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  #1  
Alt 18.11.2002, 11:10
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Wie kann ich meiner Freundin helfen?

Hallo zusammen,
dieses ist mein erstes Posting in diesem Forum. Da ich glücklicherweise bisher nur wenig Erfahrung im Umgang mit dem Tod hatte, würde ich gerne Eure Meinung hören.

Gestern Morgen ist die Mutter meiner Freundin im Hospiz im Alter von 75 Jahren eingeschlafen. Von der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bis gestern vergingen nur ca. 12 Wochen. In dieser Zeit (vor 8 Wochen) habe ich meine Freundin (34 Jahre alt) auch erst kennen und lieben gelernt. Sie ist ein wahrer Engel... aber darum geht es hier nicht.

Sie arbeitet und wohnt 120 km vom Hospiz entfernt, war jedes Wochenende bei Ihrer Ma, unter der Woche auch mindestens 1 mal, hat täglich mehrmals mit ihrer Mutter und ihrem Bruder telefoniert, kurz: Die letzten Tage und Wochen ihrer Ma waren ihr Lebensinhalt. Die letzten drei Tage und Nächte hat sie am Bett verbracht und war dabei, als ihre Mutter gegangen ist. Mehrmals hatten wir beide gedacht, meine Freundin wäre am Ende ihrer Kraft angelangt, aber sie hat immer wieder Reserven mobilisiert.

Jetzt ist sie mit den Vorbereitungen für die Beerdigung am Freitag beschäftigt - und auch das schafft sie wie eine Managerin. Aber was kommt nach Freitag? Wenn ihr erster Griff morgens nicht mehr zum Handy geht, um ihre Familie anzurufen. Wenn sie nicht mehr Ihren Job mit den Besuchen koordinieren und planen muss? Dann wird sie der Schmerz und die Trauer in voller Härte treffen.

Meine Frage an Euch: Was kann ich dann für sie tun? Wie kann ich ihr helfen? Zuhören und sie in den Arm nehmen und immer für sie da sein, das habe ich auch in den letzten Wochen getan, und daraus hat sie Kraft geschöpft. Aber reicht das auch jetzt? Was habt Ihr in der Zeit danach gemacht, und was hat Euch weitergeholfen? Ein paar Tage wegfahren? Sich gemeinsam bei trauriger Musik betrinken und weinen? Gemeinsam Ihre alten Familienfotos anschauen? Etwas ganz anderes vielleicht?

Vielen, vielen Dank für Eure Antworten!
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  #2  
Alt 18.11.2002, 11:32
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Wie kann ich meiner Freundin helfen?

an der freund,

zuerst möchte ich dir schreiben,jeder mensch geht anders mit einem verlust um.es kann sein, sie fällt in ein riesengroßes loch oder sie versucht einfach weiter zu funktionieren.

du solltest auf jeden fall versuchen ihr zuzuhören wenn sie reden möchte, nimm sie weiter in den arm und tröste sie.ich glaube du tust schon sehr viel für sie, wenn du nur da bist und ihr zeigst wie sehr du an ihrem schiksal anteil nimmst.
mir hat sehr geholfen, mich mit den dingen zu beschäftigen, die ihm wichtig waren.die er im leben gern tat und aufgaben zu vollenden, die er nicht mehr geschafft hat.man ist dann irgendwie ganz nah bei ihnen und fühlt sich ein bisschen leichter.

wegfahren wollte ich in der ersten zeit nicht, auch nicht um mich abzulenken, denn das wollte ich gar nicht, ich wollte mich dieser trauer hingeben und nicht vergessen.

es wäre mir in der ersten zeit wie ein verrat vorgekommen, wäre ich für ein paar tage verreist.
aber wie gesagt, jeder geht damit anders um.
sei einfach nur für sie da, sie wird auch weiter daraus ihre kraft schöpfen.
vielleicht helfen ihr ja auch ein paar bücher über das erleben der trauer.

ich wünsche dir viel einfühlungsvermögen und deiner freundin alle kraft der welt für die kommende zeit

gela
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  #3  
Alt 18.11.2002, 23:41
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Wie kann ich meiner Freundin helfen?

Hallo Freund,
ich habe dieses Eleben - das ein lieber Mensch ging, vor kurzer Zeit erleben müssen. Mir selber war es dabei wichtig, dass ich in meinem Partner einen Ansprechpartner hatte. Da er tagsüber seinen Job machen musste, sammelte sich -v or allem nach der Beerdigung - unheimlich viel in mir über Tag an, das ich nach Feierabend ihm erzählen musste. Ja, es hat mir wahnsinnig geholfen, dass jemand DA war. Einfach da! Was mir in dieser Zeit völlig unwichtig war, war das Essen und Trinken - diese leidige Nahrungsaufnahme. Da hat er mich unterstützt und ansonsten - ja, er gab mir Nähe und seine Zeit. Ich konnte - und tue es ja noch heute - meine Trauer - aber auch meine Wut, dass ich meinen Vater verloren habe entgegenschleudern. Er hat einfach Geduld mit mir gehabt. Wenn ich weinen musste, ist nicht einfach weggegangen, sondern war anwesend. Er hat mich in den Arm genommen wenn ich es wollte und wenn er es für nötig fand. Wir Trauernden kommen irgendwann aus diesem dunklen Loch wieder raus, denn das Leben muss weiter gehen - und gut, wenn wir in dieser Zeit einen geduldigen Freund zur Seite haben. Jemanden auch, der uns nicht mit langen Fragen nach dem Davor löchert. Das erzählen wir schon selber!
Behalte bitte deine Gedult und ein Danke für SIE, dass du dich so kümmerst.
Viel Kraft Euch beiden für die nächsten, schweren Tage!
Inga
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  #4  
Alt 19.11.2002, 13:11
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Wie kann ich meiner Freundin helfen?

Hallo Freund,
ich habe auch vor 11 Wochen meinen Vater verloren. Und ich kann nur sagen, die Zeit nachher war und ist sehr schwer. Vor allem als die Beerdigung vorbei war. Alles viel wie eine große Last von mir ab. Und dann wurde mir erst so langsam bewußt was eigentlich passiert war. Auch ich habe einen sehr lieben Partner an meiner Seite. Ich kann weinen wenn ich will, ich kann erzählen wenn ich will und er nimmt mich einfach in den Arm wenn ich es will. Er muss nichts sprechen sondern einfach nur für mich da sein und mir das Gefühl geben, nicht alleine zu sein. Momentan habe ich auch ziemlich psychische Probleme. Will nicht richtig essen, fühle mich müde und ausgelaugt und habe Magenbeschwerden. Aber mein Partner ist für mich da und hilft mir durch diese schwere Zeit. Und genau das mußt Du auch tun. Wenn Deine Freundin weiter so macht wie jetzt, dann lass sie. Wenn sie in ein Loch fällt, dann fang sie auf. Aber zwing sie zu nix. Sie alleine muss entscheiden wie sie mit der Trauer umgehen möchte. Sei einfach für sie da, wenn sie Dich braucht. Und wenn sie alleine sein will, dann akzeptiere auch das. Glaube mir, so hilfst Du ihr am besten.
Wenn sie ein paar Tage wegfahren möchte, dann soll sie es tun. Auch ich habe danach erst mal 2 Wochen Urlaub gemacht und es hat mir verdammt gut getan. Auch im Urlaub kann man trauern, das habe ich auch getan. Aber die neue Umgebung, die vielen Eindrücke und vor allem das wunderschöne weite blaue Meer, haben mich für ein paar Tage das ganze etwas in den Hintergrund stellen lassen.
Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute und viel, viel Kraft, denn die werdet ihr noch brauchen.
Petra
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  #5  
Alt 19.11.2002, 21:03
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Wie kann ich meiner Freundin helfen?

Lieber Freund,

ganz ganz wichtig ist, dass du deiner Freundin irgendwie das Gefühl vermittelst, dass du für sie da bist und dass du es bleibst. Es gibt nichts schlimmeres für den Angehörigen eines Betroffenen als das Gefühl, in seiner Verzweiflung alleine zu sein und andere eventuell zu nerven. Sei immer gesprächs- oder zuhörbereit. Sicher wird deine Freundin oft das Gefühl haben, dass sie dir auf die Nerven geht, wenn sie wieder über den Tod ihrer Mutter redet. Aber sie wird ganz viel reden wollen und vielleicht lange Zeit immer wieder über die gleichen Dinge sprechen wollen. Vielleicht hast du dann oft das Gefühl, dass sie die Trauer nicht überwindet, oder nur sehr langsam. Lass dir sagen, dass dies normal ist. Es ist schlimm, wenn die Umwelt einen mit einer Erwartungshaltung unter Druck setzt, dass man nach einer "angemessenen Zeit der Trauer" wieder bereit sein muss fürs Leben. Es kann sein, dass deine Freundin ein anderer Mensch wird. Es kann auch sein, dass sie sich nun spirituellen Dingen zuwendet, womit viele Menschen nichts anfangen können, du vielleicht auch nicht. Versuche einfach, sie zu verstehen und steh ihr bei.
Je stärker und echter sie jetzt trauern kann, desto eher wird sie auch im Leben ohne ihre Mutter wieder einen Sinn finden können.

Liebe Grüße. Anja
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  #6  
Alt 19.11.2002, 23:15
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Wie kann ich meiner Freundin helfen?

Hallo Freund,

ich habe meine Mum vor 3 Jahren gehen lassen müssen. Auch ich war die letzte Zeit nur bei ihr (wir haben sie zu Hause gepflegt). Als sie dann verstorben war, habe ich nur funktioniert. Alles was so anfällt, zusammen mit meinen Geschwistern automatisch erledigt. Bis heute weiss ich nicht, wie die Tage zwischen ihrem Tod und der Beerdigung vorüber gegangen sind. Mein Zusammenbruch kam nach ca. 3 - 4 Wochen, als ich realisierte, dass sie wirklich nicht wiederkommt, dass ich sie nicht mehr besuchen kann, sie ist nicht nur im Krankenhaus und kommt bald wieder heim. Sie kommt nie mehr heim!
Ich hatte einen riesigen Redebedarf, merkte aber bald, dass ich mein Umfeld damit nervte. Also zog ich mich sehr zurück. Ausser meinem Partner hat mich niemand "ausgehalten". Auch er konnte mich manchmal bestimmt nicht mehr hören, aber er war da.
Das war unendlich wichtig für mich und ist es bis heute.

Viele liebe Grüße und ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen

Petra K.
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