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Alt 21.04.2009, 20:05
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Ylva Ylva ist offline
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Standard Erhöhtes Krebs-Risiko bei Pflegepersonal in Schichtarbeit

Erhöhtes Krebs-Risiko bei Pflegepersonal in Schichtarbeit

KÖLN (dpa). Schichtarbeiter wie Krankenschwestern sowie Flugpersonal haben einer Analyse zufolge ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Beim Flugpersonal sei ein um 70 Prozent höheres Brustkrebsrisiko ermittelt worden, für Prostatakrebs stieg das Risiko um 40 Prozent. Ähnliche Daten wurden etwa für Krankenschwestern mit Schichtarbeit ermittelt.




Ausgewertet wurden insgesamt 30 Studien aus aller Welt zum Thema Schichtarbeit und Krebs mit jeweils größeren untersuchten Gruppen. Das teilte Institut für Arbeitsmedizin der Universität Köln am Mittwoch mit.
Für Schichtpersonal - den Schwerpunkt bildeten hierbei Krankenschwestern - seien ähnliche Zahlen ermittelt worden, sagte Institutsleiter Privatdozent Thomas Erren auf Anfrage. Dabei ging es in den Untersuchungen vor allem um Nachtarbeit, aber auch um den Wechsel von Früh-, Spät- und Nachtschichten.
Die Resultate der Meta-Analyse nannte der Wissenschaftler "verblüffend". Die Internationale Agentur für Krebsforschung - eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation WHO - habe bereits Ende 2007 bestimmte Formen der Schichtarbeit als krebserregend eingestuft, sagte der Kölner Wissenschaftler. Zugleich habe die Agentur aber eingeschränkt, dass diese Einschätzung noch "suggestiv" sei.
Die Auswertung der 30 Studien in Köln habe nun quasi als Querschnitts-Ergebnis klar zutage gefördert, dass das Krebsrisiko bei dem untersuchten Flug- und Schichtpersonal in jedem Fall statistisch signifikant erhöht ist.
Zugleich habe sich aber gezeigt, dass künftige Untersuchungen zu dem Thema besser miteinander vergleichbar sein müssten, um zu einer verlässlichen Aussage zu kommen. Dazu seien international einheitliche Standards nötig und auch Untersuchungen von Schichtarbeitern aus anderen Berufsgruppen.
Lichtverhältnisse und Melatonin spielen nach bisherigen Erkenntnissen eine große, aber nicht allein entscheidende Rolle

Besonders die Lichtverhältnisse und das Hormon Melatonin spielten nach bisherigen Erkenntnissen "eine große, aber nicht die allein entscheidende Rolle", erklärte Erren. Das Licht - wichtigster "Zeitgeber" für den Körper - beeinflusse die Produktion von Melatonin: Das Hormon wird nur bei Dunkelheit produziert. Tierversuche hätten deutlich gezeigt, dass Melatonin vor Krebs schütze. Es sei zwar falsch, wenn man dieses Ergebnis einfach auf den Menschen übertragen wollte, betonte Erren. Es sei aber davon auszugehen, dass eine Veränderung des Melatoninspiegels das Risiko für eine Krebserkrankung erhöhen könne.
Bei dem noch jungen Forschungsfeld müsse auch das Thema Nahrungsaufnahme untersucht werden, sagte Erren. Diese sei bei Schichtarbeitern und Flugpersonal, das durch verschiedene Zeitzonen fliege, deutlich verändert.


Quelle: aerztezeitung.de




WHO-Studie

Nachtschichten steigern das Krebsrisiko
Quelle: stern.de

Von Claudia Wüstenhagen

Wer häufig nachts arbeitet, erhöht sein Risiko, an Krebs zu erkranken. Davor warnt das Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach Auswertung verschiedener Studien. Bislang jedoch beziehen sich die Daten vorwiegend auf Krankenschwestern.

Die Warnung der Forscher der "International Agency for Reserach on Cancer" (IARC) ist beunruhigend. In einer Studie, die in der Dezemberausgabe des Magazins "The Lancet Oncology" erscheint, kommen sie zu dem Ergebnis, dass wechselnde Schichten mit Nachtarbeit als "wahrscheinlich krebserregend" einzustufen sind. Ihre Einschätzung basiert vorwiegend auf Studien mit Krankenschwestern und Stewardessen, die besonders häufig von rotierenden Schichten mit Nachtarbeit betroffen sind.

Sechs von acht epidemiologischen Untersuchungen ergaben, dass Frauen, die über einen langen Zeitraum immer wieder nachts arbeiten, ein "mäßig" erhöhtes Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken. Bei einer Studie mit amerikanischen Krankenschwestern lag das relative Risiko sogar bei 79 Prozent. Zudem stützen sich die IARC-Forscher auf Tierstudien, bei denen eine permanente Beleuchtung oder Zeitverschiebungen wie beim "Jetlag" mit einem deutlich erhöhten Tumorrisiko einhergingen.

Nachtschichten stören die biologische Uhr

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Entstehung von Krebs begünstigt wird, weil wechselnde Arbeitszeiten mit Nachtschichten den 24-Stunden-Rhythmus des Körpers durcheinander bringen. "Man nimmt an, dass der Einfluss auf den Melatoninspiegel als Hauptmechanismus dahinter steckt", sagt Eva Schernhammer, eine Professorin der Harvard Medical School, die seit einigen Jahren den Zusammenhang von Nachtschichten und Krebserkrankungen untersucht. Ihre Studien gehören zu den Arbeiten, auf die sich die IARC-Einschätzung stützt.

Melatonin, das der Körper nachts ausschüttet, ist ein "Hormon der Dunkelheit". Licht in der Nacht unterdrücke die Produktion, erklärt Schernhammer. Problematisch ist das deswegen, weil Melatonin wahrscheinlich die Entwicklung von Krebszellen einschränkt. Mit anderen Worten: Wer seine Nächte nicht im dunklen Schlafzimmer verbringt, sondern in einer hell erleuchteten Krankenhausstation Patienten bewacht oder im Flugzeug permanent Zeitzonen überquert, bietet Krebszellen langfristig offenbar verbesserte Bedingungen.

Jedoch seien gewisse Fehlerquoten bei den ausgewerteten Studien nicht ausgeschlossen, räumen die IARC-Wissenschaftler ein. Stewardessen etwa seien relativ starker kosmischer Strahlung ausgesetzt, was das erhöhte Krebsrisiko ebenfalls erklären könne. Zudem seien die Beweise für eine krebsfördernde Wirkung der Nachtarbeit begrenzt. "Dieses Feld ist noch jung", sagt die Harvard-Professorin Schernhammer. Noch gebe es zu wenige Studien. Auch hätten Forscher den genauen Zusammenhang von Melatoninspiegel und Krebsrisiko bislang nicht eindeutig geklärt.

Rotes Licht ist kaum praktikabel

Von Vorsichtsmaßnahmen wie etwa der Einnahme künstlicher Melatoninpräparate rät Schernhammer ab. Die langfristigen Nebenwirkungen könnten ebenfalls gesundheitsschädlich sein. Auch die Möglichkeit, die Lichtquelle zu wechseln, sei nur bedingt praktikabel. Zwar ist bekannt, dass langwelliges rotes Licht die Melatoninproduktion weniger unterdrückt als kurzwelliges blaues Licht. Doch mit rotem Licht am Arbeitsplatz könnte ein anderes Problem auftreten: Sinkt der Melatoninspiegel weniger stark, werden Nachtarbeiter müde und womöglich unkonzentriert.



Mich beschäftigt das Thema, weil meine Mutter (Krankenschwester) und zwei Kolleginen von mir (Krankenschwestern) an Brustkrebs erkrankt sind.
Ich weiß, dass es unwarscheinlich viele Studien gibt und das es jeden treffen kann, aber wie würdet ihr diese Artikel beurteilen?

Gruß
Ylva
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  #2  
Alt 25.04.2009, 20:32
Dirk1973 Dirk1973 ist offline
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Registriert seit: 22.11.2006
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Beiträge: 2.243
Standard AW: Erhöhtes Krebs-Risiko bei Pflegepersonal in Schichtarbeit

Auf alle Fälle mega-interessant. Vielleicht gelingt es ja, die Forschungsergebnisse hierzu im Auge zu behalten.
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