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  #46  
Alt 15.09.2014, 15:48
hermannJohann hermannJohann ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo Jutta,
die Zeit der „Jahrestage“ ist bei mir vorbei, aber nicht die Erinnerung an 14 Monate, einer schrecklichen Phase in meinem Leben und in unserem Eheleben. Danach kamen die ersten Monate nach ihrem Tod. Gedanken, mich zu trösten, aber ich schnell weggeschoben. Ich könnte das nicht, welche Frau möchte auch ein „Trost“ für eine Andere sein. Die Freude am Leben hatte ich verloren. Immerhin habe ich beruflich noch funktioniert und war auch nicht erfolglos. Dem Film „Schlaflos in Seattle“ gibt es eine Szene, in der der Mann ein solches Funktionieren beschreibt. Es gab Unterstützung von Freunden und Verwandten, aber meistens war ich doch mit der Trauer allein. Ob ich noch zwei Monate, drei Jahre oder 10 Jahre lebe, war mir nicht wichtig. Dann brauche ich auch keine Krebsvorsorge. "Nach-Sterben" hätte für mich keinen Schreken gehabt. So vergingen einige Monate. Allmählich ändert sich die Situation. Ich kann nicht sagen, dass ich jetzt sehr viel Freude am Leben habe, aber ich denke mehr an die Zukunft. Das „weiter so“ des Alltags lenkt ab, aber ich will nicht immer nur mich ablenken. Eine neue Perspektive zu entwickeln, ist schwer. Ich versuche in Abschnitten zu denken, wie es Krebskranke manchmal tun, die nicht wissen, ob sie die nächsten Jahre überleben. (So etwas kenne ich aus Interviews) Erst einal zwei Jahre bis zur Rente, dnnn wird man weiter sehen.
Liebe Grüße
Hermann
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  #47  
Alt 15.09.2014, 22:45
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo zusammen,

danke für die Antworten.

Heute hatte ich ein eher tiefes Trauerloch.

Es macht deutlich, das weder ich selbst noch mein gesamtes Leben je wieder so sein werden wie vorher. Das Auf und Ab meiner Befindlichkeit dauert noch eine Weile an.( Wird in etwa so von euch beschrieben.)Lebensfreude erwarte ich in Zukunft eher kaum. Allerdings wäre es schön wenn das körperlich/seelische Unwohlsein bald nachlässt damit ich mein Alltagsleben besser in den Griff kriege.

Liebe Grüße

Jutta
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  #48  
Alt 16.09.2014, 13:13
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Guten Morgen Jutta, Hermann,

2 Gedanken von euch beschäftigen mich:

Zitat:
Zitat von hermannJohann Beitrag anzeigen
Ich versuche in Abschnitten zu denken, ...
Zitat:
Zitat von Yogi 12 Beitrag anzeigen
Es macht deutlich, das weder ich selbst noch mein gesamtes Leben je wieder so sein werden wie vorher. (... und weiter ...)
Lebensfreude erwarte ich in Zukunft eher kaum.
Hermann,
Abschnitte sind ein guter Gedanke und eine Möglichkeit. Wenn ich zurück denke, dann habe ich es ähnlich gemacht. Nicht sofort, erst später. Zuerst waren es die Tage, dann Wochen, Jahre. Ich glaube, in Jahren zu denken ist am Anfang gar nicht möglich und auch nicht immer sinnvoll. Manchmal ist es besser, einfach abzuwarten und schauen, was kommt. Was die Etappen so bieten. Vielleicht Schlechtes, vielleicht Gutes?

Jutta,
stimmt, es wird nie mehr so sein. Kann nicht mehr so sein. Wir müssen damit leben. Leben lernen. Heute kann ich sagen: "Ich lebe im Jetzt. Davor ist die Vergangenheit und danach die Zukunft. Wie die auch immer aussehen mag. Niemand weiß das."

Am Anfang meines Lebens gab es keine Vergangenheit. Nur Gegenwart und Zukunft. Dazu gesellte sich die Vergangenheit. Irgendwann wird es weder Gegenwart noch Zukunft geben, nur noch Vergangenheit. Die Frage ist: "Worauf habe ich heute Einfluss?"

Wieder Lebensfreude zu finden ist schwer, allerdings möglich. Doch auch hier gilt: es wird nie mehr, wie es war. War sie früher eher naiv, so gibt es sie heute mit dem Wissen, dass das Leben nicht nur Sonne ist. Gib die Hoffnung nicht auf.

Liebe Grüße,
Helmut
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Geändert von gitti2002 (18.10.2014 um 22:36 Uhr)
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  #49  
Alt 16.09.2014, 14:14
peggi136 peggi136 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Liebe Jutta,
auch wenn ich Betroffene bin - keine Hinterbliebene - und so einen schrecklichen Verlust und grausamen Schmerz nicht erleiden musste, so möchte ich Dir doch schreiben.
Ich lese alle Post´s von Dir in allen Threads und Deine große Verzweiflung berührt mich sehr. Auch wenn ich es nicht erlebt habe, so kann ich mit Dir mitfühlen.
Ich habe mich schon so oft gefragt, wie es mir ginge, wenn mein Mann meinen unheilbaren Krebs hätte. Nur der Gedanke daran lässt mich weinen und wenn ich wüsste, ich würde ihn - über kurz oder lang - verlieren -, ich wüsste nicht mehr weiter. Wäre ein seelisches Wrack, wollte ohne ihn nicht weiterleben.
Wir haben auch keine Kinder, ich habe keine Geschwister und von meiner Seite aus habe ich noch meine 86jährige Mutter, ich wäre auch ganz alleine.
Diese Einsamkeit, gerade an Wochenenden, kann ich so gut nachvollziehen.
Ich hoffe, dass Du noch ein paar gute Freunde oder vielleicht sogar ein paar Verwandte hast, die sich ein bißchen um Dich kümmern. Und natürlich auch Dein Yogi... er trauert bestimmt auch.
Liebe Jutta, hier denken viele an Dich, auch wenn, wie Du schreibst, die erste Anteilnahme vorbei ist.
Manchmal fehlen einfach die Worte oder man traut sich nicht, Dir zu schreiben.
Was sagt denn eigentlich das Jobcenter? Musst Du immer noch hin oder hast Du jetzt Ruhe?
Denk´an Dich
lg Petra
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  #50  
Alt 16.09.2014, 22:56
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo an Alle!

Vielen Dank für eure Worte, die Mut machen.

Hermann: Ich empfinde sehr ähnlich wie du - in der Anfangsphase deines Verlustes.-

Wenn ich plötzlich eine Krebsdiagnose erhalten würde, dächte ich sofort an meinen Mann. Wie viel Hoffnung hat er nach der Diagnose noch gehabt, trotz der unheilbaren Krebserkrankung kämpfte er bis zum letzten Tag, hat nie gejammert oder geklagt, obwohl er innerlich verzweifelt war.
Er musste es ertragen also kann/muss ich das auch irgendwie. Bei jedem Schmerz den ich fühle denke ich sofort an ihn.

Helmut: Danke für die guten Wünsche.
Ich muss eine persönliche Erfahrung machen um Einfluss nehmen zu können.
Es geht momentan nur darum die Tage zu überstehen. Einen gewissen Abstand von den inneren Bildern zu kriegen. Die letzte Krankheitsphase war sehr anstrengend und intensiv. Die Gedanken kreisen noch täglich darum.
Es ist nicht schön zu sterben! Deswegen distanzieren sich so viele Menschen von dieser Tatsache- es macht ihnen Angst, sie sind ja noch nicht betroffen. Mir ging es in besseren Zeiten so ähnlich damit.
Es macht einen großen Unterschied ob ich mir vorstelle wie sich das anfühlt, oder ob ich es real erlebe und spüre.

Peggi: Du bist selbst so sehr betroffen von dieser Krankheit. Dennoch spürst du intensiv mit, wie es deinem Mann wohl damit geht.
Bei uns war es ähnlich. Mein Mann wollte mit meiner Situation auch nicht tauschen.
Schon der Gedanke daran allein zurück bleiben zu müssen, gefiel ihm ganz und gar nicht.

Vom Jobcenter höre ich zur Zeit nichts. Habe viele Formulare ausgefüllt und nachgereicht. Ich warte nun auf den Rentenbescheid. Drei Monate bekomme ich vorläufig die volle Rente von meinem Mann. Danach kommt Arbeitslosengeld zwei dazu.

Meine Schwester besucht mich noch zweimal wöchentlich , und ich habe Bekannte im Sportstudio mit denen ich mich ein wenig unterhalten kann.

Vor der dunklen Jahreszeit graut mir schon sehr. Darum werde ich mich kümmern müssen, gerade in dieser Zeit unter Leute zu gehen.

Gut dass ich meinen Hund noch habe. Er ist schon neun Jahre alt. Der Retriever den ich vor ihm hatte wurde nur knapp 10 Jahre.

Er ist mein bester Freund und ich hoffe dass er eine robuste Natur hat.

Es ist alles nicht so leicht, aber es geht irgendwie weiter....

Allen eine gute Nacht

Liebe Grüße

Jutta

Geändert von gitti2002 (19.10.2014 um 00:06 Uhr)
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  #51  
Alt 17.09.2014, 22:03
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo allerseits,

ich habe mir gerade einen Teil der Sendung von Meischberger über Depressionen und Trauer- wie lange sie dauern darf - angeschaut.
Was Fachleute über die Trauer zu berichten haben ist nicht der Weisheit letzter Schluss.
Definitiv gibt es keine gültige Zeitangabe die darauf hindeutet dass in einem halben Jahr alles erledigt sein sollte. Es ist wie wir wissen sehr individuell.

Bei den meisten Hinterbliebenen hat es nachhaltige Auswirkungen auf das Leben des zurückgelassenen Menschen. Die Art und Weise wie der Verlust empfunden wird entspricht der unterschiedlichen Rolle die der Verstorbene im Leben des jeweils anderen eingenommen hat.

Schließlich kommt es auf die Lebensumstände und auf das Umfeld des Hinterbliebenen an.
Trauer und Depressionen können fließend ineinander übergehen.
Nicht immer kann das eine vom anderen unterschieden werden.
Wenn ich unsicher, bin ist es besser mit einem Arzt über diese Probleme zu sprechen, bevor sich ein Dauerzustand daraus entwickelt.

Bei mir sieht es momentan so aus:" Ich möchte oft dort hin wo ich gerade nicht bin und wenn ich dort angekommen bin will ich schnell wieder weg."

Liebe Grüße

Jutta
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  #52  
Alt 18.09.2014, 08:03
djkprinz djkprinz ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Guten Morgen Jutta,

die Sendung von der Maischberger habe ich leider verpasst. Vielleicht kann ich Sie mir im nachhinein noch ansehen.

ist es eine Art Ruhelosigkeit, die du in deinem letzten Satz ansprichst? So geht es mir auf jeden Fall derzeit.

Ich war gestern zum ersten Mal in einer Trauergruppe für Frauen. Ob es mir was bringt, weiß ich noch nicht.

Zumindest waren einige sehr erstaunt, dass ich schon dort gesessen habe, da der Tod meines Ehemannes ja noch nicht mal 3 Wochen her ist.


Liebe Grüße Heike
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  #53  
Alt 18.09.2014, 12:24
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HelmutL HelmutL ist offline
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Guten Morgen zusammen,

das Video habe ich mir komplett angesehen. OK, da wird für die Trauer ein halbes Jahr veranschlagt. Da Trauer jedoch nicht das beherrschende Thema der Sendung war, wurde auch nicht geklärt, was Fachleute wie Psychiater und Psychologen unter dieser Trauer verstehen. Es gibt sicher fast genau so viele Meinungen, was Trauer ist, wie es Trauernde gibt. Jeder sieht das ein bisschen anders. Ein gutes Beispiel dafür ist das, was Heike zuvor geschrieben hat über die (mir unverständlichen) Reaktionen in dieser Trauergruppe.

Fachleute müssen das wiederum ganz anders sehen: ab wann kann es passieren, dass der Trauernde seinen seelischen und körperlichen Zustand sehr wahrscheinlich nicht mehr ohne fremde Hilfe überwinden kann, weil z.B. das widerstandslose Verharren in tiefster Trauer dann zu einer lebensgefährlichen Depression werden kann oder es bereits ist. Es geht dabei nicht darum, die Trauer zu beseitigen, sondern sie lebensfähig zu machen und die durch sie eventuell ausgelöste Depression zu überwinden. Das genannte 'halbe Jahr' ist ganz sicher nicht absolut zu sehen und kein vernünftiger Psychologe oder Psychiater wird sagen: "So. Das halbe Jahr ist jetzt um. Ab sofort dürfen sie nicht mehr trauern." Das ist blanker Unsinn.

Ich sage ja auch (wie viele andere hier), dass die Trauer nie endet sondern sich nur verändert. Doch dabei gehe ich davon aus, was ich unter Trauer verstehe. Auch hier, unter uns, gibt es durchaus verschiedene Meinungen. Was gut ist. Jeder hat seinen eigenen Weg.

Was mich besonders beeindruckt hat ist, dass die Fachleute in dieser Sendung eingestehen, dass es auch für sie bei der Krankheit Depression einen 'point of no return' gibt, ab welchem sie in bestimmten Fällen machtlos sind. Wie andere Ärzte bei anderen Krankheiten auch.


Liebe Grüße,

Helmut
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  #54  
Alt 18.09.2014, 17:18
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Zitat:
Zitat von HelmutL Beitrag anzeigen
Fachleute müssen das wiederum ganz anders sehen: ab wann kann es passieren, dass der Trauernde seinen seelischen und körperlichen Zustand sehr wahrscheinlich nicht mehr ohne fremde Hilfe überwinden kann, weil z.B. das widerstandslose Verharren in tiefster Trauer dann zu einer lebensgefährlichen Depression werden kann oder es bereits ist...
Hallo Helmut!

Ich habe es bei einer Bekannten so erlebt, dass sie sich erst dahingehend äußerte- ihr Mann sei ja schon so weit vorgeschädigt ,- das es hoffentlich schnell mit ihm zu Ende geht. Sie hörte sich kühl und gefasst dabei an.

Als er dann "unerwartet" starb, stürzte sie schnell in den Abgrund, so dass sie weder sich, noch ihre beiden Pudel versorgen konnten. Zunächst hat sie eine Therapie in einer Tagesklinik gemacht und anschließend ging es in eine psychosomatische Klinik weil sich ihre Trauer( oder Depression?) nicht besserte.
Da es heute so viele Alleinlebende gibt konnte sie die Hunde dort mit hinnehmen.
Auch hier kann man sehen das der Gedanke an eine bevorstehende Situation nicht viel mit der realen Wirklichkeit zu tun hat.
Sie hat sich dann selbst dazu überwunden Hilfe anzunehmen.

Vielleicht den Hunden zuliebe?

Auch zu mir hat mein Mann gesagt, ( wenn ich trübe Gedanken hatte ) ich muss mich noch um unseren Hund kümmern wenn er nicht mehr da ist.
Er soll auch auf dem Hundefriedhof beerdigt werden. Dafür hätte er sogar noch ein Testament gemacht!

Liebe Grüße
Jutta

Geändert von gitti2002 (18.09.2014 um 22:33 Uhr) Grund: Zitat gekürzt
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  #55  
Alt 18.09.2014, 19:02
mausi69 mausi69 ist offline
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Hallo ihr Lieben!

Sehr interessant hier bei euch! Die besagte Sendung habe ich leider oder auch Gott sei dank nicht gesehen! Sechs Monate trauern und dann muss gut sein? Und wenn nicht hat man eine Depression?
Hallo? Das habe ich ja noch nie gehört für mich totaler Schwachsinn! Woran machen solche Menschen fest? Ob die schon mal getrauert haben?

Meine Mama ist am Montag drei Monate nicht mehr, ich stecke noch tief drin in der Trauer. Sie hat sich zwar verändert und ich gehe anders damit um, aber sie ist noch da und wird es auch in ein paar Monaten noch sein!
Also wenn ich in vier Monaten noch trauere habe ich eine Depression? Ich glaube es ist gut das ich die Sendung nicht gesehen habe.

Jeder Mensch trauert anders und braucht auch unterschiedlich Zeit, klar gibt es garantiert auch Menschen die den Verlust nicht verkraften und in eine Depression rutschen, aber ich glaube nicht das man das zeitlich festlegen kann!

Omondi Hut ab was du zu Lebzeiten jetzt schon alles geregelt hast, ich glaube nicht das ich das könnte!!!!

Alles liebe mausi
__________________
Meine Mama
BSDK ED 05.02.2014

28.07.1949 - 22.06.2014

Du warst es wert so sehr geliebt zu werden!
Du bist es wert, das so viel Traurigkeit an deiner Stelle geblieben ist!



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  #56  
Alt 18.09.2014, 19:05
Chari Chari ist offline
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Das einzige was ich gemacht habe ist für den Fall der Fälle persönliche Briefe geschrieben zu haben. Ich finde den Gedanken schön dass ich selbst nach dem Tod mit diesen Briefen noch meine Lieben erreichen kann und ihnen etwas Mut zusprechen kann und etwas von der Traurigkeit damit hoffentlich stillen kann.

Ein eventuelles Begräbnis würde ich ganz den Hinterbliebenen überlassen, es dient denen ja mehr als mir, ich sehe ja sowieso nichts mehr davon.

Persönlich würde ich kein Grab zum Beispiel brauchen aber wenn meine Hinterbliebenen gerne einen Ort zum Trauern auf dem Friedhof hätten, dann ist das ihre Entscheidung (und nicht mehr meine)

Geändert von gitti2002 (18.10.2014 um 22:35 Uhr)
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  #57  
Alt 19.09.2014, 16:12
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Geht es euch auch so?

Hallo zusammen,

Professor Beck sagt wörtlich auf die Frage 'Wie lange': "Wir jetzt, im europäischen Sprachraum, würden sagen, in diesem Kulterkreis, wie sie es ja eindrücklich beschrieben haben, Fr. Koller, entspricht es dem, was die berühmte schweizer Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross beschrieben hat: die Stadien der Verleugnung, das Nicht-wahrhaben-wollen, vielleicht auch Wut, dann verhandeln, dann Akzeptanz, dann aber auch Depression. Sechs Monate würden wir so über den Daumen sagen, sollte es gehen."

Da steht nichts von Muss. Da steht nichts davon, dass man dann zum Psychiater gehen muss und sich als depressiv Kranker behandeln lassen sollte. Da steht nichts, was besagt, die Trauer wäre eine Depression, eine Krankheit. Wer genau zugehört hat, wird gehört haben, dass die Depression ein Teil der Trauer sein kann und dass die Depression in der Trauer sich zu einer pathologischen Depression entwickeln kann, jedoch nicht muss. Er spricht z.B. auch davon, dass es diese Aufhellungen (die Erinnerung z.B. an die schönen Dinge der Vergangenheit oder anderes) in der pathologischen Depression so, wie in der Trauer, ja gar nicht gibt. Auch die sechs Monate sind nur ein ungefähres Maß.

Ich kenne alle diese Phasen und Gemütszustände. Und ja, auch die Depression in der Trauer mit allen Begleitumständen wie Antriebslosigkeit, abgrundtiefe Verzweiflung, Flucht in den Alkohol bis hin zum Suizidgedanken. Ich habe mich von Anfang an geweigert (genau wie omondi es für sich selbst beschrieb), professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich wollte es selbst schaffen und habe es geschafft und jeder, der diesen Weg gegangen ist, weiß, wie verd... schwer das ist. Frau Koller in dem Film wusste gar nichts von ihren Depressionen, und hat es trotzdem geschafft. Lange nach dem halben Jahr.

Das ist der Knackpunkt: wer es nicht aus eigener Kraft schafft, diese depressiven Phasen zu überwinden oder zumindest an ihnen zu arbeiten, der rutscht ganz leicht in eine pathologische Depression aus welcher er ohne professionelle Hilfe nicht mehr heraus kommt. Und da denke ich, ist das halbe Jahr schon eine ungefähre Richtschnur. Wer sich innerhalb dieses Zeitraums auf den Weg zurück ins Leben gemacht hat, braucht sich über Zeit keine Gedanken zu machen. Auch nicht, wenn er oder sie bis dahin noch keine endgültige Lösung gefunden hat. Der Weg kann durchaus noch sehr weit sein und es heißt ja nicht, dass er/sie danach nicht mehr traurig ist im Gedanken an den/die Verstorbene/n und es keine tiefen Löcher mehr gibt.

Man muss unterscheiden zwischen depressiven Phasen (mit allen Symptomen der pathologischen Depression) in der Trauer, aus welchen man aus eigener Kraft herauskommen kann, und einer behandlungsbedürftigen Depression, die man ohne fremde Hilfe nicht mehr schafft. Die Unterschiede wurden sehr klar angesprochen in dem Film.

Nicht alles, was einem nicht auf Anhieb gefällt, ist deswegen falsch. Es gibt Menschen, die nach 2 oder 3 Monaten wieder mitten im Leben stehen. Auch das ist prinzipiell nicht falsch, nur individuell.


Liebe Grüße,

Helmut
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  #58  
Alt 19.09.2014, 20:28
simi1 simi1 ist offline
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Zitat:
Zitat von HelmutL Beitrag anzeigen
Ich kenne alle diese Phasen und Gemütszustände. Und ja, auch die Depression in der Trauer mit allen Begleitumständen wie Antriebslosigkeit, abgrundtiefe Verzweiflung, Flucht in den Alkohol bis hin zum Suizidgedanken. Ich habe mich von Anfang an geweigert (genau wie omondi es für sich selbst beschrieb), professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich wollte es selbst schaffen und habe es geschafft und jeder, der diesen Weg gegangen ist, weiß, wie verd... schwer das ist. Frau Koller in dem Film wusste gar nichts von ihren Depressionen, und hat es trotzdem geschafft. Lange nach dem halben Jahr.

Hallo Helmut und alle anderen,

ich bin bereits seit wenigen Wochen nach der Rezidivdiagnose im Januar 2013 in psychologischer Behandlung, also schon seit fast 20 Monaten. Dennoch kenne ich alle die von dir beschriebenen Begleitumstände und sie gehören bis heute zur Tagesordnung.
In welchem Zustand ich ohne diese Unterstützung wäre? - Ich weiß es nicht.
Ob ich mein Leben - trotz Psychotherapie - jemals wieder vollständig in den Griff bekomme? - Ich weiß es nicht.
Ob man zeitliche Anhaltspunkte für eine Bewältigung der persönlichen Trauer nennen kann? - Auch das weiß ich nicht.

Nachdem meine Tochter bereits vor 15 Monaten verstorben ist, befinde ich mich - nach Anwendung dieser Halbjahresfrist - sicherlich in einer Depression. Auch wenn ich die Leitsymptome einer Depression nachlese, kann ich einer solchen Diagnose nur zustimmen. Ein persönliches Problem habe ich nicht damit. Meine Trauer ist da und ich bin dankbar, dass ich darin in Person meiner Psychologin einen neutralen und kompetenten Ansprechpartner habe. Es ist sehr hilfreich für mich, in den Therapiestunden immer wieder einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Zu formulieren, warum es mir gerade so schlecht geht. Herauszuarbeiten, welcher Anlass ein besonders tiefes, dunkles Loch veranlasste.

Es gibt viele individuelle Verläufe der Trauerphasen und es gibt viele Wege, um wieder ins Leben zurückzufinden. Für mich ist der wesentliche Punkt, dass Bewegung in der Situation ist. Sobald man zu erstarren droht, halte ich professionelle Hilfe für dringend angeraten.

Alles Gute und ein lebbares Wochenende allen hier und besonders liebe Grüße an dich, Helmut!
Simi
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  #59  
Alt 19.09.2014, 20:34
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Yogi 12 Yogi 12 ist offline
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Zitat:
Zitat von HelmutL Beitrag anzeigen
....Ich kenne alle diese Phasen und Gemütszustände. Und ja, auch die Depression in der Trauer mit allen Begleitumständen wie Antriebslosigkeit, abgrundtiefe Verzweiflung, Flucht in den Alkohol bis hin zum Suizidgedanken. Ich habe mich von Anfang an geweigert (genau wie omondi es für sich selbst beschrieb), professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich wollte es selbst schaffen und habe es geschafft.....
Hallo zusammen,

Vielen Trauernden reicht eine Begleitung durch Freunde oder Bekannte nicht aus.
Für mich persönlich ist es keine Schande wenn ich mir Hilfe hole, weil ich das Gefühl habe mit meiner jetzigen Situation vollkommen überfordert zu sein. Wichtig ist doch nur, das die seelischen oder auch körperlichen Beschwerden gelindert werden und ein Austausch mit ähnlich Betroffenen oder Einzelgespräche stattfinden und- hilfreich sein können.
Der eigene Weg durch die Trauer kann so stabilisiert und unterstützt werden.

Wer es alleine schafft hat noch genug Ressourcen für die Selbsthilfe, und wird versuchen bei der nächsten Herausforderung ähnlich vorzugehen.

Wie auch immer, Hauptsache es führt zum Ziel.....

Auch ich habe noch Beschwerden durch Magendruck, oder das Herz schmerzt weil ich meinen Mann so arg vermisse....

Bisher kann ich es aushalten - aber ich habe mir auch Unterstützung geholt und bin dankbar dafür dass es sie gibt.

Liebe Grüße

Jutta
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  #60  
Alt 20.09.2014, 21:04
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HelmutL HelmutL ist offline
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Zitat:
Zitat von simi1 Beitrag anzeigen
Es gibt viele individuelle Verläufe der Trauerphasen und es gibt viele Wege, um wieder ins Leben zurückzufinden. Für mich ist der wesentliche Punkt, dass Bewegung in der Situation ist. Sobald man zu erstarren droht, halte ich professionelle Hilfe für dringend angeraten.
Zitat:
Zitat von Yogi 12 Beitrag anzeigen
Für mich persönlich ist es keine Schande wenn ich mir Hilfe hole, weil ich das Gefühl habe mit meiner jetzigen Situation vollkommen überfordert zu sein ....

.... Bisher kann ich es aushalten - aber ich habe mir auch Unterstützung geholt und bin dankbar dafür dass es sie gibt.
Hallo Simi, hallo Jutta,

ich denke, genau darum geht es doch: einen gangbaren Weg zu finden und Angebote zur Hilfe anzunehmen, wenn es nötig ist. Dass man sich diese Hilfe dann holt, weil man sie eben braucht, zeigt doch, dass selbst da noch Lebenswille und Bewegung vorhanden ist. Man darf sich dabei die eigene Schwäche durchaus eingestehen, weil es realistisch ist. Ich finde das mutig, keineswegs schwach.

Das wird selten gelingen, indem man seine Ansichten (nach welcher Seite auch immer) auf einige wenige Worte zusammenschrumpfen lässt.

Ich hatte damals geschrieben: "Ich lasse mir meine Trauer nicht schön reden." Das hätte ein schwerer Fehler sein können, denn hätte ich gewusst, auf was ich mich dadurch einlasse ... vielleicht wäre meine Entscheidung anders ausgefallen. Zum Glück für mich war es auch so gut. Letztendlich.


Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,

Helmut
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