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  #1  
Alt 25.03.2008, 11:38
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Babyalina Babyalina ist offline
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Standard 7-Stunden Wertheim-Meigs-OP hinter mir

Ein ganz liebes Hallo an alle,

ich (56 Jahre) möchte gern einmal meine - seit Mitte Januar bestehende Krankheitsgeschichte mitteilen, und hoffe sehr, dass ich hier noch ein paar mehr Hinweise und Ratschläge und vielleicht auch ein wenig mehr Hoffnungmachende Berichte erreiche.

Mitte Januar hatte ich einen Termin bei meinem FA, da ich seit einigen Wochen immer wieder Blutungen - (nach Menopause) mal mehr, mal weniger hatte. Mein FA hat zwar eine SoNo gemacht, die Gebärmutterschleimhaut sah gut aus - die Cervix konnte er nicht beurteilen, da zu viel Blut.

Dann hat er mich gleich für den nächsten Tag zur Abrasio in eine Anästesie-Klinik geschickt, wo er selbst die Ausschabung durchführte.

Ja und dann hieß es für mich warten - 1 Woche auf den histologischen Befund der Abrasio. Am 31.01.08 hatte ich den "Non plus Ultra-Termin" - irgendwie ahnte ich schon, dass etwas nicht in Ordnung war - wollte es aber nicht wirklich wahrhaben.

Meine Tochter (30) begleitete mich zu diesem Termin, mein Mann konnte nicht wegen wirklich wichtigem Termin - und da ich es nicht so ernst ausdrückte, nahm er auch an - es sei nicht so schlimm.

Ich habe dann meinen lieben FA eigentlich erst einmal gar nicht so wirklich zu Wort kommen lassen - (Selbstschutz)habe ihm tausend Sachen erzählt - bis er mich irgendwann einmal unterbrach und sagte: "Ich habe leider keine so guten Nachrichten für Sie."

Pathologisch-anatomische Begutachtung:
plump invasiv wachsendes Karzinomgewebe, bestehend aus atypischen Plattenepithellamellen mit Dykeratosen und mäßiggradig anisomorphen Zellkernen. Dazwischen ein ungerichtetes Stroma.
Kritische Wertung:
Mittelgradig differenziertes, invasives verhornendes Plattenepithelkarzinom (G2) der Cervix uteri.
Die Läsion ist nicht im Gesunden entfernt.
Und dann noch der Hinweis ans Krebsregister.

Bamm - Bamm - Bamm - ich war nach außen ganz ruhig, dennoch in mir ging alles durcheinander. Er erzählte ganz viel, von Therapien, Operationen - empfahl mir Kliniken usw usw.
Ich sagte ihm - ich müßte erst mal raus um durchzuatmen. War irgendwie ganz tot alles in mir.

Meine Tochter blieb beim Doktor, weil sie genaueres und Näheres noch hoffte zu erfahren, aber mehr konnte er ihr auch nicht sagen. Sie hatte Riesen-Angst um mich, weinte. Der Doktor und die Sprechstundenhelferinnen beruhigten sie weitestgehenst.
Und ich - ich stand draussen vor der Praxis und dachte immer nur - neeeeee, das bin ich gar nicht, wir reden über jemanden der neben mir steht, aber nicht über mich. Oder? Oder etwa doch über mich?
Ich rief meinen Mann an, erzählte ihm kurz was der Doktor gesagt hatte und er sagte, dass er sofort käme.
Mußt Du überhaupt nicht, sagte ich großartig - merkte aber, dass ich ihn schon sehrt brauchte.

Meine Tochter kam zu mir und nahm mich in den Arm - ich tröstete sie - denn sie weinte sehr.
Dann führen wir nach Haus.
Dort haben wir uns erst einmal hingesetzt und geredet - geredet - mein Mann kam, wir haben weiter geredet und geredet.
Immer noch sprach ich so, als ob es sich um jemand anderes handelte. Blieb ruhig. War ich ruhig? Was geschieht nun - was muss geschehen als Nächstes?

Firma anrufen -ok! Gemacht! Falle erst einmal aus für - ich weiß nicht wie lange Zeit. Beklemmung beim Chef gespürt. Bin bei einem Reiseveranstalter im Aussendienst zur Schulung der Reisebüromitarbeiter - habe mein Büro zu Hause und viel intensiven Kontakt mit den Kollegen per Mail und Telefon und Fax. Natürlich konnte ich nun nicht mehr schulen und rausfahren wie üblich.

Familie anrufen - OK! Wir sind drei Schwestern - ich bin die Jüngste. Wir haben, obwohl wir weit auseinander wohnen, sehr häufigen und engen Kontakt. Wir haben uns in der Vergangenheit bei allen Schicksalsschlägen immer gut geholfen und waren für einander da.

Die älteste Schwester weinte sofort - die mittlere Schwester - sie ist mit einem Arzt verheiratet - wollte gleich mit ihrem Mann alles durchsprechen und mich abends wieder anrufen.
Ihr Mann ist Anästesist an einer Klinik in Norddeutschland.

Die nächsten Tage vergingen damit, dass ich mich zu entscheiden hatte, in welche Klinik ich gehe. Kann ich überhaupt operiert werden, oder ist der Krebs zu weit fortgeschritten. Ist mein körperlicher Zustand ok genug? X-Untersuchungen habe ich dann in der UNI-Klinik Mainz über mich ergehen lassen müssen - Biopsien, CT, Röntgen, EKG, ich glaube 4 mal Blutabnahme, Sonografien der Gebärmutter, des Unterbauches, Untersuchungen des Darmes, der Blase - ich glaube das war´s.

In der Uni-Klinik hatte ich dann ein vorerstes Abschluss-Gespräch mit einem Oberarzt - der mir total unsympathisch war - der OP-Termin wurde auf den 29.02. gelegt - (am 1.02.) - das war mir entschieden zu lange - immerhin hatte ich das Gefühl eine gleich platzende Bombe im Körper zu haben und 4 Wochen Wartezeit erschien mir zu lange.
Bin ohnehin von Natur aus ungeduldig.

Abends telefonierte ich dann mit meinem Schwager(derArzt) - er sagte mir, er könne auch seine Klinik für diese Art der Operation empfehlen, machen die dort mehrmnals wöchentlich. So weit so gut.
Er verschaffte mir dann einen Termin zur Voruntersuchung in Bremen - ok - Koffer gepackt - Mann und Tochter haben Urlaub genommen und haben mich begleitet.
Am 05.02. war ich dann in Bremen in der Klinik - dann wurden wierholt die ganzen Untersuchungen gemacht - wie schon in Mainz - na ja was solls - zusätzlich aber wurde auch, fand ich gut, ein MRT vom Bauch und kleinen Becken gemacht.
Ergebnis: Die Cervix uteri läßt eine im Durchmesser etwa 3 cm große in T 2w signalintense Raumforderung erkennen, die nicht allseitig von normalem Stromagewebe der Cervix umgeben ist. Insbesondere links und rechts lateral finden sich feinstreifige Ausläufer in das Parametrium(Gebärmutterbänder) .

Ein Infiltration der Harnblase oder des Rektums findet sich nicht.
Reguläre Darstellung der Harnblase sowie der Ovarien beidseits. Vergrößerte Lymphknoten lassen sich im untersuchten Bereich nicht nachweisen.

Beurteilung: Bild wie bei Cervix-NPL Stadium FIGO IIb.

So weit so gut - diese Beurteilung hat mich komischerweise beruhigt - keine vergrößerten Lymphknoten - das war wichtig - ich fand das Karzinom klein ? -Das war falsch, wie sich in dem anschließenden Gespräch, das mein Mann und ich mit dem Chefarzt der Gynäkologie in Bremen hatten, rausstellte.

Ich habe meinem Schwager schon zu dem Zeitpunkt sehr viel zu verdanken, denn Chefarzt-Behandlung und OP bekommt man als - wenn auch freiwilliges Kassenmitglied, nocht so ohne weiteres.

Der Professor - ein sehr sympathischer und Erfahrung und Ruhe ausstrahlender Mann - ist so so wichtig - erklärte uns dann in einem langen Gespräch, die möglichen Therapien.

Er malte ein Bild auf Papier, was bei mir nun Stand der Dinge ist und was operiert werden könnte. Er teilte uns mit, dass die Wertheim-Meigs-OP, mit der Entfernung der Gebärmutter, der Eierstöcke, der Parametrien, des gesamten Binde- und Fettgewebes im kleinen Becken und der Entnahme von soviel wie möglichen Lymphknoten - gleichwertig mit einer entsprechenden Chemo- und Strahlentherapie sei (allerdings dauert diese Chemo - und Strahlentherapie ohne OP sehr lange) - er sprach die vielen Risiken einer solchen OP deutlich an und sagte: da wird kein Spaziergang. Ebenso zeigte er die Risiken der Chemo- und Radio auf, die ebenso nicht ohne sind.

Dann sagte er uns, dass wir die Entscheidung der Therapie treffen müssen.
Oh wie toll - wie entscheiden mann denn da? Meine Schwestern waren strikt gegen die OP - sie haben Herzprobleme - ich Gott sei Dank nicht.
Meine Tochter und mein Mann waren wie ich für die OP, dass Gefühl, es ist raus aus meinem Körper - zumindest so weit möglich, war doch, wenn man es so nennen mag - verlockender und für mich nun erst einmal der erste Schritt.

Danach erst wollte ich über den nächsten Schritt nachdenken.

Fortsetzung folgt - für die, die noch Lust haben zu lesen...........
Würde mich freuen, es tut gut darüber zu schreiben - danke für das Interesse
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  #2  
Alt 25.03.2008, 12:57
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Standard AW: 7-Stunden Wertheim-Meigs-OP hinter mir

Hallo,würde mich sehr freuen,wenn die Fortsetzung folgt.Meine Mutti hat die gleiche Geschicht hinter sich gebracht.Beginn Mai 2007-Ende der behandlung August 2007. Ihr geht es eigentlich ganz gut,bis auf einen ständig dicken Fuß,kommt aber von den Lymphen die entfert wurden.

LG und freue mich drauf weilter zu lesen
Petra
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  #3  
Alt 25.03.2008, 13:09
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Standard AW: 7-Stunden Wertheim-Meigs-OP hinter mir

Fortsetzung.........
Die Tage vom 05.02. bis zum 12.02. (Termin zur Aufnahme in die Klinik in Bremen) sind wir alle wieder nach Hause gefahren. Ich wollte in Ruhe alles Wichtige vorbereiten, denn bei so einer OP - weiß man ja nicht, ob man wieder aufwacht, oder zurück kommen kann.
Also habe ich alle Papiere vorbereitet, falls es einen traurigen Ausgan geben sollte, habe Listen von den besten Freunden und Kollegen erstellt, die angerufen werden müssen, habe alle Versicherungen geordnet und für meinen Mann und meine Tochter Vollmachten erstellt - habe mein Testament überprüft - schrecklich ich weiß - aber ich fand es richtig. Die übrige Zeit habe ich unendlich viel telefoniert, mit Familie aber hauptsächlich auch mit Freunden und mir nahestehenden lieben Kolleginnen und Kollegen.
Ich habe in dieser Zeit so viel Schönes erfahren - bei allem Negativen und bei aller Angst, war es dennoch unglaublich, was ich an mutmachenden und glückbringenden Reaktionen aus meinem Umfeld hatte.
Über wunderschöne Bücher, Fleurop-Blumen, unzählige richtige lange Briefe, Gedichte, Psalmen und natürlich Mails und Anrufe - das Spektrum ist unendlich.
Das schönste war von meinem Mann - ein Buch - ihr glaubt es nicht - ein Kinderbuch: Von Janosch: "Ich mach Dich gesund, sagte der Bär" Da habe ich geheult, denn die Signatur im Buch von meinem Mann am 09.02. lautete folgendermaßen:
Wohltuende kleine Spritze,
blauer Traum,
Operation vorbei,
nix gemerkt.
Schnuffel (das ist mein Spitzname) gesund!
Ich trage Dich dann nach Hause!
Dein Stefan


Heule heute immer noch vor Rührung und Liebe, wenn ich das lese.

Aber auch ganz toll schön, war ein Bild vom Kilimandscharo in Tansania, das mir meine Tochter schenkte mit einem wunderschönen Spruch unter dem Bild:
"Für viele ist es nur ein Gedanke. Für einige ist es nur ein Traum.
Für Dich ist es das Ziel: Lauf los!
Mein Vater hat etliche Jahre am Fusse des Berges in Tansania gelebt und gearbeitet - dieses Land und dieser Berg ist ein Ziel, ein Traum von mir.
Das weiß meine Tochter.


Oder eine Reisebüro-Mitarbeiterin, eine von denen, die mir sehr nahe stehen, sandte mir ein wunderschönes Buch mit einer Geschichte über einen Schutzengel, den wir alle haben. Einfach wunderschön und sehr sehr tröstend.

Insgesamt habe ich bislang weit über 100 Briefe, Päckchen, Karten usw. bekommen - es hört auch jetzt nicht auf - fast täglich erleben ich so kleine freudige Überraschungen, die die für wichtige, wertvolle Momente aus der Nachdenkerei holen und dich Freude empfinden lassen. Ich wußte vorher nicht, wie wichtig dies ist und sein kann.

Am 11.02. sind wir dann nach Nordenham, eine kleine Stadt nördlich von Bremen zu meiner ältesten Schwester gefahren - hier wollten mein Mann und meine Tochter mit Mann und Enkelkind die Zeit meines Krankenhausaufenthaltes in Bremen verbringen. Am 11.02. abends sind wir nochmal richtig schön essen gegangen - war trotz der bevorstehenden schweren Zeit - ein schöner harmonievoller und ruhiger Abend.
Am nächsten Morgen gings für mich ab in die Klinik nach Bremen - wieder
Untersuchungen - Gespräch mit Anästesisten (nicht mein Schwager - der durfte nicht, da ich verwandt mit ihm bin.)

Das OP-Team für den nächsten Tag stand fest: Professor und Chefarzt der Gynäkologie in Verbindung mit einer fantastischen Oberärtztin aus dieser Klinik - mit 2 weiteren Assistenzärzten und einem Prof. Chefarzt der Anästesie in dieser Klinik. Was für ein Glück für mich.
Eine wichtige Blutuntersuchung in der Klinik hatte noch ergeben, dass ich Antikörper im Blut - sogenannte Kälteaglutinide habe - d.h. eine eventuell notwendige Bluttransfusionwährend der OP, muss die gleiche Temperatur haben oder so ähnlich wie mein Blut - da es sonst zu Verklumpungen kommen kann, wenn ich die Transfusion erhalte.
Es wurden mehrere Kreuzproben im Vorfeld der OP gemacht - beruhigend zu wissen - dennoch auh ein wenig erschreckend, wußte ich doch nicht, dass ich solche Antikörper im Blut habe.

Am 13.02. um 06:30 Uhr bekam ich eine Beruhigstablette und wurde um 07:15
abgeholt zur Anästesie.
Ich bekam 2 Arten von Narkose - zuerst wurde bei mir eine Peridual-Anästesie im Rücken gelegt - dies wurde mir, auch wegen der weiteren Schmerztherapie nach der OP empfohlen. Der Schlauch blieb nach OP liegen (ist ein ganz feiner dünner Schlauch, der nicht stört, wenn man draufliegt - wird über den Rücken nach oben gelegt und fixiert.)

Die periduale Anästesie muss bei Bewußtsein des Patienten gelegt werden, da durch Reaktionen nach Legen zu klären ist, ob sie richtig liegt.

Danach bekam ich dann zusätzlich die Vollnarkose über einen Venenkatheder an der linken Hand.
Und weg war ich.

7 Stunden dauerte die OP - 7 Stunden - alles wurde rausgenommen, alles was nur irgend ging - die Ärzte haben sich wirklich wirklich riesig bemüht.
Ich wachte dann irgendwann ganz kurz auf der Intensivstation auf - meinen Mann am Ohr, der mir eine Liebeserklärung machte - meine Tochter, die mir Zuversicht signalisierte - das hieß, ich hatte es zumindest bis hierhin geschafft - war wieder da.
Nach einer weiteren - etwas unruhigen Nacht - kam ich wieder auf die normale Station in ein Zweibettzimmer mit einer netten jungen Frau, der ein Myom entfert worden war.

Die sich daran anschließende Woche, war teilweise ziemlich heftig - am 3. Tag bin ich das erste Mal am Bett aufgestellt worden, des Kreislaufes wegen - gut gemeistert. Am 4.Tag bin ich morgens zum Fenster und zurück am Arm einer Schwester marschiert - immerhin ca. 6m gesamt. War stolz.

In mir waren folgende Schläuche:

Ein normaler Harnkatheder aus dem Harnleiter.
Ein Harnkatheder durch die Bauchdecke.
Zwei Drainagen für den Wundflüssigkeitsablauf und Ablauf der Lymphflüssigkeit
rechts und links im Unterbauch.
Ein Herz-Venenkatheder an der linken Halsseite
Ein Peridualschlauch über das Rückenmark
Ein Venenzugang an der linken Hand
Ein Venenzugang an der rechten Hand.

8 Schläuche - damit muss man erst mal laufen.

Außerdem mußte ich am 4. Tag auf die Toilette - Darmentleerung war notwendig und ich wollte es auch unbedingt versuchen.
Eine Schwester begeltete mich zur Toilette - ich bat sie dann rauszugehen, da ich sonst gar nichts konnte - sie verließ mich mit dem Hinweis auf die Klingel, und offene Türen, wenn irgendwass nicht in Ordnung wäre.
Hab ich gar nicht so eng gesehen.

Aber dann sackte tatsächlich mein Kreislauf ab - ich kollabierte auf der Toilette und konnte gerade noch die Klingel drücken, bevor ich fast ganz wegsackte. War ganz furchtbar komisch - das Bad entfernte sich immer mehr von mir - in mir war alles ganz hohl und leer - kalter Schweiß auf der ganzen Haut - die war gelb - ich habe mich fixiert auf meine Hand an der Wand - tief geatmet - zumindest versucht - aber es ging immer weiter weg.

Drei Schwestern kamen angerannt - zerrten mein Bett zur Toilettentür - hievten mich hoch und legten mich in Schocklage in mein Bett - das hat eigentlich fast sofort geholfen - ich kam langsam wieder zurück - Blutdruck erst 70 zu 40 - dann wieder schnell auf 100 zu 60. Puls 60.
Mann ich war so froh.

Die Schwestern sagten mir, dass der erste Stuhlgang-Tag oft ein wenig problematisch sei - ich sollte mir keine Sorgen machen. Allerdings stellte sich an diesem Tag noch heraus, dass mein Blutdruck immer wieder absackte bis runter auf 60 zu 40 - in der dann folgenden Nacht saß ein Notarzt vom Christopher stundenweise an meinem Bett zur Kontrolle - spritzte mir ab und zu ein Kreislaufmittel in den Herz-Venenkatheder am Hals.

Ich vertrage die medikamentöse Schmerzbehanlung über den peridualen Zugang im Rücken nicht, teilten mir die Ärzte am nächsten Morgen bei der Visite mit - und zogen diesen Zugang - Komisch aber nicht schlimm - ganz kurzer kleiner hohler Schmerz - dann war dieser Schlauch schon mal raus.

Ab sofort erhielt ich Schmerzmittel über den Tropf durch den Hals-Venenkatheder.
Am 5. Tag wurden auch die beiden Wund-Drainagen gezogen - einer schmerzhaft, denn er war innen bereits ein bißchen festgewachsen, einer harmlos - mit kurzem, hohlem Schmerz beim rausziehen.
Die Drainagen sollten nicht zu lange liegen, sagten die Ärzte, da sich das sonst verwachsen kann - aber vielleicht wurden sie bei mir doch zu früh entfernt, denn 1 Woche nach OP - am 20.02. wurde bei einer SoNo des Bauches rechts eine Lymphozele festgestellt. Lymphozelen entstehen, wenn die Lymphflüssigkeit im Bauch nicht mehr abfliessen kann - dies pasiert, da bei der OP so viel wie möglich Lymphknoten im Bauch entfernt werden.

Eine Lymphozele ist wie ein geschlossener Ballon im Bauch und muß, wenn sie zu groß wird und stört, punktiert werden. Na toll!

Ich hatte riesige Angst - in meinen frisch operierten Bauch - mit Schnitt vom Schambein bis fast zum Brustbein, sollte jetzt eine Punktion erfolgen.

Hier habe ich zum ersten Mal vor Angst geheult - aber meine tolle Oberärztin hat zusammen mit einer Ass.-ärztin und einer Schwester diese Punktion gemacht.
Die Lymphozele wird erst mit Ultraschall lokalisiert, örtlich betäubt und dann mit einer Hohlnadel punktiert - durch diese Hohlnadel wird ein Schläuchlein eingeführt, durch den die punktierte Flüssigkeit dann abfliessen kann.

150 ml waren es glaube ich. Leider bilden sich diese Lymphozelen häufig wieder, so das es nicht ausgeschlossen wurde, dass diese Punktion wiederholt werden müßte. Oh jeh - davor hatte ich Angst.

Nach dieser Punktion wurde ich zum Professor der mich operiert hatte, berufen. Der Befund war gekommen.
Da er mich schon vor seiner Tür zum Besprechungszimmer in Empfang nahm und lächelte, dachte ich, der Befund kann doch nicht ganz so schlimm sein!

Folgende Beurteilung gab es:
85 Lymphknoten wurden entfernt - unglaublich.
Uterus mit beiden Adnexen und Scheidenmanschette mit einem bis 3,5 cm großen, mäßig differenzierten, ausgedehnt ulzerierten Plattenepithelkarzinom der Zervix uteri, mit einer Infiltration des Myometriums und der Scheidenmanschette, ohne Infiltration der Parametrien (pT2a)

Die Resektionsränder sind tumorfrei (R0-Resektion)
Die beiden anhängenden Adnexen sind ebenfalls tumorfrei.

NM-Klassifikation: pT2a / pNX / pMX / G2 / R0


Fortsetzung 2 folgt..........
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  #4  
Alt 25.03.2008, 14:15
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Fortsetzung 2.......

So, nun hatte ich das Ergebnis - 1 Lymphknoten war mit einer Metastase befallen. Diese Metastase war noch sehr klein - der Lymphknoten noch nicht vergrößert - sie befand sich am Rand des Lymphknotens.
Daher meinte der Professor man könnte annehmen, dass sich diese Metastase ganz am Anfang befand - denn der Lymphknoten war noch nicht vollständig von ihr durchzogen.

Weiter führte er aus, dass er zur Weiterbehandlung wahrscheinlich eine ausschließliche Strahlentherapie empfehlen werde, wollte aber, um sicherzugehen, eine interdisziplinäre Krebskonferenz am folgenden Dienstag 26.02. abwarten und dort meinen Fall vorstellen. OK dachte ich.
Am Freitag, 22.02. wurde der normale Harnkatheder aus dem Harnleiter gezogen und ich fing an ein Blasentraining zu absolvieren.
Das ging folgendermaßen. Der Bauchdecken-Blasenkatheder wird im Wechsel alle 2 Stunden zugesperrt. Nach 2 Stunden musste ich zur Toilette und danach wurde der Blasenkatheder wieder geöffnet. Nun durften da bei 3 mal aufeinanderfolgenden Zyklen nicht mehr als jeweils 50ml Harn herauslaufen. Oh, das hat Tage bei mir gedauert, bis ich es raus hatte, mit viel Anstrengung die Blase mehr oder weniger leer zu bekommen. Dadurch dass bei der OP Nerven durchtrennt werden, hatte und habe ich leider nicht mehr das Gefühl, ob ich PiPi mußte oder nicht. Hoffentlich ändert sich das noch. Konnte mir bislang keiner genau sagen. Ganz schön komisch und sch....! Am 25.02. war es dann endlich soweit - 20 ml und 40 ml und nochmals 20 ml - Katheder wurde gezogen. Wieder ein Schlauch weg.
Auch der Hals-Venenkatheder wurde an diesem Tag gezogen - beides erträglich.
Endlich, endlich war ich schlauchfrei. Man fühlt sich irgendwie besser, wenn da nichts mehr an einem hängt. Ich war sehr glücklich darüber.

Mein rechter Oberschenkel war seit einigen Tagen dicker und schmerzte ziemlich oben beim Gehen, der linke war zwar nicht dick, aber schmertze auch. Ich bekam dann einmal am Tag Lymphdrainagen, die ein bißßchen halfen.

Am 25.02. wurde bei einer weiteren Bauchsonographie erneut eine Lymphozele festgestellt, die wieder punktiert werden sollte.
Leider war meine tolle Oberärztin im OP und eine andere Oberärztin führte die Punktion durch.

Ich war im Vorfeld sehr im Zweifel, ob ich es machen lassen sollte, hatte Angst und wollte es eigentlich nur bei der mir bekannten OÄ durchführen lassen - wollte mich aber auf der anderen Seite auch nicht so anstellen - ja wie das so ist.
Hier ein für mich ganz wichtiger Hinweis an dieser Stelle:
MAN SOLLTE IMMER AUF DIE EIGENE INNERE STIMME HÖREN - und sich nicht von Äußerlichkeiten ablenken oder davon abringen lassen.

Gegen meine inere Stimme willigte ich in die erneute Punktion ein - leider erwischte die ÖÄ nicht eine Lymphozele - sondern punktierte erneut meine Blase, da sie diese mit einer Lymphozele auf dem Ultraschall verwechselt hat.
Wollte mir dann aber weismachen, es sei Lymphflüssigkeit, die da rauslief - Na ja- ich war fertig und es war mir sofort klar, dass diese Flüssigkeit insgesamt dann 1400 ml - reinster Urin war.
Das war schiefgegangen - viel Angst, Unruhe, Schmerz und für nichts!!!!!
Erneut einen Schlauch in mir.

Aber dennoch muss ich an dieser Stelle einen Stab für diese tolle Klinik in Bremen brechen. Man hat mich rundherum top operiert und behandelt. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Da ist im Gegensatz diese schiefgegangene Punktion - hätte natürlich auch noch schlimmer sein können - Blutbahn treffen oder so - zu ertragen.

Die wichtigsten Dinge wurden einfach top gemacht und darum will ich es dabei auch belassen - ich würde jederzeit wieder in diese Klinik gehen.

Am 27.02. vormittags hatten wir dann erneut einen Besprechungtermin beim Professor. Die interdizplinäre Krebskonferenz hat in meinem vorgestellten Fall nun doch, wegen des einen befallenen Lymphknotens, für eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie plädiert.
Das hat mich dann erst noch einmal wieder getroffen und traurig und auch ein bißchen angstlich gemacht.

Der Professor empfahl mir in eine Studie zu gehen, da die Rundumversorgung und Untersuchung in diesen Studien sehr umfassend sei.

Ich wollte die weiterführende Behandlung nun auch von zu Hause machen - also in einer Klinik in meiner Nähe.

Nachdem mir an dem Morgen nun auch der wunderbare unnütze Blasenkatheder wieder gezogen wurde, ich alle Artzberichte eingesteckt hatte,
bin ich mittags entlassen worden.

nach 2 weiteren Erholungstagen bei meiner Schwester in Nordenham - hihi- habe mir 2,5 Stunden Friseurtermin erlaubt - Haar jetzt schon mal ganz kurz geschnitten, sind wir dann am 01.03. in von vielen Pausen durchzogenen Etappen die ca. 600 km von Nordenham nach Hause gefahren.
Mein Mann hat jeden Gulli und jeden Stein umfahren - so weit möglich - weil Erschütterungen im Bauch weh tun. Wir hatten den Beifahrersitz ganz runter gemacht, so dass ich mehr gelegen, als gesessen habe.
Und als wir dann endlich wieder in unserem Heimatort angekommen waren, ist mein Mann mit mir zuerst an den Rhein gefahren - ich sollte den Finger reinstecken in den Rhein - damit ich komplett wieder zu Hause bin.
Das war schön, wenn auch schwierig, weil ich mich allein noch nicht so tief bücken konnte.
Aber was macht man nicht alles für einen liebenden Mann.

Dann nach Hause - die Sonne schien noch am Abend und alles war schon so viel weiter in Richtung Frühling. Einfach schön.

Füße hoch auf die Couch und erst einmal ausgeruht.
Habe auch ein Glas Wein genossen - wovon mir allerdings ziemlich schnell schwummerig wurde - vertrage gar nichts mehr an Alkohol im Moment. Macht auch nix.

Nach 3 Tagen zu Hause hatte ich das Gefühl, dass ich eine Blasenentzündung hatte und habe Keimax dagegen geschluckt - allerdings ohne ärztlichen Rat.
Das haben dann meine Nieren nicht so toll gefunden und ich hatte auf der linken Seite ganzschöne Schmerzen, die aber nach 2 Tagen wieder weg waren.

Meine Bauchnarbe schmerzt noch ein bißchen - im unteren Bereich ist sie sehr hart und das drückt beim Sitzen.

Meine Blase funktioniert nach wie vor nur mit großer Anstrengung und der Darm - ja der macht Probleme.

Nur mit Hilfe von Pflaumensaft oder Sauerkrautsaft - abwechselnd und mit Einnahme von 3 x täglich 15ml Lactulose-Sirup (macht den Stuhl weich)
geht es mit großer Anstrengung alle 2 Tage, meinen Darm dazu zu bewegen, etwas von sich zu geben. Dann kriege ich immer fast einen Kreislaufkollaps auf der Toilette, weil ich mich so anstrengen muss.

Nun gut, aber darüber will ich mich noch nicht beklagen - wird ja hoffentlich wieder besser.

Nun warte ich auf die Strahlen - und Chemotermine in der UNI-Klinik in Mainz.
Ich habe mich nun für folgendes entschieden.
Da mich die Studie in eine Hammerharte - noch nicht sicher feststehende Therapiemethode gesteckt hat, bin ich wieder raus aus der Studie und habe mich für eine parallele Chemo (Cisplatin) - und Radiotherapie - 50 Einheiten á 1,8 Gy auf 6 Wochen verteilt - eingelassen.
Ich hatte diesbezüglich auch noch einmal mit der tollen OÄ in Bremen telefoniert, die mir auch dazu geraten hat.

Natürlich sitze ich nun hier und habe Angst vor den möglichen Nebenwirkungen dieser weiterführenden Behandlung. Wobei das Haar ausgehen
mein geringstes Problem ist.

Und nun habe ich daher doch ein paar Fragen, die mir hier vielleicht beantwortet werden können.

1. Hat jemand von Euch Erfahrungen mit dieser Parallelen ´Chemo- und Radio-Therapie mit Cisplatin?

2. Hat jemand etwas gehört von einer Hyperthermie (Uni-Klink München) und ist diese auch noch nach der OP sinnvoll?

3. Hat jemand etwas von einer Ionenbestrahlung gehört?

4. Was haltet Ihr von einer zusätzlichen Misteltherapie - ist diese sinnvoll?

und
5. Habt Ihr schon einmal von Selenium 100mg gehört. Dieses Mittel soll angeblich Krebspatienten helfen.
Hatte schon die Deutsche Krebsgesellschaft deswegen angeschrieben, aber die antworten mir leider nicht.


Ich danke allen geduldigen Leserinnen ganz besonders herzlich und freue mich sehr auf Antworten. Ich finde dieses Forum toll und werde es sicher unterstützen.

Viele Grüße
und allen eine gute Zeit
Christiane (Babyalina)
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  #5  
Alt 25.03.2008, 14:23
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Zitat:
Zitat von pit59 Beitrag anzeigen
Hallo,würde mich sehr freuen,wenn die Fortsetzung folgt.Meine Mutti hat die gleiche Geschicht hinter sich gebracht.Beginn Mai 2007-Ende der behandlung August 2007. Ihr geht es eigentlich ganz gut,bis auf einen ständig dicken Fuß,kommt aber von den Lymphen die entfert wurden.

LG und freue mich drauf weilter zu lesen
Petra
Hallo liebe Petra,
habe meine beiden Fortsetzungen eingegeben. Ich freue mich sehr über jeden Hinweis.
Hoffentlich geht es Deiner Mutti wieder besser.
Liebe Grüße
Christiane (Babyalina)
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  #6  
Alt 25.03.2008, 16:26
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Hallo Babyalina

ich hab Erfahrungen mit gleichzeitiger Cispatin-Chemo und Radio (70 Gray)
Allerdings bin ich nicht operiert worden, da mein Adenokarzinom mit ca. 6 cm schon zu gross war. (FIGO IIIb)
Keine Ahnung, was mit den Lymphknoten war, bin ja nicht operiert worden.

Von der Chemo verliert man die Haare nicht, nach jeder Chemogabe war ich wegen dem Cortison immer total aufgedreht, und hatte auch Schlafprobleme.
Der Stuhlgang unter der Chemo war ebenfalls ein Problem, er kam explosionsartig, keine gute Sache, wenn man gerade im Zug sitzt oder spazierengeht.

Ich war taumlig, konnte schlecht laufen und bin dennoch jeden Tag mein Soll getattert, war auch am Strand. Auto fahren konnte ich nicht, lesen nicht, kaum Internet - keine Konzentration.
Zum Ende der Bestrahlungen, bevor das Strahlenfeld verkleinert wurde, kam es zu Blutungen und wahnsinnigen Schmerzen am Rektum.
Das ging dann aber nach Radio-Ende wieder weg.

Gegessen (besser: gefressen) hab ich wie ein Scheunendrescher..leider, 20kg Speck angefuttert
Meine Finger und Füsse waren noch lange "aufgeblasen"
Das Steissbein schmerzte, ich war in keiner Weise belastbar. Noch heute ist mein Körper steif, vor allem morgens, nicht mal die Schuhe kann ich richtig anziehen... ist aber schon besser.

Drei Monate nach Therapieende bin ich wieder arbeiten gegangen , gekürzt, aber immerhin - seit März 2008 wieder voll.
Nur diese Vergesslichkeit war/ist lästig.
Habe 80% Schwerbehinderung bekommen für 10 Jahre.

Zwei Abstriche habe ich seitdem anstandslos überstanden und gerade bin ich von einem CT zurück - der Tumor ist nicht mehr auffindbar

Hyperthermie wird meist gemacht, um Tumore zu verkleinern, vor allem Rezitive.
Selen u.a - ich hab nix genommen, habe einfach viel Obst gegessen, sehr viel getrunken, wegen der Nieren (Cisplatin greift die Nieren an) und war viel am Strand..Sonne, Meer ...
__________________
Liebe Grüße
Nikita


Tapferkeit ist die Fähigkeit, von der eigenen Furcht keine Notiz zu nehmen.
George Patton

Geändert von nikita1 (25.03.2008 um 16:36 Uhr)
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  #7  
Alt 25.03.2008, 19:20
Franko60 Franko60 ist offline
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Hallo Christiane,

ich habe auch eine Wertheim OP hinter mir.
Auch mir hat man zu einer kombinierten Radio-/Chemotherapie(Goldstandard?) geraten.
Ich bin dem Rat nicht gefolgt und habe mich für eine alternativen Therapie entschieden.
Die Wertheim OP ist jetzt fast 2 Jahre her.
Ich habe in dieser Zeit mehrere Nachuntersuchungen bei FA gehabt, ein PET für den kompletten Körper, mehrere Bkutuntersuchungen und im letzten Monat eine MRT-Untersuchungen. Alle Untersuchungen sind für mich positiv, d.h. ohne Befund verlaufen.

LG
Silivia
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  #8  
Alt 26.03.2008, 09:43
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Standard AW: 7-Stunden Wertheim-Meigs-OP hinter mir

Hallo Nikita,

also zum ersten möchte ich Dir sagen, dass ich schon etliche Beiträge von Dir gelesen habe und Dich als Person sehr stark einschätze. Du hast trotz aller widrigen Umstände und vielen Nebenwirkungen den Mut nicht verloren und vor allem nicht aufgegeben.
Dafür bewundere ich Dich sehr und...
Beneiden tue ich Dich um Deinen Wohnort - Du scheinst in Portugal zu leben. In anderen Berichten von Dir habe ich gelesen, dass die Wertheim-Meigs-OP in Deinem Land nicht durchgeführt wird, da man sie wegen der hohen Nebenwirkungen(20% aller Operierten leiden wohl unter den unterschiedlichsten Nebenwirkungen) ablehnt.

In einem anderen Bericht jetzt schreibst Du, dass die OP nicht durchgeführt werden konnte, da der Tumor bereits zu groß war. Du hattest ein Adenokarzinom - das ist glaube ich seltener als ein Plattenepithelkarzinom - und es ist glaube ich auch schwieriger zu behandeln - oder habe ich da etwas falsch in Erinnerung.

Ich danke Dir sehr für Deine Hinweise zu den Nebenwirkungen der kombinierten Radio - und Chemo mit Cisplatin - ich soll 1 x wöchentlich eine Chemo bekommen, muss dafür die Nacht vorher in die Klinik - 1 Tag und die folgende Nacht dableiben - dann kann ich wieder gehen.
Die Bestrahlung bekomme ich täglich mit 1,8 Gy ca. 5 Minuten ambulant.

Du sprichst von Cortison? Bekommt man das automatisch auch???? Davon wußte ich bislang noch nichts und davor habe ich natürlich auch Bedenken.
Das wäre mir noch sehr wichtig zu wissen, weil man von Cortison ja auch noch aufgeht wie ein Hefekuchen. Natürlich ist das alles nicht so schlimm, wie am Krebs zu sterben, aber ich bin einer der Frauen, die immer alles ganz genau vorher wissen will und den Ärzten ein Loch in den Bauch fragt.
Von Cortison habe ich halt bislang nichts erzählt bekommen.

Vielen Dank, wenn Du mir weiterhin deine Erfahrungen mitteilst.
Ich war übrigens auch auf deiner Homepage - aber das ist eine Seite mit ganz viel Virencheckern - Habe dort von Dir nichts gefunden.

Liebe Grüße und Danke
von Christiane (Babyalina)
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  #9  
Alt 26.03.2008, 10:53
Benutzerbild von nikita1
nikita1 nikita1 ist offline
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Standard AW: 7-Stunden Wertheim-Meigs-OP hinter mir

Liebe Christiane

Cortison... nun, ich habe es automatisch zusammen mit im Tropf bekommen, und noch andere Substanzen in Tablettenform gegen die Chemo-Nachwirkungen, die ich aber nicht genommen habe.
Meine Chemo (wie die ganze Therapie) war ambulant, also in die Onkoklinik fahren und dann wieder nach Hause.
Vormittags Radio (einige Minuten, dann Chemo)
Einmal war ambulant kein Bett frei, ich musste in ein Klinikbett, doch darüber will ich nicht schreiben, denn was ich da gesehen habe, hat mich traumatisiert ...

Vom Cortison wusste ich auch nichts, erst hinterher.
Die Chemo dauert ca. 5 Stunden.
Man ist in einem Einzelraum, da man neben dem eigentlichen Cisplatin (ca. 30 min) sehr viele andere Substanzen bekommt und dann in eine Schale urinieren muss. Die Schwestern messen dann, wie viel ausgeschieden wurde.
Das alles, weil das Cisplatin die Nieren angreift. Versagen die Nieren, wird alles abgebrochen....
Vor jeder Chemo wird das Blut getestet, sind die Werte schlecht, wird die Chemo abgesetzt.

Im Nachherein würde ich das Cortison nicht mehr nehmen, aber Dank ihm muss man nicht brechen und fühlt sich einen Tag voll euphorisch.
Der Katzenjammer kommt leider danach...
Kaum hat man sich wieder erholt, steht die nächste Chemo an.
Schlimm, bis eine Vene gefunden wird...das ist eine Stecherei !!! Meine Arme waren blau, orange, lila usw...

Dann begannen die Fingerspitzen zu kribblen ....kurz, es war alles sehr sehr unangenehm, aber wie du siehst, ist mein Tumor weg.

Ich war IMMER positiv eingestellt, ich denke, das ist wichtig für den Körper, das Immunsystem und hilft , dass die Krebszellen von Chemo , Radio und dem eigenen Körper eliminiert werden !!! Leider funktioniert diese positive Einstellung nicht immer , die Krebszellen lassen sich nicht immer davon beeindrucken aber versuchen sollte man es auf jeden Fall !!!

Konnte kaum krauchen..aber bin jeden Tag gelaufen, koste es was es wolle und seien es nur 100 Meter vom Auto zum Zug !!
Ich bin der Meinung, dass Bewegung, viel trinken und Schlaftabletten wichtig sind unter der Therapie, die Schlaftabletten/Psychopharmata helfen, dass sich der Organismus nachts erholt und fit ist. Ohne die Pillen hatte ich nachts Panikanfälle und bin früh nicht aus den Federn gekommen. Das sollte nicht sein, also ohne Scheu um Hilfe bitten, damit Körper und Seele Linderung finden !
Einen Monat nach Therapieende brauchte ich die Pillen nicht mehr und habe sie wieder abgesetzt.
__________________
Liebe Grüße
Nikita


Tapferkeit ist die Fähigkeit, von der eigenen Furcht keine Notiz zu nehmen.
George Patton

Geändert von nikita1 (26.03.2008 um 11:06 Uhr)
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  #10  
Alt 26.03.2008, 14:29
Benutzerbild von pit59
pit59 pit59 ist offline
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Hallo Christiane,meine Mutti hat die Radio-Chemo auch gleichzeitig bekommen.Sie war zweimal 1 Woche in der Klinik,da bekamm Sie die Chemo in Woche 1 und 5.Das andere war Ambulant,täglich bestrahlt,insgesamt 32 mal.Naja,eigentlich ist Sie ganz gut damit klargekommen.Nur zum Schluß hin ging es Ihr nicht so besonders (Brechen und Durchfall).Man muß auch bedenken,dass Sie 72 ist.Die haben gesacht,die Versuchen die Behandlung,wenn es nicht geht,wäre abgebrochen worden.Aber Sie hats geschafft und kann stolz sein..Also Kopf hoch,Du schaffst das
Ganz liebe Grüsse Petra
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  #11  
Alt 30.03.2008, 00:03
münchfriedel münchfriedel ist offline
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Standard AW: 7-Stunden Wertheim-Meigs-OP hinter mir

Hallo
Ich wurde im jan.2005 nach wertheim 12stunden operiert. habe auch seitdem ein lympfproplem im linken bein und bekomme seitdem EU rente.
Ich habe 32Bestrahlungen gehabt und eine Woche Chemo rund um die Uhr im Krasnkenhaus ,wobei mir der Chemotrpf nur für die tägliche Zeit der Bestrahlung abgemacht wurde. Nach der Entlassung aus der Chemoklinik wurde ich jeden tag zur bESTRAHLUNG GEFAHREN : nACH !$ TAGEN SOLLTE ICH WIEDER ZUR LANGZEITCHEMO PLUS bESTRAHLUNG: DIE " cHEMOWOCHE HABE ICH ABGELEHNT: iCH WAR GAR KEIN mENSCH MEHR: KONNTE NICHTS eSSEN NICHT LAUFEN LAG NUR AUF DEM sOFA MIR WAR ALLES EGAL:
uND DAS OBWOHL ICH EIGENTLICH EIN kÄMPFER BIN: nATÜRLICH HATTE ICH AUCH EXTREMEN hAARAUSFALL: iM MAI BIN ICH DANN DAS ERSTE MAL ZUR kUR GEFAHREN; DORT HABE ICH MICH DANN ETWAS ERHOLT:
ICH hoffe es geht dir auch bald wieder etwas besser Tschüß
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  #12  
Alt 30.03.2008, 00:14
münchfriedel münchfriedel ist offline
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Hallo
Ich habe auch eine Mistelkur gehabt ,ist sehr gut mann fühlt sich irgendwie besser Viele Grüsse Nettie
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  #13  
Alt 04.04.2008, 13:36
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Julia38 Julia38 ist offline
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Hallo Christiane,
ich habe Deine ganze Geschichte gelesen und fühlte mit! Ich habe genau dasselbe hinter mir (OP im November 06, Bestrahlung und Chemo Januar bis März 07). Nur war ich bei Diagnose des Cervix CA schwanger, und meine kleine Tochter wurde in der 32. Schwangerschaftswoche im Zuge der Gesamt-OP geholt. Sie lag dann 6 Wochen in der Frühgeborenen-Station, erfreut sich aber heute bester Gesundheit und ist ein properes, kleines Mädchen. Ich habe mich auch sehr gut erholt. Während der Chemo und Strahlenbehandlung habe ich kombiniert hoch dosiertes Selen und L-Carnitin eingenommen. Das hat mir ein Dr. Holzhauer in München verschrieben, der sich als Internist auf komplementäre Medizin spezialisiert hat. Das hat dazu geführt, dass ich die ansonsten schon recht belastende Behandlung gar nicht als sooo schlimm empfunden habe. Das bestrahlte Gewebe ist dadurch auch nicht so kaputt, wie es wohl sonst der Fall ist. Mit der Misteltherapie habe ich keine Erfahrung.

Gerade lese ich das "Anti-Krebs-Buch", in dem sehr viel über Ernährung nach Krebs steht. Das ist sehr interessant, da auch größtenteils wissenschaftlich belegt. Ich wünsche Dir viel Kraft beim Weitermachen (erstaunlicherweise schafft an in der akuten Situation alles viel leichter als man denkt). Du wirst es schaffen! Eine Reha würde ich persönlich übrigens nicht empfehlen. Fahr lieber mit Deinem Mann zwei Wochen ans Meer, davon hast Du mehr. Die Behandlungen, die mir echt was gebracht haben, waren alle ambulant (Lymphdrainage usw). Und das mit dem Darm wird wieder, ich habe auch wie Du über mehrere Woche gelitten. Meine Blase hat sich leider nicht gebessert, ich spüre sie dank der durchtrennten Nervenbahnen nicht und kann sie schlecht kontrollieren. Aber das wird vielleicht auch noch besser.

Und noch was: Die beglückenden Erfahrungen mit anderen Menschen, die Du beschreibst, habe ich auch gemacht. Bei aller Tragik und Trauer über die Situation waren die überwältigenden Reaktionen vieler Menschen ein Geschenk, das ich nicht vergessen werde.

Alles Gute und viele Grüße vom Ammersee in Bayern, Julia
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  #14  
Alt 08.04.2008, 11:40
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Babyalina Babyalina ist offline
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Hallo liebe Julia,
vielen Dank für deine Antwort auf meine Geschichte - es ist immer wieder ganz wichtig glaube ich, Reaktionen zu bekommen.
Erst einmal möchte ich Dir sagen, wie schön ich es finde, dass Du deine Tochter trotz dieser Diagnose, wenn auch frühzeitig zur Welt bringen konntest und sie heute ein gesundes Kind ist.
Ich habe nun endlich den ersten Termin für die Strahlenbehandlung - der 16.04. - ist auch gleichzeitig der Termin für die erste Chemo.

Deinen Tip mit dem hochprozentigen Selen und L-Carnitin werde ich umsetzen, wann hast Du damit abgefangen - lange vor den Bestrahlungs- und Chemotherapien oder währenddessen???
Ich muss sehern, dass ich mir dies schnellstmöglichst verschreiben lasse.

Auch herzlichen Dank für den Tip mit dem "Anti-Krebs-Buch" - werde ich mir ebenfalls besorgen. So viel ich heute weiß - ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt im Körper sehr wichtig. In einem basischen Körper können sich die Krebszellen wohl nicht so gut vermehren, wie in einem übersäuerten Körper.
Ich esse daher sehr viele basische Lebensmittel - und sowieso viel Obst und Gemüse. Das mache ich allerdings schon seit Juli letzten Jahres - ohne von der Krebsdiagnose zu diesem Zeitpunkt gewußt zu haben.
Der mich operierende Prof. in Bremen hat gesagt, dass mir dies vielleicht sogar das Leben gerettet hat, denn mein Tumor war schon recht groß und fortgeschritten - wäre aber sonst vielleicht noch viel weiter (zu weit) gewesen.

Bei der ReHa habe ich mich noch nicht angemeldet, lasse ich im Moment noch zurück gestellt, da ich erst einmal diese nächste Zeit hinter mich bringen möchte - und dann sehe ich da weiter.

Welche Maßnahmen machst Du, wegen der Blasenproblematik - mußt du immer Einlagen tragen oder nimmst du OB´s, um den spontanen Urin aufzufangen?
Das klappt ja recht gut, ich weiß nur nicht, ob es ok ist. Habe bislang dazu noch keinen Arzt befragt.

Ich freue mich auf Deine Nachricht.
Liebe Grüße
Christiane (Babyalina)
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  #15  
Alt 08.04.2008, 21:06
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pit59 pit59 ist offline
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Liebe Christiane,habe Deine Berichte jetzt alle genau gelesen.Es ist vieles wie bei meiner Mam.Ich wünsche Dir für die bevorstehende Behandlung alles Liebe & Gute Du schaffst das. Meiner Mutti geht es ganz gut,Nächsten Dienstag hat Sie die 2.Nachuntersuchung,Sie hat tierische Angst (kann ich auch verstehen).Ich hoffe auch,dass alles gut geht.
Ganz liebe Grüße und Kopf hoch
Petra
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