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Alt 24.06.2018, 15:44
Mariane Mariane ist offline
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Frage Was tun, wenn man erfährt, dass der Krebs wieder da ist und man daran sterben wird?

Ich möchte euch von meiner Begegnung letzter Woche mit Herrn B. berichten.
Ich kannte ihn bereits von der Palliativstation. Herr B. ist an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und in palliativer Behandlung gewesen. Er ist erneut in die Klinik wegen Beschwerden im Gallengang gekommen. Herr B. und ich haben in der Zeit immer wieder Gespräche geführt, zu Themen, wie es weiter geht.. wie er sich sein Leben noch vorstellt..

Bei Untersuchungen letzter Woche wurde festgestellt, dass Herr B. stark metastasierten Krebs im gesamten Bauchraum aufweist.
Ich wurde von einer Ärztin gerufen, mit der Bitte mit Herrn B. Kontakt aufzunehmen.

Vormittags (bevor der Befund mitgteilt wurde) war ich noch, im Rahmen meiner regelmäßigen Besuche auf der Palliativstation, bei Herrn B. - wir sprachen über Entlassung, zuhause..
Zwei Stunden später dann das zweite Gespräch.. Herr B. war total aufgelöst.. hat wenig gesprochen, geweint.. es fehlten die Worte.. und ehrlich gesagt, mir auch.. ich meine mein Bedauern ausgesprochen.. versucht für ihn da zu sein.. auch die Idee der Ungerechtigkeit ausgesprochen.. dann langes Schweigen..
Herr B. bat mich irgendwann zu gehen.. seine Angehörigen waren auf dem Weg zu ihm auf die Station..

Meine Arbeit besteht - so ist bisher mein Eindruck - u.a. darin, die Patienten in ihren Ressourcen zu unterstützen, gemeinsam nach Möglichkeiten der Verarbeitung zu schauen; aber auch in Hoffnung zu unterstützen - sollte welche da sein. Mit dem Moment der Mitteilung des Befundes, dass "nichts mehr möglich ist", als daran zu sterben, wird gefühlt alle erarbeitete Zuversicht, genommen - ein Gerüst zerfällt und es bleibt Hilflosigkeit.

Die Begegnung mit Herrn B. hat mich nachhaltig mitgenommen..
Ich habe mich gefragt:
Wie hätte ich gut in der Situation handeln können?
Habe ich richtig gehandelt?

und:
Wie hätte - ich - mich aus dem Kontakt verabschieden können?
(Herr B. hat mich quasi aus dem Gespräch "entlassen")
Mit welchen Worten verabschiedet man einen Menschen - über ein Wochenende - der gerade erfahren hat, dass er an der Erkrankung mit lebenslimitierter Zeit sterben wird?

Ich sehe ihn erst nächste Woche - falls er dann nicht schon aus der Klinik entlassen wurde.

Was meint ihr dazu?

Geändert von Mariane (24.06.2018 um 15:56 Uhr)
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