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  #1  
Alt 30.01.2005, 12:22
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Standard Gedanken über Gesundheitssysteme dieser Welt ...

Sabine hatte gestern auf die mageren Nachsorge-Richtlinien von Schottland hingewiesen. Das regt mich ein bisschen zum Nachdenken über Gesundheitssysteme an.

Viele von euch wissen, dass ich auch im US-MM-Forum aktiv bin. Dort machen außer Amerikanern natürlich auch Patienten aus allen anderen Englisch-sprachigen Ländern dieser Welt mit. So bekommt man einen Überblick über verschiedene staatliche Gesundheitssysteme.

Das britische Gesundheitssystem ist sehr mager (s. Schottland). Krebs-Nachsorge wie bei uns gibt es nicht. Man wird nur behandelt, wenn man Symptome hat. D. h. nach dem Rausschneiden des Primärtumors ist man sich selbst überlassen: selber Lymphknoten überprüfen usw. Es gibt auch keine adjuvanten Therapien. Aber es wird genauso MM-Forschung betrieben wie in anderen Ländern. Es finden etliche Studien statt.

In Australien ist die medizinische Versorgung ähnlich wie die britische: symptombezogen. Allerdings hat Australien eine vorbildliche MM-Präventionskampagne, vor allem in Schulen. Kinder dürfen in der heißen Mittagszeit 3 Stunden nicht raus, werden aufgeklärt über die Gefahren durch Sonne usw. Die australische Prävention war auch sehr schön bei den Australian Open zu sehen: Schiedsrichter und Balljungen mit langen Hosen und langen Ärmeln, Sonnenhut mit Nackenschutz. Nur die Spieler denken sich noch nichts beim Thema Sonne. Naja, irgendwann werden wir wohl auch mal einige Ex-Tennis-Profis in den MM-Foren dieser Welt begrüßen dürfen …

In den USA gibt es keine allgemeinen Nachsorge-Richtlinien. Jede Klinik und jeder Onkologe macht es etwas anders. Insgesamt kommt nach meiner Einschätzung in etwa das gleiche heraus wie bei uns: Stadium IV vierteljährlicher Komplett-Check, Stadium III viertel- bis halbjährliche Teil-Checks. Auch Stadium-I- und II-Patienten werden von ihren Onkologen regelmäßig zur Nachsorge gebeten (1-2mal im Jahr). Die Methoden der Untersuchungen sind in Amerika CT oder PET für die höheren Stadien. Sonografie gibt es dort kaum. Viele niedergelassene Onkologen tasten die Lymphknoten bei Stadium I und II nur ab. Forschungsmäßig liegt die USA an der Weltspitze. Nirgendwo gibt es so viele Studien wie dort.

Nun noch ein paar Worte zum Thema Krankenversicherung und soziale Absicherung in USA:
Man ist überwiegend über den Arbeitgeber versichert. Verliert man den Arbeitsplatz, so ist man nicht mehr krankenversichert – es sei denn über den arbeitenden Ehepartner. Kündigungsschutz gibt es in den USA nicht. Kranke werden oft gnadenlos entlassen und stehen dann ohne Versicherungsschutz da. Auch wenn man versichert ist, sind die Bedingungen der einzelnen Versicherungen ganz unterschiedlich. Hohe Selbstbeteiligungen sind oft normal. Immer wieder liest man von Patienten, die einige Tausend Dollar pro Jahr selbst bezahlen müssen.

Zu Anfang war die Mitarbeit im US-Forum psychisch sehr belastend für mich. Es arbeiten dort sehr viele Stadium-IV-Patienten mit. Die haben natürlich oft den Arbeitsplatz verloren, standen dann z. T. mit kleinen Kindern ohne Versicherung da usw. Und da es so viele in diesem Stadium sind, stirbt im Durchschnitt alle 1-2 Wochen jemand aus dem Forum. Dieses Tödliche an unserer Krankheit muss man erst mal verdauen lernen. Aber auch das kriegt man hin. Man selber wäre im Stadium IV ja auch froh, wenn man Unterstützung fände.

Ich habe – wie viele von euch – als Krebskranke gelernt, jeden Tag das Positive zu sehen und jeden Tag dem Schicksal dankbar zu sein, dass es mir gut geht. Ich genieße das Heute. Zu diesem Genießen gehört inzwischen auch die Zufriedenheit mit unserem Gesundheitssystem, weil es im Vergleich zu anderen Ländern gar nicht so schlecht ist.
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  #2  
Alt 30.01.2005, 16:44
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Standard Gedanken über Gesundheitssysteme dieser Welt ...

Hallo Monika,

deine Gedanken betr. der verschiedenen Gesundheitssysteme sind ja sehr interessant. Auch ich habe nicht gerade sehr gute Erfahrungen mit der "Wait and See"-Einstellung in Schottland gemacht. Ich habe darüber am 11.06.2004 unter 'Wächter-(Sentinel)-Lymphknotenbiopsie' berichtet. Es ist wohl sehr schwer zu verstehen, dass man einem erst einmal mitteilt (vom Dermatologen mit einem Trauergesicht), dass man weniger als 50% Chancen hat, ein malignes Melanoma mit 4 mm Tiefe mehr als 5 Jahre zu überleben. Ich mache keinen Spaß, so war's wirklich. Und keinerlei seelische Unterstützung von seitens der Ärzte oder des anderen Personals. Ganz knapp und zur Sache, was auch gute Seiten hat. Dann kam die Lymphknotensuche (-biopsie), die keine Lymphknoten unter meiner linken Achsel aufgefunden hat. Da gilt es den englischen Humor heraufzubeschwören und sich einzureden, dass man ein Kuriosum ist und halt keine hat.

Dann hat man mir anhand eines kleinen Modells gezeigt, wie man einen eventuellen geschwollenen Lymphknoten finden kann und mich wieder nach Hause geschickt mit der Empfehlung, dass ich halt warten soll, bis/ob andere Symptome auftreten.

Man gewöhnt sich an alles!! Und ich kann gott sei dank auch berichten, dass es mir soweit körperlich sehr gut geht und bis jetzt keine weiteren Symptome aufgetreten sind. Ich hoffe noch in diesem Jahr nach Deutschland umzuziehen (das sollte schon Ende 2004 stattfinden) und dann werde ich mir überlegen, ob ich weiteren Rat einziehe.

In der Zwischenzeit versuche ich mein Leben so positiv als irgendmöglich zu gestalten. Ich habe auch vor in 2006 beim "Great North Run" (21 km Lauf), der alljährlich im Herbst in Newcastle-Gateshead-South Shields stattfindet, teilzunehmen und habe angefangen, dafür zu trainieren (mit fast 60 benötigt man halt mehr Zeit!!!). Die Welt sieht für mich also lange nicht mehr so trübe aus und vielleicht ist das auch ein Weg zur Genesung, oder zumindest ein Beitrag dazu, zumal eine amerikanische Studie kürzlich gezeigt hat, dass Stress und seelische Belastungen eine Rolle bei verschiedenen Krebserkrankungen spielen. Das war bei mir sicher ursprünglich der Fall. Warum sollten also erfreuliche Dinge nicht einen positiven Einfluß haben.

Im übrigen hätte ich gerne Sabines Beitrag zu dem Thema schottische Nachsorge-Richtlinien gelesen, kann ihn aber nicht finden.

Mit herzlichem Gruß
Helga
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  #3  
Alt 07.02.2005, 06:37
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Standard Gedanken über Gesundheitssysteme dieser Welt ...

Hallo Monika und Helga,

find ich interessant, wenn man mal lesen kann, was woanders so los ist und wie die Nachsorge da gehandhabt wird.

Helga, mein Beitrag mit dem betreffenden Link müsste irgendwo auf den letzten Seiten unter "Malignes Melanom" stehen - guck da doch nochmal nach.

Tschüssiii und einen guten Wochenanfang.

Sabine
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  #4  
Alt 07.02.2005, 21:56
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Standard Gedanken über Gesundheitssysteme dieser Welt ...

Hallo Sabine,

vielen Dank für den Wegweiser. Beim Suchen durch den Thread habe ich so allerhand Interessantes gefunden. Aber dein Link zum Artikel über die mögliche Metastasierung war wohl das allerbeste. Es hat doch was für sich, wenn man in die reiferen Jahre kommt - Metastasen kommen weniger häufig vor. Den anderen Link zu den schottischen Richtlinien muss ich mir noch genauer anschauen. Da ist auch einiges sehr interessant.

Also nochmals vielen, vielen Dank für die viele Mühe, die du dir da gemacht hast. Und morgen werde ich (viel unbeschwerter) nach Deutschland fliegen und meine 3 Tage dort voll geniessen.

Tschüßle und auch eine schöne Woche.
Helga
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