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  #1  
Alt 09.01.2017, 17:32
Derstudent Derstudent ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Liebe Gemeinde, ich habe ein großes Problem und wollte Euch um Erfahrungswerte bitten. Vor fast einem Jahr wurde bei mir ein tiefsitzender Tumor im Rektum entfernt. Gott sei Dank konnte der Schließmuskel erhalten werden. Gott sei Dank keine Metastasen. Allerdings wurde ein Teil vom inneren Schließmuskel entfernt. Dann bekam ich ein protektives Illeostoma. Aufgrund einer Wundheilungsstörung im perianalen Bereich verzögerte sich der Stomaverschluss erheblich. Vor 6 Tagen endlich erfolgte der Stomaverschluss. Heute wurde ich aus dem KH entlassen und bin jetzt daheim. Leider bin ich weder stubenrein noch sonstwie gesellschaftsfähig. Ich bin fix und fertig. Ich habe permanent die Hosen voll. Ohne Vorwarnung erfolgt urplötzlich und gefühlt alle 10 Minuten eine Stuhlentleerung. Ich kann mich deshalb nicht einmal hinlegen um mich zu entspannen, obwohl ich todmüde bin. Es kommen immer blitzschnell so hinterfotzige Mini-Portionen. Selbst wenn ich neben meiner Kloschüssel stehe habe ich keine Chance, die Hosen runter zu ziehen, denn ich merke nicht dass sich da was anbahnt. Kein Gefühl. Keinerlei Kontrolle. Mein Chirurg (ein sehr bekannter, weit und breit der Beste !!!) sagte bei der letzten Untersuchung meines Schließmuskels "das wird wieder" !!! Ich habe nur Durchfall und keinen festen Stuhl. Außerdem kann ich nicht pressen um den Darm auf einmal zu entleeren. Vermutlich wegen der Bauchverletzung (Stomaverschluss). Mein Hintern brennt wie Feuer, ich habe zu ersten mal Mitleid mit brüllenden Babys - die haben Schmerzen wie ich. Meine Frage: Wie lange dauert dieser entsetzliche Zustand? Könnt ihr mir bitte Erfahrungswerte geben? Danke schon mal ...

Ps: lasst Euch bitte nicht von meinem Pseudonym in die Irre führen, ich bin kein junger Mann sondern ein uralter Knochen. Mein Studium musste ich kurz vor dem Bachelor wegen dieser Erkrankung unterbrechen. Da ich mich mit Pampers nicht mal in den Supermarkt traue, geschweige denn in die Uni, kann ich eine Fortsetzung des Studiums wohl knicken...

Geändert von gitti2002 (09.01.2017 um 21:50 Uhr) Grund: Beiträge zusammengeführt
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  #2  
Alt 09.01.2017, 21:22
zebra01 zebra01 ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Hallo student,
ich bin Katharina, eine Angehörige. Bei meinem Mann war es die ersten Tage auch erst so und dann kam ganz, ganz langsam eine Verbesserung. Die Rückverlegung ist jetzt 18 Monate her. An manchen Tagen rennt er noch 20-30 mal, aber er kann alles kontrollieren.
Folgendes hat geholfen gegen das Wundsein:
-Posterisan protect mit Applikator, so dass man tief an die wunden Stellen kommt
- abputzen mit ölgetränktem Papier ( egal welches, manche schwören auf Sesam, aber gut ist auch Rapsöl)
- der absolute Durchbruch war ein Dusch-WC, ein nachrüstbares Bidet mit Fönfunktion. Das Wundsein verschwand und durch den Wasserdruck kann er das Rektum besser entleeren ( den Wasserdruck kann man bei unserem Dusch-WC regulieren)
- Bepanthen andauernd

Gegen das häufige Rennen half ihm Loperamid. Hier musste er viel experimentieren zwischen einer halben oder 2-4. Die Miniportiönchen sind mit Flohsamen ( Mukofalk) zu größeren Einheiten verschmolzen.
Hab Geduld, das wird wirklich wieder besser.

Katharina

P.S. Google vielleicht mal nach LARS ( lower anterior resection syndrom), dort gibt es auf englischsprachigen Seiten noch mehr Tipps

Geändert von gitti2002 (09.01.2017 um 21:51 Uhr)
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  #3  
Alt 10.01.2017, 14:50
Safra Safra ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Hallo,

Ergänzung dazu: Es ist völlig normal, dass Du in die Hosen machst (sorry). Denn ein Schließmuskel muss auch trainiert werden wie jeder Muskel, und das war bei Dir vermutlich nicht möglich. Selbst ich, mit Rektum-CA und Rückverlegung nach 7 Wochen, hatte zu tun, es auf das Örtchen zu schaffen, und eben auch diesen sehr häufigen Stuhlgang. Viel Abduschen, viel Bepanthen o.ä. Und vielleicht mal wegen einem Physiotherapierezept Schließmuskeltraining nachfragen.

Viele Grüße! Safra
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  #4  
Alt 11.01.2017, 10:30
dagehtnochwas dagehtnochwas ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Hallo Student,
ich komme zwar aus der Lungenkrebsecke, habe jedoch aus einer bereits vor Jahren erworbenen inkompletten Querschnittslähmung einige Erfahrung mit dem Thema. Ich habe eine Blasen/Mastdarmlähmung die u. a. zur Folge hat, das der Mastdarm und der externe Schließmuskel gelähmt sind. In wie weit die Situation vergleichbar ist, kann ich nicht sagenm da bei dir der Mastdarm ja noch voll Funktionsfähig ist. Trotzdem möchte ich dir gerne einige meiner Erfahrung mitteilen.

1. Ich würde zunächst versuchen die Darmaktivität mit Loparamid einzuschränken (wurde schon genannt). Das ist aber keine Dauerlösung.
2. Mit Flohsamenschalen (in Drogerien, Reformhäuser und Bioläden erhältlich, halt ohne den grässlichen Geschmack von Mucofalk) lässt sich die Konsistenz des Stuhls etwas modulieren. Wenn mit weniger Wassr eingenommen und zuvor nicht eingeweicht, dann ziehen die Flohsamenschalen das Wasser aus dem Darm, was eine langsamere Passage zur Folge hat. Viel Wasser und längeres Einweichen erzielt in der Regel gegenteiligen Effekt.
3. Solange der Darm bzw. Schließmuskel sich einer geregelten Tätigkeit verschließen, sollte man es mit einer Art Erziehung versuchen. Möglichst versuchen den Darm zu bestimmten Zeiten zu entleeren und das möglichst vollständig, damit über den Tag Ruhe ist. Zum Beispiel Flohsamenschalen immer zur selben Zeit am Abend nehmen (z.B. 18 Uhr) und sich morgen auf die Toilette setzen. Man kann auch mit Abführmitteln am Abend einen bestimmten Rythmus erzwingen (Vorsicht, kein Dauergebrauch).
Die Entleerung kann durch eigene Darmstätigkeit erfolgen, durch digitales Ausräumen (Handschuhe an und die Ampulle selbst ausräumen, Arzt fragen) oder durch rektale Irrigation (hier eine Beschreibung http://www.altenpflegeschueler.de/pf...le-irrigation/ ). Der dazu genutzte Irrigator kann erstmal ganz einfacher Bauart sein. Allerdings erzeugt so eine Irrigation einen Druck im Darm durch die eingeleitete Flüssigkeit, es muss vorher ärztlich geklärt werden, ob es medizinisch überhaupt vertretbar ist.
4. Sicherlich sollte man versuchen soviel natürliche Tätigkeit/Funktion durch Übung zu retten, wie es eben geht. Dazu kann ich allerdings nicht wirklich hilfreiches beitragen.

Alles Gute für dich!
dagehtnochwas
__________________
Hoffe nicht ohne Zweifel und zweifle nicht ohne Hoffnung.

Seneca (4 v.Chr. - 65 n.Chr.)

Geändert von gitti2002 (11.01.2017 um 18:46 Uhr) Grund: NB
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  #5  
Alt 14.01.2017, 12:45
EmmaG EmmaG ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Lieber Student,
eine Woche nach Rückverlegung ist sehr kurz, da "zicken" Darm und Schließmuskel noch ständig rum. Man muss es leider sagen, viel Geduld haben und eher in Monaten als in Wochen oder gar Tagen denken. Und: ziemlich wahrscheinlich wird es nicht so wie vor der Erkrankung, gerade nicht bei tiefer Rektumresektion. Meine Stomarückverlegung ist jetzt fast ein Jahr her, an guten Tagen gehe ich morgens in der Stunde nach dem Frühstück, 3-5x kurz hintereinander zur Stuhlentleerung auf die Toilette und das wars dann für den Rest des Tages. An schlechten Tagen, die aber mittlerweile selten sind, habe ich über Stunden ständigen fiesen Druckschmerz im Schließmuskel/Enddarmbereich und gehe ständig zur Toilette um kleine Kleckschen Stuhlgang loszuwerden.
Aber: ich bin nicht inkontinent, kann Nachts durchschlafen, brauche keine Vorlagen und Wundcremes mehr, arbeite vollzeit, gehe wandern, Fahrradfahren, Schwimmen.
Wie schon andere hier geschrieben haben hilft Loperamid, aber auch nicht immer. ich bekomme eher Verstopfung davon, was dann alles noch schlimmer macht. Flohsamen sind auch gut, aber nicht zu viel weil es die Stuhlmenge enorm vergrößern kann, bei fehlendem Rektum nicht so toll.
Auch eine Methode ist regelmäßig ein Abführmittel zu nehmen. (Laxatan oder Movicol). hört sich erstmal komisch an, kann aber bewirken, das der Darm sich danach gut entleert, und man dann im besten Fall viele Stunden Ruhe hat. Das würde ich aber erst in ein paar Wochen ausprobieren. Ich glaube in der ersten Phase nach Rückverlegung hilft Loperamid meistens am besten.
Alles Gute für dich
Emma

Geändert von EmmaG (14.01.2017 um 12:47 Uhr) Grund: smiley eingefügt, den ich nicht haben wollte
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  #6  
Alt 24.01.2017, 12:29
Derstudent Derstudent ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Hallo, danke für Eure Antworten und sorry dass ich mich erst jetzt melde. Erst einen Tag war ich mit Stomaverschluss zu Hause (09.01.), dann gab es eine Katastrophe: Die Darmnaht auf Höhe des ehemaligen Illeostomas war gerissen und meine Bauchhöhle mit Stuhl kontaminiert. Als früh um 6, am 10. Januar, die Schmerzen unerträglich wurden rief ich den Notarzt. Im KH dann Notoperation und drei weitere op. Erst heute (24.01.17) Entlassung. Pech gehabt: nun habe ich wieder ein Stoma, für die nächsten 5 Monate. Blöd gelaufen...
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  #7  
Alt 24.01.2017, 17:27
zebra01 zebra01 ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Oh je, das ist ja ätzend. Ich wünsche dir schnelle Genesung von den drei OPs.
Frag doch mal deinen Arzt, ob du eventuell ein paar Wochen vor Rückverlegung schon mit Training des Darms anfangen kannst. Da gibt es Personal , das vorbei kommt, dir die Handhabung erklärt und dann kannst du täglich alleine mit einer Art Ballon trainieren.
Alles Gute
Katharina
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  #8  
Alt 24.01.2017, 17:47
Derstudent Derstudent ist offline
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Standard AW: Rektumkarzinom operiert, nun Inkontinenz

Danke Katharina, das ist ein guter Tipp
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