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Alt 03.07.2011, 15:12
Bernhard_1 Bernhard_1 ist offline
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Standard AW: Osteosarkom bei meiner 9 jährigen Tochter

Liebe Jamila,

Es war nicht meine Absicht, dich zum Weinen zu bringen und ich haette dich viel lieber getroestet und aufgestellt in dieser schwierigen Situation. dafuer moechte ich mich entschuldigen. meine absicht war es gewesen, dir als betroffener verstaendnis zu zeigen.

was wir (all die direkt und auch indirekt betroffenen) durchleben, gehoert sicher zum anspruchsvollsten ueberhaupt im leben und wir muessen lernen, damit fertig zu werden. auch muessen wir vorbild sein fuer unsere kinder. ich strenge mich auch an, nicht in selbstmitleid zu versinken! wir muessen die situation so akzeptieren, wie sie ist.

es ist unglaublich zu wissen, dass kinder mit dieser krankheit vor 30 jahren fast keine ueberlebenschance hatten, da die chemische industrie wenig Interesse an der forschung zeigte: zu wenig faelle: insgesamt 500 p.a. in ganz europa. die krankheit galt als typische sportlerkrankeit (durch die schlaege..... siehe auch brustkrebs).


heute haben die direkt betroffenen eine sehr grosse ueberlebenschance und das gibt sicher kraft und zuversicht!


gerne erzaehle ich dir mehr von meinem sohn: wie schon gesagt, war er sehr aktiver sportler und bekam dann ploetzlich im alter von 16 Jahren (vor 4 jahren) diese schmerzen. haette ich ihm den sport verbieten sollen????? ich werde mir diese frage ein leben lang stellen.

es folgten abbruch der lehre, "verlust" der freunde - wie wir das alle kennen, aber auch keine depressionen! er hatte den wunsch, nicht ins kinderkrankenhaus zu gehen, da er sterbende kinder nicht erleben moechte.
wenn der tod schon so nah ist, dann lieber bei erwachsenen. er und wir - die familie - haben das auf der onkologischen dann fast taeglich erlebt............

Was fuer eine staerke! ich bin beeindruckt und beruehrt davon!

nach der insgesamt 18-monatigen behandlung verliess er das spital als gelaeuterter mensch - als ERWACHSENER, der heute mit ALLEN problemen des lebens wohl besser umzugehen weiss, als ich das jemals erreichen werde.

er hat eine neue lehre als kunststofftechnologe begonnen und wird diese in 3 jahren abschliessen - als 23-jaehriger.

das leben hat fuer ihn neu begonnen. er leidet noch stark unter den spaetwirkungen der chemo (kopfweh) und muss deswegen naechste woche nochmal ins spital. natuerlich habe ich angst davor - was soll ich machen?

nach abschluss des fuenften jahres werden wir dann aufatmen.

ich wuensche dir und allen anderen da draussen viel kraft und zuversicht!

von ganzem herzen!


euer

bernhard
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