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  #1  
Alt 27.08.2001, 22:35
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Standard Bräuchte Eure Hilfe...

Hallo Ihr Lieben – ich bräuchte mal Euren Rat!

Wir hatten doch neulich schon mal drüber diskutiert, dass unsere Väter sich völlig anders benehmen und geradezu fit sind, wenn sie Besuch bekommen. Sei es aus Scham, aus Stolz, weil Männer halt stark sind oder was auch immer. Ihr habt mich ja erst darauf gebracht, und ich habe versucht, meinem Vater diesbezüglich jetzt einfach zu nehmen wie er ist.

Gestern war jetzt aber folgende Situation und ich hatte so einen Haß auf diese Scheißkrankheit, auf das, was sie unserer Familie antut, und ja, ich hatte in dem Moment auch einen Haß auf meinen Vater (bitte no comment hierzu, ich bin selbst erschrocken und schäme mich...) – ich seh’ nur immer wieder meine Mutter weinend dasitzen, fragend „warum IMMER die Familie?“

Im Moment kann mein Vater leider kein Auto fahren, und da meine Mutter keinen Führerschein hat, fällt ihnen natürlich die Decke auf den Kopf. Papi wird noch abundzu von Freunden zu einer Tour abgeholt (und wie gesagt, dabei geht’s im meistens so gut, dass er sogar vergisst, Tropfen zu nehmen), aber Mami geht da eigentlich nie mit, weil es alte Jugendfreunde aus seinem Heimatort sind und nur über alte Schulzeiten geredet wird, bei denen sie nicht mitreden kann und sich ausgegrenzt fühlt.

Also habe ich vorgeschlagen, wir könnten ja mal gemeinsam etwas unternehmen, wir schnappen uns am Wochenende mein Auto und den Hund und fahren einfach los. Beide haben sich auch sehr darüber gefreut.

Als ich aber am Wochenende zu ihnen kam, ging es Papi nicht gut. Er saß im Sessel und meinte immer nur „lasst uns noch einen Moment warten“, schließlich, nach einer halben Stunde, ging er hoch, um seine Tropfen zu nehmen. – Und in dem Moment brach meine Mutter in Tränen aus und fragte verzweifelt „warum immer nur die Familie? – wenn jetzt sein Freund gekommen wäre...“ – Und ich bekam eine solche Wut!!! Er hat ihr in dem Moment so weh getan!

Ja, Ihr habt ja Recht, nach außen ist man immer stärker, will auch kein Mitleid und so weiter – aber muß es meine Mutter denn immer abbekommen? Sie hatte sich so darauf gefreut! Ihr gegenüber lässt er sich noch viel mehr fallen; wenn ich da bin, ist es noch gar nicht mal ganz so schlimm!

Sie tut alles für ihn und hat, neben Putzen Waschen Kochen, natürlich viele Sachen übernommen, die er früher gemacht hat. Sie geht einkaufen, zum Arzt für ihn, zur Apotheke, da mal zur Post, dann zum Bäcker, dreimal am Tag mit dem Hund, zweimal am Tag kocht sie für ihn, bringt ihm zu Trinken, schmiert ihm Brote, hält ihn im Arm und tröstet ihn – und kriegt alles ab und wird von ihm behandelt wie ein Fußabtreter! Ja, er hat sein Recht auf Egoismus, mehr denn je – aber hat sie denn keine Rechte? Wer tröstet sie denn? Er kann es nicht. Jeder fragt sie immer nur „wie geht es ihm“, kaum einer fragt, wie es ihr geht!

Sie weiß, dass sie IMMER zu mir kommen kann, mich anrufen kann, zum Einkaufen, wenn sie sich ausheulen will oder wenn ich kommen soll – aber wie soll sie das denn tun? Sie kann mich ja nicht in seiner Gegenwart anrufen! Und wenn sie mich besuchen wollte, wollte er natürlich mit, da kann sie ja nicht nein sagen. Sie muß immer auf Gelegenheiten warten, wenn er mal nicht da ist, das setzt sie auch unter Druck.

Ich sehe immer noch das kleine Häuflein vor mir, sie wiegt nur noch 45 kg (sie ist gesundheitlich auch nicht topfit), und ich habe auch solche Angst um sie, ich könnte gerade jetzt fast wieder heulen. Wenn ihr jetzt auch noch was passiert... Sie ist Alkoholikerin, aber jetzt seit über 20 Jahren trocken – aber, was, wenn in dieser Situation... ich mag es gar nicht aussprechen! Sie sagt, ich bräuchte mir darüber keine Sorgen machen – leichter gesagt, als getan. Ich bin mit dieser Angst um sie aufgewachsen und habe mich mein Leben lang für sie irgendwie verantwortlich gefühlt, das kann man nicht so einfach ausknipsen!

Was meint ihr – sollte ich doch mal mit ihm sprechen? Aber wie soll ich’s ihm sagen? Oder bin ich doch immer noch zu verständnislos ihm gegenüber? Es ist so verdammt schwer, das alles richtig einzuschätzen. Mein Vater war sein Leben lang ein kleiner Hypochonder, und jetzt, wo er wirklich schwer krank ist und um sein Leben kämpft, kann keiner so richtig mit ihm umgehen.

Könnt Ihr mir nicht irgendwie helfen? Im Moment weiss ich einfach nicht weiter. Ich will beiden helfen, für beide da sein, aber ich habe immer das Gefühl, wenn ich versuche, Papi und sein Verhalten zu 100% zu akzeptieren, falle ich Mami in den Rücken und spiele ihre Nöte runter und nehme sie nicht ernst, und umgekehrt. Habt Ihr nicht einen Rat?!

Eure Janka
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  #2  
Alt 27.08.2001, 22:51
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Liebe Janka,
vielleicht solltest du auf deine innere Stimme hören, und die sagt doch schon, daß du mit ihm reden solltest. Es ist bestimmt verständlich, daß ein Kranker sich bei dem Menschen, der ihm am nächsten steht, am meisten gehen lässt. Und bei meinem Schwiegervater sehe ich, wie schwach und antriebslos diese Krankheit einen werden lässt. Aber es kann doch nicht schaden, wenn du deinen Vater darauf aufmerksam machst, daß deine Mutter Liebe und Unterstützung von ihm braucht.
Bei uns zu Hause war es umgekehrt. Meine Mutter war zehn Jahre gelähmt und hat meinem Vater und auch uns oft das Leben schwer gemacht. Wenn ihre Forderungen zu viel wurden, wenn es sich nur noch um sie drehte, dann haben wir - ich mit ihr gesprochen. Kein Mensch kann das ertragen.
Natürlich sieht ein Kranker als erstes seine Krankheit, daß Leiden beengt sein Denken, seine Möglichkeiten. Aber wenn du dir offenbar berechtigt Sorgen machst um deine Mutter, dann rede mit ihm - wenn es deine Mutter nicht kann. Und auch wenn er es nicht sofort versteht, vielleicht wird er doch ein wenig wacher, was die Bedürfnisse deiner Mutter angeht. Die Liebe ist wichtig in solchen Zeiten.
Vertraue dir.
Viel Glück
Mara
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  #3  
Alt 01.09.2001, 22:28
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Liebe Mara,

vielleicht sollte ich auf meine innere Stimme hören - ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob sie mich nicht vielleicht täuscht? Schließlich habe ich mehr als ein halbes Leben damit verbracht, meine Mutter "zu beschützen", ich kann gar nicht anders, auch wenn sie selbst auf sich aufpassen kann.

Und wenn ich mit ihm sprechen würde - wie in Gottes Namen? Er tut es doch nicht mit Absicht, aber wie leicht könnte er auffassen, dass ich ihm das unterstelle!

Ich weiss noch nicht, was ich mache, vielleicht schreibe ich ihm ja auch ne Mail? Er ist wie ich kein großer Redner und würde es wahrscheinlich/hoffentlich verstehen.

Vielen Dank an dich für deine Worte und dir und deiner Familie alles Gute. Ich hoffe, dass dein Schwiegervater bald mit einer Therapie anfangen kann! Dieses Nichtstun und Warten ist einfach nur zermürbend.

Alles Liebe
Janka
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  #4  
Alt 02.09.2001, 01:04
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Liebe Janka, ich MUSS Deinen Beitrag meiner Mutter einfach ausdrucken... Ich habe ihr schon so viel von diesem Forum erzählt. Sie wünscht sich so sehr einen Internet-Zugang, hat allerdings im Moment verständlicherweise ganz andere Sorgen! Wie sich Deine Schilderung mit unserer Erfahrung deckt! Erst kürzlich kam es bei meinen Eltern zu einem heftigen Streit, weil mein Dad, so bald es ihm einigermassen gut geht, das Haus und somit meine Mutter verlässt... Die besseren Phasen teilt er mit seinem Bruder, mit Freunden, mit... Für die schlechten Phasen sind meine Mutter (und ich, obwohl es mich längst nicht so hart trifft wie sie) zuständig. Sie ist bei all dem Verständnis, das sie ihm entgegenbringt, völlig aufgebracht darüber und ich muss sagen - ich kann es nachvollziehen. Doch ich habe es längst noch nicht durchschaut, woran es liegt. Meine Mutter bezieht es total auf sich, allmählich beginne ich, wie Du, mir fast genauso grosse Sorgen um sie zu machen, weil ihre psychische Stabilität enorm darunter leidet... Mein Dad war allerdings schon immer so, gute Zeiten hat er stets mit anderen Menschen geteilt und der ganze Rest - Familie... Er geht aus, besucht Freunde, doch wenn ich ihn zu uns einlade (zu meinem Mann und mir) geht es ihm grundsätzlich zu schlecht. Ich habe jedoch gelernt, es nicht auf mich zu beziehen. Mir muss er nichts beweisen, ich bin seine Tochter, ich habe eine Art Bringschuld zu erfüllen, will heißen, wenn ich ihn sehen will, dann soll ich kommen... Doch um mich geht es mir dabei weniger, meine Mutter leidet enorm darunter, sie ist schließlich auch noch da, selbst sehr angeschlagen mit Herz und Miniskus, zwar nicht lebensbedrohlich, aber wer kann dies letztlich beurteilen, wenn es ihr so sehr zusetzt? Ich dachte schon oft daran, dass sie völlig in den Hintergrund getreten ist, in jeder Hinsicht, bemühe mich darum, auch ihr ganz besonders gerecht zu werden, ihr meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken, die sie so dringend braucht. Gleichzeitig die ambivalenten Gefühle, dass mein Vater doch derjenige ist, der todkrank ist - es ist so paradox, als ob man sich förmlich zerreissen müsste, um allem gerecht zu werden...
Doch wenn sie sieht, dass es nicht nur ihr so ergeht - wer weiss, vielleicht hilft es ihr ja?
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  #5  
Alt 02.09.2001, 08:49
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Hallo ihr beiden und vor allen Dingen Janka,
was macht es eigentlich so schwer, mit Männern zu reden? Und warum sind wir Frauen so schnell bereit, uns aufzuopfern? Würdest du mit deiner Mutter reden, wenn sie krank wäre und sich deinem Vater so gegenüber verhalten würde. Wenn ich sehe, wie wortlos das Verhältnis zwischen meinem Mann und seinem Vater ist und mein Mann darunter leidet und andere nicht sonderlich gute Ventile dafür sucht (teilweise Alkohol) wird mir Angst und Bange. Könnte man vor dem Tod nicht dieses System endlich einmal durchbrechen? Warum müssen wir Kranke derart schonen, wo doch auch das Sterben, wie auch immer es aussieht, zum Leben dazu gehört. Und ist nicht genau diese Zeit sehr kostbar für alle?
Liebe Janke,
was würde wirklich passieren, wenn du mit deinem Vater redest - ihn also forderst? Was dein Verhältnis zu deiner Mutter betrifft - das ist eine andere Sache. Verantwortung auch noch für sie zu tragen ist im Moment bestimmt verdammt schwer. Eine ehrliche Frage. Wer von beiden steht dir näher?
Alles Liebe
Mara
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  #6  
Alt 02.09.2001, 22:27
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Liebe Bettina,

richte deiner Mutter unbekannterweise liebe Grüße aus, wenn du ihr den Ausdruck gibst – und weise, was dich betrifft, auch auf den letzten Absatz hin, mit der Zerrissenheit der Gefühle.
Ich habe meiner Mutter auch schon öfters mal etwas ausgedruckt, speziell unsere letzte Diskussion, was das „Besucherverhalten“ betrifft, auch in der Hoffnung, dass sie es vielleicht ein bisschen besser akzeptieren kann und sieht, dass es uns fast allen so geht. Als sie es las, konnte sie es auch verstehen und es half ihr für einen Moment wirklich, aber als es dann wieder passierte, tat es doch einfach nur weh. Und auch wenn sie es nicht aussprach – da ich versuchte, das Verhalten von meinem Vater als von seiner Krankheit verursacht zu akzeptieren (was für mich natürlich viel einfacher ist, weil ich es lange nicht so oft miterleben muss), fühlte sie sich von mir, glaube ich, ein bisschen im Stich gelassen.
Himmel, dieser Spagat ist so verdammt schwierig – wie man es macht, ist es eigentlich verkehrt!
Aber unsere Mütter haben doch auch Rechte! Wie du sagst – sie werden völlig in den Hintergrund gedrängt, keiner fragt mehr, wie es ihnen geht – und dabei fühlen sie sich doch genauso beschissen (um’s deutlich zu sagen).
Vielleicht kannst du dich ja um einen Internetzugang für deine Mutter kümmern? Nur fürs Internet muss es ja kein topaktueller Computer sein, ein gebrauchter tut’s auch (manchmal bekommt man die supergünstig von der Firma, wenn die schon abgeschrieben sind!).
Meine Mutter hat von Computern Null Ahnung, aber ein bisschen surfen kann sie mittlerweile. Ich habe ihr ein paar „Nachhilfe-Stunden“ gegeben und ihr dann eine ganz genaue Anleitung geschrieben, in die ich dann auch immer die entsprechenden Fenster aus dem Explorer reinkopiert habe, damit sie immer sieht, wo sie was machen muss und auch ohne meine Hilfe ins Internet kann – ich dachte mir, falls sie in eines der Foren reinwollte, sollte ich nicht unbedingt daneben sitzen. Leider nutzt sie es kaum, weil es der Computer meines Vaters ist und sie nicht, während er unten fernsieht, oben quasi über ihn sprechen möchte. Ich glaube, es kommt ihr wie Verrat vor. Sie geht eigentlich nur ins Netz, wenn er nicht da ist, und das ist ja nicht allzu häufig .

Alles Liebe und halte die Ohren steif!
Janka.
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  #7  
Alt 02.09.2001, 22:29
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Liebe Mara,

mit deiner letzten Frage hast du mir glatt die Tränen in die Augen getrieben – das ist, glaube ich, einer der springenden Punkte: meine Mutter steht mir wesentlich näher – aber auch das ist, glaube ich zumindest, alles Folge ihrer Krankheit (oder sollte ich besser sagen „meiner“, denn sie hat den Alkohol überwunden, ich kämpfe immer noch mit meiner Co-Abhängigkeit – aber das gehört in ein anderes Forum...).
Ich habe mich auch schon mal gefragt, wie ich mich wohl verhalten hätte, wenn es umgekehrt wäre, wenn meine Mutter den Krebs hätte – und musste mir eingestehen (und das tat ziemlich weh!), dass ich mir dann wohl weit weniger Sorgen um meinen Vater gemacht hätte, als jetzt um sie. Auch was die Zukunft betrifft, die Zeit „danach“. Kommt aber wohl auch daher, weil unsere Väter für uns immer die „Starken“ waren, die Souveränen, die immer alles im Griff hatten – dabei ist es ja wohl erwiesen, dass Männer mit dem Tod der Partnerin wesentlich mehr Probleme haben, als umgekehrt.

Ich weiß auch nicht, warum es so schwer ist, mit Männern zu reden. Und wenn es uns Frauen schon schwer fällt – wie schwierig muss es dann erst zwischen Männern sein, wie bei deinem Mann und seinem Vater! Aber Mann spricht nun mal nicht über seine Gefühle und seine Ängste, am ehesten vielleicht noch mit Frau und Tochter, aber das Vater-Sohn-Verhältnis ist bestimmt eher nüchtern geprägt. Und was man das ganze Leben lang praktiziert hat, kann man nicht von heute auf morgen einfach über Bord werfen, auch nicht in so einer Situation – vielleicht braucht dein Mann einfach noch ein bisschen Zeit - und den einen oder anderen Tritt von dir? Ich weiß, die Zeit spielt gegen uns, aber trotzdem?

Mir persönlich hilft dieses Forum dabei. Wenn ich die Gedanken erst mal hier schriftlich formuliert habe, fällt es mir hinterher meistens leichter, darüber zu reden. Aber ein bisschen Zeit brauche auch ich noch...

Euch alles Liebe,
Deine Janka
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  #8  
Alt 03.09.2001, 00:05
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Hallo,

ich muss mich auch mal kurz hier einmischen.
Irgendwie ist es für mich nicht ganz einfach zu folgen. Ich kann zwar einfach drüber sprechen, weil mein Verhältnis zu meinem Vater sehr innig ist und mein Vater (BC Stage IV) überhaupt nicht so reagiert wie bei euch, im Gegenteil er ist noch einfühlsamer und besorgter um uns geworden, aber auch ein sterbenskranker Mensch kann sich nicht alles erlauben.
Wieso könnt ihr ihm nicht sagen, jetzt reiss dich mal zusammen. Ich spüre in eurem Verhalten keine Rücksichtnahme gegenüber eurem Vater oder Ehemann, sondern vielmehr Angst vor ihm.
Wenn er nicht merkt, wie schlimm die Situation für euch ist, dann sagt es ihm eben, spielt keine Rolle ob er drauf eingeht, hören kann er ja noch.
Das soll jetzt nicht in Hass ausarten, man kann alles auch lieb und nett sagen, hauptsache man sagt es.
Überhaupt, redet einfach mit ihm, wenn euch das zu schwer fällt schreibt ihm einen Brief. Man muss auch nicht immer eine Diskussion draus machen. Ein einfacher Satz, wie "Du verletzt mich so sehr", "Deine Laune ist unausstehlich, aber wir lieben dich trotzdem", "Du könntest dir deine Limo auch selbst holen, wenn du nur wolltest" usw..könnte schon Wunder bewirken.
Wovor habt ihr Angst?
Die Freundin meiner Freundin hat dieses Jahr ihren Vater an Krebs verloren. Sie war sehr traurig, aber irgendwo auch erlöst. Er hat sie ihr Leben lang terrorisiert. Es war als wenn ihr eine Last von den Schultern genommen wurde und für diese Gefühle schämt sie sich jetzt.
Eure Angehörigen werden wahrscheinlich bald sterben. Nicht morgen, nicht plötzlich. Könnt ihr euch vorstellen die verbleibende Zeit noch zu nutzen, damit man sich später keine Vorwürfe machen muss?

Tut mir leid wenn ich euch zu nahe getreten bin und eure Situation als Fremder gar nicht beurteilen kann und darf, aber vielleicht hab ich irgendwo ein ganz kleines bisschen gerüttelt.

und doch, ich habs nur lieb gemeint.
Frank
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  #9  
Alt 03.09.2001, 07:52
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Lieber Frank,
toll, daß du zu deinem Vater ein so gutes Verhältnis hast, aber glaube mir, bei den Männern, die ich kenne, ist das eher selten. Liebe, Zuneigung aber nicht unbedingt Offenheit oder große Wärme. Wie sinddenn viele von uns w groß geworden? Meine Mutter war berufstätig und hat den Haushalt gemacht und sich um die Familie gekümmert. Mein Vater hat mehr Geld verdient und glänzte durch Abwesenheit oder zu Hause keine wirklich verantwortliche Position übernehmen.Dominant war er nie! Also war das Verhältnis zur Mutter enger, auch wenn man sie oft ablehnte, sie einem das Leben schwer machte, überemotional war. Ich kann ja nur sagen, wie mein Verhältnis zu meinem Vater ist: Eine gesunde Distanz, die seit dem Tod meiner Mutter mit sehr viel Sympathie und Verständnis verbunden ist.
Das Verhältnis zur Mutter: Liebe - Hass, ständig diese beiden Gegensätze. In den letzten Jahren ihrer Krankheit wurde sie dann zu " meinem" Kind.
Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, dann war meine Mutter, die Person, die mich am meisten geliebt hat, auch wenn diese Liebe nicht unbedingt sehr gesund war. Das bedeutet, wenn mein Vater jetzt krank würde (zum Glück hat er eine Freundin), würde ich ihm nicht das gleiche Maß an Pflege entgegenbringen, wie es meine Mutter damals erhalten hat. Und er erwartet es nicht von mir - zum Glück.
Was meinen Mann betrifft: Sein Verhältnis zur Mutter ist ebenfalls emotionaler, dabei nicht unbedingt liebevoller. Nur ist sie nun mal diejenige, die sich stärker für sein Leben interessiert hat.
Im übrigen Janka:
Auch seine Mutter hat ein großes Alkoholproblem. Sie hat es noch. Gerade jetzt, wo sie ihre Mutter pflegt, hat sie immer häufiger Ausfälle. . In dieser Familie ist nur niemals darüber gesprochen worden. Ihr zweiter Mann erkennt das Problem nicht. Und auch bei uns zu Hause gab es ein Alkoholproblem, nur daß es bei mir das Gegenteil ausgelöst hat. Der Wunsch, niemals von dieser Droge abhängig zu werden. Deshalb fällt es mir auch manchmal schwer, für meinen Mann Verständnis zu haben. Außerdem wird mir bei ihm das Problem jetzt erst richtig bewußt.
So, das hat jetzt wohl nicht mehr so viel mit Krebs zu tun. Ich hoffe, daß macht nichts. Es ist doch ein Forum für Kranke und Angehörige. Und die emotionale Entwicklung gehört ja dazu.
Alles Liebe
Mara
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  #10  
Alt 03.09.2001, 14:05
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Lieber Frank,

nein, du bist mir nicht zu nahe getreten, manchmal braucht man jemanden, der ein bisschen rüttelt. Und du bist für mich genauso ein Fremder oder genauso ein Vertrauter, wie die anderen hier im Forum auch (by the way – haben wir uns nicht schon mal „gesprochen“?).

Wovor habe ich Angst? Ihn und seine Krankheit nicht ernst zu nehmen, die Situation nicht richtig einzuschätzen und ihm vielleicht unrecht zu tun. Mein Bauch sagt mir auch, so kann es nicht weitergehen, er macht sich und uns, vor allem meiner Mutter, das Leben unnötig schwerer als es zur Zeit ist – aber ich kann doch zu ihm nicht sagen „reiß dich zusammen“ – wie zu jemandem, der ne Erkältung hat... Und dann lese ich hier auch immer wieder, dass dieses Verhalten fast „normal“ ist, dein Vater scheint da eine rühmliche Ausnahme zu sein. Tue ich ihm da nicht vielleicht unrecht, wenn ich an ihm rumkritisiere (und ich fürchte, ich müsste es etwas härter formulieren - die zarten Andeutungen, die ich bisher vorsichtig gemacht habe, hat er zwar zur Kenntnis genommen, „ja, ich weiß, Mami hat’s auch schwer“, aber geändert hat sich nichts) und ihm somit das Gefühl gebe, ich stünde nicht hinter ihm?

Aber dann sehe ich auch wieder die Gefahr, dass es so kommt, wie es eurer Freundin passiert ist. Bei meiner Mutter habe ich den Eindruck, als würde sich dieser Gedanke ein wenig einschleichen. Ich wollte sie mal drauf ansprechen, aber bisher hat sich leider noch keine Gelegenheit ergeben, wir sind ja selten alleine. Aber ich möchte nicht, dass sie diesen Gedanken der „Erlösung, wenn alles vorbei ist“, alleine mit sich rumträgt und sich dafür schämt und jetzt schon Schuldgefühle aufbaut.

Aber ich danke dir auf jeden Fall für deine energischen Worte. Ähnliches habe ich schon von meinen Freunden gehört, aber da denke ich immer, die können die Situation eines Krebskranken nicht richtig einschätzen.

Alles Liebe und noch eine möglichst schöne und intensive Zeit mit deinem Vater,
Janka.
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  #11  
Alt 03.09.2001, 14:06
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Hallo Mara,

danke für deine ehrlichen Worte bzgl. einer eventuellen Pflege deines Vaters im Gegensatz zu der deiner Mutter. Ich habe mich sehr für meine Gedanken diesbezüglich geschämt – und es hilft ein bisschen zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Wenn du magst, kannst du mir wegen des Themas Alkohol gerne auch mal direkt mailen. Natürlich gehört es auch in dieses Forum, weil es deine Gefühle und die ganze Situation beeinflusst – aber es ist auch ein sehr komplexes Thema, das hier dann leicht den Rahmen sprengen könnte. Also wenn du magst...

Alles Gute für euch und liebe Grüße
Janka
janka@freenet.de
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