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  #1  
Alt 15.03.2018, 11:24
Unicorn78 Unicorn78 ist offline
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Registriert seit: 13.01.2018
Beiträge: 4
Standard Woher schöpft ihr Kraft ?

Hallo zusammen

vereint im gleichen Schicksal.... ich habe mich schon durch einige Beiträge hier gelesen - auch wenn mir immer wieder die Tränen in die Augen schiessen, so hilft auch das Wissen, nicht allein zu sein.

Irgendwo trifft es immer jemanden mit dem sch*** Krebs, so oft hört man davon und plötzlich betrifft denn lieben Menschen neben dir und nichts mehr ist so, wie es war...

mein Papa war 2x an Krebs erkrankt und gilt inzwischen als geheilt- bei ihm waren die Prognosen immer gut und ich war auch immer guter Hoffnung, dass alles gut ausgeht.... und nun traf es jetzt im Winter meine Mama.

Müllerscher Mischtumor - ..... ein ganz fieser Bruder, was ich so gelesen habe und dieses Mal kamen sofort grosse Ängste bei mir auf....und die Gewissheit, dass dieser Gegner dieses Mal eine ganz andere Nummer ist...
wie wurde Anfang Januar operiert (Wertheim OP) alles schien ausgeräumt und dann plötzoich im CT vor der Chemo..... weitere verdickte Lymphknoten, mit positiver Punktion (Krebszellen vorhanden).

Nun wurde die 1 Chemo gefahren und es war von einer Mittel die Rede, welches wohl noch nicht zugelassen - bzw die Zulassung nicht beantragt wurde, weil diesen Tumor so wenige haben, dass es viel zu teuer wäre. was sie nun aber bekommen hat, waren 2 gängige Chemomittel
Carboplatin + Paclitaxel - was uns nun irritiert und wir der Sache auf den Grund gehen möchten...

Überhaupt ist man als Laie diesem Dschungel mit Therapien so ausgeliefert, dass es wirklich manchmal schwer ist da einen klaren Kopf zu behalten.
Habe auch gehofft, nie zu diesem Thema im Internet recherchieren zu müssen

Meiner Ma geht es bisher gut, sie ist tapfer und steckt den Kopf nicht in den Sand.
Mein Vater ist schwach, wenn er alleine ist, aber für sie stark.
Auch ich versuche nur in stillen Momenten meinen Tränen freien Lauf zu lassen und meiner Mutter Kraft zu geben - es wird sicherlich noch ein schwerer Weg, der nun vor uns liegt...

Woher zieht ihr eure Kraft ? nutzt ihr Selbsthilfegruppen oder ggf
psychol. Unterstützung ? Holt euch Kraft von Freunden?
Irgendwie hat man ja auch immer Sorge sein Umfeld zu arg damit zu belasten... ist ja auch ein schweres Thema, wo viele Menschen auch nicht so gut mit umgehen können.

Schön, dass es zumindest in Zeiten des WWW schon solche Plattformen gibt wie diese, wo man den Kontakt zu anderen Betroffenen findet

Liebe Grüße aus Niedersachsen
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  #2  
Alt 15.03.2018, 16:11
Anni84 Anni84 ist offline
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Registriert seit: 25.11.2008
Beiträge: 38
Standard AW: Woher schöpft ihr Kraft ?

Hallo Unicorn (ich mag den Namen sehr ),

erst mal tut es mir sehr leid, dass deine Mama und eure Familie auch zu diesem doofen Club gehört. Als Angehöriger weiß man nie so recht, wie man sich verhalten soll und wo man am besten Kraft herbekommt - ich glaube, das ist ein sehr individueller Prozess und hängt vermutlich auch von der eigenen Konstitution und anderen Einflüssen ab. Ich glaube, mit Seelenmetastasen lässt sich das ganz gut umschreiben - und die können eben auch Angehörige betreffen.

Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen. Meine beste Freundin, Gott schütze sie, ist wirklich IMMER da und hört sich auch meine unsinnigsten Ängste an. Mein Freundeskreis hat mich nie mit Samthandschuhen angepackt und war auch einfach da - zum Trösten, Zuhören, Ablenken, Weinen und Lachen gleichermaßen. Und ja, ich hab mich in Therapie gegeben, einfach weil es dann doch manche Dinge gibt, über die man schwer zuerst mit Freunden sprechen kann. Ich muss ehrlich sagen, Selbsthilfegruppen haben mich abgeschreckt. Aber ich wohn auch so beschissen ländlich, dass ich vermutlich weitere Strecken hätte fahren müssen, und das hätte die ohnehin schon recht zerbrechliche Normalität weiter gestört.

Aber was ich dir sagen kann (auch aus meiner Erfahrung): Unser "Club" ist riesengroß. Leider. Will heißen, allein von meinen engsten Freunden hatten drei Elternteile mit Krebs in der Vergangenheit, noch mehr haben irgendwelche Verwandte oder Bekannte, die sich schon damit haben rumschlagen müssen. Das gleiche gilt für meine Kollegen - ich arbeite in einem sehr frauenlastigen Beruf und Brustkrebs (der Krebs meiner Mama) ist da in etwa der Häufigkeit vertreten, wie man ihn in den Statistiken kennt. Gerade die Gespräche mit ihnen taten mir unheimlich gut. Einfach nur verstanden zu werden, gesagt zu bekommen "So wie du dich jetzt fühlst, ist völlig normal. Bitte zwing dich nicht dazu, stark zu sein", hat mir so viel gegeben. Und deshalb sag ich es jetzt auch dir:

Da, wo du jetzt bist, war jeder Angehörige schon (du ja selbst leider auch schon mit deinem Paps :/). Diese Angst ist völlig normal. Zwing dich nicht zum Starksein. Gönn dir schlechte Tage. Aber blicke nach vorne und such dir Menschen, die dir dabei helfen können. Ich schick dir viel Kraft <3

Alles Liebe

Anni
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  #3  
Alt 15.03.2018, 21:42
Clea Clea ist offline
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Registriert seit: 13.01.2017
Beiträge: 408
Standard AW: Woher schöpft ihr Kraft ?

Wie hat man das geschafft? Wie ist man durch diese Zeit gekommen?
Das weiß wie du ehrlich gesagt auch nicht mehr so genau.
Es ist schon über ein Jahr her.
Und wenn ich daran denke, schnürt es mir schon wieder die Kehle zu.
Ich hab mich gefühlt, als würde ich gar nichts mehr auf die Reihe bekommen.
Einzig bei meiner Mama im Krankenhaus war ich stark. Mein Papa hat viel geweint,
ich dort aber gar nicht. Es war wie ein Schalter, der sich umgelegt hat, Zack, ab jetzt stark sein, zack, ab jetzt aufhören.
Ich habe das gar nicht gesteuert, es war einfach so.
Butteranlage hat mir jede Nachfrage von Freunden und Kollegen, einfach weil ich merkte, dass sie Anteil nahmen. Jede Mail, jede Whattsapp tat gut.
Ich habe auch "Brieffreunde", die Chemo ganz selten nur sehe, aber öfter mit ihnen schreibe, denen habe ich viel geschrieben.
Und hier im Forum habe ich viel geschrieben und auch gelesen. Ich wusste, was auf uns zukommt. Das war schlimm, aber ich war wenigstens nie überdacht, wenn eine neue Hiobsbotschaft kam. Christina weiß, wenn ich selber Mal erkranken, möchte ich der Experte für meine Erkrankung sein, nicht irgendein Arzt.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, das stimmt irgendwie. Immer, wenn ich etwas loswerden konnte, ging es mir ein wenig besser.
__________________
Meine Ma
17.9.1957-19.2.2017, 59 Jahre, Lungenkrebs mit Hirnmetastasen
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  #4  
Alt 16.03.2018, 09:32
Mari57 Mari57 ist offline
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Registriert seit: 19.09.2017
Beiträge: 108
Standard AW: Woher schöpft ihr Kraft ?

Wir leben hier im Ort alleine, unser Kind wohnt mit Familie ca. 700 Km entfernt.
Andere Verwandte sind auch zu weit weg um aktiv zu helfen.
Unsere Freunde und Nachbarn sind alle Älter und haben zum Teil selber Pflegefälle zu Hause.
Ich nutze das Telefon oft oder wenn ich nicht reden mag, nutzte ich den PC um Nachrichten zu schreiben.
Außerdem habe ich, wie schon oft, ein Tagebuch angefangen. Das Schreiben, nur für mich, hat mir schon öfter geholfen. Es ist dann jeweils ein Tagebuch nur für den Anlass, z.*B. Unfall, OP oder Krankheit.

Zitat:
Zitat von Clea Beitrag anzeigen
Geteiltes Leid ist halbes Leid, das stimmt irgendwie. Immer, wenn ich etwas loswerden konnte, ging es mir ein wenig besser.
So erlebe ich es auch.
__________________
Gruß Mari57
----------------------------
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  #5  
Alt 16.03.2018, 13:25
Unicorn78 Unicorn78 ist offline
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Registriert seit: 13.01.2018
Beiträge: 4
Standard AW: Woher schöpft ihr Kraft ?

Danke für eure lieben Antworten

Status Quo ist bei mir, dass ich selbst gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe bin mit 2 chron. Erkrankungen und schnell merke, wenn der Stresspegel zu hoch wird.
Bekomme eine Erwerbsminderungsrente und hatte einen kleinen Job auf 450 Basis.
Ab der Diagnose von meiner Mama, ging es plötzlich so rapide bergab bei mir, dass ich seit Jahresbeginn nicht arbeitsfähig war und mich nun auch entschlossen habe, meinen Minijob aufzugeben.
Die Kraft, die ich habe, brauche ich nun an anderer Stelle und möchte den Spagat schaffen, dass ich für mich sorge, aber auch für meine Mama und meinen Papa da bin.

Einen Bruder gibt es nur noch auf dem Papier. Es hat mit unserer Familie gebrochen und daher bleibe ich als einziges Kind.
Die Tatsache, dass er mit meinen Eltern gebrochen hat und alle die Sorgen und Fragen meiner Eltern, nach dem Sinn und Zweck.... und was das vielleicht auch zur Erkrankung beigetragen hat, ist rein spekulativ.
Ich selbst bin aber davon überzeugt, dass sich Seele und Körper nicht trennen lassen...

meine Eltern haben ein gutes soziales Netzwerk, was ich schon mal sehr positiv und hilfreich empfinde, aber die Rolle als Kind ist natürlich noch einmal eine ganz andere.

Die finsteren Gedanken kommen bei mir gerade meist immer zur Nacht.... manchmal habe ich richtig Angst ins Bett zu gehen bzw, wenn die Nacht heran bricht...

die Idee mit dem Tagebuch finde ich gut. Das werde ich mal für mich aufgreifen.
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  #6  
Alt 16.03.2018, 17:21
Gerbera Gerbera ist offline
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Registriert seit: 26.03.2017
Beiträge: 146
Standard AW: Woher schöpft ihr Kraft ?

Liebe unicorn

Mein über alles geliebter Vater ist im November gestorbrn. Woher schöpfe ich Kraft? Was mir gut tut ist in der Natur zu sein, laufen oder joggen. Da fühle ich mich am nähesten zu meinem Vater. Seit Januar besuche ich alle 2 wochen eine Psychoonkologin. Es tut mur gut zu reden, zu weinen und dass mir zugehört wird. Weinen gibt mir auch Kraft auch wenn es im Moment selber schmerzhaft ist. Es gibt mir Kraft wenn ich etwas geniesse was auch mein Vater genossen hätte und an ihn denke. Überhaupt ist die Natur sehr wichtig für mein Wohlbefinden, im Wald, in den Bergen oder im Garten
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  #7  
Alt 16.03.2018, 21:51
Däumling Däumling ist offline
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Registriert seit: 01.01.2018
Beiträge: 89
Standard AW: Woher schöpft ihr Kraft ?

Hallo Unicorn,
das ist eine gute Frage.
Heute vor 7 Wochen verlor ich meinen Papa.
Es wurde mir seitdem oft gesagt, wie stark ich bin.
Wie ich das mache? Woher ich die Kraft nehme?
Ich sage dann gerne „der Apfel fällt nicht weit vom Birnenbaum“
Ich bin wie Papa. Er machte mich zu dem Mensch der ich bin.
Er gab mir mit, was mir jetzt das erste Mal wirklich geholfen hat.
Diese Ähnlichkeit war mir so vorher nie bewusst.
Er war der stärkste Mensch den ich kenne, selbst in Momenten wo einen die Last erdrücken hätte müssen.
Von Anfang an habe ich mir immer wieder gesagt „er will nicht, dass du traurig bist“
Wenn ich nicht weiter weiß frage ich mich „was hätte Papa jetzt gemacht“

Oft hilft es mir, an die schönen gemeinsamen Momente zu denken.
Das gibt mir immer etwas Antrieb.

Nur heute nicht so recht. Aber solche Tage gibt es.
Das ist nun also die Zeit „danach“

Uns blieben von Diagnose bis zum Tod 4 Monate.
Ich habe all meine Bedürfnisse hinten angestellt. Habe versucht ihm eine schöne Zeit zu bereiten.
Wenn mich die Traurigkeit überkam, habe ich mit meinen Freundinnen gesprochen. Soviel Rückhalt und Hilfe habe ich nicht erwartet und es tat so gut!
Reden hilft wirklich ungemein-und das obwohl das wirklich nie meine Stärke war.
Und dann ist da noch das kleine töchterchen dass soviel Lebensfreude hat. So unbedarft jeden Tag genießt und einem geht dann einfach das Herz auf.
Die kleine Maus hat mir am meisten Kraft gegeben.

Ich wünsche dir und deiner Mutter viel Kraft.
__________________
Alles Liebe
Däumling
———————
Geliebter Papa 21.11.1956-26.01.2018
Mein tapferer Kämpfer, mein Held, mein Herz.
———————
Papa: SPRK Diagnose 09/17, OP 10/17, Bestrahlung ab 12/17, Rezidiv wuchert ins Bronchialsystem Ende Dez 17
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