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  #1  
Alt 01.02.2008, 12:53
derengel derengel ist offline
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Standard ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Hallo Ihr Lieben,
lange habe ich nichts geschrieben, weil das Jahr viele Veränderungen gebracht hat, mich oft zeitlich bis zur letzten Minute gefordert hat und trotzdem auch viele schöne Momente mit sich gebracht hat. meine kleine Schwester hat geheiratet und mein Vater war fit wie ein Turnschuh dabei - hurra. Jetzt jedoch habe ich Angst, dass meine Kraft nicht ausreicht.
Seit 18.01. wissen wir, dass von medizinischer Seite nichts mehr für meinen Vater getan werden kann. Er hat ja im Oktober eine Zweitlinienchemo begonnen, weil die erste Variante nicht mehr angeschlagen hat. So bekam er dann Irinocetan in Kombi mit fragt mich nicht was - jedenfalls sind aber die Lebermetas explodiert, sein ganzer Unterbauch laut Arztaussagen voller Tumormasse. Die Chemovariante mit diesem Antikörper, bei dem man wenns denn Wirkung zeigen soll, diesen Hautausschlag bekommt, hat mein Vater vehement abgelehnt, zumal ja auch der Azrt meinte, es wäre in seinem jetzigen Stadium wirklich nur noch eine minimale Option. Also wird er jetzt nur noch mit Schmerzmitteln - derzeit Morphiumpflaster und Noralgintropfen - versorgt. Es war schwer, nach dem Arztgespräch mit ihm zu sprechen (er selbst war nicht mit - nur seine Frau und ich...) - aber ich musste ihm auch die Wahrheit sagen - er wollte ehrlich wissen was mit ihm ist....... Wir haben ihm erneut gesagt, dass er nicht wieder ins Krankenhaus muss und bei seiner Frau zu hause bleiben darf bis zum Schluss und wir 2 Töchter uns dann mit ihr in der Pflege abwechseln werden.... Daraufhin hat er sich sofort im KH "abgemeldet" und sich für knapp 2 Jahre palliative Behandlung bedankt, die ihm bis auf seinen Zusammenbruch im Juni 06 auch beinahe 2 Jahre Lebensqualität geschenkt haben....
Aber nun hat er sich in den letzten 2 Wochen so sehr verändert - er spricht nur noch zynisch über sein Sterben, schimpft und "tobt" den ganzen Tag mit uns und ist böse auf alles um sich herum.... Ihn nervt die Fliege an der Wand und selbst für die sind wir verantwortlich - wisst ihr was ich meine ??? Ich versuche immer, besänftigend auf ihn einzureden, aber es ist so schwer, ihm eigentlich Gutes tun zu wollen und immer nur angemaunzt zu werden. Hilft man ihm - ist es falsch - lässt man ihn gewähren - ist es auch falsch (er meint dann, wir wären wohl froh, wenn er bald weg wäre und würden schon die Tage zählen...). Ich weiß nicht, wo hier der goldene Mittelweg liegt - ihm Liebe zu geben, ohne ihn zu erdrücken, aber dabei auch selbst noch genug Kraft zu haben....
Der Arzt meinte, dass mein Vater aufgrund seiner guten Herz-Kreislauf-Situation wohl noch einiges mitnehmen muss, was diese besch... Krankheit zu bieten hat. Davor habe ich solche Angst !!! Wie kann man ihm denn dieses Leiden erleichtern (blöder Ausdruck...) ? Derzeit ist er vormittags eigentlich noch ganz fit - wobei das Frühstück die einzige Mahlzeit ist, die er noch zu sich nimmt. Mittags bekommt er nichts runter und dann geht er auch schon ins Bett. Wir haben da jetzt ein Babyphon angesteckt, um ihn auch zu hören, wenn er nachmittags oder abends noch etwas braucht (sonst ist er nämlich auch ungehalten und böse, wenn wir ihn aufgrund der leisen Stimme nicht hören können)...Was wird da nur noch auf ihn zukommen ??
Ich nehme mir sein Schimpfen zwar nicht persönlich zu Herzen, da ich weiß, dass er eigentlich nur traurig, unsicher und voller Angst ist, aber ich merke, dass es sehr an den Kräften zehrt.... Tags kann man vielleicht noch stark sein, aber an Schlaf kann ich derzeit gar nicht denken und ich nehmen an ich werde noch viele Wochen Kraft brauchen....
Gibt es irgendwelche Mittel, um ihn vielleicht etwas ruhiger zu stimmen (Duftkerzen oder so vielleicht) - habt ihr da schonmal irgendwas ausprobiert ? Was kann ich tun - ich mag ihn so nicht leiden sehen ????

Erstmal liebe Grüße und eine dicke Umramung an alle, die es zur Zeit ganz nötig haben

Grit

PS Liebes Leenchen - nun bin ich doch wieder hier :-) Dir dürck ich erstmal ganz fest die Daumen für den 04.02. - meine Gedanken sind bei dir und ich begleite dich im Herzen in die Röhre - dann schaffst du alles !!!

Geändert von derengel (01.02.2008 um 12:57 Uhr) Grund: text vergessen
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  #2  
Alt 01.02.2008, 13:42
Benutzerbild von hope38
hope38 hope38 ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Meine liebe Grit !
Ach je, das ist sicherlich eine ganz schwere Situation(((

Ich kann da gar nichts wirklich richtiges zu sagen, ich denke, dieser Lebensabschnitt, der alles beendet , ist einer, der "einfach" ausgehalten werden sollte, so gut man kann. Ich erinnere mich gerade, daß Eva (sunnypunkie) hier auch oft von diesem hilflosen Gefühl ihrem Partner gegenüber geschrieben hat. Ich habe da oft gesessen und gefühlt, daß es diesem Menschen, der im Sterben liegt, einfach sehr schlecht geht, also er auch in der Seele sehr einsam und ängstlich ist. Deswegen wohl diese unkontrollierbaren Wutausbrüche und Vorwürfe. Wenn man sich ein wenig vor Augen führt, daß er damit die Verzweiflung meint, daß er wütend ist über den Verlauf, daß er sehr traurig ist, das Leben loslassen zu müssen, dann kann man das vielleicht ein wenig von sich schieben, es also nicht auf sich beziehen, so wie Du es ja auch schon erkannt hast.
Es tut mir sehr leid, liebe Grit!

Ich melde mich bei Dir, ich bin Dir ja noch eine email "schuldig"! Und ja, ich nehme Dich in meinen Gedanken ganz ganz fest mit in die "Röhre"!

Ich drück´Dich, denn mehr kann ich nicht tun, leider,

Dein Leenchen
__________________
am 02.05.2006 Rektum-Ca-Diagnose, Chemo+Bestrahlung, OP im August 2006, danach von 11/06 bis 02/07 adjuvante Chemo, Anlage eines Ileostomas, Rückverlegung in 01/09

(alle von mir im KK verfaßten Beiträge/Texte und Geschichten dürfen ohne meine Erlaubnis nicht weiterverwendet werden)
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  #3  
Alt 01.02.2008, 15:21
Benutzerbild von Windlicht
Windlicht Windlicht ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe grit...............ich bin etwa in der selben situation wie du......wir haben
anfangs dezember ebenfals die diagnose austeaphiert erhalten.........mein
pa reagierte anfangs genau wie deiner meine ma und ich wurden nicht sehr
schön behandelt...........bei meinen 3 brüdern hingegen hielt er sich sehr
zurück.......................ich habe das alles geduldig hingenommen aber es
tat verdammt weh.........und kostete mich unendlich kraft..............ich
kann ja verstehen das diese grenzenlose wut diesen entäuschung irgend-
wo raus musste.....................aber ich sah nicht ein warum gerade ich
und meine ma das aushalten sollten also fing ich an ihn nicht mehr mit
samthandschuhen anzufassen sondern gab im zu verstehen das er mich
sehr verletzt hatte mit seinen anfällen.................und gab ihm zurück
und siehe da auf einmal ging es wieder besser.....................ich kann
aber auch verstehen das sie sich irgendwie abreagieren müssen denn
ich weiss bis heute nicht wie man das verkraften kann mit so einer
diagnose dazusein, abzuwarten, hilflos dieser grausamen krankheit aus-
geliefert zu sein und nicht mehr kämpfen zu können....................ich weiss
wirklich nicht wie ein einziger mensch das bewältigen kann.................
ich wünsche dir von herzen ganz viel kraft für die beforstehende zeit..........
und hoffe das du jemanden zum reden hast ...............
daniela
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  #4  
Alt 27.03.2008, 13:06
derengel derengel ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Ein Hallo an Alle,
ich muss heute mal ein paar Fragen loswerden. Der Zustand meines Vaters hat sich weiter rapide verschlechtert - man kann eigentlich täglich dem Verfall zusehen. Vergangene Woche war er im KH zur Punktion des Bauchwassers, dabei hat er auch 2 Konserven Blut erhalten. Dort im KH hat mein Vater auch alles in die Wege geleitet, dass er Sondennahrung erhält - seit gestern bekommt er die nun zu Hause täglich von 10.00 - 18.00 Uhr über den Port. Er weint jeden Tag, dass er doch nur Sterben will - aber nun mit der Sondennahrung geht er dem ja eigentlich entgegen - und wir können ihm doch auch nicht sagen, dass er die Nahrung weglassen soll, weil er so sein Leiden noch weiter verlängert - das wäre ja als würden wir wollen, dass er recht schnell stirbt. Doch mein eigentliches Problem ist, dass wir nicht mehr wissen, was "echt" und was geschauspielert ist. Bin ich zB bei ihm, dann redet er relativ normal mit mir, er versucht auch aufzustehen und sein Stoma noch selbst im Bad zu versorgen, ich kann ihn anfassen und aufhelfen, ihn im Bett auch drehen. Wenn seine Frau - die ja eigentlich die Hauptpflege leistet (ich bin ja nur 2-3 x die Woche dort) bei ihm ist, dann ist es Chaos. Er beschimpft sie nur, alles macht sie falsch, sie darf ihn kaum berühren , da schreit er vor Schmerzen, fragt sie ihn, was er möchte, gibt es zur Antwort nur "weiß ich doch nicht". Sie ist richtig runter mit den Nerven - jetzt schon - und ich weiß nicht, was ich tun kann... Ich kann nicht täglich dort sein - zum Einen wohne ich nicht im gleichen Ort, zum anderen areite ich ja auch... Letzte Nacht hatte sie dann den bisherigen Höhepunkt - mit 8x rufen innerhalb 4 Stunden - wegen 2 Schluck trinken, wegen dem Anhalten der Urinflasche und und und... Dazu kommt dass er wie umnachtet war - mal aus der Urinflasche trinken wollte, dann wieder aus dem Notizbuch usw. Im Gegenzug wollte er aber dass seine Frau ihm nachts um 1 Klöße kocht - und daran erinnert er sich auch heute Morgen noch...also war er ja doch bei klarem Verstand.... Ich kann das nicht einordnen - kann es sein, dass es Metas im Gehirn gibt, die die Aussetzer verursachen - ist es durch das Morphiumpflaster (er bekommt zur zeit aber erst 50mg...) - was bedeutet das alles ? Der Pflegedienst, der die Ernährung anstöpselt, hat gemeint, er wäre noch lange nicht bereit zum "Gehen" - hat das etwas damit zu tun ? Hat jemand auch diese Situationen erlebt ? Ich weiß wirklich nicht mehr, was wir tun können - wir haben ihm versprochen, dass er zu Hause einschlafen darf - aber im Moment scheint mir das eine beinahe unmögliche Leistung für seine Frau zu werden...

Traurige grüße
Grit
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  #5  
Alt 28.03.2008, 09:11
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Birgit4 Birgit4 ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe Grit,
ich nehme dich in meine Arme...ja, es ist so schwer, dein Papa mag nicht mehr Leben...diese ganze Situation mag er bestimmt nicht...er ist einfach nur wütend.....diese Wut bekommt immer die Familie ab. Ich weiß es ist schwer zu verstehen...und es kostet die letzte Kraft.....aber stelle dir mal vor du bist dein Papa...so von Menschen die man lieb abhängig zu sein...und er will das bestimmt auch nicht. Aber keiner von uns Krebserkrankten weiß wie es sein wird wenn der Tag XXX kommt. Ich halte es mir persönlich offen, zu Hause zu Sterben oder ob ich in ein Hospiz gehe. Es kommt auf meine Familie an.....ich möchte sie auch nicht belasten, und im Hospiz würden sie auch seelische Unterstützung haben, und das ist für mich wichtig. Spreche doch mal mit deinem Papa was ihn so wütend macht, du schreibst ja...das er noch bei klarem Verstand ist.....nehme ihn ernst...gehe auf ihn zu.....frage ihn.....nehme ihn in deine Arme.
Das würde ich mir wünschen wenn meine Zeit gekommen ist.....frage ihn ob er vielleicht in ein Hospiz möchte...auch dort könnt ihr für deinen Papa da sein... mit Hilfe für deinen Papa.....und für deine Familie.
Alles erdenglich Liebe für euch.....Sei lieb gegrüßt von deiner Birgit

Geändert von Birgit4 (28.03.2008 um 09:15 Uhr)
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  #6  
Alt 28.03.2008, 12:11
derengel derengel ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe Birgit,
lieben Dank für deine Zeilen. Ja mit dem Hospiz habe ich mich auch schon befasst. Weißt du, wir haben ihm halt versprochen, dass er zum "Ende" hin nicht ins KH muss, deshalb kann ich mich mit dem KH-Gedanken gar nicht anfreunden. Das kommt mir wie Verrat an ihm vor - das möchte ich ihm eigentlich nicht zumuten. Aber ein Hospiz - ja mit diesem Gedanken könnte ich mich anfreunden. Nur leider ist es hier im Osten damit noch relativ dünn besiedelt - man findet zwar einige ambulante Hospizbewegungen, die Gesprächsrunden usw anbieten, aber eine stationäre Aufnahme wäre erst wieder in Eisenach oder Leipzig oder Halle machbar - alles nicht ideal, um viel zeit mit meinem Vater zu verbringen und für ihn da zu sein....
Weißt du, ich habe mir ja auch immer gesagt, dass er einfach wütend ist und seine Reaktionen ganz normal sind...ich weiß nicht, wie ich mich in seiner Situation verhalten würde. Was mich so verzweifeln lässt, ist, dass er seiner Frau gegenüber so aggressiv reagiert. Sie tut wirklich alles für ihn und erhält nur die volle "Breitseite". zu uns Mädchen ist er anders - aber wir können halt keine Rund-um-die Uhr-Pflege absichern (meine kleine schwester wohnt in München und arbeitet im Schichtdienst und ich habe auch immer 45 min Fahrt bis zu ihm und muss ja auch arbeiten). Weißt du ich habe seiner Frau gegenüber ein schlechtes Gewissen, weiß aber auch nicht, wie ich mit ihm reden soll, um ihm nicht weh zu tun.... Es ist so verworren - ich würde es einfach nur gern verstehen....
trotzdem lieben Dank für deine Anteilnahme

Liebe Grüße
Grit
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  #7  
Alt 28.03.2008, 12:18
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Birgit4 Birgit4 ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe Grit,
wie sieht es dann mit einem Hospiz-Begleiter aus....der zu euch nach Hause kommt.Gibt es die Möglichkeit bei euch....rufe doch da mal an....und frage um Beistand und Rat.
Ins KH würde ich auch nicht wollen...."NIEMALS"
Ich wünsche dir und deinen Lieben ...ein schönes Wochenende.
deine Birgit
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  #8  
Alt 29.03.2008, 01:09
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meliur meliur ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

LIebe Grit,

ich weiß nicht, ob wir schon einmal direkt miteinander "geredet" haben, aber vielleicht kennst Du mich ja trotzdem auch schon aus dem Forum. Ich habe eben das mit der Verwirrtheit Deines Vaters gelesen. Das kann in der Tat durch das Morphium kommen! Eine Freundin von mir, die leider inzwischen nicht mehr lebt, hat in ihren letzten Wochen auch Morphium in steigenden Dosen bekommen, damit sie wenigstens einfach möglichst schmerzfrei ist (sie hatte Hautkrebs und viele Metas). Sie war dadurch zunehmend verwirrt, wenn es auch immer wieder klarere Phasen gab. Es fiel ihr immer schwerer, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden, oft bat sie uns dabei auch um Hilfe. Die Grenzen verwischten sich einfach so. Und Gegenstände, die sie gerade in der Hand hielt, ihre Tasse oder ein Buch oder ein Taschentuch, konnten für sie auch zu etwas anderem werden, weil sie kurz weggenickt war und starke Traumbilder hatte. Wir hatten das Glück, dass sie bis zum Schluss sehr lieb war. Aber ich habe auch gemerkt, wie wichtig es war, sie auch in den wirren Phasen ernstzunehmen, und z.B. das, was sie gerade geträumt hatte, nicht einfach mit einer Handbewegung vom Tisch zu wischen als "dummen Traum" (was die Pfleger und Krankenschwestern immer taten, gutgemeint und aus Zeitmangel), sondern ihr zuzuhören, nachzufragen. Nur - wir hatten es da sicher einfacher als Ihr, weil sie nie kränkend zu uns war (wenn auch manchmal ungeduldig).
Ich wünsche Dir, dass Du alles gut durchhältst und Deine Kraft reicht, liebe Grit, und dass Dein Vater sanfter wird. Das kann durchaus noch passieren!

meliur
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  #9  
Alt 29.03.2008, 06:48
Benutzerbild von Jutta
Jutta Jutta ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Hallo Grit,

ich kann mich dem Vorschlag von Birgit nur anschließen, dass deine Mutter sich ehrenamtlichen Beistand durch das lokale Hospiz holt. Nicht nur zu ihrer Entlastung, sondern ganz besonders für deinen Vater. Durch meine Arbeit darin weiß ich, dass sich die Betroffenen einer fremden Person gegenüber ganz anders öffnen, und viele gute und sehr tiefe Gespräche stattfinden können, von denen dein Vater, deine Mutter und auch du "profitieren" werdet. Durch ganz viele Umstände die die Angehörigen nicht immer nachvollziehen können, besonders der seelische Bereich in dieser Phase, benimmt sich dein Vater so. Einen sterbenden Menschen in ein Hospiz zu bringen ist kein Verrat, auch wenn es sich zuerst so anfühlt, es ist in Wahrheit ein Geschenk. Da ihr das nicht könnt, holt euch diese Hilfe nach hause.

Ich kann alles was du beschrieben hast sehr gut nachvollziehen, bei mir war es meine Mutter die in ihren letzten Monaten sehr "schwierig" war. Sie war auch während ihres Lebens sagen wir mal keine einfache Person, aber wir wußten wie sie war. Daher war es uns möglich die vielen Kränkungen und die Ausbrüche niemals persönlich zu nehmen, aber auch energischen Einhalt zu gebieten, wenn es notwendig wurde. Ich weiß das zu tun fällt sehr sehr schwer, aber es bringt beide Parteien wieder auf eine Ebene, wo der Umgang miteinander anders verlaufen wird. Mein Vater, der einige Jahre zuvor auch an Darmkrebs verstarb, war dagegen ein Lämmchen, immer ruhig und besonnen, mit ganz wenigen zornigen Momente.
__________________
Jutta
_________________________________________




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  #10  
Alt 31.03.2008, 08:19
derengel derengel ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe Meliur,

deine Antwort hat mich ein wenig "beruhigt" - es ist einfach gut, zu erkennen, warum ein Mensch vielleicht so und so reagiert. Was die Auslöser sein können. Ich habe am Samstagmorgen auch noch lange mit der Frau meines Papas über deine Zeilen gesprochen, um ihr zu helfen und ihr vielleicht einiges verständlicher zu machen. Leider bahnt sich seit Samstagabend ein multiples Organversagen an und dieses komische Verhalten ist jetzt schon wieder sowas von nebensächlich. Mein Vater blutet seit Samstag aus allen Körperöffnungen, Urin kann er kaum noch ausscheiden und windet sich vor Schmerzen. Der Pflegedienst wollte ihm Faustan und Morphin zusätzlich spritzen, aber da er so panische Angst vor Spritzen hat, hat er das bis gestern Abend noch immer abgelehnt. Es ist kaum zu ertragen, zu sehen, wie sehr er leidet. Wir sind seit Samsatagabend rund um die Uhr bei ihm (acuh meine kleine Schwester ist aus München gekommen). Hoffentlich lässt er sich nachher von der Notwendigkeit einer Spritze überzeugen.... Jeder sagt uns, er wäre noch nicht bereit, zu gehen....Wir haben nun sowohl einzeln als auch gemeinsam mit ihm gesprochen, um ihm zu zeigen, dass alles gut ist und er sich um nichts sorgen machen darf. Dass er gehen darf und wir ihm nicht böse sind... Aber er lässt es nicht zu. Es ist so schlimm.
Liebe Meliur, dir wünsche ich trotzdem eine "schulstressarme" Woche. Lieben Dank nochmal für deine Zeilen.

Traurige Grüße
Grit

@ Jutta - auch dir lieben Dank. Ich habe noch am Samstag mit einem ambulanten Hospiz telefoniert. Die waren schon am Telefon sehr lieb und nachher kommt auch jemand vorbei. Das war ein guter Gedanke von dir. Ich dachte immer, zum "Händchenhalten" brauch ich niemanden, aber im Moment ist einfach jeder Zuspruch so wichtig.
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  #11  
Alt 31.03.2008, 12:20
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hope38 hope38 ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe Grit!
Es tut mir unsagbar leid((((

Fühl´Dich umarmt! Und viel Kraft für Euch, um Deinen Papa zu begleiten!

Deine Leena
__________________
am 02.05.2006 Rektum-Ca-Diagnose, Chemo+Bestrahlung, OP im August 2006, danach von 11/06 bis 02/07 adjuvante Chemo, Anlage eines Ileostomas, Rückverlegung in 01/09

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  #12  
Alt 31.03.2008, 12:43
derengel derengel ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Mein liebes Leenchen,

geht es deinem Magen besser oder liegst du noch immer flach ????
Mein Papa hat sich vorhin nun endlich auf die Morphin und Faustanspritzen eingelassen. Nun dämmert er vor sich hin, aber bis dahin war es wirklich soooo qualvoll. Ob es nun noch 3 Tage oder 3 Stunden dauern wird, kann uns natürlich keiner sagen. Ich melde mich auf jeden Fall bei dir, wenn er es endlich überstanden hat und ich wieder daheim bin.
Traurige Knuddelgrüße

deine Grit
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  #13  
Alt 02.04.2008, 13:09
derengel derengel ist offline
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Hallo,
ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Mein Papa hält so sehr an diesem Leben fest, dass es uns allen schon weh tut.... Er bekommt inzwischen neben dem Morphiumpflaster 125 noch Morphin und Faustan über den Port gespritzt und alles hilft nur 2-3 Std. Dann ist er wieder am rumwühlen, stöhnt, schluchzt und krampft vor Schmerzen. Der ganze Körper zittert nur noch, aber das Herz schlägt wie wild...Bisher wurde 3x am Tag gespritzt, heute Nacht mussten wir den Pfelgedienst aber zusätzlich zum Spritzen holen, weil es so schlimm für ihn war. Diese Schreie zerreißen mir das Herz. Man kann nicht mehr mit ihm reden - also ob ihn unsere Worte erreichen, weiß ich nicht, aber er kann nur noch unverständlich lallen. Das tut so weh. Wir sitzen jetzt abwechselnd an seinem Bett und halten seine Hände, damit er sich nicht ständig weh tut in seinen Zitteraktionen... Wir haben ihm jetzt auch schon gesagt, dass er sich nicht sorgen soll - wir alle versorgt sind und er gehen darf...Aber er hält fest und quält sich dabei so unendlich.... Ich weiß nicht mehr wie ich ihm noch beistehen kann - warum muss er sich so qüälen, das hat doch kein Mensch verdient...

Grit
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  #14  
Alt 02.04.2008, 13:33
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe Grit!
Ich bin zu Zeit nur stille mitleserin hier im Forum.Auch euere Schicksall macht mich total traurig und ich bin echt sprachlos.
Ich würde dir so sehr gern was richtiges sagen aber ich weiss es nicht.
Sei gedrückt von mir, ich wünsche Euch viel Kraft für alles was kommen mag und muss. Ich wünsche auch deinem Papa, das die Ärzte ihm irgendwie helfen können?!?
Ich fühle echt vom Herzen mit Euch und kann mir gar nicht vorstellen was dein Papa durchmachen musst und ihr natürlich auch.
Nochmall wünsche ich dir viel Kraft...
Ganz liebe Grüsse von zlata aus HN
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  #15  
Alt 02.04.2008, 13:53
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Standard AW: ich habe Angst, dass die Kraft nicht ausreicht

Liebe Grit!
Es tut mir auch weh.... Oh nein, wie traurig für Euch, für Deinen Papa!

Leider kann ich nicht mehr tun, als Dir eine große Portion an Umarmungen zu schicken. Ich denke an Euch!

Dein Leenchen
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