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  #1  
Alt 27.08.2003, 14:42
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Vor fünf Wochen ist mein Vater nach einem Lungentumor, der sich explosionsartig ausgebreitet hat gestorben. Meine Mutter hat ihn zu Hause liebevoll gepflegt. Er hat uns immer wieder Mut gemacht und selbst nach der Hiobsbotschaft der Gehirnmetastasen war er noch immer davon überzeugt, diesen Kampf zu gewinnen. Aber er hat ihn verloren - mit 65 Jahren.

Ich war ein Papa-Kind und kämpfe sehr mit seinem Tod. Doch mehr noch beschäftigt mich die Sorge um meine Mutter. Wir wohnen 70 Kilometer auseinander und ich kann leider nicht jeden Tag bei Ihr sein. Ich besuche Sie so oft es geht aber wenn ich dann wieder fahre, weine ich den ganzen Rückweg. Sie lebt jetzt in diesem riesen Haus ganz allein und es geht ihr jeden Tag etwas schlechter. Sie will tapfer sein und sich nicht hängen lassen aber die Trauer sitzt noch viel zu tief. Ich habe ihr Bücher über das Trauern besorgt, die sie auch liest aber wirklich helfen tut es auch nicht.

Ich würde Ihr so gern helfen aber ich weiß nicht wie. Wenn ich bei Ihr bin reden wir ganz viel über meinen Vater und weinen beide. Danach geht es ihr besser. Aber ich kann nicht ständig bei ihr sein und das tut mir ebenso weh, wie der Verlust meines Vaters.

Was habt Ihr getan oder könnt Ihr mir einen Rat geben?
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  #2  
Alt 27.08.2003, 17:30
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Flo,
ich kann sehr gut nachempfinden was du fühlst. Ich selbst habe meine Mutter vor 6 Monaten verloren. Sie starb an Eierstockkrebs mit 61 Jahren. Die Lücke ist bei mir riesig und sehr schmerzhaft. Auch ich wohne 65 km von meinem Vater weg und heule jedesmal wenn ich wieder fahre, vorallem auch wenn ich das grab besuche. Ich denke ihr macht es richtig. Viel viel reden uber das Geschehene und die vergangenen schönen Zeiten zusammen. Mein Vater und ich telefonieren auch viel. Aber letztendlich muß jeder versuchen mit seiner Trauer umzugehen.
Das wichtigste ist, wenn es einem nicht gut geht, weiß man wo der restliche Teil der Familie ist, den man lieb hat. Einfach ganz viel Kontakt, vielleicht was gemeinsam unternehmen. Am Freitag kommt mein Papa zu mir, dann machen wir uns einen schönenTag. Leider fehlt halt immer jemand, aber der andere Elternteil ist da und das ist wichtig. Ich weiß nicht, ob ich dir ein bischen helfen konnte. Auf jeden Fall möchte ich dir Mut machen für alles was noch kommt, vorallem bei der Trauerbewältigung. Laß die Trauer zu und laß sie raus. Das hilft auf jedenfall.
Ich wünsche dir viel Kraft und alles Liebe auch deiner Mama
Vielleicht schreibst du ja mal, würde mich freuen.
Bis bald
Ulli
a
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  #3  
Alt 28.08.2003, 11:15
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Ulli,
vielen Dank, dass Du geantwortet hast. Es gibt eben kein Handbuch, dass man in diesem Fall aufschlagen kann. Keiner sagt, ob es richtig ist, wenn man versucht seine Mutter/Vater in Watte zu packen. Aber seitdem mein Vater nicht mehr bei uns ist, habe ich das Gefühl, sie nochmehr beschützen zu müssen damit wenigstens sie bei mir bleibt. Mein Mann hat bedenken, dass ich es übertreibe aber wenn ich nicht bei ihr bin, habe ich Heimweh wie ein kleines Kind. Sie sagt zwar immer wieder, dass ich auch ein eigenes Leben habe und mir nicht ständig Sorgen machen soll aber wenn ich dann da bin, sagt sie mir immer, dass sie nicht wüsste, wie sie das alles ohne mich durchstehen würde. Meine Mutter kommt auch am Freitag zu uns und bleibt sogar über Nacht - das erste Mal.
Du hast mir auf jeden Fall geholfen. Es ist schwer mit "Nichtbetroffenen" darüber zu reden. Die meisten denken, sie müssten sofort das Thema wechseln, wenn ich traurig werden. Dann kommen so Sätze wie "du schaffst das schon" - "das Leben muss weiter gehen". Aber sie verstehen nicht, dass es jetzt ein ganz anderes Leben ist, das weitergeht. Nämlich eins ohne den eigenen Vater. Wer das nicht selber erlebt hat, kann keine Ratschläge geben. Auch mein Mann hat wenig Verständnis für die Situation aber ich weiß, dass es ihn auch eines Tages genauso hart treffen wird. Wenn mein Vater uns von irgendwo sehen kann, dann soll er stolz auf seine "Frauen" sein. Er hätte nicht gewollt, dass die Trauer uns überwältigt. Daran arbeiten wir noch und das gibt uns unendlich viel Kraft.
Ich wünsche auch Dir alles Gute und für morgen einen schönen Tag mit Deinem Vater.
Bis dann
Flo
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  #4  
Alt 28.08.2003, 12:54
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hey Flo,
Tja, so tolle Sätze wie" das Leben geht weiter, du mußt dich mal wieder aufraffen", die kennen wohl alle Hinterbliebenen. Das sind eben Standardsätze. Das wissen wir doch selber, daß das Leben weitergeht, ist doch logisch. Aber wie? Davon wollen dann die wenigsten sich was drüber anhören. Manchmal frage ich mich, ob aus mir ein anderer Mensch geworden ist. Ich war vorher ein fröhlicher, lustiger lebensbejahender Mensch. Und nun? Das Leben sieht nun anderst aus. Ich bin kritischer(vorallem Ärtzten gegenüber),depremiert und das Lachen und die Fröhlichkeit ist eingeschlafen. Wie lange das wohl noch dauert bis alles wieder aufwacht. Sicher nicht wenn ich Trübsal blase, aber kann man so einfach einen hebel umknicken? Auch mein Mann hat wenig Verständnis für mich, obwohl seine Mutter vor 4 Jahren an Leberkrebs verstorben ist. Auch meine mama hätte niemals gewollt, das ich so durchhänge. Aber es geht irgendwann wieder aufwärts, das weiß ich genau. Die Zeit wirds bringen, noch so ein Spruch, aber ich glaube, an dem ist was dran.
Ich wünsche dir alles Liebe und auch einen schönen Tag mit viel Liebe für deine Mama.
Bis bald
Ulli
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  #5  
Alt 28.08.2003, 17:07
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Ihr Beiden,

mein Papa ist vor 7,5 Monaten an Darmkrebs gestorben. Jetzt wo ich es schreibe, fällt mir auf, dass das schon eine verdammt lange Zeit ist. Für mich ist es immer noch so präsent, dass es mir nicht so lange vorkommt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie ihr Euch fühlt, denn es geht mir genauso. Ich wohne 400km weit weg von zu Hause, und kann meine Mama leider auch nicht so oft sehen. Ich versuche, jedes zweite Wochenende zu fahren und wir telefonieren täglich (meist mehrmals, obwohl ich meiner Mum damit wohl manchmal mächtig auf die Nerven gehe). Auch ich habe trotz der etwas längeren Zeit eigentlich noch nicht realisiert, was eigentlich passiert ist, ich wünschte, alles ist ein böser Traum und Papa wäre endlich wieder da. Ich habe keine Geschwister - meine Eltern und ich hatten immer ein sehr inniges Verhältnis zu einander, jetzt fehlt auf einmal einer.

Ich hab mir anfangs auch sehr große Sorgen um meine Mama gemacht (und mache sie mir auch immer noch) Wenn ich lese was du schreibst Flo, dann kommt mir das so bekannt vor. Die Bücher, die ich Mama besorgt habe, hat sie auch gelesen, aber ich bin mir auch nicht sicher, inwieweit sie geholfen haben. Aber ich denke, es ist trotzdem gut, weil man sich so damit beschäftigt, und auch ein Stück weit das Gefühl bekommt nicht allein zu sein. Wie Ulli, glaube ich auch, dass es sehr wichtig ist über alles zu reden, über Gedanken, Gefühle und auch das Danach. Auch meine Mama versucht immer stark zu sein, wenn andere sie heute fragen, wie es ihr geht, dann sagt sie immer: geht schon. Ich weiß, dass es ihr nicht gut geht. Das Schlimmste ist einfach, dass man nicht wirklich was daran ändern kann. Ich versuche halt immer wieder, sie abzulenken und aufzubauen. Nur ganz im Inneren ist sie allein mit ihrer Trauer – nur das sind wir als Kinder auch, denn jeder muss letztendlich ganz alleine damit zurechtkommen. Bei mir nimmt die Sorge und Angst um sie auch schon sehr extreme Züge an. Die Reaktion von meinem Freund ähnelt der deines Mannes. Ich kann aber einfach nicht aus meiner Haut, wenn sie Auto fährt oder unterwegs ist, dann ruf ich ständig an und frage, ob sie gut angekommen ist, oder was sie macht. Ich weiß nicht, was ich machen würde, wenn ihr plötzlich was passiert.

Ich glaube, was meiner Mama unheimlich geholfen hat, war, dass sie sich sofort in Arbeit gestürzt hat. Sie hatte ständig was zu tun und ist auch viel unterwegs gewesen. Ich weiß wie schwer das für sie war und auch noch ist, aber es hat ihr geholfen, die erste ganz schlimme Zeit durchzustehen. Vielleicht ist das ja bei deiner Mama auch möglich Flo? Hat sie denn Freundinnen, die sie mal mitnehmen, einfach nur was trinken oder spazieren, oder meine Mama trifft sich jetzt immer zum Schwimmen und Saunen. Geht deine Mama denn noch arbeiten? Wie ist das bei deinem Vater Ulli? Das mit dem Haus war für meine Mama denke ich auch sehr schwer, riesige leere Räume alles erinnert an den anderen. Wir haben uns entschlossen, dass Haus zu verkaufen. Hört sich hart an, und das war es auch, aber für meine Mama war es eine Art „Neuanfang“. Wir haben alle uns wichtigen Erinnerungen behalten. Anziehsachen haben wir – bis auf Ausnahmen – verschenkt. Das ist sicher eine sehr extreme Art, aber ich glaube, für uns wäre jeder andere Weg noch sehr viel schmerzlicher gewesen. Wir haben unsere Erinnerungen in Form von Bildern, kleinen Andenken und seinen Lieblingssachen.

Hast du deine Mama schon mal gefragt, ob eine Selbsthilfegruppe etwas für sie wäre? Oder hat sie denn im Freundes- oder Bekanntenkreis jemanden, der auch den Partner verloren hat, und mit dem sie sich austauschen könnte? Meine Mama sieht da nicht die „Notwendigkeit“, sie meint, sie kann ja mit mir alles besprechen. Da hat sie natürlich recht, aber ich denke, dass das vielleicht nicht immer das gleiche ist. Der Schmerz an sich ist denke ich der gleiche, aber die Gedanken, Gefühle und auch die Verarbeitung sind vielleicht anderes. Ich denke es wäre gut, wenn sie sie ab und an mal mit jemandem reden könnte, der genau das gleiche durchlebt. So wie hier, jeder wird von der Trauer und dem Schmerz begleitet, aber die ähnlichsten Empfindungen zu mir selbst finde ich bei Menschen, die den Vater oder ein Elternteil verloren haben. Man merkt ja an sich selber, wie gut das Schreiben eigentlich tut. Meine Mama mochte aber bislang nicht…

Würde mich freuen, wieder von euch zu hören,

Liebe Grüße

Cas
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  #6  
Alt 28.08.2003, 22:24
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hey Cas,
bin genau der gleichen Ansicht wie du. Auch ich mache mir große Sorgen um den noch verbliebenen Elternteil. Ich bin ebenfalls Einzelkind und denke oft; was ist wenn nun mit Papa was passiert, dann habe ich keine Eltern mehr. Schreckliche Vorstellung!! Auch ich merke, wie mir das Schreiben hier gut tut, mein Vater will davon aber nichts wissen! Meine Mama verstarb ja im Februar und im Mai hatte mein Vater schon eine Freundin. Die Frau hat er bei einem Besuch bei seinem Bruder kennengelent. Sie wohnt allerdings 600 km weiter weg. Aber er besucht sie oft. Viele Bekannte und Freunde können nicht verstehen, daß ich nicht wütend auf ihn bin. Aber auch mein Vater hat wieder ein Recht auf Leben und keiner kann einem die Trauerzeit vorschreiben. Natürlich finde ich es auch etwas früh, aber meine Mama bzw. seine Frau bleibt immer in unseren Herzen. Die neue Frau ist sehr rücksichtsvoll und drängt zu nichts. Denn ich wohne 65 km von meinem Vater weg und kann nicht immer gleich auf der Matte stehen. Jeder muß für sich entscheiden, was er für richtig hält. Auch ich realisiere noch nicht richtig, daß sie nie mehr wieder kommt.
Auch mein Vater wird sich bald von den meisten Anziehsachen trennen aber auch wir haben viele Erinnerungsstücke. und das was wir im Herzen tragen, kannuns eh keiner nehmen!
Vielleicht schreibst Du ja mal wieder, würde mich freuen!
Alles Liebe von
Ulli
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  #7  
Alt 29.08.2003, 11:52
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Ulli, hallo Cas,
wenn ich Eure Briefe lese, bin ich total froh, dass ich mich aufgerafft habe meinen Beitrag zu veröffentlichen. Gestern habe ich den Chef meines Mannes getroffen (war auch vor Jahren mal mein Chef). Wir haben noch ein sehr gutes Verhältnis. Er hat mich gefragt, wie es mir geht und was meine Mutter macht. Ich merkte dann auch sehr schnell, dass mein Mann sich wohl auch schon mit ihm über das Thema unterhalten hat. Mein Ex-Chef sagte, dass die Sorge um meine Mutter nicht mein/unser Leben bestimmen darf und dass ich ihr damit auch keinen Gefallen tue. Ob ich mich noch daran erinnern könnte, wie es früher gewesen war, als die Rollen noch andersherum waren? Da war es meine Mutter, die sich um mich sorgte und das war manchmal ganz schön belastend. Jetzt sind wir Töchter an der Reihe "loszulassen". Wir Menschen sind sehr gut in der Lage, mit diesem Schicksalsschlag fertig zu werden. Jeder auf seine Art und Weise. Es brauch nur alles seine Zeit.

Ich kommte ihm kaum antworten, weil mir mal wieder die Tränen kamen. Heute nacht habe ich dann nochmal über seine Worte nachgedacht. Er hat in einigen Punkten recht. Ich möchte auch, dass meine Mutter mich anruft, wenn sie irgendwohin fährt. Ich bin froh, wenn ich weiß, wo sie tagsüber ist, was sie macht und ob sie gut gegessen hat .... (nicht ganz so übertrieben natürlich). So, wie unsere Eltern es früher mit uns gemacht haben. Vielleicht sind unsere Mütter/Väter damit bald genauso überfordert, wie wir es als Kinder waren. Ich weiß nur nicht, wann der richtige Zeitpunkt zum "loslassen" da ist.

Auch mich hat das alles verändert, was ich aber zu Hause nicht zugeben möchte. Probleme auf der Arbeit sind für mich nebensächlich geworden. Ich kann keine Gefühle zulassen, mich nicht richtig über etwas freuen. Dadurch muss ich mich dauernd verstellen, damit ich meinen Mann nicht enttäusche. Er hat gesagt, dass muss aufhören. Er will nicht zum Lachen rausgehen müssen. Er hat recht, er hat recht, er hat recht .... aber dieser HEBEL, den wir alles so dringend bräuchten, wo sitzt der?????

@Cas.. Meine Mutter hat einen Freundeskreis von sechs Frauen, die sich regelmässig zum "Klönabend" treffen. Von diesen sechs Frauen ist sie bereits in kürzester Zeit die dritte Witwe. Alle Frauen stehen ihr zur Seite. Waren gleich nächsten Tag bei uns und haben ihr Mut gemacht. Es gibt einen Landfrauenverein bei uns, dem sie beitreten will. Nicht sofort aber bald.

Heute holt sie mich jedenfalls von der Arbeit ab und übernachtet bei uns. Darauf freue ich mich schon riesig und habe bei jedem klingeln des Telefons ein bisschen Angst, dass sie absagt. Ich hoffe nicht!

Ich wünsche Euch Beiden ein erholsames Wochenende!
Bis bald wieder
Flo
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  #8  
Alt 29.08.2003, 14:59
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Ihr Beiden,

Liebe Ulli,

ich denke, es ist schwer, erstmal damit klarzukommen, wenn der Zurückgebliebene plötzlich einen neuen Partner hat. Aber ich glaube, genau so etwas ist zu jedem Zeitpunkt schwer, ob es nun Jahre danach, oder eben nur ein paar Monate danach ist. Ich finde deine Einstellung hierzu gut. Ich denke, niemand sollte sich herausnehmen, hierüber zu urteilen, denn wenn ich eins gelernt habe, dann ist es das, dass man Dinge plötzlich ganz anders sieht oder beurteilt, als man je geglaubt hat. Plötzlich ist man auch in der Lage Dinge zu tun, die man nie von sich erwartet hat. Ich z.B. hätte mir vor Papas Tod niemals vorstellen können, unser Haus zu verkaufen oder zwei Monate nach seinem Tod in den Urlaub zu fahren, oder eben überhaupt, einem normalen Alltag nachzugehen, aber es geht – es muss gehen!

In punkto neuer Beziehung denke ich, dass man mit dem Alter und - vor allem nach einer langen glücklichen Beziehung - eine andere Einstellung zum Thema Liebe und Partnerschaft bekommt. Deine Mama wird immer die entscheidende Frau im Leben deines Vaters bleiben. Nur beginnt ja jetzt für ihn - ungewollt - etwas anderes und neues. Wahrscheinlich ist die Frau, die er neu kennen gelernt hat, für ihn eine Art Halt, mit dem er den schweren Verlust einigermaßen überwinden kann. Es geht ja hier nicht um „Vergessen“, sondern um einen neuen Abschnitt in seinem Leben. Schön, dass die Frau dann noch so verständnis- und rücksichtsvoll ist.

Hilft es dir denn auch ein wenig, dass dein Papa jemanden gefunden hat? Ich meine, weil deine Angst und Sorge um ihn, damit vielleicht auch ein wenig kleiner geworden ist? Meinst du Männer trauern anders als Frauen? (Komische Frage, aber ich hab mir manchmal die Frage gestellt, wie es anders herum gewesen wäre – ich habe den Eindruck, dass meine Mama als Frau das besser verarbeiten kann – aber ich weiß es nicht, wahrscheinlich ist es auch so etwas, was man nie beurteilen kann)

Bis bald und liebe Grüße (und ein hoffentlich nicht zu verregnetes Wochenende)

Liebe Flo,

ich kann so gut nachvollziehen, wie es dir geht. Genauso ist es bei uns momentan auch. Ich glaube, dein Chef hat wirklich zu einem großen Teil Recht. Es ist wie ein Rollentausch. Plötzlich geht es mir so, dass ich denke, dass ich die volle Verantwortung für meine Mama habe. Ich muss dafür sorgen, dass sie diese Zeit übersteht und es ihr gut geht. Bei uns ist es auch manchmal tatsächlich so, dass ich sie damit überfordert. Einmal, als ich sie nicht erreichen konnte, hatte sie letztendlich fast zehn Anrufe in Abwesenheit auf ihrem Handy. Mir war ganz schlecht vor Sorge, dabei war sie mit einer Bekannten Kaffeetrinken und hatte nur das Handy vergessen. Sie kam sich damals wohl schon ein klein wenig kontrolliert vor. Zudem ist sie manchmal auch der Meinung, dass ich ihr gar nichts mehr zu traue, weil ich immer sage, mach das nicht alleine, ich komme und wir helfen dir. Ich merke das meist nicht, wenn ich sie damit überfordere. Ich bloß, dass es ihr gut geht. Aber dein Chef hat schon recht, es ist eigentlich nicht unsere Aufgabe, das Leben unsere Mütter (oder Väter) zu managen, wir können nur versuchen, da zu sein und zu helfen. Aber du hast ganz recht, auch wenn man sich rational dies allem bewusst ist, so ist es trotzdem noch ein weiter Weg, es auch umzusetzen. Aber ich arbeite daran.

Es ist gut, dass deine Mama Freundinnen hat, die zu ihr stehen. Bei meiner Mama ist das etwas komplizierter. Sie hat auch viele Bekannte (auch engere), aber nur ein ganz geringer Teil – eigentlich fast niemand - ist Ansprechpartner, wenn es ihr schlecht geht. Anfangs haben noch ein paar gefragt, wie es ihr geht, dass lässt langsam nach. Zum Teil ist das auch auf Mama zurückzuführen, denn immer wenn jemand fragt, tut sie ganz stark und sagt, dass es okay ist und sie damit zurechtkommt. Ich glaube, für viele ist das eine willkommene Antwort, denn eigentlich fragt niemand wirklich weiter. Es kann daran liegen, dass keiner von ihren Bekannten so etwas durchgemacht hat. Deswegen finde ich es auch so wichtig, wenn sie wirklich mal mit jemanden sprechen würde, der in der gleichen Situation ist wie sie. Im Moment möchte sie das aber alles nicht. Das akzeptiere ich, und ich bin schon froh, dass sie versucht was mit Bekannten zu unternehmen.

Es ist schon erstaunlich, wie sich das alles gleicht. Auch ich habe mich verändert. Man sieht viele Dinge in einem ganz anderen Licht. Ich merke auch, wie ich manchmal innerlich den Kopf schüttle, wenn sich Leute über banale Sachen aufregen oder Dinge sagen, ohne vorher drüber nachzudenken, ob man damit jemanden verletzen könnte. Aber vermutlich war ich vorher teilweise auch so. Ich nehme jetzt Dinge sehr viel bewusster wahr. Auch für mich hat mein Arbeitsalltag einen anderen Stellenwert bekommen, ich versuche einfach Sachen, die mich früher maßlos aufgeregt oder gestresst haben nicht mehr an mich rankommen zu lassen. Tja, und dann die Sachen mit den Gefühlen. Da kann ich dir nur raten, dir Zeit zu geben. Es ist erst fünf Wochen her, dass ist alles noch viel zu frisch. Vor allem versuche, dich nicht ständig zu verbiegen. Dein Körper und dein Geist verarbeitet das genau so, wie es für dich richtig und notwendig ist. (Leicht gesagt, nicht wahr…) Bei mir war es am Anfang ganz genauso, am liebsten hätte ich mich nach der Arbeit sofort ins Bett gelegt, und gewartet, dass es wieder morgens wird. Ich konnte mich zu nichts aufraffen, und nach jedem Lachen oder einem kurzen guten Gefühl hätte ich weinen können, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte. Es gab Tage – und die gibt es heute immer noch – da war ich aus dem nichts heraus unendlich traurig und wehmütig. Ich kann mich noch erinnern, dass ich es nicht ertragen konnte, als mein Freund nach Monaten eine Comedy-Sendung anschaute und auch noch lachte. Ich bin völlig hysterisch geworden, und habe ihn angeschrieen. Ich habe großes Glück, dass mein Freund super verständnisvoll ist, trotzdem war es auch für unsere Beziehung eine ganz schlimme Zeit. Ganz langsam wird das auch alles wieder besser, d.h. man fängt auch wieder an, die schönen Dinge zu genießen und versucht zu leben! Mein Freund hat damals auch mit Freunden geredet, die schon in der gleichen Situation waren, d.h., die auch mit Frauen zusammen waren, von denen ein Elternteil gestorben ist. Ich glaube, ein Stück weit hat ihm das geholfen, einfach weil er gesehen hat, dass eben andere auch so reagiert haben. Der Partner ist in solchen Momenten oft einfach bloß hilflos und weiß nicht, was zu tun ist. (Genau so geht es uns ja mit unseren Müttern auch manchmal). Vielleicht würde das deinem Mann auch helfen? Könnt ihr den darüber reden oder hat er vielleicht einen Freund oder Bekannten, mit dem er reden kann?

So, für dich aber jetzt erstmal ein ganz schönes Wochenende mit deiner Mum!!

Freu mich wieder von Euch zu hören.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.

Cas
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  #9  
Alt 29.08.2003, 21:02
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Cas, hallo Flo,
ich kann euch beiden nur zustimmen. Als meine Mama vor 6 Monaten verstarb hatte ich das Gefühl die Erde bleibt stehen. Heute kann ich sagen, die Erde dreht sich wieder, aber ganz ganz langsam.Heute hat mich mein Vater besucht und wir haben wieder viel über meine Ma geredet. Viele Tränen sind geflossen, aber es tat auch gut. Er hat mir ein schönes Bild mitgebracht, daß vor 20 Jahren gemacht wurde. Er hat es wunderschön eingerahmt und mir geschenkt. Ich habe es auf den Schrank gestellt und eine Kerze davor angezündet.
Auch ich sehe viele Dinge nun in einem anderen Licht. Ich bin aud jedenfall sensibler aber auch empfindlicher geworden. Was haben andere für Sorgen, Gewichtsprobleme, Falten... Für mich alles Peanuts. Aber es tut gut sich hier austauschen zu können, auch wenn oft die Tränchen kullern.Eine positive Einstellung zum Leben ist wichtig, auch wenns schwer fällt.
Viele liebe Grüße an euch beide und bis bald
Ulli
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  #10  
Alt 01.09.2003, 09:27
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Hallo Ihr Beiden,
ich hoffe, Ihr hattet ein schönes Wochenende. Am Samstag habe ich schnell "heimlich" hier ins Forum gesehen und mich über Eure Nachrichten gefreut. Meine Mutter hat das erste Mal bei uns übernachtet. Als ich sie am morgen weckte, strahlte sie mich an und meinte, sie habe herrlich geschlafen und sie würde jetzt öfter mal bei uns bleiben. Nach einem ausgiebigen Frühstück, dass mein Mann uns gezaubert hat, haben wir noch einen Einkaufsbummel gemacht. Natürlich sind auch wieder viele Tränen geflossen aber ich denke, es war wieder ein halber Millimeter auf der großen Leiter nach oben.
Gestern hatte ich dann aber wieder mal einen "Papa-Sonntag". Dann komme ich einfach nicht raus aus meiner Haut und könnte mich den ganzen Tag heulend im Bett verkriechen.

Wir werden in fünf Wochen auch in den Urlaub fliegen und wenn ich ehrlich bin, graut mir schon davor. Mein Mann steckt schon in euphorischer Vorfreude. Ich kann mich nicht freuen aber ich möchte uns den Urlaub auch nicht verderben.

Cas, warst Du nicht auch zwei Monate später im Urlaub? Wie war das bei Dir? Wenn ich arbeite, dann lenkt es mich ab. Bin ich aber zu Hause - so wie Sonntags - überkommt es mich wieder. Das darf mir aber in den vierzehn Tagen nicht passieren.

Wünsche Euch eine ruhigen Wochenstart
FLO
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  #11  
Alt 01.09.2003, 13:54
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Liebe Ulli, liebe Flo,

schon wieder ein Wochenende rum, und schon wieder Arbeiten. Für mich war am Anfang das Büro auch eine willkommene Abwechslung. Hab mich oft gefragt, warum das dann doch so gut funktioniert – ich meine, dass ich doch recht konzentriert und gut Aufgaben erledigen konnte. Damals waren die Wege zum Büro und vom Büro nach Hause das Schlimmste für mich. Überhaupt, war Autofahren schrecklich, weil ich dann plötzlich ganz allein mit meinen Gedanken war. Ich konnte es nur schwer ertragen allein zu sein, hab immer versucht, mich mit irgendwas abzulenken… Zur Zeit ist es eigentlich eher so, dass ich mehr Zeit für mich selbst bräuchte, da ich so viele Dinge erfahren und lernen möchte, aber momentan ist irgendwie immer etwas los…

Liebe Flo, ich freue mich, dass du ein schönes Wochenende mit deiner Mama verbracht hast, und jeder kleine Schritt nach vorne, ist einer. Vermutlich kommen auch immer und immer wieder Rückschritte, aber wichtig ist, dass man immer ein Stückchen über dem tiefsten Punkt bleibt. Es brauch einfach verdammt viel Zeit. Ich war zwei Monate nach dem Tod von Papa zusammen mit meiner Mum im Urlaub. Eine Woche auf der Donau. Rückblickend meine ich, dass es uns wirklich gut getan hat, auch wenn wir dort manche traurige Stunde hatten. Du fährst mit deinem Freund, oder? Es ist sicher schwer, sich auf den Urlaub zu freuen, gerade ja auch, weil man überhaupt nicht in der Lage ist, überhaupt Glücksgefühle zu empfinden. Aber ich denke, dass dir der Urlaub bestimmt gut tut. Einfach mal Abwechslung, und was anderes sehen und erleben. Ich würde versuchen, mir jetzt noch keine Gedanken darüber zu machen, lass es einfach auf dich zu kommen. Denk einfach daran, dass du im Urlaub abschalten kannst, und vor allem auch neue Kraft tanken kannst. Das ist sicher auch ganz wichtig, auch um deiner Mama zur Seite zu stehen. Falls sich in irgendeiner Art das schlechte Gewissen melden sollte. WEG DAMIT!!!! Trauer hat rein gar nichts damit zu tun, wo man ist, oder was man gerade tut. Trauer ist ein Gefühlszustand, und der begleitet ein ständig. Was ich in der Zeit lernen konnte ist, dass die Gedanken an meinen Papa mich jeden Tag und jede Stunde begleiten, ich vermiss ihn eigentlich mit der Zeit immer mehr. Trotz dem hatte ich auch schon wieder fröhliche Stunden und lache wieder. Weißt du, es ist so verdammt egal, was andere Leute denken, nur du selbst weißt, wie es in dir aussieht, und wie schwer es wirklich für dich ist. Letztens hat jemand zu mir gesagt, er bewundere, wie ich das doch alles wegstecke… Da musste ich mich innerlich dann wirklich fragen, ob er tatsächlich schon mal darüber nachgedacht hat, wie es mir geht, weil auseinandersetzen, wollen sich gerade die Personen nicht damit. Schon komisch, dass Menschen tatsächlich glauben, dass das äußere Auftreten einer Person, auch innere Gedanken und Gefühle widerspiegelt. Ach schau an, sie hat mal gelacht, da ist ja wohl alles wieder in Ordnung… BLÖDSINN!!!!!! Ich hoffe, du verstehst was ich meine? Es ist wichtig, dass du für dich den richtigen Weg findest – und wo der lang führt, kannst nur du selbst entscheiden. Versuche einfach daran zu denken, wie viel Kraft du in dem Urlaub tanken kannst, und wie gut es tun kann, einfach mal abzuschalten.

Ich hoffe, bis bald.

Liebe Grüße und noch einen schönen Arbeitstag

Cas
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  #12  
Alt 04.09.2003, 11:43
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Hallo Cas, hallo Ulli,

ich konnte mich lange nicht melden - viel zu tun. Was ich zur Zeit positiv finde. Du hast recht, ich werde den Urlaub einfach auf mich zukommen lassen. Es ist nur so, dass ich häufig denke, ich müsste auch mit meiner Mutter wegfahren. Wie lange hatte sie keinen Urlaub, weil sie unseren Vater pflegen musste. Aber damit würde ich wahrscheinlich nur mein schlechtes Gewissen beruhigen und niemandem wirklich einen Gefallen damit tun. Meinem Mann und unserer Ehe am allerwenigsten.

Komisch ist, dass Deine Ratschläge identisch sind, mit denen, die ich meiner Mutter gebe. Ich sage auch zu ihr, dass es wichtig ist, wie sie für sich trauert und nicht was andere denken. Dabei ging es um eine dunkelrote Jacke, die sie nicht anziehen wollte, weil ihr die Farbe zu fröhlich erschien.

Am Wochenende machen wir einen Ausflug mit meiner Mutter und meinen Schwiegereltern. Vielleicht bleibt meine Mutter dann noch eine Nacht bei uns. Ich habe es ihr jedenfalls angeboten und sie hat nicht sofort nein gesagt. Ich habe gesehen, dass mein Mann kurz gezuckt hat und das tut mir auch ein wenig leid aber wenn ich sie bei mir habe, fühle ich mich wesentlich besser. Außerdem tut es mir in der Seele leid, wenn ich mich nach so einem Tag von Ihr trennen muss und sie allein nach Hause muss. Während wir anderen immer zu zweit sind.

Meine Freundin sagte, dass wir meiner Mutter Vieles erleichtern aber nicht alles abnehmen können. Sie muss damit alleine fertig werden. Sie muss auch mal ein Wochenende allein verbringen damit sie die Angst vor der Einsamkeit verliert. Ja, sie alle haben recht aber sie haben es auch alle noch nicht selbst erlebt. Das ist das Hauptproblem bei gutgemeinten Ratschlägen von Freunden und Verwandten, die nicht mitreden können.

Wenn ich lese, wieviel Zeit bei Dir Cas schon vergangen ist und Du Deinen Vater jeden Tag mehr vermisst, weiß ich, dass mir noch eine lange Zeit bevorsteht. Natürlich gab es auch schon wieder fröhliche Stunden und wir haben auch viel gelacht aber dieser Dorn des schlechten Gewissens steckt so tief.

Man bekommt so Vieles im Leben beigebracht nur nicht, wie man mit Trauer vernünftig umgeht.

Doch ein Trost ist ein Forum für Hinterbliebene.

Lieben Gruß
Flo
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  #13  
Alt 05.09.2003, 13:02
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Hi

Meine Mum ist vor 3.5 Jahren gestorben. Hm, was hat mir geholfen... Ich war leider gezwungen die gemeinsame Wohnung schnellstmoeglich zu verlassen da ich nach Abzug aller Beerdigungskosten komplett pleite war und mir die Wohnung nicht mehr leisten konnte. Ich musste mir eine neue Wohnung suchen und denke das vielleicht auch half.

was du sicher nicht schaffen wirst ist das deine Mutter das Haus aufgibt, aber vielleicht bekommst du sie zu einem Tapetenwechsel.
Es ist sehr schwer fuer sie... die ganzen gemeinsamen Sachen staendig vor der Nase zu haben... Moebel, Briefe, Kleidung, Schuhe -ich musste das alles entsorgen. Vieles verteilte ich auf meine Geschwister. Ich konnte in meine neue Unterkunft ja nicht viel mitnehmen.
Und vielleicht - dadurch das ich ihre Sachen nicht staendig vor der Nase hatte - habe ich es vielleicht bewaeltigen koennen. Natuerlich hab ich immernoch schwer Schlagseite - aber nicht mehr gar so schlimm.
Ich wuerd gern Fragen was meinem Vater half - aber (1.) hatte er keine Bindung mehr zu meiner Mum, und (2.) ist er selber schwer Krebskrank ... Hm...am meisten half mir das Wissen das Menschen um mich sind die mich Lieben und fuer mich da sind wenn ich sie brauche - dann - wenn ich unter meinem Steinchen vorkroch und mit einem Auge raus schielte... dann waren sie einfach da.

Lasse deine Mum wissen das du immer fuer sie da bist - ihr beiden macht das schon gut... Mehr als zusammen reden, weinen und schweigen kann man nicht. Das ist so viel ... und so wertvoll.

sei ganz lieb von mir gegruesst und umarmt.


Felida
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  #14  
Alt 06.09.2003, 20:57
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Felida,
beneidenswert, dass Du soviele tröstende Worte hast, wo Dein Schmerz noch wesentlicher größer ist als meiner. Du hast nicht nur Deine Mutter verloren, sondern auch Deine gewohnte Umgebung - Euer Zuhause. Mag sein, dass die Wohnungsauflösung und der damit verbundene Stress Dich von vielem abgelenkt hat. Du schreibst, dass es Dir geholfen hat und daher hoffe ich, dass Du wirklich alles gut überstanden hast. Deinem Vater und Dir drücke ich ganz fest die Daumen, dass Ihr diese Krankheit besiegen könnt.

Bei uns scheint sich einiges zu verändern in den letzten Tagen - zum Positiven. Meine Mutter war heute bei uns und sie hat mich mit ihrer fröhlichen Art sehr überrascht. Vielleicht ist es wirklich hilfreich für sie, dass sie sich bei uns weder verstellen noch über den Tod meines Vaters schweigen muss. Jeder von uns trauert auf seine Art und trotzdem kann auch mal gelacht werden. Sie hat heute sogar auf ihre schwarzen Sachen verzichtet und das empfinde ich schon als riesen Meilenstein.

Für die Familie ist der Verlust eines lieben Menschen ein schwerer Schlag aber auch eine eizigartige Herausforderung. Nie vorher haben wir soviele intensive Gespräche geführt. Selbst mein Bruder und ich waren uns niemals vorher so nah oder haben uns weinend in den Armen gelegen. Wir haben bewiesen, was die Familie für uns bedeutet und wieviel sie uns wert ist. Ich wünschte mir manchmal, dass ich diese Erkenntnis vorher gehabt hätte.

Ich werde Deinen Rat mit Sicherheit befolgen und drücke Dich ebenfalls für Deine lieben Worte.

Liebe Grüße
Flo
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  #15  
Alt 06.09.2003, 21:45
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Standard Was kann ich für meine Mutter tun?

Hallo Flo,

ich glaube, es geht den meisten so, die ein Elternteil verloren haben - man sorgt sich um den "übriggebliebenen" (mir fällt kein dooferer Ausdruck ein...), und ich glaube, gegenüber Müttern ist das sogar noch extremer - vielleicht weil man so an die alten Rollenverteilungen denkt: früher hat Papa sie beschützt, jetzt ist er nicht mehr da, also muss ich...

Und bei euch ist auch alles noch so frisch, da ist doch immer noch alles eine Ausnahmesituation.

Als mein Vater vor 1,5 Jahren starb habe ich auch ständig nur an meine Mutter gedacht. Habe immer dafür gesorgt, dass ich erreichbar war, falls sie mich braucht. Wenn ich mal weg war und sie hat zu Hause auf den AB gesprochen, hatte ich ein schlechtes Gewissen - sie hat mich gebraucht und ich war nicht da... Mittlerweile ist es ein bisschen besser geworden, aber nur ein bisschen ;-)

Was meiner Mutter damals viel Halt gegeben hat, war ihr Hund. Und als der dann plötzlich auch noch starb, habe ich mir wieder Sorgen gemacht und darauf gedrängt, einen neuen zu holen. Leider weigerte sie sich hartnäckig - bis neulich, da sprach sie plötzlich davon. Jubel! Mal sehen...

Wäre das auch eine Lösung für deine Mutter? Dann wäre immer jemand da, wenn sie nach Hause kommt, der sie lieb begrüßt und der sie braucht, um den sie sich kümmern muss...

Meine Mutter hat auch den riesigen Schritt unternommen, aus dem großen Haus auszuziehen und in eine kleinere Wohnung zu gehen. Nicht sofort, das ist jetzt auch erst ein halbes Jahr her, aber das hat ihr auch geholfen. Schon durch die Vorbereitungen war sie dann ein wenig abgelenkt und in der neuen Wohnung fühlt sie sich nicht ganz so verloren.

Mittlerweile geht es ihr deutlich besser. Zum ihrem Glück fehlt jetzt nur noch -meiner Meinung nach *g- ein neuer Hund... mal schau'n ;-)

lg
Petra
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