ansprechen, wie das emryonale Karzinom. Wenn dann würde ich eher 2 Zyklen PEB nehmen.

Bei steigenden Markern würde ich 3 Zyklen PEB machen, und dem Krebs keine Chance geben.

Bei fallenden Markern würde ich weiter Wait and see machen, speziell mit ultraschall und MRT Abdomen (besonders wegen dem Seminom/Teratom).

Grundsätzlich kannst du mit deinem Arzt alles bereden, und bei Zweifel auch eine Zweitmeinung einholen. Das macht durchaus Sinn!

Ich bin kein Arzt, und ich kann mich auch irren. Aber so sind meine Ansichten zu der Thematik.

LG Mathias

Geändert von gitti2002 (12.01.2017 um 20:04 Uhr) Grund: NB
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