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  #1  
Alt 22.11.2017, 06:03
Letti Letti ist offline
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Standard Chemo immer bei BSDK ohne metastasen?

Hallo zusammen, bei meinem Freund wurde am 19.10.17 BSDK diagnostiziert. An 14.11. war nun die Whipple op. Alle tumore sind raus nebst milz Galle bsd und Stück 12fingerdarm. Metastasen wurden keine gefunden.
Wird im Anschluss immer eine chemo gemacht oder wird die wenn keine metastasen da sind nur begleitend empfohlen? Mein Freund will keine und ich kann ihm nach allem was ich gelesen habe auch keine empfehlen wenn sie nicht unbedingt sein muss.

Mein Freund kommt mit der Krankheit nicht klar. Er hat sich völlig aufgegeben.
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  #2  
Alt 22.11.2017, 21:24
TimW TimW ist offline
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Standard AW: Chemo immer bei BSDK ohne metastasen?

In der Regel kommt nach der Operation eine Chemotherapie um nicht operierbaren Tumorreste zu vernichten.
Es gibt verschiedene Arten von Chemo für BSDK und die behandelnden Ärzte werden sich die Wahl nicht leicht machen.

Vielleicht ist der "blaue Ratgeber für BSDK" etwas für dich um sich Grundlagenwissen über Behandlungsmöglichkeiten nach der Whipple anzueignen.

In den letzten Jahren haben sich durch neue Chemotherapien die Verträglichkeit dieser und die Überlebensprognosen bei OP + Chemo verbessert, sich aufgeben ist wirklich nicht angebracht!
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  #3  
Alt 23.11.2017, 13:04
dagehtnochwas dagehtnochwas ist offline
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Standard AW: Chemo immer bei BSDK ohne metastasen?

Hallo Letti,
leider eine schlimme Diagnose die dein Freund da hat. Wenn du einmal nach der S3-Leitlinie "Exokrines Pankreaskarzinom" suchst, dann kannst du darin die entsprechenden Empfehlungen lesen.

Zitat:
Empfehlung
Nach R0 Resektion eines Pankreaskarzinoms im UICC Stadium I III soll eine adjuvante Chemotherapie durchgeführt werden.
Zitat:
Begründung
Nach R0-Resektion ohne Vorliegen von Fernmetasen konnte in drei randomisierten Phase-III-Studien und in einer Metaanalyse ein Vorteil im krankheitsfreien Überleben durch eine adjuvante Chemotherapie im Vergleich zu alleiniger Chirurgie gezeigt werden. Das mediane Überleben liegt bei bis zu 24 Monaten. Das 5-Jahresüberleben lag in den randomisierten Studien nach adjuvanter Chemotherapie mit Gemcitabin oder 5-FU bei ca. 20 %, während es im Arm mit alleiniger Chirurgie bei ca. 10% lag. Die Nebenwirkungen der eingesetzten Therapien waren relativ gering, im Bolus 5-FU Arm trat aber mehr Mukositis auf als unter der Gemcitabintherapie.
Quelle:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szlei...erlaengert.pdf

Eine Chemotherapie steigert die Wahrscheinlichkeit noch in 5-Jahren zu leben um 10Prozentpunkte auf 20%. Eine Frage der persönlichen Einstellung ob man das als veritable Chance erkennt. Sicherlich muss dein Freund aber aus der Trostlosigkeit heraus, die Einstellung hat einen erheblichen Einfluss auf das Überleben.

LG dagehtnochwas
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Seneca (4 v.Chr. - 65 n.Chr.)
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  #4  
Alt 23.11.2017, 15:31
Letti Letti ist offline
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Standard AW: Chemo immer bei BSDK ohne metastasen?

Danke dir dafür. Was soll ich noch tun? Ich hab ihn angefleht (vor der OP) die Chemo zu machen. Wenn nicht für mich, dann wenigstens für seinen Sohn (20, nicht mein Kind, hat Februar diesen Jahres gerade seiner Mutter verloren). Er hat mir mehrmals gesagt, dass für ihn feststeht, dass er die zu 100 % nicht macht. Ich hab ihm gesagt, ich begleite ihn durch die Chemo. Er kann auf mich zählen. Das bedeutet für mich auch meinen gesamten Urlaub und auch unbezahlten Urlaub zu nehmen, da ich 400 km von ihm entfernt wohne. Er will es nicht. Der ist so stur, ich denke da können auch die Ärzte ihn nicht von überzeugen das zu machen. Er hat alles geregelt für den Fall dass das schlimmste eintritt. Unmittelbar nach der Diagnose hat er Schluss gemacht. Er will die Zeit die ihm noch bleibt alleine durchstehen und die Zeit wäre nicht mehr lang. 9 Tage zuvor hat er noch geschrieben wie sehr er mich liebt und mich vermisst und eine Zukunft mit mir will. Keine 2 Wochen zuvor haben wir noch ein glückliches Wochenende miteinander verbracht. Ich hab ihn angefleht mit mir nach Heidelberg zu fahren wegen einer 2. Meinung. Kein Durchkommen bei ihm. Ich weiß auch nicht in welchem KH er ist, er hat es mir nicht gesagt und strikt verboten zu kommen. Am 9.12. hat er Geburtstag. Den wird er nun allein im KH verbringen, evt. lässt er wenigstens seinen Sohn kommen. Er wollte mir auch nicht sagen, wann er operiert wird, er hat sich aber verplappert.
Nur durch meine Hartnäckigkeit und die kann groß sein, haben wir jetzt sporadisch über WhatsApp Kontakt. Er ist aber kaum in der Lage 2 Sätze zu schreiben. Seit Montag ist der Kontakt komplett abgebrochen. Da es ihm am Montag sehr schlecht ging (er hatte große Schmerzen trotz Schmerzmittel), mache ich mir natürlich Sorgen. Er hat wirklich mit sich und der Welt abgeschlossen. Ich hab ihm auch gesagt (vor der OP noch) sein Sohn muss sich ums Krankengeld kümmern, in das er ab nächster Woche fällt. War ihm egal ob und woher er Geld bekommt, braucht er nicht mehr.

Die Begründung für seine Ablehnung der Chemo ist, er hätte was mit der Lunge (keine Metastasen) und da würde die Chemo auch nicht helfen. Ja, er hat sicher was mit der Lunge, das sage ich ihm schon lange (sehr starker Raucher, 50 Zigaretten am Tag). Aber das muss man hinten anstellen, erst die Chemo, dann kümmern wir uns um die Lunge.

Meine Verzweiflung ist echt groß. Das schlimme ist, sein Sohn will mit mir nichts zu tun haben. Das heißt auch, wenn er wirklich sterben würde, ich würde es nie erfahren.

Geändert von gitti2002 (25.11.2017 um 01:01 Uhr)
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  #5  
Alt 23.11.2017, 16:53
dagehtnochwas dagehtnochwas ist offline
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Standard AW: Chemo immer bei BSDK ohne metastasen?

Hallo Letti,
da bist du in der Tat mit mit einem schweren Problem konfrontiert. Hier im Angehörigenbereich gibt es mehrere Threads die ein ähnliches Verhalten beschreiben, wie du es hier geschildert hast - nach der Diagnose Rückzug auf da eigene ICH (grob gesagt). Vielleicht ist diese Beschreibung auch ähnlich einem sich bei Gefahr zusammenkugelnden Igel, der hofft auch sich mit seinen Stacheln alles feindliche vom weichen Leib halten zu können. Die Diagnose BSDK wie die auch vieler anderer Krebse ist einfach so dermaßen hart und unmenschlich das die Verarbeitung dessen ein ganze Weile dauert. Die Strategien dabei sind sicherlich auch ganz unterschiedlich, je nachdem wie der Mensch so angelegt ist, manche können nach einer Zeit des Sortierens und des Verarbeitens den Kampf aufnehmen, manche erkennen möglicherweise gar nicht die schwere der Erkrankung oder leugnen sie - ob das am Ende eher besser oder schlechter ist, kann ich nicht sagen. Manche, wie vielleicht dein Freund gegen sofort den Kampf auch und strecken die Waffen, sicherlich nicht besonders hilfreich für eine Gesundung - mglw. macht so eine Einstellung das auch unmöglich.
Ich hatte verstanden das dein Freund bereits operiert ist, ist er jetzt immer noch wegen der Wipple im Khs?
Offen gestanden würde ich meinen das du aus der Entfernung kaum eine Chance hast ihn auf einen anderen Weg zu bringen. Er müsste wenigstens geneigt sein sich andere Meinungen anzuhören, vielleicht zu hören wie seine persönlichen Chancen gesehen werden, die können ja durchaus besser sein als die Statistik es suggeriert. Er müsste dringend etwas für seine Gesundheit tun, Zigaretten sind u.a. eine Ursache für BSDK. Vielleicht könnte ein Psychoonkologe ihm ein wenig den größten schrecken nehmen - ich kann immer nur sagen, dass es mir sehr geholfen hat die Ängste und die Hoffnungslosigkeit zu bezwingen.
Das sind aber alles Dinge die benötigen zu aller erst eine eigene Motivation des betroffenen, so lange die Stachelkugel sich nicht öffnet, prallen alle guten Wünsche daran ab.
Ich bin kein Psychologe und es ist meine Sicht - das schreibe ich sicherheitshalber dazu ;-).

LG dagehtnochwas
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  #6  
Alt 23.11.2017, 17:21
Letti Letti ist offline
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Standard AW: Chemo immer bei BSDK ohne metastasen?

Ja er ist am 14.11. operiert worden. Er war bis 17.11. auf Intensiv und jetzt (hoffentlich noch) auf Normalstation. Ich habe ihm am Montag geschrieben, dass er aus meiner Sicht auf Grund dessen dass er keine Metastasen hat eine echte Chance hat. Ich habe das Thema Chemo gar nicht angesprochen, bringt ihn höchstens auf 180, mehr nicht. Stand Montag: Er durfte noch nicht aufstehen und auch noch nichts essen. Also ich glaube nicht, dass sie ihn in dem Zustand entlassen haben. Er schläft den ganzen Tag und dann die Schmerzen. Er wäre zu Hause auch fast den ganzen Tag alleine (Sohn arbeitet). Ich weiß ja noch nicht einmal wie er eigentlich nach Hause kommen will wenn er entlassen wird. Vielleicht mit Krankentransport. Er hat niemanden, der ihn fahren kann. Ich bin mir auch sicher, dass außer seinem Sohn und mir keiner vom BSDK weiß. Auch seine Eltern nicht. Das Thema Pflegedienst habe ich noch gar nicht angesprochen, der springt mir sonst aus dem Fenster. Auch SBA habe ich noch nicht angesprochen. Ich habe das alles gelassen.
So kampflos kenne ich ihn gar nicht. Wir haben viele Jahre für unsere Beziehung gekämpft (lange Geschichte) und er hat nie den Kampf aufgegeben, sonst wäre er nicht mein Freund geworden. Er hat zu mir noch vor der OP gesagt, es gibt kein "uns" mehr und wird es auch nicht mehr geben.
Er wollte auch nicht, dass ich ihn so sehe. Ich bin als er am 2.11. ins KH kam wegen starker Schmerzen trotzdem hingefahren. Auch da hat er mir nicht gesagt, in welchem KH er ist. Aber 4 Telefonate später war ich schlauer. Er war wütend, hat mich weggeschickt und gesagt, ich würde seinen letzten Wunsch nicht respektieren. Er sah da sehr schlimm aus. Er war grün und gelb, gelbe Augen. Alles fing ja mit einem Gallenverschluss und einer Gelbsucht an. Da wurde der BSDK diagnostiziert.

Ich habe ihm übrigens auch zum Psychologen geraten. Dazu hat er nichts gesagt. Ich brauche übrigens auch bald einen. Zur Änderung der Gesundheit: Als ich ihn Anfang November im KH besucht habe, was hat er gemacht? Geraucht draußen. Auf meinen Hinweis, dass BSDK auch vom Rauchen kommt, meinte er nur: Jetzt ist eh alles egal. Das Wort Krebs nimmt er selbst übrigens nicht in den Mund. Er verdrängt es.

Ich würde ihm gerne helfen, ihm zumindest beistehen. Aber er will es ja nicht. Ich hab anfangs gedacht, es ist ein Hilfeschrei, wenn er alles ablehnt. Aber das er mich weggeschickt hat, als ich ihn besucht habe (er hat sogar gedroht, mich aus dem KH schmeißen zu lassen), hat mir gezeigt, dass er es wirklich nicht will.

Geändert von gitti2002 (25.11.2017 um 01:02 Uhr)
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  #7  
Alt 24.11.2017, 12:38
dagehtnochwas dagehtnochwas ist offline
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Standard AW: Chemo immer bei BSDK ohne metastasen?

Hallo Letti,
leider lässt sich zu dem Thema kaum noch etwas schreiben wenn der erkrankte komplett verweigert. Vielleicht lässt sich ja die Sozialberatung/Psychologie im behandelden Krankenhaus auf ihn "hetzen". Man bekommt die Sozialberatung sicher ans Telefon und kann schildern das man der abgewiesene Lebenspartner ist und die Beratung versuchen soll ein wenig am Patienten zu arbeiten - das ist es aber auch dann gewesen.
Wenn dein Freund auch auf deine Bekundungen, das du ihm beistehst, du ihm Zeit lässt, etc. nicht reagiert, dann lass es einfach, so schmerzlich es klingt.
Vielleicht kann auch der Hinweis, dass es ja Überlebende gibt - auch hier im Forum, die Lebensgeister etwas wecken.

Mehr fällt mir allerdings nicht mehr ein - tut mir wirklich leid welchen Weg deine Beziehung nimmt.
Alles Gute!
LG dagehtnochwas
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Geändert von dagehtnochwas (24.11.2017 um 15:11 Uhr)
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