Krebs-Kompass Forum  


Zurück   Krebs-Kompass Forum > Spezielle Nutzergruppen > Forum für Hinterbliebene

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 14.12.2002, 15:39
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Ich kann nicht richtig trauern....

Hallo,
So blöde das vielleicht klingt,aber ich kann das irgendwie nicht richtig. Ich denke total oft an meinen Papa aber irgendwie umgehe ich das so schnell wie möglich wieder. Tagsüber will ich das so nicht zeigen. Mein Sohn (fast 4 Jahre) fragt mich letztens als ich mal tagsüber weinte: Mama warum weinst du? Bist du ganz traurig oder hast du au-a? Ich habe ihm gesagt das ich traurig bin weil Opa nicht mehr da ist und das ich deswegen weine. Aber das hat mich irgendwie bestürzt. Wenn ich zum Friedhof gehe rede ich teilweise laut mit Papa und finde das auch nicht weiter schlimm. Aber nicht mal an seinem Grab kann ich weinen. Meist habe ich noch meine Tochter dabei die 9 Monate alt ist. Ich weiß nicht warum mich das alles so hemmt und weiß nicht wie ich meine Gefühle rauslassen soll. Letzten habe ich Fotos meiner Kids geordnet und zufällig eins von meinem Pap in die Hand bekommen. Ich war fix und fertig und habe ewig alleine in der Küche gesessen und geheult,bis mein Mann es dann bemerkte und mich in den Arm nahm.Das weinen tat mir richtig gut. Gestern abend als ich allein im Bett lag,sind mir so die letzten Tage mit meinem Vater durch den Kopf gegangen,und ich hab ganz schnell an was anderes gedacht um mich abzulenken. Ich kann irgendwie gar nicht richtig zurückdenken und die letzte Zeit vor seinem Tod noch mal "durchgehen". Automatisch schalte ich schnell um,ich weiß selbst nicht warum. Ich kann es einfach nicht so zeigen,auch nichtmal wenn ich alleine bin.Aber ich weiß das es befreiend ist,aber es geht nicht....Als ich letztens meine Freundin besuchte die ich seit Papas Tod nicht mehr gesehen und gesprochen hatte,habe ich ihr alles erzählt.Wie es war die letzten Tage und wie sehr mich das seelisch im nachhinein belastet hat,die Tage im Krankenhaus die wir rund um die Uhr bei ihm waren. Aber nicht mal bei meiner Freundin konnte ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen und einfach so mal weinen.Es ging nicht! Und ich verstehe das nicht!!! Wenn ich so darüber nachdenke ist das schon belastend.Ich träume oft von meinem Papa,wie es war als er noch bei uns war und so.Wir hatten ein gutes Verhältniss zueinander und haben uns täglich mehrmals gesehen.Seinetwegen als er krank wurde vor 2 Jahren sind wir sogar umgezogen in die Stadt in der meine Eltern leben,damit ich nah genug und oft genug bei ihm sein kann.Auch meine Mutter weint sehr wenig. Sie sagt immer abends wenn sie alleine ist,kommt alles raus. Wiso geht das bei mir nicht???
Hat das vielleicht einer von euch auch erlebt?
Wäre schön was darüber zu hören...
Gruß Gaby
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 14.12.2002, 19:33
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Ich kann nicht richtig trauern....

Hi Gaby,
Also, als erstes mal drück ich Dich ganz fest!

Weisst Du, ich weine auch lieber in meinem stillen Kämmerlein, wenn mich mein eigener Krebs traurig macht. Ich kann irgendwie schlecht vor anderen Leuten weinen. Weiss auch nicht, woran es liegt, wahrscheinlich an der eigenen "Beherrschung" oder was auch immer. Aber darüber mache ich mir gar keine Sorgen, ehrlich gesagt. Denn wenn ich traurig bin, dann "spüre" ich das auch so, ohne dass ich jetzt gerade weine. Aber bloss weil ich jetzt gerade NICHT weine, kann ich ja nicht behaupten, dass ich dann auch nicht traurig wäre, oder?
Und ob das Weinen jetzt ein "Müssen" ist? Daran denke ich gar nicht.
Das Weinen selbst bedeutet ja eigentlich auch "loslassen", oder "den Schmerz rauslassen". Manchmal geht es, manchmal geht es eben nicht. Vielleicht ist das Weinen auch etwas ganz Persönliches? Ich glaube, bei manchen geht es eben erst, wenn sie ganz alleine sind, andere hingegen können eben jederzeit und überall weinen.

Vielleicht machst Du Dir Sorgen darüber, dass wenn Du NICHT vor anderen weinst, sie denken könnten, dass Du gar nicht wirklich trauerst?
Aber es ist ja nicht wichtig, was andere "denken", sondern was DU fühlst. Und Du fühlst Trauer, ob Du nun weinst oder nicht.
Lass dir Zeit, liebe Gaby. Denk nicht zu fest an die Tränen, die kommen eben dann, wenn sie kommen wollen. Es gibt kein "Gesetz" oder eine "Regel", welches besagt, wie oft und wann man Weinen soll.
Wenn es das gäbe, müsste es ja sowas auch für das Lachen geben, und herzliches Lachen geht ja auch nicht auf Kommando.

Das "Umschalten", wie Du es nennst, ist, denke ich, auch normal. Nicht für jeden, aber manche machen es eben so, um für den Augenblick nicht daran denken zu müssen. Selbst ich als Krebsbetroffene schalte zwischendurch den "Sender" um, denn es ist nicht ertragbar, die ganze Zeit, vierundzwanzig Stunden am Tag, nur an das EINE Leid denken zu müssen. Und wenn mich Leute ansprechen und ich nicht über meinen Krebs sprechen will, dann SAGE ich es einfach.
Das sind aber Momente. Wenn es IMMER so ist und man die ganze Zeit nur "umschaltet", dann ist es wohl eher ein Verdrängen. Aber das tue ich nicht, und ich bin überzeugt davon, dass auch Du das nicht tust.

Belast Dich nicht mit dem "Tränen-Thema", das ist gar nicht so wichtig. Du bist ja auch keine Maschine, die auf Knopfdruck Gefühle raus lassen kann. So wie Du schreibst, hast Du ja schon geweint, als Du alleine warst. Also tust Du und kannst Du es auch.
Naja, vielleicht willst Du ja mal versuchen, Dir öfters kleine Momente des Alleinseins zu gönnen, damit Du Deine Gefühle richtig spüren kannst? Vielleicht hast Du beim "Nicht-Alleinsein" ja bloss nur einfach zu viel Ablenkung?

Aber mach Dir nicht all zu viele Sorgen darüber, ja?
Alles Liebe wünscht Dir
die "krasse" Brigitte
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 17.12.2002, 12:57
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Ich kann nicht richtig trauern....

Hallo Gaby,
nicht nur der Name ist gleich... ich kann genau nachfühlen, wie es dir geht. meine mutter ist vor 5 wochen gestorben, wir hatten eine enge beziehung.. ich habe seitdem vielleicht 2 mal wirklich geweint. ich bin den ganzen tag einfach nur müde... völlig freudlos, aber ich kann nicht weinen. auch nicht, wenn ich allein bin. ich versteh das nicht, es macht mir schon angst! so normal kann das ja nicht sein. dennoch habe ich das gefühl , dass da irgendwas ist was dringend raus will...

ich verstehe dich sehr gut und ich habe auch keine lösung bisher gefunden ausser abwarten!
ganz liebe grüsse
gabi
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Ein langer Abschied und das rauf und runter Forum für Angehörige 2433 04.07.2009 18:03
Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin... Weichteiltumor/-sarkom 2 21.06.2005 15:16
was beantragt man richtig Rechtliches & Finanzielles (Krankenkasse, Rente etc.) 2 13.07.2004 01:35
Fehl am Platz und doch richtig Sonstiges (alles was nirgendwo reinpaßt) 4 15.06.2003 20:11
Wie verhält man sich richtig? Forum für Angehörige 5 03.02.2003 15:10


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 21:34 Uhr.


Für die Inhalte der einzelnen Beiträge ist der jeweilige Autor verantwortlich. Mit allgemeinen Fragen, Ergänzungen oder Kommentaren wenden Sie sich bitte an Marcus Oehlrich, bei technischen Kommentaren an den Webmaster. Diese Informationen wurden sorgfältig ausgewählt und werden regelmäßig überarbeitet. Dennoch kann die Richtigkeit der Inhalte keine Gewähr übernommen werden. Insbesondere für Links (Verweise) auf andere Informationsangebote kann keine Haftung übernommen werden. Mit der Nutzung erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen an.
Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, vBulletin Solutions, Inc.
Gehostet bei der 1&1 Internet AG
Copyright © 1997-2014 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.
Impressum: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. · Eisenacher Str. 8 · 64560 Riedstadt / Postanschrift: Postfach 130435 · 64243 Darmstadt / Vertretungsberechtigter Vorstand: Marcus Oehlrich / Datenschutzerklärung
Spendenkonto: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. Spendenkonto Nr. 17252500 · Volksbank Darmstadt-Südhessen eG · BLZ 508 900 00 · IBAN DE23 5089 0000 0017 2525 00 · BIC: GENODEF1VBD