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  #16  
Alt 16.09.2006, 22:04
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struwwelpeter struwwelpeter ist offline
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Standard AW: September

Liebe Lucie, danke erst einmal für Deine lieben Zeilen. Sie treffen zu, man muß sich auch einmal gehen lassen können. Ich weiß jetzt, was in der nächsten Woche so auf mich zukommt. Und doch, ich habe das Gefühl für mich selbst(ob es zutrifft weiß ich nicht mit Sicherheit), daß ich ein guter Schauspieler bin. Tagsüber verdränge ich irgendwie das ganze, und abends kommt es raus. Das, was Du als Tunnel bezeichnest, habe ich mir vorhin noch so in etwa vorgestellt. Allerdings hatte ich da für mich die Bezeichnung " Kellerkind ". Nach dem gestrigen Tag hat sich zwar eine gewisse Ruhe eingestellt, aber es darf im Moment nicht zuviel " bewegt " werde, ich bekomme dann das Gefühl, ich bin genau so zerbrechlich als zuvor. Es ist dumm von mir (mein Kopf und meine Psyche gehen mit mir durch), denn ich glaube schon, dass selbst mit den doch reduzierten Möglichkeiten genügend Therapien bleiben, die mir sicher helfen werden. Wichtig ist in erster Linie jetzt, dass ich aus diesem Tunnel oder Keller - der Dunkelheit herauskomme, und das liegt allein an mir. Es braucht seine Zeit, ich versuche verschiedene Vorsätze umzusetzen, nicht oft gelingt mir dies im Moment. Die Zeit wird aber kommen, in der ich dies besser kann.

Hi Fedi,

das mit der Selbsthilfegruppe habe ich mir vorgenommen. Aber so wie ich mich kenne, bin ich leider noch nicht so weit, es ist immer noch so derzeit, das ich mich, so wie oben beschrieben, zur Zeit wie ein " Kellerkind " fühle. Ich verkrieche mich! Es ist nicht gut, und die Tatsache, das ich hier im Forum schon etwas schreibe, ist ein großer Schritt, auch damit hatte ich mich lange sehr schwer getan. Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, ich versuche mich freizustrampeln, mit allen Mitteln. Das Ergebnis stellt mich für diese Woche eher zufrieden: Ich habe einen " VERFLOSSENEN ONKO FUZZI!!!

Ganz liebe Grüße
Struwwelpeter

Geändert von struwwelpeter (16.09.2006 um 22:11 Uhr)
  #17  
Alt 16.09.2006, 22:49
Bellinda
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Standard AW: September

Lieber Struwwelpeter,

alles hat seine Zeit - das Weinen, das Trauern, das Sich-Verkriechen - all das darf sein und ist genauso Ausdruck der Krankheit wie die körperlichen Symptome, derer sich die Ärzte annehmen - keines davon ist besser oder schlechter als das andere, oder gar dumm - sie SIND einfach ...

(Wer hat sich das eigentlich mal ursprünglich ausgedacht, dass das eine gesellschaftlich akzeptabel ist, und das andere nicht.....?)

Ich finde es toll und einen RIESEN-SCHRITT, dass du hier in den Krebs-Kompass gekommen bist, und dich hier so offen mitteilst. Das ist ganz ganz viel, was du für dich tust!!!! (Ich habe den Weg hierher erst nach 2 Jahren gefunden - ich wollte während der Therapie gar nichts von anderen Erkrankten hören, wollte es einfach nur hinter mich bringen. )


Und du hast den Schritt getan, deinem Onkologen "zu kündigen". Das ist alles ganz schön viel und will honoriert werden! Du darfst dir auf die Schulter klopfen

Eine Selbsthilfegruppe kann viel Unterstützung bringen, kann aber auch überhaupt nicht passen, darum lasse dir alle Zeit, die du brauchst - und eines Tages wirst du sagen, "heute geh ich hin"! - (Die Leiterin der Selbsthilfegruppe in Köln habe ich auf dem DLH Kongress in Bonn kennengelernt - das ist eine ganz liebe - die Selbsthilfegruppe hier bei mir in der Nähe ist absolut nicht der Renner. Stell dir vor: Ich hatte zu dem Leiter Kontakt aufgenommen und ihn gefragt, ob er einen Psychoonkologen hier in der Region kennt. Und bekam die Antwort, ja, doch die Adresse würde er mir erst geben, wenn ich zum Gruppentreffen komme. Solche Worte aus dem Munde eines Krebspatienten zu einem anderen hilfesuchenden Krebspatienten (den Psychoonkologen habe ich auch ohne ihn gefunden! - am gleichen Tag noch). Habe mir diesen Menschen und die Gruppe dann nur einmal angeschaut ... Wenn man das Gefühl hat in einem Altersheim zu sein, in dem ein Wettbewerb stattfindet, wem es denn nun am schlechtesten geht, dann ist das für mich nicht unbedingt hilfreich. Da bin ich doch lieber hier mitten unter euch

Alles Liebe

Bellinda
  #18  
Alt 16.09.2006, 23:18
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struwwelpeter struwwelpeter ist offline
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Standard AW: September

Liebe Belinda, wie machst Du das, jedesmal findest Du die Worte, die genau richtig und treffend sind. Ja, ich weiß, ich selbst muß mir die Zeit geben, die Zeit allein schon um mit den Ängsten rational umzugehen. Ich weiß nicht, ob das Bild angezeigt wird, welches ich gerade versucht habe, hochzuladen. Na ja, ich hoffe mal. Und so wie diese Person auf diesem Bild, so komme ich mir in letzter Zeit sehr oft vor. Wie eine Marionette - sie funktioniert, wenn andere es wollen. Ich weiß nicht, richtig ist, ich sollte mir die Zeit für alles nehmen und mir zwischendurch nicht immer ein schlechtes Gewissen machen. Ich habe ebenso sehr lange gebraucht, bis ich überhaupt mit irgend jemand reden konnte, und wenn, dann waren es nur die nötigsten Dinge. Nach Außen hin perfekt, aber wie`s im Inneren aussieht, das sehen wirklich die wenigsten. Auch für eine Therapie - Psychologisch! werde ich mir Zeit lassen und gründlich erforschen, ob der menschliche Faktor - Chemie, übereinstimmt. Wenn ich jedes mal Deine Worte lese, ist es wie eine Neuigkeit, dabei ist es etwas, was ich für mich nicht mehr präsent vor Augen habe! So klar, und schlicht, aber genauso treffend. Ich war Betreuer bei Schwerst Mehrfachbehinderten Erwachsenen in einem Heim, diese gute Einfühlungsvermögen kenne ich, für andere habe und hatte ich es auch stets. Um so mehr freue ich mich, das mir genau das von Dir Zuteil wird.

It`s great
struwwelpeter
  #19  
Alt 17.09.2006, 00:54
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Noddie Noddie ist offline
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Hallo Struwel,
lese hier schon von anfang an Deine Einträge, jetzt muß ich doch auch mal was sagen.
Fühl Dich erstmal ganz lieb in den Arm genommen.
Bei anderen hast du ein sehr großes Einfühlungsvermögen bist sehr sensibel und auch großzügig.
Warum bist Du zu Dir so streng und unnachgiebig.
Wie Belinda sagt Trauer, Weinen Machtlosigkeit und Wut gehören dazu.
Wo bitte soll Deine Seele hin mit Ihren Gefühlen.
Ich finde es gut das Du hier schreibst und sehr offen bist.
Finde es auch sehr mutig das Du deinen alten Onko- Fuzzi in die Wüste geschickt hast.
In Köln bist Du glaube ich sehr gut aufgehoben.

Also sei nicht so streng mit Dir.
Noddie
  #20  
Alt 17.09.2006, 01:14
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struwwelpeter struwwelpeter ist offline
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Lieber Noddie! Ihr habt ja recht, auch Du! Das was ich anderen geben kann, ist wohl zur Zeit mehr, als ich es bei mir schaffe. Meine guten Vorsätze nutzen mir da nicht immer. Ich bin froh, das ich den Start hier geschafft habe, und es tut unsagbar gut, wenn ich bestärkt werde. Es sind sicher seit ein - zwei Wochen Dinge voran gegangen, andere bin ich immer noch in der Lage, gut zu überspielen oder sie wegzulassen. Egal, ich denke, der Zeitpunkt kommt von allein, an dem ich mit mir SELBST offener umgehen kann. In Köln fühle ich mich tatsächlich gut aufgehoben, bin da stationär bereits mehrfach gewesen. Aber lt. meinem Hausarzt sollte ich mir auch einen Onkologen hier im Umkreis suchen. Egal, ich fahre die Strecke nach Köln, das ist es mir wert.
Ich denke mal, ich habe viel zu lange, viel zu viel in mich hinein gefressen. Alles zu seiner Zeit, so habe ich stets gedacht! Jetzt, leider bin ich jetzt ganz in Rente, ist wohl die Zeit da, wo dieser Müll aufgewühlt und verarbeitet werden muß. Und, es ist unendlich viel, es steht eigentlich nur ein kleiner Teil dessen drin, was angefallen war.
Aber die Zeit für Tränen, Trauer, Wut und Machtlosigkeit ist häufig da, und nur wenn ich für mich allein bin, kann ich dies aufarbeiten.
Dir danke ich für die liebe und ebenso für Deine herzlichen Worte

Struwwelpeter
  #21  
Alt 17.09.2006, 21:12
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Lucie Lucie ist offline
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Standard AW: September

Hallo Struwelpeter...

na klar fährst du nach Köln..schei.. was auf die Entfernung,wenn Du dich da wohl und gut aufgehoben fühlst...
Wir fahren 2 Std zu unserm Onkologen,obwohl 10 min von uns aus eine Onkologie am KH ist...und?? wir fahren..weil es uns dort gut geht.

Aus dem Tunnel,Keller oder Loch kommt man immer wieder raus..manchmal mit Hilfe von anderen,die einem ihre Hand reichen..man muß sie nur ergreifen...und die eigene hinhalten.. und genau das tust.. du hälst sie uns hin,dadurch,das du es geschafft hast hier zu schreiben...und wir versuchen alle auf unsere eigene Art,dich ein wenig näher an das Ende des Tunnels zu holen...ich kann da nur für mich reden,aber ich glaub andere hier denken eben so.. wir tun es gerne..
Lucie
  #22  
Alt 17.09.2006, 23:30
Bellinda
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Liebe Lucie, das hast du schön formuliert und ich kann mich da nur anschließen!!!! (Bin übrigens auch in dem Club der "200km-zum-Onkologen-Fahrer")

Lieber Struwwelpeter,

wir alle sind hier da für dich - und dort, wo dein Gefühl dir sagt, dass du gut aufgehoben bist, sind die richtigen Ärzte mit der richtigen Medizin für dich!!!!!


Hab' ganz lieben Dank dafür, dass du sagst, ich finde die richtigen Worte für dich. Das ist ein großes Geschenk für mich und tut riesig gut. Stell' mal dir vor, es gäbe niemanden, der um Hilfe bittet, dann hätten die ganzen Helfer auf der Erde keine Aufgabe und keinen Sinn in ihrem Dasein mehr. Ich weiß nicht mehr, was ich wem schon erzählt habe, also bitte verzeihen, falls ich mich wiederhole... - in meinem Privatleben gibt es derzeit niemanden mehr, der mich braucht. So manches Mal schon habe ich mich gefragt, warum ich überhaupt überlebt habe. Und so bastle ich daran herum, meinem Leben wieder einen Sinn und Erfüllung zu geben. Ein Schritt auf diesem Weg war der Gang hier ins Krebsforum. Ich habe zwar auch noch ein kleines Päckchen zu tragen, und es tut gut, zu erleben, dass ich mit alledem nicht alleine bin. Aber die größere Motivation war, das weiterzugeben, was ich für mich als hilfreich erlebt habe, zu unterstützen, wo und inwieweit ich es kann.

Du siehst - ich gehöre auch in den "Helfersyndrom-Club" - immer einfühlsam, immer verständnisvoll, immer lieb ... und mit sich selbst härter im Gericht, als wir es jemals wagen würden, mit einem Fremden umzugehen. Brrrrrr

Woher ich dich so gut verstehen kann - weil ich in deinen Sätzen oft das Gefühl habe mich selbst, die alte und manchmal immer-noch-Jutta zu lesen ....

Die Worte die ich finde, entstehen aus meiner eigenen Erfahrung heraus. In vielem, was du schreibst, erkenne ich mich wieder. Letztendlich ist es doch einfach so, dass wir für uns selber blind sind und bei den anderen alles klar erkennen, und darum brauchen wir uns gegenseitig - dafür haben wir uns auch hier in diesem Forum. Wissen tun wir sowieso schon alles, niemand sagt uns mehr was Neues, doch hören müssen wir es anscheinend tausendmal, in immer neuer Formulierung, damit wir immer wieder dran denken, dies auch für uns selber umzusetzen und nicht nur für andere.

Ach Struwwelpeter, seit vielen Jahren schon bin ich "auf dem Weg", manche nennen's Spiritualität, manche Selbstfindung - alles Worte, treffender wäre vielleicht "Selbstverschlimmbesserung" - die meisten Wege zeigten auf, was ich schon "wusste", nämlich dass ich nicht ok bin, dass ich noch soooo viel an mir arbeiten muss, bis ich endlich (für mich) akzeptabel bin, von Erleuchtung ganz zu schweigen .... Dass mein Parnter, der während der Krankheit so liebvoll für mich sorgte, sich hinter meinem Rücken abends im Internet eine Nachfolgerin für mich suchte, sich mit ihr während meiner Reha traf und mir dann bei kurz nach meiner Heimkehr per Brief auf dem Wohnzimmertisch mitteilte, dass ich ausziehen kann - nachdem ich noch mit Blumen vom Bahnhof abgeholt worden war .... - das war ja wieder Wasser auf die alte Ich-bin-nicht-ok-Mühle.
Doch damit ist nun Schluss: Ich werde mich nicht mehr für nichts und niemanden verbiegen. Ich gebe mein Bestes, versuche nach ethischen und moralischen Prinzipien korrekt, mit Achtsamkeit und Liebe zu handeln, und wer mich damit nicht so nehmen kann wie ich bin, der soll es einfach lassen. Oder noch krasser formuliert: Der hat mich nicht verdient.
Es hat wohl den Krebs gebraucht - und mit ihm das Geschenk meines Psychoonkologen (die Kasse zahlt übrigens einige Probesitzungen - ich glaube 5 - zum Ausprobieren, ob die Chemie stimmt), um so weit zu kommen. So sehe ich die Erkrankung mittlerweile als guten Freund und weisen Begleiter
Eine Zeitlang hatte ich in meiner Signatur den schönen Spruch von Elisabeth Kübler-Ross (der Sterbeforscherin): I'm not ok, you'r not ok and THAT IS OK !!!
Das ist inzwischen mein Lieblingsmotto.

Die Hauptfrage in meinen Therapiestunden ist übrigens jedesmal, was ich noch Gutes für mich tun kann, noch liebevoller mit mir umgehen kann ..... ?.

Ich bin noch lange nicht da, wo ich hin möchte, aber ich bin viel zufriedener mit mir als ich es je war.
____________

"Alles zu seiner Zeit, so habe ich stets gedacht! Jetzt, leider bin ich jetzt ganz in Rente, ist wohl die Zeit da, wo dieser Müll aufgewühlt und verarbeitet werden muß. Und, es ist unendlich viel, es steht eigentlich nur ein kleiner Teil dessen drin, was angefallen war."

Lieber Struwwelpeter, wenn ich diese Worte lese, spüre ich ein wenig Traurigkeit in mir und mir kommt die Frage:
Vielleicht ist's ja gar kein Müll? Vielleicht lauter kleine weinende Kinder, die endlich einmal gehört und von dir in den Arm genommen wollen ....?

_______________________

Für heute eine gute Nacht
und ganz schöne Träume

Bellinda
  #23  
Alt 17.09.2006, 23:53
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Lucie Lucie ist offline
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Standard AW: September

Liebe Belinda...

unbekannterweise drück ich dich einmal,denn deine Antwort hat mich sehr bewegt.
Ich denke ,wir sind das was wir sind.. Menschen mit Gefühlen und offen für andere... und ich wünsche mir nichts mehr,als das es mehr Menschen geben würde,die einen offenen Blick auch für andere haben...

Es hat mich beeindruckt,dass Du aus Deiner Krankheit und allem was dazu gehört, einen positiven Sinn ziehen konntest..
wir sind noch auf diesem Weg....irgendeinen Sinn hat es,davon bin ich überzeugt..denn nicht geschieht sinnlos und ohne Grund in unserm Leben..auch wenn wir diesen oft nicht erkennen...oder erst dann wenn wir den richtigen Weg beschritten haben,und zurückblicken.

Bleib so wie du bist..nämlich du selbst..denn so ist es gut und richtig..


Lieber Struwelpeter..
genieß es einfach von anderen einmal mit viel Einfühlungsvermögen umsorgt zu werden.. es tut deiner Seele gut,und gibt dir neue Kraft..

in diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Nacht

Lucie

Geändert von Lucie (17.09.2006 um 23:56 Uhr)
  #24  
Alt 18.09.2006, 00:08
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struwwelpeter struwwelpeter ist offline
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Hi Lucie,hi Bellinda
Es ist richtig, egal wie weit ich fahren muß, die Hauptsache ist, ich bin gut versorgt und werde richtig behandelt. Bis vor 1 Jahr bin ich selbst noch Auto gefahren, durch die starken Medikamente tue ich dies nicht mehr, denn die Verantwortung kann ich nicht einfach vergessen. Also werde ich gefahren. Mit all dem komme ich ganz gut klar, habe jedoch eine Panik in mir, so auch als Beifahrer. Aber es ist egal, ich überwinde diese Ängste immer wieder. Es sind diese Veränderungen in mir, die mir vorab nie aufgefallen sind. Sicher sollte ich etwas toleranter zu mir selbst sein, keine Frage! Aber es fällt mir in manchen Dingen doch schwer. Und, das sollte ich einfach nochmal sagen:***IHR SEID KLASSE***Mit dem Weg ins Forum und wirklich mit euer aller Hilfe wühle ich mich aus diesen " Tiefen " raus! Es wird langsam sein, aber es geht aufwärts, mein Kopf arbeitet wieder klarer. Hören und gehört zu werden, das gehört natürlich zusammen. Mit meiner Situation bin ich im Forum bestens aufgehoben, Zuhause ist dies schon fast ein Tabu Thema. Aber evtl. ist hier bei mir so nach diesen fünf Jahren auch die Gewohnheit eingetreten: " Die packt das schon"! Ich werde es angehen, und akzeptieren, und dabei nehme ich mir die nötige Zeit. Richtig, man soll sich nicht verbiegen, nur um dem Anderen zu gefallen.
Tja, und dann noch kurz zum Helfersyndrom! Nein, ich glaube das kann man als Hilfe zur Selbsthilfe hinzufügen. Mit diesen Erfahrungen die ein jeder für sich gemacht hat, kann er anderen stärken, Gefühl und Wärme vermitteln und sich selbst mit dem eigenen Schmerz nochmals auseinander setzen. Man vergißt nicht, man reflektiert immer wieder.

Danke, insbesondere Lucie und Bellinda
  #25  
Alt 18.09.2006, 01:17
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Noddie Noddie ist offline
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Hallo Struwel,
Ich nochmal
Sieh mal auf die Seiten der Nordrhein Ärztekammer da sind alle Adressen von Ärzten usw. drin.
Auch wenn Du dich in Köln gut aufgehoben fühlst solltest Du doch einen Onkologen für den Notfall in deiner Nähe wissen.
Das mit dem Helfersyndrom wenn hier jemand schreibt sehe ich auch so wie Du.
Wenn ich nicht die Seite von Axel gehabt hätte währe ich bestimmt auch in ein tiefes Loch gefallen. So konnte ich aber viel lesen und sehen das es vielen so mir ging.
Dir viel Kraft und ganz viele
Noddie
  #26  
Alt 18.09.2006, 01:33
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struwwelpeter struwwelpeter ist offline
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Lieber Noddie, danke für " ich noch mal"!!! Ich freue mich doch! Ja, in der nächsten Woche o.ä. werde ich mich hier in der Nähe noch mal bzgl. Onkologen auf den Weg machen. Da hast Du in jedem Fall recht! Das mit dem "Helfersyndrom" ist eigentlich auch die falsche Bezeichnung, FÜR EINANDER DA SEIN, das ist es. 2001, als ich erkrankt bin, da habe ich gedacht, das schaffe ich mit Links, ging auch relativ gut. Nach dem 1. Rezidiv weiß ich gar nicht mehr, was ich gedacht habe, vielleicht " Augen zu und Durch"?! Tja, und mit dem Tod meiner Mutter hat sich mein Seelenleben völlig auf den Kopf gestellt - Gott sei dank bin ich dann irgend wann auf das Forum gestoßen, in dem ich mich jetzt ( zwar immernoch in der Nacht) mit anderen auseinandersetzen kann. Diese Kraft hatte und habe ich sonst nicht, das muß ich mir wieder neu aneignen, an meinem Selbstbewußtsein arbeiten.
Lieben Danke
Struwwel
  #27  
Alt 18.09.2006, 22:32
Bellinda
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Danke, liebe Lucie, das tut gut!

Ich gehe einfach davon aus, dass uns nichts "zufällig" passiert - Zufall ist eben das, was uns aus einem bestimmten Grunde zu-fällt. Wenn ich nicht glauben würde, dass die Geschehnisse, Krankheit etc. mir etwas sagen wollen und letztendlich Hilfe für mich bedeuten, aufzuwachen, umzukehren, zu ändern, was mir vielleicht schadet und wofür ich bisher blind war, dann hätte ich mich schon längst von der Brücke stürzen können. Was soll denn die ganze Plackerei und Quälerei hier? Ich hatte und habe immer noch auch meine Zeiten, in denen ich mit Gott und der Welt hadere ...

Aber dann gibt es Dinge, wie unseren Erfahrungsaustausch hier, das gelebte Erleben von Füreinander-Dasein, die geben wieder Zuversicht, Mut und Freude. Es ist ein tägliches Bemühen, mit wachen Augen durch die Welt zu gehen, wertzuschätzen was ist. Denn gar zu leicht passiert es, dass man übersieht, was einem grade geschenkt wird, weil ich es mir vielleicht grad in anderer Form wünschen würde. Wenn ich mir beispielsweise wünsche, dass da wieder ein Mann in meinem Leben wäre, der mir Liebe und Unterstützung gibt, mich so - "völlig lebensuntauglich" - annimmt wie ich bin, da könnte ich doch in meinem Selbstmitleid darüber, dass das nunmal zur Zeit nicht stattfindet, glatt übersehen, wie lieb ihr hier alle zu mir seid.

Ganz liebe Umarmung dir, und allen andern natürlich auch

Zitat:
Zitat von Lucie
Liebe Belinda...

unbekannterweise drück ich dich einmal,denn deine Antwort hat mich sehr bewegt.
Ich denke ,wir sind das was wir sind.. Menschen mit Gefühlen und offen für andere... und ich wünsche mir nichts mehr,als das es mehr Menschen geben würde,die einen offenen Blick auch für andere haben...

Es hat mich beeindruckt,dass Du aus Deiner Krankheit und allem was dazu gehört, einen positiven Sinn ziehen konntest..
wir sind noch auf diesem Weg....irgendeinen Sinn hat es,davon bin ich überzeugt..denn nicht geschieht sinnlos und ohne Grund in unserm Leben..auch wenn wir diesen oft nicht erkennen...oder erst dann wenn wir den richtigen Weg beschritten haben,und zurückblicken.

Bleib so wie du bist..nämlich du selbst..denn so ist es gut und richtig..


Lieber Struwelpeter..
genieß es einfach von anderen einmal mit viel Einfühlungsvermögen umsorgt zu werden.. es tut deiner Seele gut,und gibt dir neue Kraft..

in diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Nacht

Lucie
  #28  
Alt 18.09.2006, 22:51
Bellinda
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Standard Helfersyndrom

Hallo liebe Struwwelline,

das ist klasse, zu beobachten, wie du wieder in deine Kraft kommst!!!!
_____
Das mit dem "Helfersyndrom" muss ich nochmal erklären, wie ich das gemeint habe.
Diesen Ausdruck mit dem leicht negativen Touch verwende ich bewusst für diejenigen, häufig weiblichen Wesen - mich eingeschlossen - die immer und überall helfen, heilen, therapieren wollen und sich selbst dabei völlig übersehen, die im Gegenteil mit sich selbst eher extrem hart ins Gericht gehen, sich kaum eine Pause zugestehen, kurzum sich liebend gerne aufopfern für andere - bis sie eines Tages "aus heiterem Himmel - ganz plötzlich (schwer) krank werden oder sonstwie das Leben zusammenbricht. Und gerade wenn man auch noch beruflich in irgendeiner Form unterstützend oder therapeutisch arbeitet und im Privatleben auch so einen Hang dazu hat, und sich selbst nie angemessen auftankt .... Das Helfersyndrom assoziiere ich mit (unbewusster ) Verleumdung, Unterdrückung oder gar völliger Blindheit für die eigenen berechtigten Bedürfnisse, alles natürlich im Namen der (falsch verstandenen) Liebe.

Das sehe ich im Gegensatz zu einem gesunden Für-einander-Dasein, dem gegenseitigen Unterstützen aus einer inneren Kraft heraus, die sich erlaubt, notwendige Auszeiten zu nehmen, immer mal wieder aufzutanken, - kurzum einem gesunden Umgang mit sich und anderen. Einem wechselweisen Geben und Empfangen, so wie wir es hier üben und praktizieren, das so schön ist, weil es jeden bereichert, den der Hilfe sucht und diejenigen, die zu helfen versuchen, ebenfalls - ohne dass sich einer hinterher leer und ausgelaugt oder frustriert fühlt .

Liebe Struwwelline,
es ist schön, dass es dich gibt! Mach' weiter so!!!

Alles Liebe
Bellinda


Zitat:
Zitat von struwwelpeter
Lieber Noddie, danke für " ich noch mal"!!! Ich freue mich doch! Ja, in der nächsten Woche o.ä. werde ich mich hier in der Nähe noch mal bzgl. Onkologen auf den Weg machen. Da hast Du in jedem Fall recht! Das mit dem "Helfersyndrom" ist eigentlich auch die falsche Bezeichnung, FÜR EINANDER DA SEIN, das ist es. 2001, als ich erkrankt bin, da habe ich gedacht, das schaffe ich mit Links, ging auch relativ gut. Nach dem 1. Rezidiv weiß ich gar nicht mehr, was ich gedacht habe, vielleicht " Augen zu und Durch"?! Tja, und mit dem Tod meiner Mutter hat sich mein Seelenleben völlig auf den Kopf gestellt - Gott sei dank bin ich dann irgend wann auf das Forum gestoßen, in dem ich mich jetzt ( zwar immernoch in der Nacht) mit anderen auseinandersetzen kann. Diese Kraft hatte und habe ich sonst nicht, das muß ich mir wieder neu aneignen, an meinem Selbstbewußtsein arbeiten.
Lieben Danke
Struwwel
  #29  
Alt 18.09.2006, 23:34
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Lucie Lucie ist offline
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Standard AW: September

Liebe Belinda....

ich muß dir da vollkommen beipflichten...
das klassische Helfer-Syndrom wie du es beschreibst,hab ich lange Zeit gehabt..und erst in den letzten Jahren gelernt dieses abzulegen..

Sicher bin ich immer noch und gerne für andere da..und ich helfe wo ich kann..aber.. ich vergesse mich selbst nicht mehr.. so wie du es beschreibst..ist es wichtig ´nicht nur ein Gefühl für andere sondern auch für sich zu haben.. sich selber was gönnen,sich was gutes tun.. die eigenen Kräfte wieder aufbauen..

Im Laufe der Jahre hab ich das gelernt,auch wenn die Situation in unserer Familie mich da sehr herrausfordert,und ich da in dieGgefahr lief, wieder in alte Muster zurückzufallen.. mich selbst hinten an stellte. Mit Hilfe lerne ich ,das nicht aus aus den Augen zu verlieren..denn niemandem ist geholfen wenn ich eines Tages keine Kraft mehr habe und zusammenklapp..

Gruß Lucie
  #30  
Alt 19.09.2006, 01:55
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struwwelpeter struwwelpeter ist offline
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Hallo Ihr Lieben! Ja, ich finde es auch erstaunlich, was Ihr - ALLE - in dieser kurzen Zeit ausgelöst habt. Ich "lerne zu Laufen", mein geistiges Vermögen den Verhältnissen anzupassen. Es ist sehr schwer, und es geht nur sehr langsam, aber es geht! Ich habe mich vernachlässigt, habe stets versäumt, den Schmerz und die Tränen raus zu lassen. Mit der Annäherung zum 11.09. , dem 1. Todestag meiner Mum ist es genau an dem Punkt gekommen, wo ich so nicht weiter machen konnte. Ich bin froh, Euch hier im Forum kennengelernt zu haben!
Jetzt habe ich mich jetzt auf einen sicher beschwerlichen Weg gemacht, einen Weg, der mit Sicherheit der Richtige ist.


Ciao und Merci
struwwelpeter
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