Einzelnen Beitrag anzeigen
  #169  
Alt 23.06.2005, 00:01
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Erfahrungsaustausch

Beitrag vom 15.06.2005 Einfach mal von der Seele schreiben:

Am 9. Juni 2005 hat meine Schwester die Diagnose Bronchialkarzinom mit Metastasenbildung in der Leber bekommen. Die Ärzte sagen, dass eine Heilung nicht mehr möglich ist; sie hoffen, dass mit Chemo und evtl. Strahlentherapie viel gewonnen ist, wenn das Wachstum des Tumors gestoppt werden könne. Nach dem ersten Schock und stundenlanger Recherche im Internet nach mehr Infos habe ich jetzt zu einem mir im Augenblick nicht erklärbaren Frieden gefunden. Habe 1990 meine jüngste Schwester (29) durch Unfalltod verloren. Dieser ereignete sich genau am 66sten Geburtstag meiner Mutter, was bei ihr der Auslöser in die Demenz war (lebt mittlerweile im Pflegeheim und hat nach mehreren Schüben jetzt das Stadium eines Kleinkindes, sie ist sehr lieb und ruhig und hat spürbar ihre eigene Freude am Leben gefunden). Meine Schwester und meine Mutter haben eine sehr enge gefühlsmäßige Bindung zueinander. Falls meine Schwester vor meiner Mutter stirbt, weiß ich nicht, in wie weit sie dies realisieren wird. Meine Schwester hat Mitte der 90er Jahre ihr zweites Leben - wie sie immer sagt - begonnen. Sie war schwerst alkoholkrank und stand kurz vor dem Ende - sowohl körperlich als auch die sozialen Komponenten betreffend wie Arbeitsplatz, Wohnung, Kontakte. Sie hat sich damals einer Therapie unterzogen, hat sich körperlich zu einem stabilen Gesundheitszustand hochgearbeitet, eine neue Wohnung bezogen, eine Umschulung gemacht und einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Vor einigen Jahren bekam Sie Diabetes, die sie vorbildlich in den Griff bekommen hat. Sie ist meiner Mutter ein sehr starker Fixpunkt. Meine zweitälteste Schwester hatte sich nach dem Unfalltod meiner jüngsten Schwester von der gesamten Familie zurückgezogen und aus welchem Grund auch immer (weiß ich bis heute nicht) den Kontakt zu uns abgebrochen. Mein Vater starb 2001. Ich selbst habe fast die gesamten 90er Jahre mit mehreren schweren bis lebensbedrohlichen Erkrankungen (u.a. Blut, Niere, Knochen) verbracht. Bis auf die Niere, die in absehbarer Zeit entfernt werden muss, geht es mir heute körperlich gut. Die letzten Tage habe ich fast ausschließlich bei meiner Schwester im Krankenhaus verbracht. Wir haben sehr viel und intensiv gesprochen. Sie hat sich bewußt für die Chemo entschieden und will für jeden Tag kämpfen. Nächste Woche beginnt ihr Kampf.
Mit Zitat antworten