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  #1  
Alt 09.08.2006, 21:25
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
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Standard streicheleinheiten und sex...

STREICHELEINHEITEN und SEX ……….

was fällt euch eigentlich z.b. unter diesen begriffen ein: streicheleinheiten und sex ???????????

-- wie die worte wohl schon sagen: streicheln und

-- knuddeln und

-- küssen und

-- sex, also zusammen zu schlafen

und das alles sollte eigentlich für alle beteiligten partner zum geniessen sein
eigentlich…………………….

aber es gibt ausnahmen…………………….

eine ausnahme ist die krankheit, die uns hier alle irgendwie zusammengebracht hat, egal ob betroffener, angehöriger oder hinterbliebener…

während der krankheit, auch schon davor und auch danach finden diese streicheleinheiten nicht, nicht mehr oder selten statt.

DAS IST EIN PROBLEM…………………………

es ist wohl ein problem für ALLE beteiligten, über das sehr wenig oder auch gar nicht gesprochen wird aber es ist da…………

reden wir darüber und ich mache den anfang………………

meine frau ist im februar 2005 ins krankenhaus gekommen, t-zell-lymphom, mit pleurodese (mehrfache verklebung der lunge mit dem rippenfell), also auch schmerzen im brustbereich bis heute.
november 2005 zum sterben nach hause, gewichtsabnahme bis auf 40 kg, inzwischen wiegt sie 55 kg, ist aber sehr schmerzempfindlich.

doll in den arm nehmen geht nicht, die narben der pleurodese und der brustkorb drücken und alles tut sehr weh, bis heute, also kein (oder wenig) knuddeln und drücken………………

schleimhäute, wie z.b. die der nahrungsaufnahme wurden durch die chemo und die bestrahlungen zerstört, nur unter betäubung konnte essen oder trinken aufgenommen werden, es entfiel das küssen…………………

sämtliche schleimhäute, das bedeutet auch die der sexualorgane bleiben trocken, es kann sich jeder vorstellen, was das bedeutet, also kein sex……………………

das ist das eine problem………………………….

das andere ist, soll ich mir als partner gänzlich einen anderen partner suchen, etwas für den „übergang“, soll ich meinen kranken partner ganz verlassen oder nur mal eine „auszeit“ nehmen?????????

dieses ganze möchte ich mal angesprochen wissen………………………………………

nebenbei……………………………………..
ich selber bleibe bei meiner frau, egal wie lange diese krankheitsbedingte „ungewollte“ auszeit dauert…………………….

achim
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  #2  
Alt 09.08.2006, 21:35
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silverlady silverlady ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

Hallo Achim
auch ich bin Angehörige. Mein Mann hat Zungenkrebs. Da fällt Küssen dann schon von vornherein vorsichtig aus.
Kuscheln, Schmusen ist alles theoretisch möglich aber es kocht auf Sparflamme.
Beim Sex ist es genauso.
Aber, seit der Diagnosestellung hat sich der Stellenwert bei uns völlig verändert. Auch ohne die körperliche Nähe, die oft durch Chemo usw. unmöglich ist haben wir eine Nähe zueinander gefunden die richtig und wichtig für uns ist.
Taucht das Bedürfnis nach körperlicher Nähe auf können wir es unbefangen geniessen aber wir veruchen nicht etwas zu erzwingen.

silverlady
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die Liebe meines Lebens musste gehen, ich wurde nicht gefragt. Nun muss ich aushalten, annehmen und ertragen.
Doch irgendwann sind wir wieder zusammen, das ist mein Glaube, meine Hoffnung, mein Sehnen.
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  #3  
Alt 09.08.2006, 21:44
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

hallo silverlady,
dann kennst du ja das problem, ich finde es schön, das ihr beide "trotzdem" das ganze angeht und eine für euch beide schöne lösung gefunden zu haben scheint.....................

alles gute

achim
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  #4  
Alt 09.08.2006, 22:18
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silverlady silverlady ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

hallo Achim
ich glaube wir sind uns in dieser Zeit näher gekommen wie in den ganzen Jahren vorher. Wir nehmen jeden Tag wie ein Geschenk denn wir wissen das unsere Zeit begrenzt ist.
Wir haben den Spagat zwischen den körperlichen Bedürfnissen und den Krankheitsbedingten Einschränkungen geschafft.
Es war anfangs nicht immer leicht aber wir haben es geschafft. Die Nähe die wir zueinander haben ist zärtlichkeit geprägt und das kann sich schon durch leichte kurze Berührungen ausdrücken.

ich wünsche deiner Frau und auch dir alles Gute
silverlady
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  #5  
Alt 09.08.2006, 23:00
dolores2505 dolores2505 ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

Hallo,
ein interessantes thema, finde ich.
Ich bin "nur Angehörige /tochter", und in der Zeit der Diagnosestellung bei meiner Mutter und auch während des nachfolgenden Krankheitsverlaufes hatte ich oftmals NICHT das Bedürfnis zu knuddeln oder gar Sex. Mir stand der Kopf nach ganz anderen dingen. gott sei Dank hat mein LG mich und das verstanden. wollte mich einfach mal als angehörige dazu outen !
grüßle von dolores
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  #6  
Alt 10.08.2006, 10:59
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Petra_S Petra_S ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

Hallo zusammen!
Ja, ein Thema, was sich die meisten von uns betrifft und doch zeigt sich auch hier, wie schwer man ehrlich die Gefühle rauslassen will....
Mein Liebster hatte ein Peniskarzinom, Diagnosestellung mit 37 Jahren. Körperlicher Kontakt war uns im Einklang mit der seelischen Übereinstimmung immer sehr wichtig. Doch ich brauche nicht zu betonen, welche Auswirkung auf die Seele diese Diagnose auf einen Mann in diesem Alter hat. Er hat in 4 Jahren 12 OPs, Chemo und Bestrahlung mit machen müssen, keine Zeit das Unfassbare seelisch aufzuarbeiten. Wir haben uns weiterhin Nähe und Liebe gegeben, keinen Sex - zärtliche Nähe, anders stärker als bis dahin, ohne viele Worte. Leider hat er es nicht geschafft über seinen Schatten zu springen, meinerseits war von tiefsten Verständnis, über Traurigkeit bis hin zur Wut, die bleibende Zeit zu "vergeuden", uns nicht alles zu geben, jedes Gefühl da. Nie habe ich ihn betrogen, er ist meine große Liebe bis heute, es ist mehr als ein körperliches Bedürfnis. Es ist auch mehr als ein seelisches Bedürfnis, denke ich....Doch ich liebe ihn und ich weiß, er hat es sich nicht leicht gemacht, er war selbst auf sich wütend, weil er nicht anders konnte. Er war so ein staker Mensch, er hat es getragen, wie ich nieeeee gelaubt hätte, dass er damit umgehen könnte und hat dabei noch geliebt.... Heute, ich bin schon 17 Monate allein - heute genau 17 Monate - allein, ich vermisse Nähe, Liebe und auch Sex, ABER. nicht allgemein, sondern mit IHM. Soviel zum "Umgang" bei mir, ich kann nicht "umgehen", ich "umgehe es"....besser weiß ich es nicht "damit" umzugehen... Für mich ist "es" fest verbunden mit "ihm", unserer Liebe und nun.... ?
Petra
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  #7  
Alt 10.08.2006, 17:28
shalom shalom ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

@ Achim,

Du bist sehr einfühlsam und damit Deiner Frau eine verläßliche Stütze. So wie Silverlady es ausgedrückt hat, ist es auch bei uns gewesen: Die gemeinsame Zeit während der Krankheit war so intensiv wie nie zuvor auch wenn der Sex eher eine untergeordnete Rolle spielte. Das Zueinanderhalten und sich im Arm halten, das war es, was wir beide brauchten. Wir konnten miteinander reden oder miteinander schweigen, wir konnten uns ganz nahe sein. Petra_S hat sehr einfühlsam beschrieben, was in in ihr als Betroffener vorging, wenn es nicht so einfach möglich ist, sich mit Worten auszutauschen, da die Krankheitssituation die persönlichen Belastungsgrenzen des Kranken überschreitet.

Wir als Gesunde oder wir als Kranke haben so viel zu bedenken, zu erfahren oder zu erfühlen, dass es uns schier zerreißt. Geduld, Einfühlsamkeit, Verständnis aufzubringen für den Kranken mit seinen Bedürfnissen ist schon schwer genug, geschweige denn mit der eigenen seelischen und gefühlsmäßigen Situation als Begleiter der Krankheit klar zu kommen.

Jeder gemeinsame Tag ist ein Tag für mich gewesen, meiner Frau nahe zu sein, ihr damals die Krankheit (1996-2000) erträglicher zu machen, ihr die Selbstkontrolle dabei zu lassen, zu erfühlen, was sie wollte und was sie brauchte. Klar, auch ich hatte Bedürfnisse, aber irgendwie hatten sie gar nicht eine so hohe Priorität, weil ich ganz auf das Helfen und das Einstellen auf meine Frau fixiert war.

Zärtlichkeit und Nähe bekamen (so wie es Silverlady und Petra_S ähnlich beschrieben haben) eine ganz denkwürdige Gewichtung und hatten vielleicht eher weniger mit dem direkten Sex zu tun. Es war rückblickend die intensivste und - trotz der schweren Erkrankung schönste - gemeinsame Zeit, die wir verbringen konnten. Aber diese intensive Zeit war leider von unausweichlich begrenzter Dauer, unwiderbringlich und nicht wiederholbar.

Im Angehörigenforum (Oktober 2003) und im Brustkrebsforum wurde die Problematik von Nähe, Erotik, Sex während einer Krebserkrankung schon mal angeschnitten.

Dort habe ich meine ganz persönlichen Erfahrungen bzgl. dieses Themenkomplexes geäußert und mit anderen Betroffenen ausgetauscht..

http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...ead.php?t=4390

http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...04&postcount=6

http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...8&postcount=10

http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...2&postcount=19

http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...2&postcount=20

Achim, wenn es Euch möglich ist, so findet in Gesprächen heraus, was Euch beiden gut tut. Genau das wird das Richtige sein.

Genießt in Liebe die gemeinsame Zeit, die ihr habt.

LG
Shalom
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Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden.
Es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.


(Johann Wolfgang von Goethe)
"Wilhelm Meisters Wanderjahre", 3. Buch, 18. Kapitel
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  #8  
Alt 10.08.2006, 22:31
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

hallo dolores,
" nur angehörige" gibt es nicht, mache dich nicht so klein, die angehörigen haben mitunter sehr viel mehr zu ertragen als die betroffenen. stell dir vor, die betroffenen liegen im koma oder derart danieder, das sie nichts machen können oder wollen...........
dann sind "wir" angehörigen dran sie zu versorgen, der umwelt zu erklären, wie es unseren leuten geht...
und das ist dann mitunter sehr viel schwieriger, als alles andere.
also nicht "nur" angehöriger..................

was deinen "verzicht" angeht, kann ich es verstehen und freue mich, das du so einen verständnisvollen partner an deiner seite hast.

alles liebe und gute, auch für deinen lg

achim
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  #9  
Alt 10.08.2006, 23:02
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

hallo petra,
ich habe dreimal gelesen, bis ich verstanden habe.....................
das müssen 4 jahre himmel und hölle für euch gewesen sein, himmel, weil ihr euch beide hattet und zueinander gestanden habt und hölle wegen der ohnmacht nichts machen zu können.
und das du seit 17 monaten nicht über deinen eigenen schatten springen kannst, ohne an ihn zu denken und im herzen zu fühlen, ist dann auch irgendwie verständlich.
trotz dieses schweren lebens mit ihm wird es dir doch eines tages ermöglicht werden mit dem ganzen umzugehen, ich meine, gefühle verändern sich, dann wird eine zeit kommen, in der du wieder anders mit dem thema umgehst.
ich wünsche dir, dass du langsam zur ruhe kommst und das auch dieses thema wieder bei dir in für dich geregelten bahnen verläuft.

alles liebe

achim
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  #10  
Alt 10.08.2006, 23:07
achimmaryweyhe achimmaryweyhe ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

hallo shalom,
ich werde dir antworten, aber ich kämpfe mich mal nach und nach durch deine verweise........

lg

achim
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  #11  
Alt 11.08.2006, 08:42
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Petra_S Petra_S ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

Hallo Shalom,
hallo an @alle!

Shalom, vielen Dank für deine einfühlsamen Worte, es tut gut das von dir zu lesen. Ich habe gerade noch mal unsere "Korrespondenz" von vor drei Jahren gelesen. Komisch, nun war es an mir zu schmunzeln. Das worüber ich damals auf "180" war, konnte ich heute ohne Emotionen lesen - eine Lektion über die Emotionalität im Laufe unseres Lebens! So kommt auch heute, hier verspätet die Gelegenheit nochmals mit dir darüber zu reden, obwohl ich dir das schon länger "schuldig" war. Es zeigt mir, dass ich damals innerlich so aufgewühlt war, dass ich alles versucht hatte um meinem Mann mit Einfühlungsvermögen, Liebe und Zärtlichkeit die Blockade zu nehmen, DIE UNS BEIDEN WEH TAT und doch war ich hilflos. Er hatte zu sehr mit den körperlichen Schmerzen, immer wieder neuen Metastasen usw. zu kämpfen, als dass er Zeit und Kraft für dieses sensible Thema gehabt hatte. Der Verlust unserer Sexualität und die Suche nach anderen Wegen, hätten Auseinandersetzung mit seinem neuen "männlichem ich" gefordert, die Kraft brauchte er aber erst einmal um organisch wieder zu genesen. Die Nähe habe wir nicht wirklich verloren, wie ich damals z.T. dachte, ich fühlte mich nur in meinem Ego verletzt, weil ich wohl nicht nachfühlen konnte WIEVIEL Anstrengung ihm das "normale Leben" schon kostete. Und als du dann schriebst "Mann kann" - das war ein Stich in mein wackeliges hilfloses Ego, weil "Mann" eben nicht konnte und ich das als Versagen meinerseits sah, ihm dabei nicht soviel Vertrauen geben zu können, dass er sich in meiner Gegenwart dazu entschließen konnte auch diesen Bereich für uns wieder lebbar zu machen. Heute kann ich deine Worte theoretisch, ohne Emotionen aufnehmen udn bin so fest, dass ich weiß ER hat sein Möglichstes (mehr als das) gegeben und ich auch. Aber, wenn ich mir die Schwere der OPs, die Ausbreitung der Metastasen und die damit verbundenen Schmerzen vor Augen führe..., mindestens 3 große OPs in einem Jahr, dazu noch Chemo und Bestrahlung, von anderen "normalen Belastungen des Familienlebens" mal abgesehen, ER KONNTE nicht...und er hat mich, er hat uns (unsere weiberchen) wahnsinnig geliebt, hat unseret wegen so lange gekämpft. Diese Stärke hat manchmal verhindert Sensibilität zuzulassen, die dann vielleicht den Damm gebrochen hätte, andererseits war die Angst in der Flut der Gefühle zu ertrinken zu groß. Genau die selbe Taktik wende ich in meinem heutigem "Überlebenskampf" an. Wir kannten uns sehr gut und wie du einmal formuliert hast, die emotionale Grundlage stimmte...

Ja Achim, ich weiß nicht wie es gehen soll, vielleicht komme ich irgendwann zur Ruhe, im Moment kann ich mir noch nicht vorstellen wie...ich funktioniere auch heute noch, wie du jetzt ... eigenes Leben, ich versuche es und es klappt auch bis auf das Thema deines Threads. Doch ich will dieses Thema für mich nicht angehen, weil ich nicht in einer Gefühlswelt ohne ihn, meinem besten Freund und Geliebten angekommen bin, ankommen will .... Ich bin auch in einer Welt, in der mich noch immer wundert, mit welchen scheinbaren "Wichtigkeiten" sich die Welt beschäftigt, wieviel egoistisches Verhalten die Menschheit so an den Tag legt ..., mich z.T. auch mit eingeschlossen...Du hast das Thema jetzt angesprochen, warum? Suchst du nach Wegen für dich, auch wenn jetzt garnicht so vorrangig wichtig ? Wolltest du wissen wie andere "damit" umgehen? Auch durch die Beiträge die NICHT geschrieben werden, kann man ablesen WIE GROß die Hilflosigkeit bei den meisten Menschen ist. Was glaubst du wieviele das hier lesen und doch nicht wissen was sie sagen sollen?! Was soll man auch in Anbetracht der Todesgefahr sagen, man fühlt sich vieleich sogar "schuldig" solche "egoistischen Wünsche" zu haben (die ja eigendlich mehr die unbeschwerte gefühlsmäßige Nähe betreffen, als die Befriedigung). Ich denke es ist ein heikles Thema und man möhte sicher besonders hier selbstloser sein, als man manchmal in Anbetracht der Sehnsucht nach "den guten alten Zeiten der Gesundheit" ist. Man kann ja auch nicht immer stark sein und sich mit dem nicht selbst gewählten Leben abfinden, das wird unseren Liebsten auch so gehen, nur, dass sie von diesen Wünschen eineige Schmerzstufen entfernt sind....
LG Petra
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  #12  
Alt 11.08.2006, 13:19
clipper clipper ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

Hallo an Alle
ich bin 59 J.und seid Ostern an Krebs erkrankt.Achim ich finde es toll das du dieses Thema Sex und sow. auf gegriffen hast ich denke man traut sich nicht darüber zu sprechen schon gar nicht in meinem Alter.
Auch dieses Thema wird bei der Chemo wo wir mit einigen Frauen zusammen sitzen nicht angesprochen.
Aber ich muß sagen seid bei mir der Krebs ausgebrochen ist habe ich kein verlangen mit meinem Mann zu schlafen aber ich muß auch sagen mein Mann hat vollstes Verständnis und läßt mich auch in dieser Zeit in Ruhe.Er sagt er kann sich anders behelfen.
Ich hoffe wenn die Zeit der Chemo (5 te)und Bestrahlungen vorbei ist das dann alles wieder kommt.
Ich drücke dir und deiner Frau alle Daumen und alle anderen Betroffenen gebt die Hoffnung nicht auf es kann nur besser werden.
Gruß Renate
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  #13  
Alt 11.08.2006, 13:19
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cassey cassey ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

hallo ihr lieben,
jetzt will ich mich mal als betroffene ( brustkrebs ) zu diesem sehr wichtigen und doch so sehr mit dem mäntelchen des schwiegens bedeckten thema melden.

seit meiner diagnose am 4.5.2006 bin ich anscheinend zum geschlechtslosen wesen mutiert

es findet nur noch wenig zärtlichkeit statt, keiner von uns beiden kann über seinen schatten sprigen.

ich habe schwierigkeiten mich nach meiner op als vollwertige frau zu fühlen, obwohl nur 1/3 meiner brust entfernt wurden.
mit beginn der chemo haben sich alle schleimhäute verabschiedet und damit ist an sex sowieso nicht mehr zu denken.

mein göttergatte zieht sich immer mehr an seinen pc zurück und will nicht über seine bedürfnisse reden.......mich nicht auch noch damit belasten....dabei würde ich gerne darüber reden....aber die mauer ist aufgebaut....keiner von uns beiden will sich aufmachen endlich mal den vorschlaghammer zu nehmen und diese verdammte mauer einzureissen

ich würde sehr gerne wieder in seinem arm einschlafen...löffelchenstellung einnehmen....kuscheln....schmusen......aber da ist diese verdammte mauer im weg

wie lange kann eine ehe ( wir sind fast 20 jahre verheiratet und fremdgehen ist für uns beide kein thema ) solch eine belastung aushalten

ich habe mir psychologische hilfe gesucht, mein mann lehnt diese für sich rigoros ab.

was kann ich tun um aus dieser verfahrenen situation rauszukommen?

es tut gut sich das endlich mal von der seele zu schreiben

see you later
Rita
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  #14  
Alt 11.08.2006, 17:13
clipper clipper ist offline
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Standard AW: streicheleinheiten und sex...

Hallo Rita
jetzt sieht man das man mit diesem Problem nicht alleine da steht weil sich keiner traut dieses Thema an zusprechen
und weil man denkt ach das ist nur bei dir das du Sexmüde bist
Aber es ist doch noch schön wenn man sich in die Arme nimmt es muß ja nicht immer nur das eine sein.
Es ist aber auch immer gut wenn der Partner das versteht und ich muß sagen da habe ich Glück gehabt denn auch für ihn ist es nicht immer einfach ,aber wir reden auch darüber
Alles Liebe Renate
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  #15  
Alt 11.08.2006, 23:00
Bellinda
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Ausrufezeichen AW: streicheleinheiten und sex...

Hallo an alle,

zunächst vielen Dank an Achim dafür, dass du so offen so wichtige Themen ansprichst - du hast nacheinander drei Threads aufgemacht, die meinem Gefühl nach sehr vielen aus dem Herzen sprechen. Danke!

Ich habe heute mittag nach ein paar Tagen PC-Abstinenz diesen neuen Thread entdeckt und er hat nun stundenlang in mir gewühlt. Es hat mich sehr berührt, eure Gefühle und Erfahrungen als Partner von Krebspatienten zu lesen, habe ich doch umgekehrt in der Zeit meiner Krankheit diese Gefühle nur erraten und erahnen können. Und leider auch erlebt, wie es ist, wenn MANN (danke Shalom für deine treffenden Beschreibungen) sich in seiner Hilflosigkeit zurückzieht - und aufgibt und neu orientiert. (Bisschen mehr darüber habe ich in einem anderen Thread geschrieben: http://www.krebs-kompass.org/Forum/s...6&postcount=22

Was da in mir so gewühlt hat? Bis heute musste ich mich nur mit Fatigue, einem schlechten Gedächtnis und dem Versuch, wieder ein sinnvolles und erfülltes Leben aufzubauen auseinandersetzen. Reicht eigentlich schon, wenn man sich manchmal fragt, warum man überlebt hat, wenn man gleichzeitig alles, was einem lieb und wert ist, verliert.
Nun hatte ich plötzlich durch den Thread scheinbar noch ein Problem dazubekommen: Da hatte ich doch tatsächlich vergessen, dass ich ja keine Lust mehr habe .... Wenn du dich mit dem Tod und dem krankheitsbedingten materiellen Existenzverlust auseinandersetzen musst, und dir jeder Muskel wehtut, dann kann einem schon die Lust (nicht nur die auf Sex, aber das ist ja dann wieder ein anderes Thema) vergehen. Nun ja, das Thema kennen ja offensichtlich viele , egal auf welcher Seite sie stehen. Da bei mir eine sehr starke Chemo zur Anwendung kam, wurde ich gleich noch mit der Nebenwirkung Unfruchtbarkeit konfrontiert. Zwar war ich bei Therapiebeginn auch schon 42 Jahre alt, wollte aber nicht auf diese Weise alles absterben lassen. Und entschied mich darum parallel zur Chemo für eine Hormontherapie, welche die Eierstöcke schützen sollte. Das hat anscheinend nicht funktioniert, auch wenn manche Ärzte sagen, dass die Periode durchaus noch wiederkommen kann.

Und ich habe bisher NICHTS VERMISST!
Bin gottfroh, dass ich das Thema Wechseljahre so nebenbei als kleine Therapie-Nebenwirkung innerhalb von 6 Monaten abgehakt habe. Die paar Hitzwallungen sind nix gegen den tumorbedingten Nachtschweiss, im Gegenteil mit dem kälteempfindlichen Glatzköpfchen im Winter war ich für jede innere Wärme dankbar. Und welch ein Geschenk, sich nicht mehr ständig mit emotionalen Schwankungen, regelmäßigen Bauchschmerzen und sonstigen "Unpässlichkeiten" herumplagen zu müssen. Man hat als Patient und Survivor wirklich noch genug andere "Baustellen".

Da ich nun alleine lebe, lebt sich's ohne Lust ganz völlig unbeschwert, denn es gibt ja keinen, der einem zeigt, dass man nicht i.O. ist oder der etwas fordert und und und....
Doch nun hatte meine Krebspersönlichkeit gleich wieder gefundenes Fressen: Hey - you're not ok ... "Wie? -DUUUUU wünschst dir wieder eine Beziehung ?!? - hey vergiss es - spätestens, wenn die (Männer) merken, dass da bei dir nix läuft, bist du sie wieder los.... Also lass es am besten gleich...."

Sicher: Sexualität gehört zum Dasein hier auf Erden, hier in diesem Körper dazu. Und auch ich wünsche mir wieder, dass sie ein ganz natürlicher Bestandteil meines Lebens im Fortschreiten meines Heilungsprozesses wird.

Doch: Wir sind mehr als dieser Körper. Es gibt eine Ebene, auf der wir heil sind. DAS IST MEINE ÜBERZEUGUNG. Und mich mit dieser Ebene zu verbinden, mein Heilsein zu leben, das zu geben, was mich diese Erfahrung hat erkennen, reifen und lernen lassen. Warum sonst hat mir WER-AUCH-IMMER diese unglaubliche innere Kraft und Stärke gegeben, mich während der Therapiezeit das erste Mal in meinem Leben - so paradox es klingen mag - VOLLKOMMENE FREIHEIT VON ANGST (!!!!) erleben lassen.... doch ganz sicher nicht, um mich jetzt als scheinbar wertloses, geschlechtsloses Etwas von der Brücke zu stürzen....?!


Wenn der rechte Zeitpunkt da ist, und ich innerlich bereit, dann wird es auch wieder einen Mann in meinem Leben geben, der mich so annimmt und liebt, wie ich bin, und entweder werden wir unsere Liebe auf einer anderen Ebene leben, oder behutsames Angenommen- und Geliebtwerden öffnet auch wieder verschüttete Lustkanäle und lässt das Nicht-Vermisste neu wachsen und gedeihen.

DANKE - AN JEDEN VON EUCH DER ALS ANGEHÖRIGER SEINEN KREBSKRANKEN PARTNER -neben all den vielen Belastungen, die ihr tragt und oft nur wenig Unterstützung bekommt - AUCH ANGESICHTS DIESER SCHWIERIGKEITEN IM BEREICH SEXUALITÄT NICHT AUFGibt!!!

Geändert von Bellinda (12.08.2006 um 00:26 Uhr)
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