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Alt 07.03.2010, 18:05
Nicole82 Nicole82 ist offline
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Standard Neuvorstellung & Geschichte malignes Melanom

Hallo ihr Lieben,

mein Name ist Nicole, ich bin 27 und hab heute zu euch gefunden. Ich weiß eigentlich garnicht so genau, was ich mir von diesem Forum erhoffe, aber ich dachte es kann nicht schaden, sich alles mal irgendwo von der Seele zu schreiben, denn 90% meines Umfeldes sind mit meinen Gefühlen scheinbar restlos überfordert.

Im Moment befinde ich mich im Hauttumorzentrum Erfurt, aber am besten, ich fange mal ganz von Vorne an.

Im Sommer letzten Jahres bemerkte ich an meinem rechten Oberschenkel eine Art Warze, befand das aber nicht für ungewöhnlich, denn meine Haut bildet öfter mal unerklärliche "Auswüchse", die dann meist von allein wieder verschwinden. Im Oktober färbte sich die vermeintliche Warze quasi über Nacht schwarz, es kann auch 2 Tage gedauert haben, ich habe jedenfalls in der Badewanne festgestellt, das der Auswuchs nicht mehr zartrosa, sondern dunkelbraun bis schwarz war. Ich machte mir schon ein paar Gedanken, dass das Ding sicher entfernt werden muss, aber wirklich an Krebs gedacht hab ich auch da noch nicht.

Ich habe eigentlich (wie die meisten Menschen) gedacht, das mir das schon nicht passieren wird, und wenn doch ist das keine große Sache. Unwissend wie ich war dachte ich nämlich, Hautkrebs ist nur eine oberflächliche Sache und wird weggeschnibbelt - damit ist der Fall erledigt, dachte ich. Ich ging also mit meinem Neu-Schwarzen Fleck zum Hausarzt und ließ das bei einer anderen Untersuchung mal beiläufig mit anschauen. Sieht gutartig aus, glatte Ränder, glatte Oberfläche, man erzählte mir irgendwas von einem gutartigen Tumor der von den Gefäßen ausgeht, nichts tragisches, aber weg müsste es sicherlich. Somit hatte ich die Überweisung in der Tasche. Einen Termin bekam ich allerdings erst im Januar, und das auch nur mit Glück und Vitamin B, denn in Suhl (da wo ich herkomme) gibt es ganze 3 Hautärzte die immer mindestens ein halbes Jahr ausgebucht sind.

Nun saß ich also guter Dinge bei der Hautärztin, die mir im großen und ganzen das gleiche erzählte, wie die Hausärztin, alles sieht gut aus, mach dir mal keinen Kopf Mädel. Da sie keine OP-Termine in der nächsten Zeit frei hatte, überwies sie mich in die Helios-Klinik nach Erfurt, zum Entfernen und untersuchen des Tumors. Nach einer kleinen Lokalanästhesie war ich das ding auch in 5 Minuten los und der festen Meinung, damit ist der Fall erledigt. So ein 8 mm großer schwarzer Hückel auf dem Schenkel ist ja nun keine schöne Sache und ich war froh, ihn los zu sein, und stolz wie Oskar, meine erste lokalanästhesierte OP tapfer überstanden zu haben. Die Ärztin sagte noch, wir melden uns nur, wenn es bösartig ist, ansonsten geht der Befund nur an die Dermatologin.

Es verging nichtmal eine Woche und die Klinik rief mich zur Befundbesprechung. Nagut, dachte ich, ist es halt was bösartiges und wird nochmal nachgeschnitten, Krebs ist das sicher nicht. Aber als ich dann auf der Pritsche saß und die Ärztin mir sagte, das der schlimmste aller Fälle eingetreten ist, brach meine ganze Welt zusammen, immerhin hatte ich mich ja inzwischen belesen und Dinge im Kopf wie "...aggressivste Krebsart überhaupt..." und "...5-Jahres-Überlebensrate..." und "...keine wirklich wirksame Chemotherapie..." und, und, und... Die Ärztin versuchte mir zu vermitteln, das es schon fortgeschritten ist, da die Tumordicke 3 mm beträgt, das ich glücklich leben soll (was für mich in dem Moment nach Todesurteil klang, und nicht nach einer Erklärung des Einflusses der Psyche auf die Heilung), und den Satz, den ich nie vergessen werde: "Sie stehen mehr auf der Seite des Lebens, als auf der des Todes". Klingt nach 60/40.

60/40 ist ganz schön scheiße für jemanden, der bis vor einer Minute noch dachte, Krebs kann mir in meinem Alter nicht passieren. Nunja, durch die hohe Tumordichte wurde dann eine Nachextraktion gemacht mit einem Sicherheitsabstand von 2 cm. Wohl der Höchstmögliche. In die Tiefe wurde bis auf den Muskel geschnitten. Das Kreisrunde Loch hat einen Durchmesser von 10 cm und eine geschätzte Tiefe von 2,5 cm. Sieht ganz schön eklig aus, aber scheißegal, Hauptsache, ich lebe. Die beidenn Wächterlymphknoten wurden ebenfalls entfernt. Nun erstmal wieder nach Hause und in 2 Wochen zur Befundbesprechung.

Gleich nachdem ich zu Hause war musste ich zum Röntgen und zum Ultraschall. Alles Routine Mädel, das wird immer gemacht, fast alle meine Hautkrebspatienten entlasse ich nach 10 Jahren ohne neue Befunde in die Gesundheit. Der Tag, an dem ich zu den Untersuchungen musste war der erste, an dem es mir psychisch etwas besser ging und ich nicht jede Minute des Tages mit heulen verbrachte. Ich weiß noch wie ich dachte: "ich frag nicht ob er was sieht, ich lass mir die Laune heute nicht schon wieder verderben, nein, ich frag nicht". Aber der Doc sagte auch ungefragt, was Sache war. Nichts zu sehen, Gott sei Dank.

Der Termin zur Befundbesprechung lag auf einem Freitag. Ich hatte natürlich auch wieder im Internet umhergestöbert und damit erfahren, das 3 mm Tumordicke verdammt viel sind. Ich hatte auch gelesen das die Streuung zunimmt je größer die Tumordicke ist. Ich hatte so eine Wahnsinnsangst, das ich in der Klinik anrief, und den Termin verschob, weil mein Partner am Wochenende hätte arbeiten müssen und ich allein gewesen wäre. Im Falle eines negativen Befundes wär ich dazu nicht in der Lage gewesen. Ich bin da schon ein echtes Weichei. Ich hab es nach der Diagnose "schwarzer Hautkrebs" in den ersten Tagen kaum ausgehalten, wenn mein Freund mit dem Hund draußen war.

Am Montag kam ich dann allerdings um das Gespräch nicht drumrum. Ich war der festen Überzeugung, das die Knoten befallen sind. 3mm Dicke, stand für mich fest, müssen gestreut haben, denn ich hatte im Netz von sehr viel kleineren Dicken gelesen, die schon in Organe metastasiert hatten. Und der Druck war so groß, schließlich hatte ich ja gelesen, das bei befallenen Lymphknoten die Überlebensrate zwischen 10% und 40% liegt. Als die Ärztin dann sagte, das nichts gefunden wurde, heulte ich laut vor Erleichterung. Das war der Moment in dem ich das allererste Mal dachte, das ich überlebe.

Nun sitze ich hier, 4 Wochen nach der Nachextraktion des hochrisiko Melanoms, und warte darauf wie es weitergeht. Geplant war eine Hauttransplantation. Aber da das Loch mittlerweile nur noch 5 cm Durchmesser hat und ich zwischen Transplantation und einfach zusammenwachsen lassen kaum Unterschiede feststellen kann, überlege ich, die Transplantation bleiben zu lassen. Wer weiß, was mir noch bevor steht, ich möchte nicht unnötig an mir rumschnibbeln lassen, und laut der Doktorin würde es auch nur noch 4 bis 6 Wochen bis zur Verheilung der Wunde dauern. Keine großartige Zeitspanne, wie ich finde. Dazu kommt die ewige Bettruhe und das ewige ruhig lagern nach einer Transplantation. Ich bin ein sehr aktiver Mensch und schon die 2 Tage Bettruhe nach der Nachextraktion waren schlimm für mich.

Außerdem stehe ich vor der Entscheidung: Immuntherapie oder nicht? Ich habe heute zum ersten Mal von der Nebenwirkung "Depression" gehört. Ich bin zwar nicht depressiv, aber die Veranlagung trage ich von der Familie her durchaus in mir, meine Mutter war lange zeit depressiv und hatte verschiedene Angststörungen und auch nach der Geburt meiner Tochter litt ich an Wochenbettdepressionen. Nichtsdestotrotz möchte ich eigentlich jede noch so kleine Chance nutzen, die es gibt, und wenn auch nur die entfernteste Möglichkeit besteht, das die Interferontherapie hilft, möchte ich sie nutzen. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen mal so aufschreibt. Auch und vor allem Erfahrungen zum Thema Alternativmedizin, was kann ich Therapiebegleitend machen? Auch über die Themen Ernährung und Sport als Krebspatient möchte ich gerne mehr wissen.

Ich danke denjenigen, die diesen Text tatsächlich bis zu Ende gelesen haben =) und freue mich über nette Kommentare.

Liebe Grüße, Nicole

Geändert von Nicole82 (07.03.2010 um 18:30 Uhr) Grund: =)
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