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  #31  
Alt 05.02.2007, 12:14
Benutzerbild von Vanilla
Vanilla Vanilla ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Ihr Lieben,

schmerzerfüllt sitze ich vor dem Bildschirm. Ihr alle wißt, wie ich mich fühle, geht es euch doch nicht anders.

Erst die grauenvolle Nachricht über Tina...und nun Gigi. Zwei junge, hoffnungsvolle, starke Frauen. Sie haben es nicht geschafft. Es führt mir die eigene Endlichkeit und die "Gefahr" in der wir ständig schweben, wieder einmal deutlich vor Augen.

In letzter Zeit ging es mir in dieser Hinsicht eigentlich recht gut. Drei Dinge haben das mal wieder geändert.
Zum Einen die traurigen Forums-Nachrichten der letzten Zeit. Dann habe ich morgen mal wieder Nachsorge, Mammo, Ultraschall und Thorax-Röntgen. Nach einem Dauerhusten von drei Monaten bin ich entsprechend durch den Wind und habe fürchterliche Angst vor morgen.

Dann ist vor zwei Wochen noch etwas passiert, was mir fast das Herz zerrissen hat. Ich hoffe, ich kann es einfach mal hierher tippseln.

Ich war wegen einer starken Bronchitis krank geschrieben und zu Hause. Mein kleiner Sohn (9) kam mittags aus der Schule und wollte die Tür aufschließen. Leider hatte ich vergessen, den Schlüssel von innen abzuziehen und er kam nicht rein. Er klingelte, wußte ja, dass ich da bin. Gerade in dem Moment schmiß ich den Staubsauger an und hörte ihn nicht. Dachte, falls er kommt, hat er ja einen Schlüssel. Als ich irgendwann in den Flur ging, sah ich durch die Milchglasscheibe der Haustür etwas. Ich öffnete und davor lag ein schluchzendes Häufchen Unglück - mein Kind. Nachdem ich ihn etwas beruhigen konnte, erzählte er mir alles, und noch: "Mama, ich hatte solche Angst, dass dir etwas passiert ist und du nicht zu mir kommen kannst, dass du wieder im Krankenhaus bist oder was ganz Schlimmes!"

Ich mußte mich so sehr zusammen nehmen in diesem Moment. Was hat diese schreckliche Krankheit mit der Seele meiner Kinder gemacht? Sogar abends im Bett fing mein Kleiner nochmal an zu weinen.

Diese Geschichte hat mich so beschäftigt und tut es noch.

Nun ist es doch ziemlich lang geworden, danke fürs lesen.

Euch allen einen schönen Tag mit ein paar Sonnenstrahlen, hier in Erfurt kann ich gerade einige erhaschen!

Liebe Grüße

Claudia

PS: Danke Amba, dass du den Thread nochmal hervor gekramt hast!

Geändert von Vanilla (05.02.2007 um 13:07 Uhr)
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  #32  
Alt 05.02.2007, 12:59
Hansii Hansii ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo Vanilla

Ich kann Dich sehr gut Verstehen,deine Ängste deine Sorgen.Die Diagnose Krebs ansich ist schon schlimm,doch wie die Familie auch mitleidet ist das schlimste.Unsere Kinder sind sehr Sensibel und spüren es wenn es uns nicht gut geht.Ich versuche zwar den Krebs vor den Kindern immer herrunter zuspielen und sie brauchen sich keine Sorgen machen doch sie spüren es das es uns nicht gut geht.Du fragst uns " Wie geht ihr damit um?" Es ist einfach nicht machbar den Krebs unseren Kindern zuverheimlichen,Kinder merken wenn Mama oder Papa Krank ist.Es fällt ja ihnen schon auf wenn wir plötzlich immer zum Arzt müssen.Da bleibt die frage nicht aus " Mama/ Papa wiso mußt du immer zum Arzt?" Unsere Kinder wissen ja,zum Arzt geht man doch nur wenn man krank ist!.Ich habe meinen Kindern bei einer gemütlichen Tasse Tee erzählt was mit mir los ist.Ich habe aber bei keinem Wort erwähnt " Ich könnte daran Sterben!".Ich habe ihnen erklärt anhand meiner Arztbriefe was genau ich habe.Das es Medikamente gibt die mir helfen,das ich mich trozdem nicht unterkriegen lasse und das ich wieder Gesund werde.Ich habe bei diesen Gespräch eine sehr positive Stimmung erzeugt und ich habe mit ihnen ein Versprechen gemacht " Immer wenn sie fragen über Krebs habe kommen sie zu mir und fragen."So und nun zu mir.Ich selbst habe damit auch ein grosses Problem.Mir tut es im Herzen Weh wenn ich sehe wie meine Familie darunter leidet.Ich versuche immer wenn wir zusammen sind so viel zuerleben wie es nur geht.Ich fühle mich eigentlich sehr schlecht das ich meiner Familie soviele Probleme mache.Doch anderseits versuche ich immer wieder Positiv zu denken.Also ganz ehrlich gesagt" Man kann als Betroffener mit dem Thema Krebs sehr schlecht umgehen".
Ich Wünsche besonders Dir und deiner Familie alles Gute
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  #33  
Alt 05.02.2007, 13:01
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Renate2 Renate2 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

In einigen Monaten jährt sich der Jahrestag meiner OP zum dritten Mal und ich frage mich, wie lange noch. Wie lange wird mir noch Aufschub gewährt?
Der Tod von Gigi hat mich geschockt, zumal die Erstdiagnose günstiger war als meine.
TinaGT mußte auch sterben.
So junge Frauen, die so viel Hoffnung hatten.

Gaby,
inzwischen wird mein Kind 20 und sie braucht mich immer noch. Bei wem soll sie sich denn ausweinen, wenn nicht bei Mama?
Ja, auch ich versuche die Zeit mit meinen Lieben zu genießen. Das ändert aber nichts an den kleinen alltäglichen Zwistigkeiten. Wir packen uns jetzt aber gegenseitig nicht in Watte.

Liebe Grüße
Renate
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  #34  
Alt 06.02.2007, 00:24
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Amba Amba ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Ihr Lieben,

ich erinnere mich: als ich voriges Jahr schon OP und Chemo hinter mir hatte - alles mit rel. erhobenem Kopf (Zitat "ich laß mir doch von Krebs nicht die Laune verderben..!"), auch wenn ich Schweine-Nebenwirkungen hatte! - traf ich einen alten Freund, der ca. 4 Jahre vorher seine Frau an BK verloren hatte. Unbedacht entschlüpfte ihm, daß sie auch alles hinter sich hatte: OP, Chemo, Bestrahlung..der ganze Strunx! Und ein Jahr später war sie dann doch tot.

Ich konnte noch genau einen halben Tag so tun als ob nichts sei......dann brach ich zusammen! Die Todesangst, die ich so erfolgreich vermieden hatte, holte mich endlich ein! Zwei Tage und zwei Nächte schüttelte es mich! Entweder war ich am Heulen, oder apathisch. Ich glaube ich begriff da zum ersten Mal, daß ich wirklich sterben könnte!

Am dritten Tag wachte ich morgens auf - nach einer besch... Nacht - und merkte, daß was fehlte. Das Gefühl der Angst war weg. Es war einfach nicht mehr da. Für mich hab ich entdeckt, daß auch diese Angst "nur" eine Illusion ist. Ich konnte das Gefühl nicht aufrechterhalten, weil mir die Sinnlosigkeit dieses Gefühls bewußt wurde. Denn: ich könnte jeden Tag meines Lebens in Todesangst verbringen, da ich eigentlich immer - mal mehr, mal weniger - in Todesgefahr schwebe! Oder? Weiß ich, woran ich sterbe? Nein; das Leben endet in jedem Falle mit dem Tode. Und ich weiß nicht, wann.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich weiß es nicht. Im Idealfall denke ich manchmal: danke! Ich lebe! Und leider vergesse ich zu oft, zu danken. Ja, ich möchte noch ein bißchen hier bleiben. Ich hab Kinder. Die brauchen mich noch eine Weile. Mein Mann würde wohl sehr - zu - lange alleine bleiben, wenn ich ginge. Ich hab noch so viel vor...

Und deshalb bete ich, daß mir heute nicht der Himmel auf den Kopf fällt. Und daß mich morgen bitte kein Bus überfährt. Und daß ich übermorgen keine Malaria kriege.....

Aber warum sollte - vom Universum aus betrachtet - ich unbedingt erhalten bleiben, aber jede Menge Kinder in Südafrika an Aids sterben? Und so weiter, und so weiter...

Es bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als zu lernen, jeden geschenkten Tag bewußt zu erleben, sich zu bedanken, nicht auf morgen zu warten, sein Potential zu entfalten, das Leben zu LEBEN, solange es DA ist! Es wird enden. Eines Tages. Und nicht alle von uns werden alt. Mein kleiner Bruder starb mit sechs Wochen. Meine erste Große Liebe mit 19 Jahren. Mein Schwiegersohn hat einen Gehirntumor. Leid ist in der Welt und doch ist das Leben wunderbar! Wenn wir es leben!

Alles Liebe, Amba
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  #35  
Alt 06.02.2007, 01:12
Elli Elli ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo Amba,

wie recht Du hast es bleibt uns wirklich nichts anderes übrig als jeden Tag bewust zu leben,und das Leben zu genießen.
Sicher kommen mal immer wieder Tage,wo es schwerfällt .Aber diese gehen dann auch wieder vorbei.
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine flüchtige Bekannte.Wir erkrankten zur gleichen Zeit. Ich traf sie einmal.Sie war völlig in Tränen aufgelöst,und das 24 Stunden am Tag.Ich habe mich damals gefragt wie Mann und Kinder das aushalten.Ich meine damit nicht das trauig sein,was hier wohl jeder kennt. Ich meine wirklich heulen und in Selbstmitleid zerfließen.
Diese Frau war für mich ein warnendes Beispiel gewesen ,so wollte ich nicht werden. Und ich habe es geschafft. Ich habe es sogar geschafft,meiner Erkrankung noch etwas positives abzugewinnen. Ich lebe seitdem intensiver und freue mich auch über Kleinigkeiten.Darüber wenn meine Tochter mal wieder 100g zugenommen hat oder wenn meine Blumen im Garten blühen.
Eigentlich für viele Menschen nichts weltbewegendes aber für mich das Grösste.
In diesem Sinne wünsche ich allen ganz viele positive Gedanken.

Elli
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  #36  
Alt 06.02.2007, 16:30
intscha intscha ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo Vanilla,
auch ich finde deinen Beitrag absolsut gut und wichtig. Mir wird ganz schlecht, wenn ich lese, dass es wieder jemand nicht geschafft hat. Ich denke dann an meine Situation. Mein Hauptproblem sind auch die Kinder (8 und 10 Jahre alt). Ich denke sehr oft darüber nach, was wäre, wenn ich sterben muss. Sie hängen sehr an mir, das wäre die absolute Katastrophe. Mein Mann könnte das mit seinem stressigen Beruf auch nicht allein bewältigen. Rüstige Omas oder vernünftige Verwandte stehen auch nicht zur Verfügung, ich weiß wirklich nicht, wie das gehen soll. Aber die Zeit arbeitet ja für einen, die KInder werden immer älter und so schnell stirbt es sich nicht an Brustkrebs. Da bisher noch kein Rezidiv oder Metas aufgetaucht sind, vermeide ich das Thema bei den Kindern anzusprechen. Warum soll ich ihnen jetzt Angst machen? Falls wieder etwas auftritt, werde ich mir Gedanken machen und mit Ihnen reden.
Manchmal denke ich, es wäre viel leichter, wenn man alleinstehend wäre. Ich selber habe keine Angst vor dem Tod oder dem Sterben. Ich finde es auch nicht besonders erstrebenswert 80 und gebrechlich zu werden. Ohne Kinder könnte ich die Diagnose viel leichter annehmen.
Aber natürlich bin ich froh und dankbar, dass ich sie habe!!!
Ich wünsche uns allen noch viele glückliche Jahre mit den Kindern - und hoffe, dass sie durch unsere Erziehung "Wurzeln und Flügel" bekommen - Flügel, damit sie möglichst selbstständig ohne ihre Eltern zurechtkommen.
Liebe Grüße aus Nordhessen
von Intscha
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  #37  
Alt 06.02.2007, 19:10
Anwi Anwi ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo an alle,

auch ich möchte kurz mal mitteilen, wie ich zurzeit damit umgehe. Meine beiden zum Glück schon jugendlichen Kinder sind zwar über die Brustkrebserkrankung informiert, jedoch nicht in allen Einzelheiten, sondern nur darüber, dass ich daran erkrankt und behandlungsbedürftig bin. Sie wissen z. B. nicht, dass zum OP-Zeitpunkt bereits die Lymphknoten befallen waren und dass dies die Prognose wesentlich verschlechtert.

Sie sehen z. B. im Fernsehen Kylie Minogue in die Kamera strahlen und ziehen daraus den Schluss, dass meine Erkrankung ja nicht so schlimm sein kann, wenn es sich damit so strahlen lässt. Was hätten sie davon, wenn ich ihnen erklären würde, dass bei Kylie der Krebs im Frühstadium entdeckt wurde und bei mir wesentlich später? Nichts.

Ich möchte in ihnen keine unnötige Angst schüren - vielleicht werde ich ja trotz Lymphknotenbefall doch noch geheilt - und lege Wert darauf, dass sie ihr bisheriges Leben so normal wie irgend möglich weiter führen können. Wenn es mir phasenweise gesundheitlich schlecht geht, ist das schon schlimm genug, da es sich ja nicht verheimlichen lässt.

Ich gehe relativ offen damit um, muss aber nicht grundsätzlich jedem alle Einzelheiten darüber erzählen. Gewundert hat mich, dass mir als Alleinerziehender seit der Diagnose in meinem Umfeld unheimlich viel Rücksichtnahme widerfahren ist - von Menschen, bei denen ich diese Fähigkeit vorher nicht vermutet habe. Mir ist natürlich klar, dass bei manchen auch ein bisschen Schadenfreude dahintersteckt.

Zum Glück habe ich genug Lebenserfahrung, um ehrliches Mitgefühl von geheucheltem unterscheiden zu können. Vor 20 Jahren wäre ich mit einer solchen Diagnose nicht fertig geworden, muss ich zugeben. Daher bewundere ich Leute, die Krebs in ganz jungen Jahren bekommen und gut damit umgehen können. Ich werde nur aufgrund einer gewissen Reife und Lebenserfahrung, die ich mir mit meinen 40 Jahren einbilde, zu haben, so einigermaßen damit fertig. Dass es auch jüngere Frauen gibt, die diese Reife aufbringen, finde ich bewundernswert.

Viele Grüße
Anwi
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  #38  
Alt 06.02.2007, 21:59
Benutzerbild von Katrin A.
Katrin A. Katrin A. ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo ihr Lieben,

ich fand Ambas Beitrag sehr treffend.
Zu Beginn der Erkrankung hätte ich nie geglaubt,so,oder so ähnlich einmal zu denken,denn die Todesangst war mein Begleiter.WAR!!!

Natürlich kann ich nicht sagen,dass ich keine Angst mehr habe,das alles mal viel schlimmer werden könnte,aber ich kann wieder leben.

Auch ich habe neue gute Freunde bekommen und viel tiefe menschliche Erfahrungen gemacht.
Ich freue mich heutzutage über viele Dinge so richtig,die ich früher nicht so wahrgenommen habe.
Bin also emotionaler,wacher für das Leben geworden.

Trotz all den, ich denke positiven Veränderrungen,(auch meine Ehe ist viel inniger)kann ich nur sagen,ich wäre lieber krebsfrei geblieben und meinetwegen dann auch oberflächlicher.....
Ich hätte gern auf diese tiefen Erfahrungen verzichtet und hätte vielleicht auch ohne eine solche Krankheit noch viel gutes gelernt,bin ja erst 29 Jahre.

So gab es aber einen Lern-Crash-Kurs und ich habe in kurzer Zeit viel gelernt,erfahren usw.,ihr wißt ja glaub ich was ich meine.

Mein Mitgefühl geht an alle Mütter.
Ich bin einerseits sehr traurig noch keine Mutter zu sein,und immer gedacht zu haben,Kinder kriegen hat noch Zeit.
Und nu steh ich da,habe eine AHT vor mir,weiß nicht wie es wird und würde nichts lieber als mit meinem Mann ein Baby zu bekommen.
Ich denke aber auch das es einem oft das Herz bricht und wahnsinnig schwer ist,wenn man schon Kinder hat und sieht wie sie das alles mitnimmt....
Ich weiß nicht wie ích damit umgehen würde.
Ich wünsche aus tiefem Herzen allen Müttern,das ihre Ängste unbegründet bleiben,und sie ihre Kinder noch ganz lange begleiten können.

Und ich wünsche allen Nicht-Müttern,das sie gesund bleiben und noch kleine süße Kinder bekommen.....

Liebe Grüße Katrin
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Mach kaputt-was dich kaputt macht
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  #39  
Alt 06.02.2007, 23:53
Stefans Stefans ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo,

Zitat:
Zitat von Vanilla Beitrag anzeigen
Wie geht ihr damit um, wenn ihr erfahrt, dass wieder eine Frau ins Regenbogenland gereist ist?
Ich bin zwar nur ein Mann, und meine Frau kennt die Diagnose BK erst seit gut einem Monat. Aber trotzdem...

Wenn ich so darüber nachdenke, wer aus meinem näheren Kreis schon an Krebs gestorben ist: Die Schwester meines Schwagers - Schilddrüsenkrebs mit 27 - von Diagnose bis Exitus kein halbes Jahr. Meine Cousine mit 40 an Pankreas-Krebs; ging auch sehr schnell. Ein Arbeitskollege mit gut 40 an Magenkrebs; auch das eine recht zügige Sache. Eine alte Studienkollegin mit knapp 40 an Brustkrebs; ebenfalls viel schneller, als sie darüber nachdenken konnte.

Mit der mir als Mann eigenen Vernunft-Dickfelligkeit kann ich sowas noch ganz gut abspalten. Heisst: alles, was mich nicht direkt persönlich betrifft, versuche ich rational unter Schicksal 'abzuhaken'. Hauptsache: nicht weiter drüber nachdenken. Klappte bisher auch ganz gut. Aber jetzt, wo die Frau 'dran' ist, mit der ich schon mein halbes Leben verbracht habe, ist diese Taktik für'n Arsch. Da kann ich mich nicht mehr rauswinden.

Aber meine Frau stirbt ja nicht daran. Kann sie doch gar nicht, weil ich ihr schon angekündigt habe: wenn du daran krepierst, drehe ich dir eigenhändig den Hals um!

Viele Grüße,
Stefan
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  #40  
Alt 07.02.2007, 17:44
Jutta3 Jutta3 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo an alle,

mir ist es gerade ein absolutes Bedürfnis zu schreiben - nachdem ich gestern hier gelesen habe, dass Gigi es nicht geschafft hat. Es hat mich total gewürfelt - ich bin unendlich traurig, wenn ich lese, dass eine "von uns" am Brustkrebs gestorben ist. Natürlich kommt dann die Angst vorm Sterben und einfach Wegsein wieder geballt hoch. Da können Therapeuten reden wie sie wollen (Angst wegsperren, sich mal 10 Minuten für die Angst nehmen und dann wieder Freude am Leben empfinden ...). Ich bewundere die Frauen, die hier erzählt haben, dass sie dieses Gefühl im Griff haben - irgendwie wünsche ich mir das auch sehr, einfach weil dann die vorhandene Zeit und das Jetzt und Hier und Heute besser genossen und gelebt werden kann. Es gibt zwei Situationen, wo mich die gräßliche Angst einholt: einmal wenn eine an Krebs stirbt und dann kurz vor den Kontrolluntersuchungen *seufz*. - Und nun möchte ich gerne zu Stefans Mitteilung kommen. Als ich nach der Diagnosestellung mit Leuten über die Krankheit und die mögliche Konsequenz des Daran-Sterbens sprechen wollte, kamen ähnliche Reaktionen, wie du sie deiner Frau entgegenbringst. Ich verstehe das (wirklich!), aber es macht es nicht leichter. Glaubst du denn ganz tief drinnen, dass deine Frau es sich ausgesucht hat Krebs zu haben? Meinst du, sie würde daran sterben wollen???? Ich weiß von einer Frau aus dem Forum (sie lebt nicht mehr), wie belastend es war als ihr Mann nicht einsehen wollte, dass es vorbei ist. Sie ist doch auch nicht mit Absicht gestorben!! Himmel noch mal - es ist ganz schön schwer darüber zu diskutieren, ohne jemandem auf die Füße zu treten oder etwas zu bemerken, was falsch aufgefaßt werden könnte ...

Grübelnde Grüße
Jutta
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  #41  
Alt 07.02.2007, 19:07
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Vanilla Vanilla ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Zitat:
wenn du daran krepierst, drehe ich dir eigenhändig den Hals um!

Lieber Stefan,

sicher ist es für euch als Angehörige auch sehr schwer, mit dem Krebs umzugehen.
Hätte aber mein Mann diese Worte so zu mir gesagt, hätte es mich sehr verletzt und ich bin wahrhaftig keine Mimose. Sicher hast du es nicht verletzend gemeint und ich weiß auch, dass wir oftmals etwas empfindlich in dieser Hinsicht sind. Aber so salopp gesagte Worte können weh tun.

Liebe Grüße und alles Liebe für dich und deine Frau!

Vanilla
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  #42  
Alt 07.02.2007, 19:33
Jutta3 Jutta3 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Nochmal ich! Mir ging das Ganze nicht aus dem Sinn. Obwohl ich weiß, dass Stefan so etwas aus lauter Angst um seine Frau sagt, möchte ich noch eine Erklärung hinzufügen. Wenn man mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurde, ist man seh sehr empfindlich. Man setzt sich innerlich schon auch mit dem Thema Tod auseinander, fragt sich, bin ich jetzt dran? Schaffe ich es, die Krankheit zu besiegen? Was, wenn nicht? Was machen meine Kinder, mein Partner, meine Familie, meine Freunde, mein Chef ohne mich? - Hm, und wenn man dann sinngemäß gesagt bekommt, dass man nicht sterben DARF, macht es die Sache nicht leichter! Natürlich weiß man, dass sich dahinter eine wahnsinnige Angst verbirgt, man versteht den Sinn. Ich empfand solche Aussagen als zusätzlich anstrengend, weil ich dachte, ich sterbe vielleicht auch ohne Erlaubnis. Ich dachte, wie schlimm, jetzt muss ich mich auch noch alle anderen trösten, die verzweifelt hoffen, dass ich den Krebs überlebe ... und mache ich mich irgendwie "schuldig" wenn ich den Kampf verliere????
Ich glaube solche Empfindungen und Gedankengänge können die Angehörigen von Betroffenen nicht verstehen, weil sie sich einfach total hilflos fühlen, darum habe ich auch "Verständnis" für Stefan. Allerdings möchte ich gerne, dass er vielleicht auch die andere Seite versteht.

Möchlicherweise stellt sich die Frage, was wir uns wünschen beim Gespräch über den Tod. Wäre es schön, wenn der Partner sagt: Ich bin sehr traurig, kämpfe mit dir um dein Leben, aber wenn du über die Möglichkeit zu Sterben reden willst, dann tun wir das. ?? *nachdenk* - ich glaube, das fände ich schön, aber ob das geht ....

Grüße
Jutta
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  #43  
Alt 08.02.2007, 14:14
Stefans Stefans ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo Vanilla und Jutta,

Zitat:
Zitat von Vanilla Beitrag anzeigen
Hätte aber mein Mann diese Worte so zu mir gesagt, hätte es mich sehr verletzt und ich bin wahrhaftig keine Mimose.
Meine Frau und ich leben seit 20 Jahren zusammen, und wir kennen uns in- und auswendig. Auch, was unsere (oft unterschiedlichen) Auffassungen von Humor betrifft.

Sicher ist so ein salopper Spruch Ausdruck von Hilflosigkeit... soll heissen: sowas darf und kann einfach nicht passieren! Aber das ist bei uns beidseitig: meine Frau ist 10 Jahre älter als ich. Und sie sagt schon lange: falls ich es wagen sollte, sie im Alter allein zu lassen, indem ich vor ihr sterbe, bringt sie mich um ;-) Wir wissen beide, wie das gemeint ist.

Also keine Sorge. Das fällt bei uns unter Galgenhumor. Und wir wissen beide auch genau, wann die Lage so ernst ist, dass solche Sprüche nicht mehr angebracht sind. Als Depris haben wir solche 'kurz-vor-12'-Situationen schon öfter mal erlebt: Wenn man morgens aus dem Haus geht und nicht weiss, ob der andere abends, wenn man von der Arbeit kommt, noch lebt oder sich zwischenzeitlich umgebracht hat. Meine Frau hat das mit einem früheren Lebenspartner schonmal erlebt - ist nicht besonders lustig; und prägt einen für den Rest des Lebens :-(

Zur Ausgangsfrage: Wenn Freunde / Bekannte sterben, kann ich damit ganz gut 'rational' umgehen. Weil meine Frau der einzige Mensch ist, deren Verlust mir wirklich nahe gehen würde. Ich habe zwar schon tagelang Rotz und Wasser geheult, weil mir ein Papagei gestorben ist. Aber zur Beerdigung meiner Großeltern z.B. bin ich gar nicht erst angereist, weil sie mir dafür nicht wichtig genug waren...

Über Tod und Sterben können meine Frau und ich schon tabulos reden. Und haben für den Fall auch schon seit langem einen 'deal': wenn einer von uns nicht mehr entscheiden kann, ob und wie er weiterleben will (Patientenverfügung hin oder her), legen wir unser Schicksal in die Hände des anderen. Der darf dann entscheiden, ob/wann/wie er dem Anderen aktiv oder passiv beim Sterben hilft. Und der Überlebende wird dann dafür sorgen, dass (am deutschen Bestattungsrecht vorbei) die Asche des anderen am gewünschten Ort und mit der gewünschten Feier verstreut wird.

Das ist aber natürlich im Moment alles graue Theorie. Wie es sich anfühlt, wenn es mal so weit ist, wissen wir natürlich nicht. Und auch nicht, wie wir dann darauf reagieren. Mehr, als darauf vertrauen, dass der Andere dann schon 'das Richtige' tun wird, kann man wohl nicht.

Auch graue Theorie ist, was ich mir seit langem für den Fall vorstelle, wenn meine Frau vor mir stirbt: dass ich ohne sie keinen Grund mehr zum Leben habe. Und dafür sorgen werde, dass unsre Tiere in gute Hände kommen, dann mein Testament an den Haupterben schicke, und mich vor den nächsten Regionalexpress stelle. Ist ja hier keine 20 m weg, und ualle 15 Minuten kommt einer vorbei... Aber wiegesagt: alles theoretisch. Falls es mal so sein sollte, werde ich wahrscheinlich trotz allem ganz jämmerlich am Leben hängen und irgendwie das Beste daraus machen :-/

Viele Grüße,
Stefan
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  #44  
Alt 08.02.2007, 18:31
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Katrin A. Katrin A. ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

HAllo,Stefan.

Aber meine Frau stirbt ja nicht daran. Kann sie doch gar nicht, weil ich ihr schon angekündigt habe: wenn du daran krepierst, drehe ich dir eigenhändig den Hals um!

Ich z.b. fand diesen SAtz überhaupt nicht schlimm,hab ihn gleich meinem Mann erzählt.Ich fand ihn sogar recht lustig.
Auch deinen letzten Eintrag find ich interressant-provokant....

ABer es ist nunmal so das jeder mit der Diagnose und allem was damit zu tun hat anders umgeht.

Ich persönlich habe auch einen fiesen Humor!!!
Und das schon kurz nach der Diagnose,hat mir manchmal sehr geholfen,wenn
auch nur die wenigsten Lachen konnten

Liebe Grüße an alle,Katrin
__________________
]
Mach kaputt-was dich kaputt macht
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  #45  
Alt 08.02.2007, 18:53
Benutzerbild von Vanilla
Vanilla Vanilla ist offline
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Hallo Ihrs,

wollte nur nochmal klar stellen, dass ich sicher kein Sensibelchen bin, dass mit Samthandschuhen angefasst werden muß. Und auch ich habe teilweise einen dunkelschwarzen Humor, was meine Erkrankung angeht. Meiner Umwelt geht es da wie deiner, liebe Katrin, sie schlucken oft, bevor sie lachen

Hatte zwei meiner Kolleginnen z. B. mal vorgeschlagen, dass sie mich jetzt "Edith" nennen müßten...wegen der enen titt

Trotzdem ist es für mich ein Unterschied, ob ich das von mir sage oder mein Mann zu mir. Außerdem ist es bei mir tagesformabhängig, ob ich zu solchen "Scherzen" aufgelegt bin oder eben nicht.

Aber egal, wenn Stefan und seine Frau damit umgehen können, ist ja alles ok .

Grüßle!

Vanilla

Geändert von Vanilla (08.02.2007 um 18:56 Uhr)
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