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  #31  
Alt 10.03.2012, 10:30
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Anyanka77 Anyanka77 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

Tanja ich bin sooo froh, dass du dich meldest!!! Wie sieht denn dein allgemein medizinischer zustand aus? Bitte gib nicht auf! Ich hab in letzter zeit auch so viel an dich denken müssen und freu mich so sehr über deine nachricht!

Ich hab vorhin gerade mit dem behandelnden oberarzt telefoniert. Er hat mich erstmal aufgeklärt, dass die prognose schlecht aussieht. er hat nicht nur metastasen in der leber sondern auch im beckenbereich. Wir brauchen keinen primärtumor suchen oder alternativtherapien erwägen,das würde alles nichts mehr bringen, dazu ist es zu weit fortgeschritten. Papa bekommt auch eine andere chemotherapie als letztes jahr. Sie versprechen sich davon, dass sie es stoppen können, vllt sogar verkleinern, aber so einen erfolg wie letztes jahr wird es nicht mehr geben.. und auch keine jahre mehr.. das ist alles so erschütternd. dennoch bin ich froh, klarheit zu haben, dass der arzt mir alles ausführlich erklärt hat. Papa hat diesen hochaggressiven tumor mit zu hoher wachstumsgeschwindigkeit ( die 75 prozent von denen ich am anfang des threads schrieb)..

Aber. Es geht ihm gut und er ist guter dinge, er weiß allerdings auch nur die hälfte, das soll auch so bleiben. er soll seine hoffnung und seinen kämpferinstinkt nicht verlieren. die ärzte denken auch, dass eben durch seinen guten allgemeinzustand, er auf die chemo anspringen wird.. wir sollen auf keinen fall die hoffnung aufgeben. und das werden wir auch nicht!
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Mein Papi ♥ ist nun ein Engel ( geb.12.09.1941, ✝ 19.06.2012)

--> Neuroendokrines Karzinom, unbekannter Primärtumor, Diagnose Mai 2011.
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...Du fehlst mir so sehr ♥

"Du bist nicht mehr da, wo du warst. Aber du bist überall, wo ich bin. In jedem Augenblick, in ewiger Liebe.."
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"Die wahrhaftigsten Wahrheiten sind es, die uns zusammen führen. Und zum Verzweifeln, schmerzhaft voneinander trennen!..."
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  #32  
Alt 10.03.2012, 14:41
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Tanja98 Tanja98 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

Hey!
Na ja allgemein war das letzte CT im Januar schon grottenschlecht d. h. die vorhandenen Metas sind größer geworden bzw. sind halt auch neue dazu gekommen. Das war natürlich schon mal der erste große Rückschlag. Nachdem jetzt der Bauch noch so gewachsen ist denke ich mal das sich das Ganze nochmal verschlechtert hat.......aber gesagt hat mir dazu natürlich noch keiner was! Ich hoffe jetzt einfach mal auf eine konkrete Aussage von dem Menschen in Berlin.........heute war übrigens schon wieder ein besserer Tag! Fühle mich ein wenig fitter!
Ich hab mich auch gefreut von Dir zu hören auch wenn die Umstände leider nicht so toll waren.....
LG ich mach jetzt mal nen Mittagsschlaf!
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  #33  
Alt 06.04.2012, 13:56
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Anyanka77 Anyanka77 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

hallo ihr lieben,

nun melde ich mich auch mal wieder zu wort. tanja was hat denn berlin noch gesagt? gibt es neue entwicklungen? wie geht es dir momentan?

papa hat letzte woche mit der neuen Chemo begonnen. nach dem FOLFOX-Schema... Sein allgemeinzustand war schon bevor er wieder ins Krankenhaus musste nicht so toll. Hat einige Sachen fallen lassen, war nicht sooo gut drauf. Es war komisch. Dann ging Donnerstag die Chemo los, ich bin nachmittags noch zu ihm. Sein Allgemeinzustand war auch eher schlechter als besser geworden. Die Chemo für den ersten Tag umfasste 8 solche großen Ampullen die über seinen Port geleitet wurden, das war irgendwie erschreckend..

Aber was dann Freitag kam, riss uns wirklich den Boden unter den Füßen weg. Ich wunderte mich schon,dass er mich den Tag über nicht anrief. Abends dann meldete sich Mama dann bei mir und sagte mir, dass die Klinik sie angerufen hätte und sie uns sagten, dass wir uns nicht wundern sollen, dass wenn er uns anruft, er total verwirrt und weggetreten sei. Ich dachte okay, ruf ich ihn jetzt mal auf seinem Handy an. Und es war schlimm. Er konnte keinen klaren Satz mehr rausbringen. Er wiederholte "Mausi, es ist so schlimm. Es ist so schlimm... Es ist so schlimm.. Ich leg jetzt auf." Er brachte auch Wörter durcheinander und setzte andere Buchstaben ein sodass es alles gar keinen Sinn mehr ergab. Er rief auch bei etlichen Leuten an, konnte aber nicht mehr sprechen je später es wurde. Es war nicht schön mit anzuhören. Sie haben ihm dann Beruhigungsmittel gegeben. Und auch Freitag noch ein cerebrales CT gemacht.
Das wussten wir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht.
Samstag bin ich dann mit Mama wieder hin, er war immer noch verwirrt, in eienr ganz anderen Welt schien es. Konnte auch nicht aufstehen und hatte wieder einen Katheter bekommen, weil seine ganze Koordination weg war, sowohl an Händen und Füßen als auch das auf Toilette gehen. Wir dachten, es wäre von der Chemo. Sonntag waren wir dann wieder da, meine große Schwester kam auch mit. Der Chefarzt kam hinzu, und sprach mit uns dann schließlich. Sie haben Im Gehirn Metastasen gefunden, was auch seinen allgemeinen Verwirrtheitszustand erklärte, die Chemo da drauf bewirkte dann dieses Wegtreten, da diese noch zusätzlich die Nervenstränge angriff. Der Arzt sagte uns dann auch, dass sie die Chemo abbrechen müssen, aber eine Betrahlung einleiten werden, um das ganze im Kopf noch zu stoppen. Sie haben ihn dann mit Infusionen und Medikamenten wieder so weit aufgerappelt, dass er die Tage darauf wieder mehr und mehr klar wurde und auch wieder umherlaufen und erzählen konnte. So weit, dass ich ihn gestern mit nach Hause nehmen durfte. Am Dienstag muss Papa jedoch wieder ins Krankenhaus zurück, denn dann geht die Bestrahlung los. Er ist zwar so gut drauf eigentlich, aber man merkt dass was nicht stimmt. Er geht sehr langsam, ist sehr müde, hat nicht so großen Appetit und einige Kilos abgenommen. Seine Koordination ist auch weiterhin eingeschränkt, aber durch die Tabletten, ist es alles noch erträglich. Er ist jedenfalls heilfroh erstmal zu Hause zu sein, merkt und gesteht sich aber auch mehr und mehr ein, dass er alles nicht mehr so gut kann wie früher und sich helfen lassen muss.

Es ist krass, wie schnell das alles umgeschlagen hat. Die letzten Wochen nachdem wir erfahren hatten, dass alles umso schlimmer zurückgekehrt ist, baute er immer mehr ab. Aber mit Chemobeginn, dass es so schlimm wird innerhalb so kurzer Zeit, damit hat keiner gerechnet. Wir mussten auch schon die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung abgeben. Der Arzt teilte uns auch zusätzlich mit, dass die Tatsache, dass nun auch noch zusätzlich Metastasen im Gehirn dazu gekommen sind, seine Lebensdauer nochmals erheblich einschränken werden und das mit der Bestrahlung auch therapietechnisch das mit letzte ist was sie tun können. Es klang aber dennoch so, dass sie ggf. die Chemo wieder aufnehmen werden, aber das wird die Zeit erst alles zeigen.

Schmerzen hat er jedoch nicht, sagt er. Das Problem ist natürlich jetzt, dass in der ganzen nächsten Zeit, nichts gegen das Wachstum der Metastasen in Leber, Becken, Lymphknoten usw. getan werden kann, das liegt erstmal auf Eis. Ich hoffe, es frisst ihn nicht auf und ich hoffe er bleibt weiter schmerzfrei. Ich will und muss weiter hoffen, dass ihm noch viel Zeit bleibt, in der er wieder frei sein und leben kann, denn er möchte leben, bei uns sein, Zeit haben.

Sorry für den langen Text, aber es ist alles nicht so leicht momentan. Ich versuche so oft es geht zu Hause zu sein, bei ihm zu sein, auch im Krankenhaus, stark zu sein, Mama genauso. Denn es war immer so: "Wir drei, gegen den Rest der Welt!"

Alles Gute an alle, die das gleiche oder ähnliches durchmachen müssen. Gebt nie auf, für euch selbst, für die, die euch lieben und die ihr so sehr liebt.

Liebe Grüße
Anja
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Mein Papi ♥ ist nun ein Engel ( geb.12.09.1941, ✝ 19.06.2012)

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  #34  
Alt 18.04.2012, 21:10
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Anyanka77 Anyanka77 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

mal aktuell:

...und so schnell kann sich wieder alles ändern. die bestrahlung hat angeschlagen. er ist wie ausgewechselt, motiviert, hat riesig hunger, seine verwirrtheit und verstörtheit ist fast ganz weg, er geht lange spazieren, isst viel, rätseln, kann alles wieder richtig koordinieren. der arzt sagte uns, dass sie durch die bestrahlung die große metastase im kopf wieder komplett weg bekommen. freitag kommt er nach hause für kurze zeit, in der sich die ärzte beratschlagen ob und welche chemo sie gegen die lebermetastasen sowie becken und lymphknoten geben können. es geht also gerade wieder extrem bergauf, aber das ist typisch mein papa..aufgeben ist keine option!! und er hat auch wieder seinen lebenswillen, seine kraft und den mut gefunden.. unglaublich, und auch etwas erleichternd ihn wieder so zu sehen, denn noch vor zwei wochen war der anblick katastrophal..er war soo weggetreten und schien in einer anderen welt, dass er sich nochmal so erholt und aufrappelt. kaum zu glauben..
die medikamente gegen die symptome der metastase im gehirn werden morgen auch abgesetzt..

ich freu mich schon auf freitag, wenn ich wieder nach hause fahre und mama, papa und ich wieder zumindest für das wochenende wieder zusammen sein können und die zeit genießen!

schauen, was die zukunft bringt.. großartig planen ist sowieso nicht drin.. aber die hoffnung, die bleibt!

tanja, meld dich bitte, ich mach mir sorgen um dich, würde gerne neues von dir hören! und hoffentlich auch was positives..
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  #35  
Alt 21.04.2012, 10:35
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Tanja98 Tanja98 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

Hey!
Sorry bei mir war einiges los deshalb kann ich mich jetzt erst melden.
Also Kurzfassung der Prof. in Berlin hat sofort gesehen das ich keinen NeT habe sondern einen PNeT = primitiver neuroektodermaler Tumor. Gehört zu der
Gruppe der Ewing Sarkome und ist auch nicht wirklich prickelnd. Soviel dazu.
Daraufhin habe ich eine neue Chemo bekommen - und die hat mich dann so
fertiggemacht das wünsche ich keinem. Pilz im Mund, Leukos bei 700 (= Iso-
lation im KH), Durchfall, Essen und Trinken nicht behalten, Bluttransfusion -
ich hatte alles was das Herz begehrt.
Nun bin ich seit Montag wieder daheim nach fast 2 Wochen KH und habe mich
dazu entschlossen mich nicht mehr behandeln zu lassen. Ich möchte nie mehr so fertig sein das hat mit Leben nichts zu tun!!!

So das war meine Geschichte der letzten Wochen deshalb freut es mich wieder umso mehr das es bei Euch wieder so gut aussieht! Weiter so!
Lass mal wieder was von Dir hören!
LG Tanja
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  #36  
Alt 23.04.2012, 21:41
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Anyanka77 Anyanka77 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

ach mensch das tut mir leid da hast du ja wirklich einiges durchmachen müssen. und wie geht es dir jetzt? erhol dich erstmal etwas zu hause!! fühl dich gedrückt.

Ich find es ja krass, dass der arzt das in berlin feststellen konnte, aber die ganzen anderen bei denen du vorher warst nicht??! Kann es durchaus verstehen, dass du jetzt sagst, dass du leben möchtest, ohne die chemo
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  #37  
Alt 22.06.2012, 03:59
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Anyanka77 Anyanka77 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

Mein Papa ist nach langem Kampf, am 19.06.2012 um 16.20 Uhr für immer eingeschlafen, ganz friedlich im Kreis seiner Familie. Papa du fehlst, so sehr und hinterlässt ein riesiges Loch in unseren Herzen Du warst der beste Papa, den man haben konnte, der aller aller beste..

In ewiger Liebe
Deine Anja!
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  #38  
Alt 22.06.2012, 08:02
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fraunachbarin fraunachbarin ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

liebe anja..
mein aufrichtiges beileid zum tode deines vaters.
ich wünsch dir viel kraft für die bevorstehende zeit der trauer.
stille grüße von tine
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MISS YOU MAMA
24.02.1944-15.10.2012
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  #39  
Alt 23.06.2012, 11:38
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Tanja98 Tanja98 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

Liebe Anja,
mir fehlen völlig die Worte, ich habe mit allem gerechnet aber sowas....
Ich war immer der Meinung "keine Nachrichten sind gute Nachrichten"!
Das erschreckt mich in wieder und zeigt mir, wie schnell sich der Zustand ändern kann.
Ich Wünsche dir für die kommende Zeit viel Kraft und Stärke die wirst es brauchen! Und melde Dich wenn ich dir in irgendeiner Weise helfen kann!

In Gedanken bei Dir ist Tanja
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  #40  
Alt 24.06.2012, 14:18
axellino axellino ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

Liebe Anja,
ich mag Dir mein aufrichtiges Beileid aussprechen.
Viel Kraft und innere Stärke wünsche ich Dir!!!

Lg Axel
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  #41  
Alt 31.07.2012, 11:17
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Anyanka77 Anyanka77 ist offline
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Standard AW: Neuroendokrines Karzinom in der Leber

Ich danke euch für eure Anteilnahme.

Hab so das Gefühl, dass es jetzt erst richtig angekommen ist bei mir. Er fehlt in jeder Situation. Alles was jetzt kommt, passiert ohne ihn. Aber ich möchte glauben, dass er trotzdem bei mir ist und stolz wäre, wie er es immer war.

Liebe endet nie.

Es ging alles so schnell. Ich habe mir gerade die letzten Beiträge von mir nochmal durchgelesen. Ich möchte gerne die ganze Geschichte hier zu Ende bringen. Hab euch ja nie erzählt was danach passierte und wieso Papa dann doch so plötzlich starb. Ich muss das für mich hier zu Ende bringen. Ein weiterer Teil zur Verarbeitung.

Im April schrieb ich noch, dass es bergauf geht. Aber in den darauffolgenden Wochen war er zwar vom Kopf her klar, aber er konnte immer schlechter gehen mit der Zeit. Ende Mai war ich zu Hause im Urlaub für eine Woche. An dem Wochenende wurde Papa nach einem Tag Aufenthalt im Krankenhaus wieder nach Hause geschickt, da sie die Chemo nicht geben konnten, weil seine Blutwerte, vor allem die Leukos so extrem schlecht waren. Da traf es mich wie ein Schlag, als ich ihn sah. Er hatte so abgebaut. Vor allem das Laufen, wie ich bereits schrieb ging nur noch mit Omas Krücke. Ich hatte ihn zu dem Zeitpunkt zwei Wochen lang nicht sehen können, weil ich mit Arbeit so zugetackert war und nicht nach Hause konnte. Umso mehr froh war ich, dass ich die über eine Woche bei ihm bleiben konnte. Für Mama war es auch eine Entlastung, da sie ja nebenbei auch noch arbeiten musste.
Die ganze Woche verbrachte Papa größtenteils im Bett. Er war sehr schwach, konnte nur wenig essen, da sein Mund auch so kaputt war. Und das Bewegen fiel immer schwerer. Wir machten uns große Sorgen, wollten ihn eigentlich ein paar Tage später ins Krankenhaus schicken, er bestand jedoch darauf zu Hause zu bleiben. Im Nachhinein bin ich froh, dass Papa so stur war und seinen Willen durchsetzte. Ich hab mich mit ihm vom Bett aus beschäftigt, haben zusammen gelesen, TV geguckt, erzählt, er sagte mir wie stolz er auf mich ist. Ich kochte ihm Essen, möglichst weiches, weil er ja so schlecht schlucken konnte. Ich zog ihn um, ich brachte ihn zur Toilette, falls er doch mal aufstehen wollte/ konnte. Er war zum Pflegefall geworden, innerhalb kürzester Zeit. Auch schlief er bereits viel. Was ich aber dachte wäre normal bei den ganzen Tabletten, die er nehmen musste. Dass ich mit sowas keine Erfahrung habe eigentlich, brauch ich wohl nicht erwähnen. Aber ich tat es gern, ich hätte alles auf dieser Welt mögliche getan für ihn. Es war die letzte Woche, die er zu Hause verbrachte.

Am Samstag noch ( 2.Juni), wollte er unbedingt nochmal raus zu uns an den See. Also zog ich Papa an, und wir warteten dass Mama von der Arbeit kommt und rausfahren zu können. Wir saßen vor Ort noch bei Freunden. Guckten auf unserem Grundstück noch nach dem Rechten. An dem Tag war es mit dem Laufen bei Papa schon fast nicht mehr möglich. Ich hielt ihm am Arm, die andere Seite die Krücke und wir gingen in unserem Garten lang. Er guckte in jede Ecke, ob auch alles gut ist und ja kein Zipfelchen Unkraut irgendwo ist. Dann gingen wir zurück. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass er das alles sah. Das, wo er am liebsten war, sein eigentliches zu Hause wo er immer nur sein wollte, bei uns am See, wo er mich groß gezogen hat. Und er hat es gewusst, dass er das alles das letzte Mal sehen würde.

Noch am selben Abend wollte er freiwillig mehr Schmerztabletten nehmen, als er sowieso schon nehmen musste, weil er sich abends im Bett fast gar nicht mehr bewegen konnte. Ich weiß noch, dass wir relativ spät ins Bett sind. Papa schlief zunächst kurzzeitig. Dann kam Mama nachts um 3 rein zu mir, ich war ja eh noch wach, weil ich nicht schlafen konnte. Sie sagte nur: Ich muss den Notarzt holen. Ich bin dann zu Papa. Ich werde nie vergessen wie er da lag, schreiend vor Schmerzen und immer wieder die Frage: " Womit hab ich das verdient?" Die Schreie werd ich nie vergessen. So verzweifelt habe ich ihn noch nie erlebt. Ich hab mich zu ihm gelegt und wir warteten auf den Notarzt. Sie haben ihn mit Morphium vollpumpen müssen, weil er sich keinen Millimeter mehr bewegen konnte ohne vor Schmerzen zu schreien. Nach einer halben Stunde endlich haben die 4 Sanitäter ihn dann endlich auf die Trage bekommen. Wir sind dann ins Krankenhaus hinterher, die ganze Zeit bei ihm. Die Ärzte vermuteten in den ersten Tagen, dass er eine Fraktur hat, dass er irgendwann irgendwo irgendwie gefallen sein musste. Ich bezweifelte das sehr stark, denn all das und auch seine Blutwerte deuteten eher auf Knochenmetastasen hin, die diese Fraktur ausgelöst hatten am Becken. Leider, sollte ich recht behalten.

Ein paar Tage später wurde er in die Klinik verlegt, in der er auch immer seine Chemo bekam. Sein Zustand war aber durch die Schmerzmittel wieder stabiler, weshalb man sich dort kurzfristig doch noch entschloss die eigentlich auch geplante Chemo zu geben. Am Donnerstag ( 7.Juni), war ich natürlich sofort bei ihm in der Klinik, da diese nicht soo weit weg war von meiner Stadt, wo ich wohne. Ich war immer dort, wenn er sich da befand. So auch an dem Tag. Es schien ihm eigentlich gut zu gehen, bisschen geschafft durch die ganzen Strapazen der letzten Woche, aber doch relativ ermutigt, weil die Chemo auch nun endlich weitergeht. Sein Lebenswille war ungebrochen. Er war zwar noch schläfriger als sonst, aber ich dachte auch, jetzt wird ihm endlich weiter geholfen. Leider, änderte sich am Freitag, einen Tag später alles.

Ich rief vormittags die Ärztin an, weil ich wusste, dass wir heute Ergebnisse bekommen würden. Es war niederschmetternd. Sie sagte mir, dass sie die Chemo abgebrochen haben, sofort, dass es nichts mehr zu machen gibt, dass Papa nicht mehr gerettet werden kann. Die Chemo hatte auch nicht angeschlagen. Es wächst zu schnell, zu unkontrolliert und auch mein Verdacht mit den Knochenmetastasen bestätigte sich. Sein Körper war voller Metastasen. Die Ärztin sagte mir auch, dass sie versucht hatte, mit Papa zu sprechen, ihm das zu sagen, dass sie aber auch noch eine Strahlentherapie fürs Becken versuchen könnten. Dass sie aber mehr nicht mehr tun können. Es ist viel zu weit fortgeschritten. Wir sprachen auch über Pflegestufen, dass wir ihn nach Hause holen wollen, dass wir ihn pflegen wollen. Sie sagte mir auch deutlich, dass es Monate, aber auch nur noch Wochen dauern kann. Dass das keiner weiß. Die Ärtzin meinte, dass sie nicht das Gefühl hatte, dass es bei Papa angekommen war, diese niederschmetternde Diagnose. Sie hatte ihm nur gesagt, dass die Chemo nicht angeschlagen hat. Nichts weiter, doch das reichte Papa schon. Denn als ich nachmittags hin fuhr, war er bereits wie weggetreten. Er schien ab dem Tag nur noch in einer anderen Welt zu sein. Ich blieb bis spät abends. Er versuchte sich noch seine Unterhose selbst zu wechseln, das konnte er aber überhaupt nicht mehr, geschweige denn richtig bewegen. Er schlief dabei auch immer wieder ein.
ALs ich versuchte Papa auf das Gespräch mit der Ärztin anzusprechen, schien er komplett verwirrt. Mal sagte er, mit ihm hat keiner gesprochen, dann doch wieder. Aber ich kam überhaupt nicht an ihn ran. Er hatte sich an dem Tag, aufgegeben. Es war, als hätte sich ein Vorhang über ihn gelegt in dem Moment, als er erfuhr, dass die Chemo nicht angeschlagen hatte. Und Papa war auch jemand, der niemals jemandem in irgendeiner Weise zur Last fallen wollte. Das war für ihn schon die ganze Zeit schrecklich genug, dass er nicht mehr so konnte, wie er wollte, weil er immer sehr eigenständig war.

Zwei Tage später veranlassten meine Mama und ich, dass NICHTS mehr unternommen wird, dass er nach Hause kommen soll. Zunächst in ein palliatives Einzelzimmer bei uns zu Hause um die Ecke im Krankenhaus, damit er wieder etwas aufgepäppelt werden kann. Er wollte nur noch nach Hause, das konnte er an dem Wochenende noch sagen, das taten wir also auch. Es ging alles so schnell, wir veranlassten noch eine Pflegestufe, Pflegebett, Toilettenstuhl, usw. Nur das in 24 Stunden zu organisieren war einfach nicht drin. Wir waren auf die Hilfe der lieben Schwester der Station angewiesen und so froh, dass wir dieses Zimmer bekamen. Papa, bekam von all dem kaum was mit. Er schlief ab dem Wochenende fast nur noch und reagierte mit Augen öffnen und Flüstern nur ab und zu, wenn man ihn direkt und laut ansprach. Es ging alles so unglaublich schnell. Ab dem Dienstag, dem 12.Juni befand er sich also in diesem Einzelzimmer. Mama und ich waren jeden und den ganzen Tag da, sowie auch meine Schwester und mein Schwager. Da war es nur noch eine Woche. Wir wollten ihn an den See holen, aber er war dazu gar nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen, richtig zu essen, zu sprechen. Fast nichts mehr. Sein Katheter war die letzten zwei Tage nur noch voller Blut. Es war zu spät, und er wollte auch nicht mehr. Aber war dennoch froh, dass wir alle bei ihm waren die ganze Zeit, das war ihm das Wichtigste. Er flüsterte zu Mama und mir noch: "Meine beiden besten"... und wenn ich sagte "Papa ich hab dich sooo sehr lieb" sagte er: "Ich dich auch!" Zwei Tage bevor er starb, konnte ich ihn noch mit einer ganzen Kugel Vanilleeis füttern, das hat er so sehr geliebt. Da machte er die Augen plötzlich auf, als ich ihn fragte, ob er Eis möchte und schleckte so mit der Zunge. Ich fütterte ihn dann per Löffel. und fragte Papa, ob es ihm schmeckt. Er nickte daraufhin leicht und freute sich offenbar sehr. Zu Mama flüsterte er abends: "Pass auf dich auf!"
Wir saßen quasi einen Woche lang jeden Tag bei ihm, erzählten mit ihm, auch wenn er meistens nur noch schlief. Hielten seine Hand. Er drückte ab uns zu zu, weil er verstand, was wir sagten. Er bekam alles genau mit, auch wenn es nicht danach aussah für Außenstehende.

Es war an dem Sonntag der letzte Tag an dem er was sagte, danach schlief er komplett nur noch, aß nichts mehr. Trank fast gar nichts mehr. Öffnete seine Augen nicht. Die letzten Nacht blieben wir bei Papa. Geschlafen haben wir natürlich nicht, man achtete zu sehr auf die Atemgeräusche, die zwischenzeitlich immer mal wieder aussetzten.

Nach der Nacht war ich nachmittags zu Hause, duschen und kurz hinlegen, nachdem ich vom Arzt kam, weil ich selber schon krank war, wollte mich wie Mama am Vormittag etwas zu Hause ausruhen, ich war nicht mal mehr in der Lage Auto zu fahren, so fertig war ich. Ich rief Mama an, dass ich mich nur kurz hinlege, sie bat mich auch darum, weil man es mir auch ansah, dass ich kurz vorm Zusammenbrechen war. Ich wollte abends halt wiederkommen. Doch dazu kam ich halt nicht mehr.

An diesem Nachmittag, den 19.06.2012 um 16.15 Uhr schlief er dann friedlich ein. Er öffnete noch einmal ein Auge, und dann sah man am Hals wie es aufhörte zu pulsieren. Er schlief währenddessen ich nicht da war ein und ich bin der festen Überzeugung, dass Papa nicht wollte, dass ich das mit ansehe. Er hatte solange gewartet bis nur meine Mama und meine Schwester bei ihm waren, weil ich halt sein kleines Mädchen bin, was er bis zum Schluss beschützen wollte. Und das tat er auch. Ich bin ihm sogar dankbar dafür. Ich hätte dieses Bild, meines nicht mehr atmenden Papas nie vergessen. Und das wusste er, er war in solchen Sachen genauso sensibel wie ich. Und wollte immer nur das Beste. Und konnte nur gehen, wenn ich nicht dabei bin.
Ich hatte vormittags nach der langen Nacht noch ganze 5 Stunden allein mit meinem Papa bevor ich dann gegen eins nach Hause fuhr um halt zum Arzt zu gehen. In dieser Zeit allein mit ihm, konnte ich Papa vieles persönliches Sagen, ihm danken. Ihm sagen, dass er der beste war, dass ich ihn so sehr liebe, aber dass wir uns loslassen müssen. Dass es okay ist, wenn er gehen muss, dass ich es nie vergessen werde, ihn immer lieben werde. All das. Jedes Mal wenn ich fertig war mit einem Satz, zuckte er mit den Augenbrauen, er hat mich verstanden. Er hat mich genau gehört. Ich saß bei ihm, seine Hand nicht loslassend, weinend an seinem Bett. Aber leise Tränen. Ich hätte ihm niemals Tschüss sagen können. Niemals. Als ich mittags gab ich ihm einen Kuss auf die Wange, sagte, dass ich ihn lieb habe und " Bis nachher, Papa, ich komme nachher wieder." Das waren meine letzten Worte. Er wusste das. Es sollte alles so kommen. Papa hat jetzt seinen Frieden und bleibt ewig bei mir, in meinem Herzen.

So kam und geschah das alles. Das ist jetzt auch glaub ich erstmal genug. Es tat aber gut, sich das mal von der Seele zu schreiben.

Es ging alles so schnell, dass man kaum Zeit hatte um Luft zu holen. Es war noch eine Woche, die er zu Hause mit uns hatte. Noch eine Woche, die wir Tag und Nacht zusammen hatten. Gott sei Dank, hatten wir diese Zeit. Auch wenn es einem damals kaum bewusst war.

Papa ich liebe dich
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