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  #16  
Alt 30.08.2014, 15:49
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo an Alle!

Ich habe mir nochmal Gedanken über das Leben ohne meinen Mann gemacht.
Immer wieder stelle ich mir die Frage: Wer bin ich, für wen halten mich die anderen, was möchte ich noch tun und was unterlass ich besser?
Bei Ingo konnte ich mein wahres ich zeigen, so wie ich wirklich bin.
Mal launisch mal verträglich usw. Auch er hat seine Schwächen nicht verbergen müssen, das gegenseitige Vertrauen war groß.

simi: Sei bitte nicht böse, auch wenn die Absicht gut gemeint ist, fühle ich mich ein wenig bedrängt, wenn ich 3 Wochen nach dem Tod meines Mannes Bewerbungen schreiben soll. Ich bin innerlich nicht dazu bereit, zu tun was andere von mir erwarten, auch wenn sie mir helfen wollen.

Wie lange "darf " die Zeit des Trauerns dauern, wie lange ist sie "normal"?
Der Verlust verursacht auch nach Monaten, nach einem Jahr oder länger unsagbaren Schmerz.
Früher gab es Rituale, die Trauernden eine gewisse "Schonfrist": das Trauerjahr einräumte. Man musste nicht nach ein paar Wochen wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern hatte Zeit.
Auch die schwarze Trauerkleidung war eine Möglichkeit der eigenen Gemütsverfassung Ausdruck zu verleihen. Allerdings muss jeder selbst herausfinden
was zu ihm und seiner Gefühlslage passt.

Ich war psychisch schon immer etwas labil.
Mein Mann hat mir Sicherheit und Halt gegeben und ich muss mich langsam an einen Neuanfang gewöhnen.

Liebe Grüße

Jutta

Geändert von gitti2002 (19.10.2014 um 01:12 Uhr)
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  #17  
Alt 30.08.2014, 18:20
hermannJohann hermannJohann ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo Jutta,
das Trauerjahr ist gut, wenn man es nicht dogmatisch anwendet. Es sollte ein Schutz für die Trauernden sein, aber kein inneres Gefängnis. Ich wusste, dass ich umziehen muss, habe aber fast ein Jahr gebraucht bis zum Abschluss des Umzugs. Ich hatte Arbeit und das hat mir ganz gut getan. Aber meine Situation war anders. Ich war in meinem Beruf, Kollegen hatten Verständnis und ich war mit der Arbeit zufrieden. Aber in der Trauerzeit beruflich neu anzufangen hätte ich auch nicht gekonnt. Lass Dir Zeit und triff keine übereilten Entscheidungen. Dann wirst Du hoffentlich das Richtige finden.
Liebe Grüße
Hermann
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  #18  
Alt 31.08.2014, 17:36
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo Zusammen!

Schon wieder ist Sonntag und es ist ein trüber regnerischer Tag.
Ich spüre gerade an solchen Tagen wie die Einsamkeit in mir aufsteigt.

Wenn ein Mensch stirbt , verlischt eine eigene Welt, von Gefühlen und Gedanken, von Erlebtem und Ungelebtem.
Eine Welt geht unter mit all dem , was genau diesen Menschen ausgemacht hat. War das alles? Und wenn es so wäre, welchen Sinn hätte
das Leben dann gehabt?
Vielleicht ist doch jeder nur ein kleines Rädchen im großen Weltgetriebe.
Im Gedächtnis bleibt, wie Ingo für mich war als er lebendig war.
Sein Lachen, sein Humor aber auch seine Macken lassen wieder Momente der Nähe entstehen.
Das hat mich geprägt, das sind die Spuren die er in meinem Leben hinterlassen hat.

Liebe Grüße

Jutta

Geändert von Yogi 12 (31.08.2014 um 17:40 Uhr)
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  #19  
Alt 01.09.2014, 07:59
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo Hermann und alle Anderen,

es ist wie du es sagst und Hermann hat es so ähnlich ausgedrückt.
Wer trauert wirkt depressiv und nicht aktiv genug um in der Welt der"normalen Menschen" einen angemessenen Platz zu finden.

Da ist sie wieder die "Verleugnung des Todes" mit ihrer erschreckenden Realität, die nur von wenigen verstanden und deshalb meistens verdrängt wird.

Auch erlebe ich, das Schwiegermutter mit mir konkurriert was die tiefe der Trauer betrifft. Eine Mutter trauert intensiver um ihr Kind als die Frau die "nur" den Mann verloren hat sagte sie mir gestern wieder am Telefon. Sie als Mutter hat das Kind schon im Mutterleib lebhaft gespürt, die ersten unbeholfenen Schritte erlebt und das Kind ermutigt aufzustehen, hat es liebevollauf den Arm genommen und beschützt.
Das ist alles richtig und gut so, gehört aber schon länger der Vergangenheit an, sie erinnert sich jetzt wieder schmerzlich an diese Zeit...
Ich habe im Laufe der langen Jahre die ich mit meinem Mann verbracht habe soviel Intimität und Vertrauen in der Zweisamkeit erlebt , wie ich sie sonst mit niemandem hätte teilen können.
Jedem sollte das Recht zugestanden werden so zu Trauern wie er es für richtig hält.
Die Intensität und Dauer sind für jeden anders, können nicht gemessen werden.

Ich wünsche allen einen guten Start in den Montag.

Liebe Grüße

Jutta

Geändert von gitti2002 (19.10.2014 um 00:49 Uhr)
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  #20  
Alt 01.09.2014, 19:55
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo ihr Lieben!

Noch bin ich mit Anträgen und Kündigungen beschäftigt.
Das arbeite ich alles schnell hintereinander ab, denn es ist mir wichtig das diese Dinge erledigt werden, wer weiß was noch kommt.-
Mein Mann hat diese Formalitäten früher immer selbst erledigt und ich war froh, mich damit nicht beschäftigen zu müssen.
Nun muss ich es tun und bin gar nicht so überfordert damit wie ich anfangs dachte.
Fast überall auf den Ämtern , der Krankenkasse und Rentenversicherung etc. wird zügig gearbeitet, denn seit es( ja schon länger) überall Computer gibt wird vieles maschinell bearbeitet und fix und fertig ausgedruckt.

Zu der Grabgestaltung kann ich sagen, das ich mich schon auf den Grabstein mit vollständigem Vor-und Nachnamen sowie das komplette Geburts- und Todesdatum freue, denn erst wenn alles steht ist es für mich ein Ort der liebevollen Erinnerung.
Ein Sockelkerzenhalter und ein ovales Bild aus Keramik von Ingo (aus gesunden Jahren) runden das Bild noch ab.
Das macht wie ich gelesen habe jeder anders.

Für mich selbst wird es z.B. eine anonyme Bestattung geben, denn ich wüsste nicht, wen ich mit der Grabpflege belästigen sollte. Es ist mir persönlich auch nicht so wichtig.

Mit dem Alleinsein werde ich wahrscheinlich größere Problem kriegen wie die meisten anderen hier.
Ich müsste mir einen neuern Bekanntenkreis suchen.
In meinem Alter ist das gar nicht so einfach,- aber vielleicht nicht aussichtslos.-

Liebe Grüße

Jutta
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  #21  
Alt 02.09.2014, 22:10
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo an Alle!

Heute möchte ich von meinen Gedanken erzählen, die sich mal wieder mit der Vergänglichkeit beschäftigen.
Ich habe gelesen das sich drei Viertel aller Menschen einen"schönen" Tod wünschen. Einen plötzlichen Tod, schnell und schmerzlos.
Die Realität sieht anders aus. Mehr als die Hälfte aller Menschen stirbt einen "Tod mit Ansage". Sie erhalten die Diagnose einer tödlichen Krankheit.
Ihr Leben wird durch Therapien so lange wie möglich verlängert.
Es ist die Art von Tod, von der die meisten hoffen, dass sie ihnen möglichst erspart bleibe.
Auch ich habe große Angst davor so leidend zu sterben wie mein Mann.
Bei meiner Großmutter und beim Vater war es auch ein ähnlich unangenehmes Sterben durch eine Krebsdiagnose wie ich es ja kürzlich wieder erleben musste.
Ich kann nicht das wann und auch nicht die Todesart entscheiden, aber ich möchte zumindest das "Wie" beeinflussen.
Da ich nun verwitwet bin,habe ich beschlossen, mich so gut wie möglich darauf vorzubereiten.
Hierzu gehört eine ausführliche Patientenverfügung vor der ich mich immer gedrückt habe, sowie die Entscheidung in einem Hospitz unterzukommen wenn es soweit ist.
Damit das alles gut gelingt habe ich mich entschlossen- wie schon erwähnt-
meinen Hausarzt zu wechseln. Der neue Arzt ist der ambulante Palliativarzt, der meinen Mann noch kurzfristig betreut hat.

In der ersten Oktoberwoche habe ich einen Termin dort und ich glaube das meine Entscheidung richtig ist. Ich soll dann gründlich untersucht werden,
vielleicht auch wegen des "Phänomens des Nachsterbens"?

Macht ihr euch ähnliche Gedanken zu diesem Thema oder hat jemand Schritte unternommen die in diese Richtung gehen?

Für Antworten wäre ich dankbar.

Liebe Grüße

Jutta

Geändert von Yogi 12 (02.09.2014 um 22:46 Uhr)
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  #22  
Alt 03.09.2014, 12:13
mausi69 mausi69 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Liebe Jutta!

Deine Entscheidung für deine Zukunft was Patientenverfügung und alles drum herum angeht finde ich klasse. Mein Papa wird das auch machen.
Bei meiner Mama haben wir ewig erzählt wir müssen das machen schon Jahre bevor sie erkrankte. Letzten Endes haben wir ihre Patientenverfügung im Januar diesen Jahres gemacht und sie hat sehr viel dabei geweint!

Es ist gut alles zu regeln wenn man gesund ist!

Wohngemeinschaften hört sich gut an, aber man sollte sich so einen Schritt ganz genau überlegen!

Ich wünsche dir alles liebe!

Mausi
__________________
Meine Mama
BSDK ED 05.02.2014

28.07.1949 - 22.06.2014

Du warst es wert so sehr geliebt zu werden!
Du bist es wert, das so viel Traurigkeit an deiner Stelle geblieben ist!



http://www.krebs-kompass.org/showthread.php?t=62514
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  #23  
Alt 05.09.2014, 18:40
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo an Alle!

Mein Mann hatte auch so eine Vorahnung das der anhaltende Husten etwas schlimmeres zu bedeuten hat. Er sagte noch im Oktober 13 zu mir:"Ich werde
schon nicht gleich notgeschlachtet.--- Im November hörte er dann die Diagnose"fortgeschrittener Lungenkrebs."

Damit rechneten wir nicht,- hatten wir doch vor 10 Jahren mit dem Rauchen aufgehört-. Ihm hat es nicht geholfen. Ich habe genauso viel geraucht wie er und blieb verschont.

Die Gefühle sind nach wie vor sehr wechselhaft.Die Dankbarkeit darüber,das wir zufrieden und auch glücklich mit unserem gemeinsamen Leben waren, lässt noch längst nicht alle Klagen verstummen.

Ich hoffe das meine Seele und meine Gefühle mir irgendwann signalisieren das ich auf dem richtigen Weg bin, denn ich fühle mich jetzt ein wenig hilflos, orientierungslos. Außerdem sind Dinge zu erledigen die sich nicht aufschieben, mich aber auch nicht zur Ruhe kommen lassen.

Ich nehme die Welt und mich selbst anders wahr und frage mich immer öfter, was wirklich wichtig ist in meinem Leben. Vergangenes kann ich nicht mehr ändern. Manchmal spüre ich ein Bedauern,- was wirklich wichtig gewesen wäre und was am Ende zählt.-

Der Bruch in allen Bereichen hat mein Leben durcheinander gebracht.Wie ein Roboter tue ich alles was nötig ist, mit den Problemen fertig zu werden.

Vielleicht mag sich jemand mitteilen wie er es geschafft hat einen Neuanfang zu finden.....


Liebe Grüße

Jutta
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  #24  
Alt 06.09.2014, 19:09
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo Zusammen,

bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung, die die Lebenszeit begrenzt wird der Kranke nicht plötzlich aus dem Leben gerissen.
Der Tod nähert sich leise, schleicht sich an und wir wissen das er irgendwo lauert.
Ich denke daran das ich diesen Weg auch gehen muss.
Die Begegnung mit Sterben und Tod ist eine Erfahrung, aus der irgendwann Hoffnung, Liebe, Dankbarkeit und Freude wachsen kann.
Wenn ich auch noch weit von diesen positiven Gedanken entfernt bin möchte ich mich auf mich selbst besinnen, bevor meine eigene Vergänglichkeit mit einer wie ich hoffe " kurzen Leidenszeit " mir zeigt wie wichtig es ist möglichst bewusst in der Gegenwart zu leben
Mein Hund macht mir täglich vor wie es funktionieren kann. Allerdings ist er wesentlich unselbstständiger und auch anspruchsloser als ich es bin...
Heute ist ein schöner Spätsommerlicher Tag und ich war viel unterwegs mit Yogi.
Die Bewegung an der frischen Luft lässt mich den Abschied von meinem Mann,- der mit Wehmut verbunden ist- für kurze Zeit vergessen.
Zu Hause erinnert mich dann vieles wieder an ihn und es ist gut so.

Liebe Grüße

Jutta

Geändert von Yogi 12 (06.09.2014 um 19:12 Uhr)
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  #25  
Alt 06.09.2014, 21:27
sjarissa sjarissa ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Liebe Jutta,

ja,so ist es … und es ist gut so.

Ich erinnere mich an Zeiten, wo ich mich von Stunde zu Stunde gehangelt hab, wollte und konnte nicht ohne meinen Liebsten, wo das mit viel Anstrengung erreichte Etappenziel einfach wegglitt, ich, wie auf einem grossen Sandhaufen keine Möglichkeit des Festhaltens fand… und so rutschte ich wieder hinunter, tiefer und tiefer, müde ob all der Anstrengungen, müde des Lebens mit seinen Herausforderungen…den wohlgemeinten Räten der Familie und Freunden nicht folgend können, mich selbst hassend wegen der Unannehmbarkeit, ehrlich gesagt, hab ich mlch selbst so manches Mal nicht aushalten können, aber es war und ist mein Weg der Trauer…ich bin mir nicht sicher, niemehr, das hat mich die Vergangenheit gelehrt, aber das Leben gestaltet sich momentan auch ohne meinen Liebsten lebenswert, weil… ich mir selbst treu geblieben bin, ja gesagt habe zu dem Leben wie es sich nun vortut, es kostet mich keine Anstrengung mehr, es ist wie es ist, die Sehnsucht bleibt, darf und soll sie auch… ich lass mich überraschen vom LEBEN und setz keine Gegenwehr…nach mehr als 30 Monaten kann ich wieder tief durchatmen… und allein das ist eine nicht vermissend wollende Erfahrung des” Lebens”

Dir wünsch ich sehr deinen Weg zu finden und gehen zu können ( irgendwo brennt auch dein Licht)

Alles Liebe

Sjarissa
__________________
Der Tod ist der Grenzstein des Lebens, aber nicht der Liebe.

Guido * 25.12.1953 + 03.01.2012
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  #26  
Alt 06.09.2014, 23:04
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Zitat:
Zitat von sjarissa Beitrag anzeigen

mich selbst hassend wegen der Unannehmbarkeit, ehrlich gesagt, hab ich mlch selbst so manches Mal nicht aushalten können, aber es war und ist mein Weg der Trauer…
Hallo Sjarissa,
danke für deine lieben Worte.
Du sprichst genau das aus was ich manchmal über mich und mein unsicheres Verhalten denke.
Ich bin in manch stressiger Situation so unruhig und ohne Selbstvertrauen, das ich am liebsten im Erdboden versinken möchte.

Du schreibst das dass dein Weg der Trauer war.
Auch ich werde akzeptieren müssen, das es mal leichter und dann wieder schwieriger ist, mit der Trauer zu leben.

Liebe Grüße


Jutta
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  #27  
Alt 07.09.2014, 18:11
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo an Alle,

was heißt es " in Würde zu sterben"?

Als mein Mann vor viereinhalb Wochen sterben musste, hatte ich nicht den Eindruck das er in Würde gestorben ist. Ich war als es dann soweit war sogar ein wenig verärgert über diese "Beschönigung" des Sterbens, die mir ein Psychologe nach der Krebsdiagnose meines Mannes mit auf den Weg gab.

Hat Würde nicht auch mit Selbstbestimmung und gegenseitigen Respekt zu tun?

Mein Mann war zu schwach , selbst zu entscheiden was mit ihm geschieht.
Es ging alles viel zu schnell, als das noch über solche Dinge gesprochen werden konnte.

Trotzdem ließ es mir keine Ruhe und ich fragte die Pfarrerin die die Beerdigungsansprache halten sollte, was damit gemeint ist. Sie beruhigte mich und sagte, das meine Liebe und dass ich für Ingo da war ihm ein würdiges Sterben ermöglicht hat.
Es war ihm so wichtig das ich während der Krankheit für ihn da war und er muss es gespürt haben, auch wenn ich beim letzten Atemzug nicht in seiner Nähe war.

Es ist ein wenig schwierig zu definieren was mit Würde gemeint ist und trotzdem hat es mir Mut und Kraft für diesen letzten gemeinsamen Weg gegeben.

Liebe Grüße

Jutta

Geändert von Yogi 12 (07.09.2014 um 18:14 Uhr)
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  #28  
Alt 08.09.2014, 00:21
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Zitat:
Zitat von Yogi 12 Beitrag anzeigen
Hat Würde nicht auch mit Selbstbestimmung und gegenseitigen Respekt zu tun?
Hallo Jutta,

ja, das hat es. Manche meinen, diese Würde hätte etwas damit zu tun, dass der Sterbende friedlich und schmerzlos hinüber gehen kann. Dem ist nicht so, denn nicht immer liegt das in unserer Hand. Leider ist es so, dass nicht jeder Mensch Einfluss auf sein Sterben nehmen kann, also Selbstbestimmung. Das ist jedoch nicht unbedingt ein Verlust an Würde, denn wir als Begleiter können dem Sterbenden seine Würde bewahren, indem wir ihn begleiten und unser Bestes in seinem Sinne tun, um ihm das Sterben psychisch und körperlich zu erleichtern. Wir geben ihm seine Würde dadurch zurück.

... und Respekt. Respekt vor dem sterbenden Menschen, seinen Gefühlen, seinen Ängsten, dem Tod und dem Leben einerseits und ja, auch gegenseitig, indem der Sterbende z.B. nichts von uns verlangt, was wir nicht leisten können und dass er sich vertrauensvoll in unsere Hände begibt, wenn er selbst nicht mehr bestimmen kann.

Das höchste Gut, das man dem Sterbenden anbieten kann, ist die Liebe. Ganz besonders da bewahren wir ihm seine Menschenwürde.


Eine gute Nacht,

Helmut
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  #29  
Alt 08.09.2014, 10:18
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Hallo Helmut!

Deine Antwort hat mich berührt und ich konnte die Tränen nicht unterdrücken.

Meine Ängste und Zweifel bei dem Übergang des Todes und die Zeit davor
lähmen mich manchmal noch. Warum musste er sterben? Warum jetzt? Warum hatte er nicht mehr Zeit? Warum wird mir ein geliebter Mensch genommen, den ich doch noch brauche? Ich mache mir Sorgen obwohl nichts mehr zu ändern ist.

Der Tod spielt da nicht mit, er kommt, wann er will. Ich habe es hautnah erlebt.
Wenn ich länger darüber nach denke ist er sogar manchmal ein Ratgeber.
Er zeigt Grenzen auf , hilft uns das wir uns nicht verzetteln und öffnet uns für die Dinge des Lebens die wirklich wichtig sind.

Die Tapferkeit mit der mein Mann die letzten quälenden Wochen ertragen hat, haben mir erstaunlicher weise auch Mut gegeben.
Diese Erinnerungen werden mich auf meinen Weg ans gleiche Ziel begleiten.


Liebe Grüße

Jutta
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  #30  
Alt 08.09.2014, 11:30
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Guten Morgen Jutta,

es sind immer die gleichen Fragen, die sich Hinterbliebene stellen und alle beginnen mit: Warum ...". Die Antwort hast du dir bereits selbst gegeben:
Zitat:
Zitat von Yogi 12 Beitrag anzeigen
Der Tod spielt da nicht mit, er kommt, wann er will.
Eine Antwort zu haben ist das Eine. Der Verstand sagt sie uns. Die andere Seite: erst wenn diese Antwort in unseren Herzen angekommen ist, können wir damit auch wieder leben und diese Warum-Fragen sind Vergangenheit. Der Weg vom Verstand zum Herz braucht seine Zeit und ist beschwerlich, doch er lehrt uns vieles, was wir für unser weiteres Leben sehr gut gebrauchen können.

Bewahre dir die Erinnerung an die Tapferkeit deines Mannes gut. Du wirst sicher noch einiges an Mut brauchen. Woraus besteht dieser Mut? Was glaubst du?


Liebe Grüße,

Helmut
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