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  #1  
Alt 05.02.2018, 02:33
Däumling Däumling ist offline
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Standard Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Ihr Lieben,

heute ist wieder eine furchtbare Nacht, in der ich nicht in den Schlaf finde.

Mein geliebter Papa ist am 26.1.18 verstorben.
Ich habe ihn begleitet, und obwohl ich weiß, dass es das beste für ihn war, schmerzt es manchmal fast körperlich.

Tagsüber habe ich ganz viel Ablenkung durch meine zuckersüße Tochter (14 Monate) und viel zu organisieren (Bestattung, papierkram...) , da bin ich gut abgelenkt.
Nur ab und zu wenn die kleine wieder besonders süß ist, schießt es mir durch den Kopf: du kannst papa nie wieder „mal eben“ ein Foto schicken. Und dann kullern die Tränen.
Aber abends wenn ich im Bett liege, dann fängt das gedankenkarussell an
Warum Papa?
Warum so früh?
Hätte einmal Krebs nicht gereicht?
Warum habe ich nicht mehr Zeit mit ihm verbracht?
Wen frage ich jetzt wenn ich einen kompetenten Rat brauche?
Wer führt mich im Mai zum Altar?
Wie mache ich das mit dem Jahresabschluss für seine Selbstständigkeit?
Wie verkaufe ich sein Haus?

Wenn ich dann unter Tränen irgendwann eingeschlafen bin, träume ich von ihm.

Ich habe ganz viel Unterstützung von meinem (zukünftigen) Mann und meinen Freunden. Sie fragen viel und erinnern mich immer wieder daran, dass sie da sind. Ich kann dann auch gut mit ihnen über den Verlust sprechen, aber weinen kann ich dann nicht.

Tja und nun liege ich seit 22:30 Uhr im Bett und kann nicht schlafen... obwohl ich erschöpft bin.
Die letzten 4 Monate haben sehr an meinen (emotionalen) Kräften gezerrt.
Ein Grund der Schlaflosigkeit ist sicher, dass die Beisetzung erst in ca 2-3 Wochen ist, da das Standesamt sehr lange vraucht um den Schein auszustellen. Man ist gefangen im warten , findet keinen Abschluss und hat nichts greifbares.

Sovieles hätte ich ihm gerne noch gesagt, was mir jetzt erst einfällt.
Ich hätte öfter „ich liebe dich“ statt „ich hab dich lieb“ sagen sollen.

Ach er fehlt mir einfach so sehr !
__________________
Alles Liebe
Däumling
———————
Geliebter Papa 21.11.1956-26.01.2018
Mein tapferer Kämpfer, mein Held, mein Herz.
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Papa: SPRK Diagnose 09/17, OP 10/17, Bestrahlung ab 12/17, Rezidiv wuchert ins Bronchialsystem Ende Dez 17
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  #2  
Alt 05.02.2018, 09:11
Nicitzka Nicitzka ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Hallo Däumling,

es tut mir so leid, dass Du diese Zeit gerade ebenso durchleben musst!

Ja, ich glaube schlechter Schlaf ist da leider „normal“ und zu verständlich.
Gedankenkarussell und nicht zur Ruhe finden.

Diese WARUM Fragen bringen einen nicht zur Antwort und doch müssen sie gestellt werden, oft immer wieder.

Du hast ganz sicher alles erdenkliche getan, um deinen Papa zu begleiten- ganz ganz sicher!

Dass diese Gewissheit ins Herz geht, vielleicht braucht es dafür noch etwas Zeit. Mir geht es genauso. Ich denke auch oft WARUM habe ich nicht ...

Bei mir sind es andere Fragen, aber sie führen auch zu keiner Antwort.

Bei uns war die Trauerfeier auch erst 2,5 Wochen später. Das war gut so, da wir sehr viel selbst organisiert haben. Karten gestaltet, Sarg bemalt usw. haben.

Die Beisetzung steht uns noch bevor (Krematorium war erst letzte Woche).
Ich bin ebenso froh, wenn ich meiner Mama ein schönes Grab machen kann. Es gestalten kann.

Du schreibst von Dir. Was für eine Rolle spielen Deine Geschwister. Könnt ihr euch nicht etwas aufteilen? Ist das möglich?

Mir rollen die Tränen ständig plötzlich. Ich esse etwas und dann kommt nach und nach, was unwiederbringlich ist.

Viele Rezepte (meine Mutter hat wahnsinnig gut gekocht, ich kenne niemand der so gekocht hat!), Fragen, die ich heute stellen würde. Rückenstärkung, denn die gab es ja auch.

Ich vermisse sie auch oft so. Auch wenn es schwer war. Viele Jahre.
Und das macht es dazu so schlimm.

Viele Bekannte um mich rum, die fragen mich nicht mal, wie es mir geht.
Ich gehe ihnen aus dem Weg. Sie sind mir egal.
Dafür sind alte Freunde da und das tut sehr gut.

Ich sende Dir viele liebe Grüße und Kraft und Umsicht mit Dir selbst!
Nicizka
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  #3  
Alt 06.02.2018, 13:14
Däumling Däumling ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Hallo Nicizka,

danke für deine liebe Antwort.
Du hast selbst so ein großes,schweres Päckchen zu tragen ;-(

Eine Antwort auf unser „Warum“ bekommen wir sicher nicht.
Ich für mich denke, dass alles was uns und um uns herum passiert, ein Teil unseres Lebensplans ist. Alles ist eine Lernaufgabe, und somit alles für etwas „gut“. Das heißt nicht, dass es sich richtig anfühlt für uns.

Deine Frage bzgl meiner Geschwister ist schwer zu beantworten.
Meine Geschwister sind alle jünger als ich (bin 34). Jeder lebt ein bisschen in seiner eigenen Welt. Der eine hat sein Leben nicht im Griff (Alkohol, drogen) , der andere ist mit seinen 25 zwar fleissig, aber noch weit entfernt von erwachsen. Und die Mädels sind knapp über 20 und schaffen es gerade so, sich um sich zu kümmern. Im Grunde bin ich die einzige die „anders“ ist.
Deshalb hat Papa mir wohl auch alles übertragen. Er war überzeugt, dass ich stark genug bin, Vorwürfe zu überhören und im Sinne aller Entscheidungen zu fällen. Und eben auch alle seine Wünsche berücksichtige.
10 Tage ist es nun her und außer meinem einem Bruder meldet sich niemand von ihnen. Ich hab mehrfach nachgefragt wie es geht, wann sie wo dabei sein wollen... es kommt nicht wirklich was.
Sie sind wenn ich ehrlich bin momentan eher eine Last.
Aber ich komme da Papas Wunsch nach und hab ein Auge auf sie.

Wir sind alle unter sehr schwierigen Bedingungen groß geworden.
Alkohol und Jähzorn gaben bei beiden Elternteilen eine große Rolle gespielt. Schön war das nicht so aufzuwachsen.
Und trotz allem war zumindest Papa immer bemüht, alles für uns zu tun.
Er war selbstständig, hat viel gearbeitet für wenig Geld und hat trotzdem noch meine Geschwister finanziell unterstützt, obwohl er dafür oft sein letztes Hemd gegeben hat. Zurück kam da nie etwas. Das hat ihn bitter enttäuscht. Denn er war immer für uns da. Vielleicht hat man sich selten gesehen, aufgrund der Arbeit und beide seiten haben viel verpasst. Doch trotzdem wusste ich, wenn ich ihn brauche lässt er alles stehen und liegen. Genauso wie ich... meine Geschwister waren da nicht so. Sie haben viel genommen aber nicht zurückgegeben.
Ich hätte ihm so gerne noch viel mehr zurück gegeben.
So viel mehr Zeit mit uns, seinen Enkelkindern, noch schöne Dinge unternommen, zu denen er die letzten 20 Jahre nicht gekommen ist.
__________________
Alles Liebe
Däumling
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Geliebter Papa 21.11.1956-26.01.2018
Mein tapferer Kämpfer, mein Held, mein Herz.
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Papa: SPRK Diagnose 09/17, OP 10/17, Bestrahlung ab 12/17, Rezidiv wuchert ins Bronchialsystem Ende Dez 17
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  #4  
Alt 06.02.2018, 13:34
Clea Clea ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Liebe Däumling,

es ist jetzt fast ein Jahr her, dass meine Ma gehen musste.
Immernoch geht abends mein letzter und morgens mein erster Gedanke zu ihr.
Ich heule nicht mehr einfach bei Edeka an der Kasse einfach los- das ist tatsächlich besser geworden. Aber wenn ich Zuhause bin, allein, dann sitze ich oft düster grübelnd am Tisch und nichts kann mich ablenken.
Meine Omi ist 1999 gestorben. Ich war ihr sehr verbunden, hat sie mich als Kind doch oft betreut. Heute frage ich mich, wie die Zeit bis heute so schnell vergehen konnte, ohne sie. Es war damals auch sehr schlimm, aber wie genau es für mich war, weiß ich heute nicht mehr. Damals war ich in der Ausbildung, habe also quasi ale Erwachsene schon alles schonungslos mitbekommen und habe sie auch noch gesehen, als sie verstorben war. Das ist alles noch da, aber wie die ersten Wochen und Monate ohne sie waren, das ist weg. Vielleicht werden wir uns in 20 Jahren fragen, wie wir wohl diese schlimme Zeit erlebt haben, vielleicht liegt auch diese Zeit dann für uns im Nebel dakbaren Vergessens.
Ich kann es mir heute nicht vorstellen...
Mich fragt heute absolut niemad mehr, wie es mir mit meiner Trauer geht.
Mit zwei Kolleginnen kann ich ein wenig reden, die auch ihre Mütter verloren haben. Bei einer ist es schon 8 Jahre her. Und was soll ich sagen? Sie heult noch genauso mit.
Wie das mit dem Schlafen funktioniert, kann ich dir auch nicht hinreichend beantworten. Früher habe ich öfter, wenn ich frei hatte, sogar ein kurzes Mittagssschläfchen gemacht. Vorbei. Ich war, wenn ich Frühdienst ab 6 hatte, spätestens um 22 Uhr verschwunden. Vorbei. Ob es jemals wiederkommt? Keine Ahnung. Wenn dir was einfällt, sag mir Bescheid.
__________________
Meine Ma
17.9.1957-19.2.2017, 59 Jahre, Lungenkrebs mit Hirnmetastasen
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  #5  
Alt 06.02.2018, 13:59
Däumling Däumling ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Liebe Clea,
ich danke dir für deine Zeilen.

Es ist nun erst 10 Tage her, ich weiß aber kaum noch, was ich die letzten 10 Tage gemacht habe. Es gibt viel um das ich mich nun kümmern muss.
Und um dabei nicht unterzugehen, mache ich jeden Tag eine sache, bzw ein Telefonat. Es ist noch soviel Ungewissheit da, da vieles nicht geregelt eerden konnte vorher. Aber er hat mir diese Aufgabe übertragen und er hat sich etwas dabei gedacht.
Manchmal sitze ich hier und frage ihn im stillen „ob das so ok ist“
Manchmal entschuldige ich mich dafür, dass ich mich gerade um nichts kümmern mag und lieber mit meiner Tochter spiele.

Meine Oma (seine Mutter) starb im dezember 2009.
Bis heute vermisse ich sie sehr.
Oma und Papa hatten kein sehr inniges Verhältnis, und doch war er die letzten Jahre oftmals traurig. Nun sind sie wieder zusammen und sprechen sich vielleicht aus um dann gemeinsam auf uns aufzupassen.

Ich war noch nie eine besonders gute Schläferin, doch im Moment ist das wirklich eine Katastrophe. Immer wenn ich kurz vorm einschlafen bin, schießt mir wieder was in den Kopf. Und dann grübel ich über die blödesten Sachen nach. Eine Lösung habe ich noch nicht.... aber wenn, dann sag ich Bescheid.

Jetzt gerade liege ich auf meinem Sofa und schaue aus dem Fenster.
Die Sonne scheint, der Himmel ist blau.
Aber ich mag nicht rausgehen.
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Alles Liebe
Däumling
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Geliebter Papa 21.11.1956-26.01.2018
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  #6  
Alt 06.02.2018, 18:01
Clea Clea ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

"Langgestreckt auf meiner Pritschenwagen starre ich an die graue Wand.
Draußen geht ein Sommerabend, der mich nicht kennt, singend ins Land."
So beschreibt Dietrich Bonhoeffer sein Leben im KZ.
Eingesperrt, während es draußen schön ist und das Leben einfach weitergeht.
So fühle ich mich oft, auch wenn die Situationen natürlich gar nicht vergleichbar sind.
Trotzdem fühle ich mich oft eingesperrt. In mir selbst, in meinem Kummer.
Und alle anderen schwimmen einfach weiter.
Ich versuche das auch, nur kommt es mir oft vor, als könnte ich strampeln wie ich wollte, ich komme einfach nicht vorwärts.
Oft frage ich mich, wird das jetzt eine Depression, oder gehört das zur normalen Trauer? Gelernt habe ich in der Ausbildung, dass es bis zu zwei Jahre dauern kann.
Also dann, auf in den Kampf!
__________________
Meine Ma
17.9.1957-19.2.2017, 59 Jahre, Lungenkrebs mit Hirnmetastasen
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  #7  
Alt 07.02.2018, 20:52
Däumling Däumling ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Ja, auf in den Kampf.
Eine weitere fast schlaflose Nacht habe ich hinter mir.
Soviele Gedanken um das was noch zu tun ist...

Heute haben wir den Entwurf für die Zeitung geschrieben.
Erst saßen mein Bruder und ich recht ratlos da.
Wie macht man sowas?
Wir haben uns dann für einen Spruch entschieden, den wir Geschwister seit Papas Tod als Profilbild haben.
Etwas gemeinsames.
Dann noch ein wenig Bewunderung für seinen tapferen Kampf.
Die Bestatterin ist eine ganz liebe.
Sie kennt uns, das macht es ein bisschen einfacher, nicht ständig in Tränen auszubrechen.
Leider dauert es noch ca 14 Tage bis der totenschein ausgestellt ist. Also ist Ende Februar wohl die Beisetzung.

Momentan habe ich oft das Gefühl, ich funktioniere einfach.
Und ich habe ein bisschen angst vor dem was passiert, wenn die Beisetzung war.

Ach mein lieber Papa... ich vermisse dich.
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Däumling
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  #8  
Alt 09.02.2018, 12:01
Nicitzka Nicitzka ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Hallo ihr alle,

@Clea: das kann ich so unterstreichen. Bei mir ist es ein ganz ähnliches Gefühl. Ich fühle mich abgetrennt von den Anderen und der Welt da draußen.

Wegen der Depression: kannst Du denn auch kurze schöne Momente geniessen? Andere Gedanken?
Ich schätze, dass es eher die Trauer ist. Aber eien Trauerbegleitung oder ein Gespräch mit einem Therapeuten ist sicher nicht verkehrt (sondern unglaublich erleichternd!).

@Däumling: ich hatte auch Angst, was ist, wenn die Trauerfeier vorbei ist. Bis dahin war ich im Funktioniermodus. Die Beisetzung ist bei uns in den nächsten 2-3 Wochen. Das ist auch nochmal ein Schritt.
Ich finde diese Staffelung ganz ganz gut. Eine längere Abschiedszeit.
Aber das ist natürlich individuell.

Ich denke schon, dass dann die Trauerarbeit erst richtig losgeht. Ich hatte unglaubliche Angst vor der Leere. Vor der traurigen Einsamkeit.
Und ja, das ist auch so. Aber es ist auch wichtig. Irgendwie vom Gefühl her, dass die Trauer fließen kann.

Bei mir ist es so, dass ich richtig selektiere, mit wem ich meine Zeit verbringen möchte und mit wem nicht, auch wenn es bedeutet, dass ich weniger Menschen um mich rum habe. Dann aber lieber welche, die guttun.

Ehrlich gesagt, hatten wir nicht damit gerechnet, dass meine Mama nicht mehr ihren Geburtstag erlebt. Da waren wir alle sicher. Und alles ging so schnell. Das war krass. Bald ist ihr Geburtstag.

LG
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  #9  
Alt 09.02.2018, 13:12
Däumling Däumling ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Abgetrennt beschreibt es am besten.
Ich habe das Gefühl ich bewege mich in einer Blase. Ich nehme am Leben teil, aber fühle mich nicht anwesend.
Ich bin kein Mensch, der viel weint.
Ich sitze eher da und schaue aus dem Fenster. Denke nach. Versuche schöne Erinnerungen vor Papas letzten Stunden zu schieben.
Und dann wieder schaue ich den riesigen Karton mit seinen Papieren an. Den müsste ich sortieren-aber ich kann noch nicht.

Lieber Papa,
Heute ist es 14 Tage her, dass du uns verlassen hast.
Vor 14 Tagen um diese Zeit habe ich meine Geschwister versammelt, damit sich alle verabschieden können.
So langsam tauchen hintenrum Fragen auf, ob ich die ganze Zeit da war. Sie verstehen nicht, dass du das nicht wolltest.
Ich habe schon ein bisschen was regeln können. Mein Bruder ist auch ganz fleißig. Er räumt auf, sortiert... puh, du hast uns ganz schön viel hinterlassen.
Aber wir schaffen das.
Mittwoch haben wir die Anzeige entworfen für deine Beisetzung. Als ich sagte es gibt am Ende einen Jägermeister für alle, war mir als wenn ich dich lachen höre.
Ich denke, dass ist wohl deine Zustimmung.
Deine kleine Enkeltochter hat heute morgen viel geweint. So klein und soviel Traurigkeit.
Aber bestimmt siehst du alles von dort wo du jetzt bist. Manchmal bin ich mir sicher, du bist ganz nah bei uns.
Ich hab dich lieb mein Papa !
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Däumling
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  #10  
Alt 12.02.2018, 20:08
Däumling Däumling ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Mein lieber Papa.

Deine Enkeltochter läuft nun alleine.
So niedlich und vorsichtig, aber sie macht das ganz toll.
Ich hätte dir so gerne ein Video geschickt, damit du es auch sehen kannst.
Und nun saß ich da mit meiner Freude über dieses kleine Wesen und der schweren Traurigkeit, weil ich diese Momente nicht mehr mit dir teilen kann.
Dann widerum bin ich mir sicher, dass du es trotzdem weißt, denn du bist nicht weit fort von uns.
Manchmal fühle ich, wie du an mir vorbei gehst.
Oder es fühlt sich an, als wenn mich jemand anstupst. Und wenn ich darauf mal nicht reagiere, klingelt auf einmal das Spielzeugtelefon von der Kleinen... obwohl niemand in der Nähe war.
Du fehlst mir so Papa.
Ich bin so unmotiviert irgendetwas anzufangen bzw zu beenden.
Dabei habe ich soviel zu tun bis Ende Mai. Und alles schiebe ich vor mir her.
Morgen muss ich im neuen Haus tapezieren, das mache ich eigentlich so gerne... aber momentan kann ich mich kein bisschen dafür begeistern... ich fürchte so sieht es am ende auch aus.
Ich hab dich lieb.
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  #11  
Alt 12.02.2018, 21:13
Christin12 Christin12 ist offline
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Beiträge: 85
Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Ich antworte dir hier, liebe Däumling.
Danke für deine Umarmung. Ich umarme dich gerne zurück. Du hast deinen
Papa auch verloren. Es tut mir sehr leid.

Ein stiller Gruß
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  #12  
Alt 12.02.2018, 23:06
Ceddy Ceddy ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Ich war selber krank und lese jetzt erst, dass dein Papa nicht mehr bei dir ist.
Mein Beileid für dich.

Ja, mit dem nicht schlafen können, dass war bei mir genauso.

Erst jetzt, Mutti ist am 21.11.17 gestorben, geht es mit dem Schlafen etwas besser. Ich dachte schon, dass ich verrückt werde.....
Herzklopfen, Zukunftsangst, Allein sein mit allem..... hatte ich wie verrückt.
Meine Arbeit war mir egal.

Heute geht es besser, aber weinen muß ich auch noch jeden Tag, weil so vieles an sie erinnert. Eine Tupperdose, wo sie drauf geschieben hat.
Ein Nachthemd, was sie noch gebügelt hat....

Ich finde es eigentlich schön, wenn wir uns erinnern, es sollte nur nicht so weh tun.
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  #13  
Alt 15.02.2018, 21:33
Däumling Däumling ist offline
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Beiträge: 82
Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Liebe Ceddy,
ich danke dir.
Deine Mama starb an Papas 61. Geburtstag.
Ich schenkte ihm einen neuen Pullover. Er hat sich so gefreut und ihn nur noch ausgezogen, damit ich ihn waschen kann.
Sein Lieblingspullover.
Seine Tasche mit Kleidung und anderen Dingen steht seit 3 Wochen unberührt da. Ich kann nicht!
Vorgestern ist sein handy ausgegangen obwohl ich es vormittags noch geladen habe. Ich war so wütend in dem Moment, hab rumgebrüllt und tatsächlich mit der hand gegen die Wand geschlagen ! Da war ein video drauf wo man ihn gehört hat. Das kann ich nun nicht mehr ansehen weil ich die Pin nicht kenne.
Alles andere wie Papierkram, meinen Bruder unterstützen, alles in die Wege leiten was nötig ist, schaffe ich. Für ihn. Weil er es so gewollt hätte.
Morgen um 9:07 ist es 3 Wochen her und ich habe Angst vor dieser Nacht.
Ich weiß noch wie ich vor drei Wochen auf eine Antwort von ihm gewartet habe.


Lieber Papa.
Ich mag nicht daran denken, dass es morgen schon drei Wochen sind.
Ich habe immer noch keine passenden Worte niedergeschrieben die ich dir mitgeben möchte. Es ist soviel und doch weiß ich nicht wie ...
parallel zu allem was ich mache , denke , sage, denke ich an dich. Du bist einfach immer in meinem Kopf (natürlich auch in meinem Herz! Aber das tut zu sehr weh, also „erlaube“ ich es mir tagsüber nicht)
Das führt aber dazu, dass viele vergessen, wie traurig ich bin. Weil ich eben nicht ständig weine sondern stark scheine.
Heute habe ich eine wand tapeziert. Ich stand bestimmt 10 Minuten da und habe darüber nachgedacht wie du angefangen hättest.
Zwischendurch hast du dich sicher königlich amüsiert wie ich die 3 meter bahnen wüst beschimpft habe.
Ich liebe dich mein Papa! Das wird auch immer so bleiben. Niemand kann dich ersetzen.
__________________
Alles Liebe
Däumling
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Geliebter Papa 21.11.1956-26.01.2018
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  #14  
Alt 17.02.2018, 11:44
sonnerpapa sonnerpapa ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Hallo Däumling,

meine liebe Frau ist vor fast 4 Monaten an Krebs gestorben, wir waren 30 Jahre unzertrennlich. Ja, wie ein Apfel und jetzt fehlt eine Hälfte.

Die Krankheit dauerte fast 4 Jahre mit vielen OP´s und 28 Chemos, meine liebe Suphap hat in dieser Zeit nie gejammert oder sich gehen lassen. So konnten wir in den Therapiepausen sogar noch gemeinsam lange Urlaubsreisen (Thailand - Mexiko etc.) unternehmen.
Ich liebe meine Frau auch nach 4 Monaten ihres Abschiedes noch sehr, ja ich denke sogar noch mehr.
Ich sehe jetzt erst, wie Sie für mich "heimlich" vorgesorgt hat. Viele Hemden und sonstige Altagsgegenstände hat Sie noch eingekauft, sodass ich noch lange davon leben kann. Sie wusste immer, dass Haushalt und Shopping nicht so mein Ding war. Ich kümmert mich halt immer um den Beruf und das Haus, bzw. das technische halt. Sie wusste es sehr genau, dass es keine Heilung mehr für sich gab, ich wollte es nicht wahrhaben.
Vieles versteht man erst später, aber wir haben unsere Jahre sehr in der Gemeinsamkeit genossen. Es war fast wie im Märchen, so schön.
Die Liebe hört nicht auf, sie wird blos anders, ja noch schöner.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen. Ja, sogar meinen Glauben an Gott, habe ich durch den Tod meiner lieben Suphap wieder gefunden.
Du bist halt eine Engel, wie auch schon zu deiner Erdenzeit.

Schau Däumling, so hält uns Liebe auf Ewig zusammen. Auch Dir wird es so gehen. Bei mir ist jetzt auch alles was früher so wichtig war, plötzlich so unwichtig geworden. Auch das gehört zum Leben dazu.

Ich habe mir auch viele Zitate im Forum angeschaut und mir darüber Gedanken gemacht, ich bin eigentlich nicht der Typ der gerne schreibt, aber mir hilft es sehr, gelegentlich hier einige Zeilen zu schreiben. Es geht dann wieder einigermaßen, wenn auch auf die Tastatur wieder viele Tränen gefallen sind.

Mit lieben Grüßen
Sonnerpapa

Geändert von sonnerpapa (17.02.2018 um 11:49 Uhr)
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  #15  
Alt 19.02.2018, 13:16
Däumling Däumling ist offline
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Standard AW: Wenn ich doch nur schlafen könnte...

Mein lieber Papa,

am Samstag haben wir deinen Transporter abgeholt. Er ist direkt angesprungen, du hättest dich gefreut. Nun steht er hier bei uns, bereit noch ein paar gute Taten/Dienste zu vollbringen.
Mein kleiner bruder hat nun auch eine Wohnung gefunden, da helfe ich am Sonntag schonmal.
Tja ansonsten... von den anderen dreien kommt irgendwie nichts.
Sehr schade :-(
Am 2.3. ist nun deine Beisetzung.
Ich habe ein wenig Angst davor.
Du fehlst mir :-*
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