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  #1  
Alt 01.10.2008, 10:58
Miriam86 Miriam86 ist offline
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Registriert seit: 01.10.2008
Beiträge: 1
Standard Opa liegt im Sterben

Hallo,

ich hoffe, dass mir hier jemand Antworten auf meine Fragen geben kann. Mein Opa leidet schon seit Jahren an einer seltenen Art von Hautkrebs. Ihm geht es nun immer schlechter. Er hat sich schon lange aufgegeben und hat die letzten zwei bis drei jahre fast nur auf der Couch vor dem Fernseher verbracht. Vor ca. zwei Wochen kam er nach einem erneuten Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause. Meine Tante, die die Vollmacht über meinen Opa hat, hat derweil ein Krankenbett für ihn organisiert, in dem er nun 24 Stunden am Tag liegt. Er hat starke Schmerzen und kann nur noch auf einer Seite liegen, weil er überall Löcher und wunde Stellen hat. Der Krebs frisst ihn sozusagen auf. Sein Morphium wurde vorgestern schon von 60 mg auf 120mg erhöht. Der Hausarzt sagte, man sollte den Nahrungstropf abnehmen, da es sonst nur noch Quälerei für ihn wäre, sein leben unnötig zu verlängern. Jetzt hängt er also nur noch am Flüssigkeitstropf und bekommt keine Nahrung mehr. Ich frage mich nun, ob es nicht auch Quälerei ist, einen Menschen verhungern zu lassen? Ich bin traurig, weil ich nicht weiß, wie lange er noch überleben kann. Er ist teilweise noch ansprechbar und redet mit einem. Ich weiß nie, was ich sagen soll, wenn ich bei ihm bin, oder noch etwas tun kann, um ihm eine Freude zu machen.

LG Miriam
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  #2  
Alt 01.10.2008, 11:28
J.F. J.F. ist offline
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Registriert seit: 18.04.2007
Beiträge: 1.548
Standard AW: Opa liegt im Sterben

Hallo Miriam,

die Fragen, die sich mir stellen, sind:
Was für eine Art "seltenen" Hautkrebs hat Dein Opa?
Warum findest Du das Abkapseln von der Flüssignahrung bzw. das "Verhungern" als Quälerei? Du schreibst, dass Dein Opa "überall Löcher und wunde Stellen" hat. DAS finde ich schlimm. Mit der Zeit hat der Körper keinen Hunger mehr, er benötigt seine Kraft für die Krankheit, die ihn regelrecht "auffrisst" Sorry, die Wortwahl ist ein bisschen sehr bildhaft, aber leider ist es so. Wenn der Körper nun mit Nahrung versorgt wird, kann er seine Grundarbeiten nicht einstellen, sprich den Körper loslassen. Und dieses Hinauszögern des letztendlich doch letzten Schrittes ist eine Quälerei. Das man ihn weiterhin am Flüssigtropf hängen lässt, spricht doch für eine sehr durchdachte Angelegenheit, denn das wäre Quälerei gewesen. Man verdurstet eher als man verhungert. Und noch eine Frage: Was möchte Dein Opa? Er kämpft gegen eine Krankheit, die ihm die Lebensqualität genommen hat bzw. nimmt. Denn die Frage ist nicht, was willst Du oder ein anderes Familienmitglied, sondern was ist das beste für Deinen Opa. Wie sieht es aus, Deine Tante pflegt ja scheinabr Deinen Opa, bekommt sie auch Unterstützung von der Familie? Denn was sie da leistet, Hut ab.

Was das Gespräch mit Deinem Opa anbelangt, frag ihn doch einfach nach schönen Begebenheiten von denen Du weisst. Es ist bestimmt schön für ihn an solche Dinge erinnert zu werden. Oder erzähl einfach Anekdoten über Dich, die er miterlebt hat. Schönen Dingen, nicht vom Sterben, vom Krebs, vom Pflegen. Klar, es darf natürlich nicht danach aussehen, als ob man jetzt schon mal die Dinge Revue passieren lässt. Ich weiss, das ist ein Balanceakt, der nicht ganz einfach ist.

Ansonsten, Deinem Opa die besten Wünsche und Euch die Kraft, die für diese Zeit vonnöten ist.
__________________
Viele Grüsse
JF



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  #3  
Alt 01.10.2008, 12:36
Benutzerbild von Rachel
Rachel Rachel ist offline
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Registriert seit: 27.06.2007
Ort: Österreich
Beiträge: 1.571
Standard AW: Opa liegt im Sterben

ich wünsche deinem opa alles gute und das er bald in frieden gehen gehen kann - verzeihe mir diese worte aber niemand hat so etwas verdient.
eurer familie wünsche ich viel kraft für die kommende zeit.
lg gitti
__________________
mein Mann: Adenokarzinom

man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt trotzdem wenn es dunkel ist - Kafka
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  #4  
Alt 01.10.2008, 12:36
Annika0211 Annika0211 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 06.02.2008
Beiträge: 880
Standard AW: Opa liegt im Sterben

Liebe Miriam.
Es tut mir leid, dass dein Opa diese Qual erduldet und es ihm sichtbar schlechter geht - und dir so schrecklich zumute ist.

Ich möchte dir gerne von meinem Papa berichten, der Silvester an den Folgen seiner Krebserkrankung (kein Hautkrebs) im Hospiz gestorben ist.
Mein Papa bekam bis zu seinem Tod 9 Monate lang parenterale Ernährung über seinen Port. Als er Weihnachten immer schwächer wurde und sein Zustand sich sichtlich verschlimmerte, war unser Doc nochmal da, da Papa starke Schmerzen im Brustbereich durch Husten hatte. Der Doc diagnostizierte eine einseitige Lungenentzündung, die eben diese Schmerzen durch das starke Husten des so arg schwachen Papas verursachte.
Der Doc erkannte, dass Papas nun bald seine letzte Reise antreten würde und wies uns darauf hin, mit dem Transport ins Hospiz nicht mehr zu lange zu warten. Er bot an, ihm Morphium zu spritzen, damit er nur noch schläft.
Das wollten wir nicht, denn Papa war - wenn er nicht geschlafen hat -, noch voll da und hat alles mitbekommen und gesprochen. Allerdings auch Beschwerden gehabt.
Der Doc fragte ihn selbst, ob er die Nahrung noch möchte oder nicht.
Papa wollte sie.
Er ist nach Weihnachten für seine letzten 4 Tage ins Hospiz gezogen und wir waren rund um die Uhr bei ihm.

Diese Nahrung (das erklärte uns der Doc und auch das Pflegeteam im Hospiz) entspricht nicht dem Hospiz-Sinn, denn sie verlängert das Leben und steigert nicht die Lebensqualität.
Aber es war Papas Wille bis zu letzt, dass er sie bekommt. Zusätzlich bekam er auch Flüssigkeit, obwohl er nebenbei trank - wohl nicht genügend.

Es ist richtig, was JF schreibt, dass ein Mensch eher ohne Essen als ohne Trinken auskommen kann. Ich teile JFs Meinung in seinem/ihren Beitrag.

Jeder praktizierende Human-Mediziner hat einen hippokratischen Eid abgelegt, dass er Menschenleben rettet.
Frage dich bitte nicht, ob es daher richtig ist, deinen Opa "verhungern" zu lassen, ihn dadurch zu "quälen".
Das darf der Doc nicht und das tut er damit auch nicht, "nur" weil er ihm die Nahrung abhängt. Er sorgt dafür, dass er Flüssigkeit bekommt, die in diesem Zustand wichtiger ist.
Viele Ärzte arbeiten mit Palliativ-Zentren zusammen. Und der Sinn der Palliativ-Behandlung ist, das Leben qualitativ zu verbessern und nicht quantitativ (verlängern um Tage/Wochen/Monate).

Als ersten Tipp möchte ich dir mitgeben, dass ihr deinen Opa in einem wachen Moment fragt, ob er die Nahrung will und was es für ihn bedeutet.
Ihr solltet das zu seiner Entscheidung machen. Es ist sein "Leben" bzw. sein Weg, den er geht.

Als zweiten Tipp bzw. Frage: habt ihr auch Unterstützung von einem ambulanten Hospiz-Dienst? Diese Leute wissen um die Steigerung der Lebensqualität bzw. können euch hilfreiche Hinweise geben und sind auch für euch als Angehörige da.
Es ist sehr, sehr schwer, einen Angehörigen, der so arge Schmerzen hat, zu Hause zu betreuen, wenn man "nicht vom Fach" ist.
Wir hatten einen Pflegedienst, der Papas Nahrung an- und abschloss und ihn wusch. Wir, die Familie, die ihn täglich betreute, hatten rund um die Uhr Angst, ihn falsch anzufassen, wenn er auf den Toilettenstuhl musste, wenn er aufgerichtet werden wollte, wenn er überhaupt etwas wollte... unsere Angst war so präsent, dass er sie bemerkt hat und sich uns zuliebe für das Hospiz entschied. Eine großartige, mutige, sehr sehr starke und Liebe zeigende Entscheidung von unserem Papa - so war er.

Ich wünsche deinem Opa, dass er keine Schmerzen mehr hat - die sind nicht nötig mit der richtig Schmerzbetreuung.
So, wie sich dein Bericht anhört, darf man deinem Opa wünschen, dass er seine Reise hinter den Horizont ganz friedlich und im Kreis seiner Lieben antreten darf, sobald er es möchte.

Ich wünsche auch dir unendlich viel Kraft, deinem Opa beizustehen, für ihn da zu sein, seine wachen Momente mit ihm zu teilen und ihm zu zeigen, wie sehr du ihn liebst. Ich wünsche dir auch, dass du ihn loslassen kann, damit er sich keine Sorgen machen muss und weiß, dass um ihn herum alles iO ist.

__________________
Alles Liebe.
**********************
Papa, für immer in meinem Herzen - 31.12.2007

Geändert von Annika0211 (01.10.2008 um 12:42 Uhr)
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