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  #1  
Alt 12.10.2018, 17:47
Morrison Morrison ist offline
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Registriert seit: 27.06.2008
Beiträge: 7
Standard Das Leben der anderen.

Hallo zusammen

unsere 32 Jahre alte Tochter hat einen sehr aggressiven Brustkrebs.
Die Diagnose ist seit Montag und jetzt werden gemacht. Die weitere
Behandlung wird ab Donnerstag bzw Mittwoch festgelegt.

Wir sind völlig verzweifelt. Manchmal funktionieren wir nur noch. Sie hat ein
Haus in der Nähe und einen richtigen lustigen Frechdachs als Sohn. )

Das Problem ist das Alter und die Art des Krebses. Genauers erfahren wir noch.
Paradoxer Weise sie trinkt nicht, raucht nicht und ernährt sich gesund. Kein
Fleisch.

Die Bezugsperson ist ihre Schwester und meine Frau. Andermal vielleicht mehr darüber.
Uns kommt es vor, dass unser Leben sich völlig aus den Fugen dreht.

Derzeit werden bei Tanja Untersuchungen wegen Metastasen durchgeführt, bzw.
am Montag dann .

Gestern haben wir erfahren, dass die Lymphknoten befallen sind.
Am Mittwoch wird im Rahmen einer Besprechung oder Tumorkonferenz die weitere Therapie
durchgesprochen.

Ihr könnt euch vorstellen, wie sie sich jetzt fühlt.

Morrison

Geändert von Morrison (12.10.2018 um 17:52 Uhr)
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  #2  
Alt 12.10.2018, 18:21
Tonwerk Tonwerk ist offline
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Beiträge: 25
Standard AW: Das Leben der anderen.

Lieber Morrison,

ich kann gut nachvollziehen, dass sich für euch alle gerade ein bodenloser Abgrund auftut, der Schock ist immer riesig. Und auch ich als Krebsbetroffene hatte immer das Gefühl, dass ich zwar die Patientin bin, aber mein ganzes Umfeld mit mir leidet.

Und jetzt ein paar aufbauende Worte von einer ehemaligen Brustkrebspatientin! Ein sehr aggressiver Krebs bedeutet, dass sich die Tumorzellen schnell teilen. Hört sich erstmal nicht so gut an, ist aber bei einer Chemotherapie sehr nützlich. Die Chemotherapie greift nämlich die Tumorzellen an, während sie sich teilen.

Und auch ich hatte mehrere befallene Lymphknoten, ebenso wie viele meiner Mitpatientinnen. Eine komplette Remission ist auch mit befallenen Lymphknoten möglich. Eine Suche nach Metastasen ist ein Standardvorgehen, dass wird bei jeder Brustkrebspatientin gemacht - also bitte nicht verrückt machen lassen.

Und ein kleiner Trost: bei Brustkrebs gibt es inzwischen sehr wirksame Therapien und man hat in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht. Wenn die Behandlung in einem zertifizierten Brustkrebszentrum stattfindet, ist man wirklich in erfahrenen Händen - ich habe mich in dieser sehr anstrengenden Zeit dort immer gut aufgehoben gefühlt.

Ach ja, das beste was ihr für eure Tochter machen könnt: versucht offen über alles zu reden, auch über eure Ängste. Und genießt zusammen die schönen Momente gemeinsam, die das Leben auch bietet, auch in dieser Zeit. Und die schönen Momente müssen nichts Außergewöhnliches sein, ich habe es zum Beispiel geliebt mit meinen Freundinnen einfach mal ins Restaurant zu gehen oder mich im Café zu treffen (auch wenn ich gerade kein einziges Haar auf dem Kopf hatte).

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig Mut machen

Ingrid
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  #3  
Alt 12.10.2018, 20:53
Benutzerbild von suze2
suze2 suze2 ist offline
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Standard AW: Das Leben der anderen.

hallo!
ich wünsche deiner tochter alles gute. wie sie sich fühlt, kann sich sicher jede von uns vorstellen - dennoch - bitte lasst den mut nicht sinken.

vielleicht mag sich deinen tochter selbst hier anmelden?
ein austausch von patientin zu pateintin kann hilfreich sein.

liebe grüße, alles gute für die kommenden untersuchungen!

suzie
__________________
seit 2005 bin ich ein angsthase
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  #4  
Alt 12.10.2018, 22:56
Positiv_Denken Positiv_Denken ist offline
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Registriert seit: 21.06.2018
Beiträge: 43
Standard AW: Das Leben der anderen.

Ich wünsche Euch viel Kraft für die nächste Zeit.
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  #5  
Alt 13.10.2018, 04:18
lotol lotol ist offline
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Beiträge: 618
Standard AW: Das Leben der anderen.

Lieber Morrison,

dem von Dir Berichteten entnehme ich, daß Eure Tochter keinen Mann als direkte Bezugsperson hat, der ihr beistehen kann, sondern dominant ihre Schwester und/oder ihre Mutter.
Wie schaut's denn mit Dir aus, was die Tochter-/Vater-Beziehung anbelangt?
Tote Hose?

Für umso wichtiger halte ich es in so einer vertrackten und extrem belastenden Situation, daß wenigstens (auch) die Eltern versuchen, gewissermaßen der "ruhende Pol" in der Familie sein zu können.

Was in indirekt (Familienangehörigen) oder direkt von einem Krebs Betroffenen innerlich vorgeht, kann nicht nur kaum ermessen werden, sondern auch höchst unterschiedlich sein.

Und es hängt auch davon ab, inwieweit man sich im Leben bereits schon mal mit Krebs-Erkrankung(en) auseinander zu setzen hatte.
In allen Fällen halte ich es für sehr wichtig, einem Krebskranken vermitteln zu können, daß er den Krebs auch "überstehen" kann.

Damit meine ich nicht das Ablassen von Sprüchen:
"Das wird schon wieder werden" o.ä., sondern viel mehr sachlich begründete Argumente, die einem Krebskranken (berechtigte) Hoffnung und Halt geben können.
Denn beides braucht er dringend und mehr als alles andere in seiner mehr oder weniger beschissenen Situation.

Zitat:
Wir sind völlig verzweifelt. Manchmal funktionieren wir nur noch...

...Das Problem ist das Alter und die Art des Krebses. Genauers erfahren wir noch.
Paradoxer Weise sie trinkt nicht, raucht nicht und ernährt sich gesund. Kein
Fleisch...

...Gestern haben wir erfahren, dass die Lymphknoten befallen sind.
Zunächst besteht bei einem BK keinerlei Veranlassung zu Verzweiflung, und selbst, wenn man sich (mit Diagnosen aller Art) "wie vor den Kopf geschlagen" fühlt, sollte man darum bemüht sein, weiterhin adäquat "funktionieren" zu können bzw. nicht einfach (konfus) "durchzudrehen".
Ich weiß, das ist manchmal leichter gesagt als getan.

Weder das Alter noch die Art des Krebses ist irgendein Problem:
Eure Tochter ist relativ jung, also kann sie locker eine OP + anschließende Chemotherapie "durchstehen".

Im Übrigen interessieren Krebse herzlich wenig, ob jemand trinkt, raucht und sich "gesund" ernährt.
Sie basieren ausnahmslos alle auf genetischen Duplizierungs-Fehlern.
Die - rein statistisch gesehen - mit zunehmendem Alter häufiger auftreten und erwartbar sind.
Was aber nicht ausschließt, daß sie bei jedem Alter auftreten können.

Was die LK anbelangt:
Fragt bitte mal nach, ob es sich dabei um dem BK "nachgeschaltete" LK handelt.
Was nämlich bei BK relativ "normal" ist/sein kann.

Denn das generell übliche Procedere bei BK besteht darin:
1) bösartigen Tumor per OP entfernen.
2) nachgeschaltete LK dabei auch gleich mit entfernen - bis in den Schulter-/Achsel-Bereich hinein reichend.
3) anschließende Chemotherapie, um damit auf "Nummer Sicher" zu gehen.

Zitat:
Zitat von Tonwerk
Und auch ich hatte mehrere befallene Lymphknoten, ebenso wie viele meiner Mitpatientinnen. Eine komplette Remission ist auch mit befallenen Lymphknoten möglich. Eine Suche nach Metastasen ist ein Standardvorgehen, dass wird bei jeder Brustkrebspatientin gemacht - also bitte nicht verrückt machen lassen.
Das kann ich nur bestätigen und ergänzen:
Meine Frau hatte in den 1980er-Jahren einen BK.

Ihr Frauenarzt hatte ein Gemüt, wie ein Metzger-Hund:
Die betroffene Brust muß wegoperiert werden.
So ohne weiteres wollten wir das als einzige Möglichkeit aber nicht akzeptieren.

Machten uns also erst mal bzgl. BK kundig und nahmen Kontakte zu anderen BK-Patienten-Frauen auf, was damals ja nicht ganz so einfach war.
Kann sein, daß wir dazu eine Anzeige in der Zeitung (in Nürnberg) mit der Bitte um Rat und Hilfe schalteten - weiß ich schon gar nicht mehr so genau.

Jedenfalls bekamen wir einen Rat, uns an einen Spezialisten für BK im Krankenhaus Neumarkt/Oberpfalz zu wenden.
Das machten wir dann auch.

Seine Aussage:
Die Brust muß nicht entfernt werden.
Wir operieren den Tumor aus der einen heraus und passen bei der OP die andere Brust (bzgl. Größen-Proportionalität) auch gleich mit an, damit hinterher alles auch optisch wieder "stimmig" ist.
Dann machen wir anschließend noch (sicherheitshalber) eine Chemotherapie.

So ließen wir das dann auch machen.
Wir sind beide bei der TK versichert, welche die Kosten dafür (auch für die "Schönheits-Anpassung") anstandslos übernahm.

Das lief insgesamt genau so ab, wie w.o. beschrieben..
Nach der OP sah das "Zusammengeflickte" an beiden Brüsten schon etwas merkwürdig "verhaut" aus.
Es "verwuchs" sich aber alles zufriedenstellend.
Nicht nur optisch, sondern auch, was die Sensibilität beider Brüste anbelangt.

Was aber viel wichtiger ist:
Der BK konnte komplett und dauerhaft plattgemacht werden.

Unsere seinerzeitige Auseinandersetzung mit der Krebserkrankung meiner Frau an einem BK hatte sicher auch einen Einfluß darauf, als mich 71-Jährigen viel später ein Lymphdrüsenkrebs "erwischte".
Denn da wußte ich bereits, daß man einen Krebs auch plattmachen/"überstehen" kann.

Es gibt aus meiner Sicht zweifellos graduelle Unterschiede bei Krebsen bzgl. Heilungs-Chancen.
Und so blödsinnig es klingen mag:
Hätte ich die Wahl zwischen einem bösartigen Lymphom und einem bösartigen BK (obwohl der bei Männern ja eher selten ist), würde ich eher wieder das Lymphom wählen.
Vermutlich aber eher, weil ich die Lymphom-Therapie nun schon kenne.

Tatsächlich sind die Überlebenschancen bei diesen beiden Krebsarten wohl annähernd gleich hoch.
Genauer gesagt so hoch, daß man sie als nahezu sicher einordnen kann.
Bei jüngeren Menschen sowieso, aber auch bei älteren, wenn diese (altersbedingt) nicht gerade "auf dem Zahnfleisch" daherkommen.

Denke, nur das müßt Ihr Eltern Eurer Tochter zu übermitteln versuchen.
Du hast recht trefflich thematisiert:
"Das Leben der anderen".

Eure Tochter hockt womöglich im finsteren Loch der Verzweiflung.
Ihr Eltern aber letztendlich nicht, weil Ihr nur indirekt betroffen seid.
Folglich ist es aus meiner Sicht Eure Verpflichtung, sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aus dem Loch herauszuholen.


Liebe Grüße und viel Kraft und Erfolg dabei.
lotol
__________________
Krieger haben Narben.
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