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  #16  
Alt 17.08.2013, 08:30
J.F. J.F. ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Hallo Kerejon,

hat das eventuell mit Deinem berufsbedingtem Pessimusmus zu tun?

Wenn ich so Revue passieren lasse, so ist es meinem Dickschädel und meinem Glauben an mein inneres Warnsystem (das mir bisher dreimal das Leben gerettet hat -> Tatsache) zu verdanken das ich im Kontakt mit Ärzten nicht wahnsinnig geworden bin. Oder zumindest depressiv. Denn von Beginn an (Vermutung was es sein könnte, Hin und Her zwischen drei Histologien) hat man alles in seiner Machtstehende getan, um mir mitzuteilen - direkt und indirekt - das ich spätestens in einem Jahr eh nicht mehr da sei. So sah zum Teil auch die Nachsorge im Erstjahr aus. Einzig ein Chirurg - den ich heute noch gerne als meinen Chirurgen bezeichne - hat da nie mitgemacht, sondern chirurgisch alles getan, um EBEN nicht in diese Zielgerade einzubiegen. Klar, es gehört mehr zum Überleben einer metastierten Krebserkrankung als der chirurgische Teil, aber hier kann auch einschneidend (im wahren Sinne des Wortes) agiert werden. Das gleiche Spiel hatte ich dann nochmals für einen dreimonatigen Marathon durch die MRTs, PET/CT und OP mit einem zweijährigen Nachlauf mit Vorlage beim tumorboard. So etwas zehrt an der Substanz. Und ist für die Vertrauensbildung / -basis zum Arzt mehr als schädlich. Wer mir heute mit Prognosen, Statistiken, selbst mit einer Trauermine gegenübersteht hat bei mir schon schlechte Karten. Ich glaube ihm nicht. Dazu habe ich in den letzten Jahren zu viele absurde / abgefahrene Situationen erlebt. Und auch die Ergebnisse.

Und arbeiten ist für viele ein verdammt gutes Instrument im "Kampf gegen den Krebs". Auch ich habe diese Möglichkeit ergriffen. Durch die Erkrankung verändert sich das Verhältnis zur Arbeit und auch sein eigener Einsatz. In welche Richtung, nun das ist wieder individuell. Vor kurzem wurde mir gesagt, ich solle aufpassen, ich bekäme noch einen Herzinfarkt. Meine Reaktion: Abwinken und spontane Aussage, und wenn, habe schon zwei als unheilbar eingestufte Erkrankungen überlebt bzw lebe mit ihnen, also was soll mir noch passieren. Eine Art Überheblichkeit, die man wohl erlangen kann. Wobei die Reaktion meines Gegenüber auch nicht schlecht war ... nach dem Überraschungseffekt..

Was mir noch spontan eingefallen ist: Ist Dir was an die Niere gegangen? So wie mir wohl was einiges im Hals stecken geblieben ist. Das ist aber eher rhetorisch in den Raum gestellt. Eine Antwort erwarte ich nicht

Du giltst als heilbar. Schreibst Du selber. Warum also dieser Pessimismus?
Gerade gestern habe ich ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer gelesen, das ich jetzt nochmals herausgesucht habe, weil ich denke das es sehr gut passt:

Optimismus

Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation,
sondern er ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignieren,
eine Kraft, den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint,
eine Kraft, Rückschläge zu ertragen,
eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner lässt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.

Dietrich Bonhoeffer

In diesem Sinne wünsche ich Dir, dass Du den Optimismus für Dich in Dein Leben wieder aufnehmen kannst.
__________________
Viele Grüsse
JF



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  #17  
Alt 17.08.2013, 08:53
J.F. J.F. ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Hallo conquerer,

bei Deinem letzten Post musste ich lachen. Was bitte sind zwei Jahre Altersunterschied? Nüx . Du bist in der Verarbeitungsphase schon einen Schritt weiter als Kerejon. Er muss sich noch mit der Situation auseinandersetzen. Dies hast Du schon hinter Dir, denn Du hast den Begriff "Zukunft" schon wieder im Repertoire. Jeder der sich mit der Zukunft auseinandersetzt kommt unweigerlich mit dem Bereich Arbeit, Arbeitsqualität, Arbeitsquantität und deren Früchte in Form von Gehalt und Rente in Kontakt.

Wenn man die Postings der hier Schreibenden heranzieht so sieht man, dass es nicht allen gleich gut oder schlecht geht.
Der eine möchte lieber keine Gleichmäßigkeit, sondern Abwechslung.
Der nächste möchte lieber nur die eine Schiene durch die Arbeitswelt ohne rechts oder links.
Der nächste möchte gerne arbeiten, kann aber nicht, sondern ist froh den Alltag so zu meistern.
Hier schreiben soo viele unterschiedliche Krebsarten mit seinen unterschiedlichsten Auswirkungen auf den Körper, dass man eigentlich garkeine Vergleiche ziehen dürfte. Auch hier gilt dann: Verallgemeinerung aller Krebserkrankungen. Und dann wundern sich einige (siehe Thread Sprüche, die keiner braucht oder so ähnlich) über die unterschiedlichsten Reaktionen der Menschen, wenn selbst Krebserkrankte nicht über den eigenen Tellerrand schauen und die Problematiken anderer Operationsbereiche nicht realisieren. Das geht zum Teil sogar schon in der eigenen Krebsart los. Deswegen, nicht nur die Außenstehenden müssen im Beruf und der Freizeit Vorsicht bei einigen Krebserkrankten walten lassen, sondern auch die Krebserkrankten sollten sich daran halten. In der Freizeit ist dies mit einem offenen Wort schnell lösbar. In der Berufswelt nicht. Deswegen gibt es ja in großen Firmen Vertrauenspersonen in Form von Behindertenbeauftragte. Aber auch hier ein Aber meinerseits : Manchmal braucht es dieser Helfer nicht, selbst ist der Mensch
__________________
Viele Grüsse
JF



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  #18  
Alt 17.08.2013, 23:31
conquerer conquerer ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Naja das mit dem Optimismus ist so eine Sache. Wie es aussieht ist gerade die 2. Meta im Anmarsch. Laut meinem Professor muesse man sich das als chronische Krankheit erkennen, das da immer wieder was nachkommen wird. Sicher solche Tatsachen muss man hinnehmen. Bei dem letzten Termin sagte er noch das ich aber daran in nden naechsten 2 Jahren nicht sterben muesse und das war so bloede es doch klingt eine beruhigende Aussage. Anders gesehen kann jedem immer irgendetwas passieren, von daher sehe ich das entspannt.

Nur dieses Fehlzeiten Gespraech hat mich sehr genervt, das so etwas stattfindet verstehe ich auch aber dann stetig nachzuhaken, bringt mich dann doch aus der Fassung. Ich arbeite schon 21 Jahre in dieser Firma und da kommt so ein Buebchen und will mir etwas erzaehlen was fuer mich gut ist. Da ich ein sehr impulsiver Mensch bin, muss ich mich da echt zusammenreissen. Das naechste Mal falls es zu so etwas kommt, bin ich aber vorbereitet und dann kann er sich warm anziehen. Wenn er meint er muesse seinen Fragebogen penibel abzuarbeiten werde ich ihm auf die Spruenge helfen. Der Punkt ob die Erkrankung von der Arbeit kommt zum Beispiel. Ich arbeite in der chemischen Industrie, soviel nebenbei, werde ich ihm sagen das wenn er darauf besteht alles komplett zu klaren ich gerne fuer ihn bei der Berufsgenossenschaft eine Anfrage starte mit wievielen krebserregnden Stoffen ich jemals gearbeitet habe. Mal sehen was er dann sagt der Knilch....

Das hat mich wirklich in Rage gebracht...

Mit den Studien ist das wie mit dem Internet, man schaut wiemdurch ein Schluesselloch und sieht doch nicht alles.

Die Zeit der Niedergeschlagenheit ist doch an mir vorbei gegangen, ich tue was mir Spass macht und immer oefters vergesse ich die Krankheit doch mal zwischendurch. Das war schon schlimmer wo ich wirklich fast jede Minute daran denken musste.

Wenn ich zurueckschaue auf mein Leben kann ich immerhin sagen alles genossen zu haben und mir nie gesagt habe das mache ich irgendwann mal. Ich kenne Leute in meinem Alter die sagen das tue ich wenn ich in Rente bin, ich nicht.

Ich mir tut das gut sagen zu koennen, ich wuerde nichts gros anders tun, als den Weg den ich gegangen bin...

Wer weiss vielleicht gehoerte der Krebs zu dem Weg dazu, um auch wieder klarer zu sehen...
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  #19  
Alt 18.08.2013, 01:41
Kerejon Kerejon ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Hallo J.F.,

Ich danke Dir für Deinen Beitrag, in dem Du viel Wahres ansprichst.
Ja, ich sagte ich bin noch auf der "heilbar" - Schiene. Mein Innerstes sagt etwas anderes. Und hier liegt das Problem. Man gibt mir vorerst keine Chance, überhaupt in den Verarbeitngsprozess/ Trauerphasen etc... einzutreten, augenscheinlich geht es mir gut, hab ich noch mein Gewicht, meine Haare etc.

Und hier ist der Unterschied: wenn es eine Chemotherapie geben würde, sähe das Ganze vollkommen anders aus. Ich kenne die Therapien der Erkrankungen. Bronchial- Ca... : Adjuvante Therapie... Ist ekelig und kraftraubend, aber als solche sehr wirksam. Das nur als Beispiel. Ich hingegen habe Tumor, vergleichbar einem Kleinzeller, der sich fast allen Therapieversuchen widersetzt, der einer Zeitbombe gleichkommt. Mein Selbstverständnis suggeriert mir, dass alles in Ordnung ist, mein Verstand das Gegenteil. Ich arbeite wieder und bin doch nicht der gleiche Mensch/ Arzt wie zuvor... Und das arbeitet in mir, ich kann gar nicht beschreiben, wie sich das anfühlt.

Ja... Noch heilbar...ich hab es vielleicht noch nicht kapiert... ;-)

Lieben Gruß
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  #20  
Alt 18.08.2013, 13:54
J.F. J.F. ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Hallo Kerejon,

ich werde die eigentliche Threadanfrage mal mehr oder weniger außenvorlassen und hoffe, dass Dirk das okay findet. Ich wüsste auch nicht wo ich ansonsten auf Dein Posting reagieren sollte.

WER hindert Dich daran sich mit der Sachlage zu beschäftigen? Das könnte in der Theorie nur Du, sonst keiner. Wenn Du es zulässt das dies von außen kommen kann, dann hast DU Dich dazu entschieden. Krass, ich weiß, aber überleg doch mal. Auch Arbeitengehen ist nicht nur ein Stück Normalität, die wir alle brauchen, sondern auch ein Stück Weglaufen. Für den einen ein komplettes Ausblenden, beim anderen einfach mal Durchschnaufen von den vielen Eindrücken und Erkenntnisse, die einen da überrennen. Und sogar in den Wahnsinn treiben könnten.

Ich kenne mich mit Lungenkrebs nicht aus, würde mich daher auf sehr dünnen Eis bewegen, wenn ich so machen würde als ob ich etwas wüsste. Und das ist so überhaupt nicht mein Ding. Ich mag Fakten, Wissen aus der medizinischen Ecke, kein blabla. Ich habe mich mit der Art von Melanomen, die man nur histologisch feststellen kann, nämlich den spitzoiden, beschäftigt. Denn meins ist so ein Mistding, das sogar Professoren gelinkt hat. Letztendlich hat der OA der Uniklinik recht behalten, weil ihn die Metastase unterstützt hat. Bei jeder Patientenveranstaltung zucke ich zusammen, wenn wiedermal ein Bild gezeigt wird, das ein harmloses Muttermal zeigt. Denn es sieht aus wie meins. Alle Ärzte, denen ich ein Bild des Tumors gezeigt habe, sagen einheitlich, nee, hätten wir nicht entnommen. Und da bin ich heute noch dem einen Chirurgen dankbar, dass er als einzigster die Ruhe behalten hat und menschlich blieb.

Nebenbei es gibt noch die ein oder andere Krebsart, darunter auch die Melanome, die chemo- und strahlenresistent sind. Und wenn ich auf der Webseite der Uniklinik Würzburg die vielen Seiten über deren Schwerpunkt Nebennierenkarzinom mir ansehe, dann wird unter adjuvante Therapie Mitotane aufgeführt. Und was adjuvant heißt, nun, das muss ich Dir nicht sagen . Und die Qualität der Therapien ist mittlerweile so gut, dass das alte Bild (Chemo = keine Haare, abgemagert bis zum Skelett etc) nicht mehr bei allen Therapien (und deren Patienten) gegeben ist.

Also nutze Deine Zeit. Nimm die Zeit des Arbeitens als Auszeit. Was verdammt schwer ist, wenn man selber die andere Seite gesehen hat. Und einen Teil Deiner Freizeit, um Dir klar zu werden wie Du mit der Krankheit umgehst und auch mit ihr lebst. Leben. Alles andere wird die Zeit zeigen. Warum soll es Dir nicht wie mir gehen? Dank seltener Art an einer scheinbar ungewöhnlichen Stelle im Gesicht und wahrscheinlich unterstützt durch eine AI habe ich mir im Laufe der Zeit (mittlerweile sieben Jahre) viele Ansagen, Sprüche und Hiobs seitens der Ärzte anhören dürfen. Manches hat sich im Laufe diverser Untersuchungen schon verflüchtigt, aber ein ungutes Gefühl blieb. Denn das auch ich ein Hochrisikopatient bin, nun, das hat man mir mehr als klar und deutlich gesagt und auch bewiesen, denn auch mein Melanom gilt als sehr aggressiv. Das es mich irgendwann kalt erwischt, nun auch damit habe ich mich auseinandersetzen müssen. Es ist also eine Frage der Zeit wie man sich mit seiner Krankheit arrangiert. Am Anfang ist dies schwer, da gibt es schon mal die Frage "lohnt sich die Anschaffung noch", aber je länger man in dieser Maschinerie der Nach- und Vorsorge ist desto eher bekommt man den "gesunden" Abstand. Von daher hoffe ich das auch Du diesen Abstand gewinnst und zu den, leider wenigen, Ärzten gehörst, die die menschliche Seite nicht links liegen lassen. Denn eins ist doch klar, die Ärzte können einen begleiten, bis zu einem bestimmten Punkt helfen, aber in den Schuhen der Patienten stecken sie nie. Was habe ich manch Arzt gewünscht, das er auch mal die Interferon-Therapie für ein paar Wochen machen muss, nur damit er weiß was er da lapidar als nicht möglich abtut, aber sehr wohl im Beipackzettel steht ....

Irgendwie habe ich während meines Schreibens gemerkt, dass dies doch sehr mit Arbeiten zu tun hat, nämlich mit Deiner Arbeit. Du stehst wahrscheinlich vor Deiner größten Herausforderung. Denn Du als Chirurg willst Menschen helfen. Hast aber selber eine Krankheit, die als unheilbar gilt. Stösst hier also an eine Grenze, die für den Menschen, für den Arzt nicht aufzuheben ist. Deswegen musst Du Dir die Zeit nehmen, um für Dich Klarheit zu finden. In Gesprächen mit Patienten, mit Kollegen, mit Freunden, mit allen, die ein offenes Ohr haben, so dass Du einen - Deinen - roten Faden finden kannst. Aber letztendlich kannst nur Du Dir helfen
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Viele Grüsse
JF



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  #21  
Alt 18.08.2013, 14:09
J.F. J.F. ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Hallo Conquerer,

könnte eine Metastase sein ist aber nicht gleich zu setzen mit "es ist eine Metastase". Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Wenn es danach ginge, hätte ich schon zig Metas an zig Stellen haben müssen. Was sogar MRT und PET/CT ausgesagt haben. Was aber der Pathologe dann widerlegt hat. Also erstmal Ruhe bewahren. Und die Aussage Deines Professor geht ja auch eher in diese Richtung.

Jungspunte, die in Schlüsselpositionen eingesetzt werden, aber nur die Theorie kennen, nicht aber die praktische Seite der zu beurteilenden Beschäftigung, sind häufig ein Ärgernis. Auch hier gilt: Solange sie die Praxis nicht kennen wird die Theorie (Soll) immer dem Ist hinterherhinken. Da helfen "nur" gut dokumentierte Fallbeispiele. Was für Dich Mehrarbeit heißen würde.
Die Fragebogen sind von irgendjemanden ausgearbeitet worden und allgemeingültig, so dass das Individuum zu kurz kommt. Wenn der Fragebogen jedesmal der Gleiche ist, nun, dann lass ihn Dir kopieren und Du arbeitest ihn vor . Und gehst dann Punkt für Punkt in Deinem Tempo und mit Deinen Schwerpunkten durch . Austricksen nennt man das dann .... Da würde dann die Frage nach der Mitgliedsnummer bei der Berufsgenossenschaft doch gut passen . Ob dies was bringt, ist dann eine andere Frage
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Viele Grüsse
JF



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Geändert von J.F. (18.08.2013 um 14:14 Uhr)
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  #22  
Alt 18.08.2013, 20:14
simi1 simi1 ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Verzeihung, dass ich mich hier einfach so einmische, aber Kerejons Beiträge beschäftigen mich sehr.
Das, was du derzeit erlebst, haben wir in etwa andersrum hinter uns: Meine Tochter hatte einst eine gute Prognose und ist nach dem dritten Rezidiv verstorben, Mitpatienten teilweise eine sehr schlechte, sie sind seit Jahren in Remission. Wir mussten schmerzhaft lernen, dass Prognosen zwar wissenschaftsorientierte, aber doch statistisch erhobene Wahrscheinlichkeiten beschreiben. Für den Einzelfall sind sie nicht zwingend verbindlich.

Ich wünsche dir die Fähigkeit, dein Leben nicht nur unter statistische Zwänge zu stellen, sondern die guten Momente zu leben und zu genießen.
Ich wünsche dir, dass sich diese Momente zu Wochen, Monaten und Jahren summieren.

Alles Gute für dich, Kerejon!
Simi
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  #23  
Alt 19.08.2013, 00:33
conquerer conquerer ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Naja JF da im Februar eine Metastase da war, ist davon auszugehen, das es sich jetzt auch wieder um so etwas handelt, den 3 cm Lymphknoten an der Lunge darueber denk ich schon erst gar nicht nach.

Den Arbeitsbogen brauche ich nicht mal zu kopieren, der ist jedem im Intranet zugaenglich. Man muss sich damit abfinden, das man nur eine Nummer ist umd mehr nicht. Hat man das verstanden, erspart einem das doch eine Menge Aufregung und man kann sich auf wichtigeres fixieren.

In einem Monat heisst es wieder zum Nachsehen antanzen und da werde ich mehr erfahren. Gross den Kopf darueber zu zerbrechen, lohnt es sich nicht habe ich gelernt. Nicht verrueckt machen und cool bleiben.

Fuer das das ich einen ziemlich agressiven Tumor hatte, geht es mir doch vergleichsweise gut, im Moment zumindest.

Die ganzen Statistken und Prognosen, die lasse ich aussen vor. Gerade bei so seltenen Krankheiten, bestanden die oft nur aus 10 Patienten. Und es gibt ja auch einige da laut Prognosen der Aerzte schon lange tot sein muessten.

Geändert von conquerer (19.08.2013 um 00:35 Uhr)
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  #24  
Alt 22.08.2013, 00:06
Kerejon Kerejon ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Simi, J.F. Et al...,

Ich danke für Eure Nachrichten. Ich wollte mit meinem Beitrag mitnichten einen "blinden" Glauben an wissenschaftlichen Arbeiten predigen, nur weiß ich selbst das diese nicht vollends von der Hand zu weisen sind. Selbstverständlich gibt es immer und bei jedem einzelnen einen individuellen Verlauf und, wie man so schön sagt, sollte man keiner Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat ;-)
Ich habe das Glück, aufgrund der Seltenheit meines Tumors die "führenden" Docs dafür persönlich zu kennen und es steht außer Frage, das meine Situation äußerst Kritisch ist ( was eig. schon vorher klar war, da die Histologie selten lügt und das Frührezidiv dies belegen mag ).

Die Cemodosis habe ich nun extrem erhöht, leide unter den Nebenwirkungen wie blöde, da man mir sagte " jetzt alles oder nichts " und kann meiner Arbeit nunmehr nur noch eingeschränkt nachgehen. Ich kann es nur noch einmal betonen: wenn ich aus dieser Nummer rauskomme, gehöre ich zu einer Minderheit, und noch ist dies Möglich, was mir die terminale Krankheitsbewältigung verbaut. Dieser emotionale Dissens ist für mich zur Zeit nicht zu lösen, also fühle ich mich insgesamt einfach mies.

Schwer zu beschreiben, ich entschuldige mich.

Alles Liebe und Güte für Euch
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  #25  
Alt 22.08.2013, 00:14
simi1 simi1 ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Hallo Kerejon,

fürs mies fühlen muss man sich nicht entschuldigen, das gehört wohl zwangsläufig dazu. Ich denke, es ist auch in gewisser Weise sehr ungünstig und belastend, "zu viel" um seine Krankheit und die medizinischen Zusammenhänge zu wissen - Ärzte haben es da sicherlich deutlich schwerer. Ein Stück weit Unbedarftheit, Zuversicht und Vertrauen ins Schicksal sind in solchen Situationen durchaus hilfreich.

Ich will mich dennoch wiederholen und dir alles Gute und einen Verlauf wider der Statistik wünschen.

Simi
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  #26  
Alt 22.08.2013, 10:45
evelyn-wieda evelyn-wieda ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Einen schönen Sommergruß in die Runde,

zuerst möchte ich auf das eigentliche Thema eingehen – wie macht man das mit der Arbeit. Nun, bei meiner Erstdiagnose im Jahr 2000 bin ich nach Abschluss der medizinischen Behandlungen wieder ganz normal Arbeiten gegangen. Ich war Chefsekretärin in einem großen Unternehmen und ich liebte meinen Job, warum auch immer. Nach anfänglichen guten Vorsätzen, wie z. B.: Du machst nicht so viele Überstunden, Du teilst dir deine Zeit anders ein, Du hast auch ein Privatleben, Du suchst dir ein Hobby - verfiel ich nach kurzer Zeit wieder in den alten Trott zurück und mein Lebensinhalt war mal wieder vorwiegend die Arbeit. Bei ihr kann man sich ja verdammt gut verstecken, grübelt nicht, … bis ja bis mich meine Realität 2010 eines anderen belehrte. Ich hatte Metastasen zu Hauf, trotzdem man mir damals sagte, dass ich als Geheilt gelte.

Tja, das war es mit Statistiken und Krebsformeln und so was alles. Seit dem will ich von all diesem Zahlenkram nichts mehr wissen. Es sind einfach nur Zahlen, aufgereiht, geteilt, addiert … - es berücksichtigt keine Menschen, die dahinter stehen, und ich bin ein Mensch!

Nun habe ich Glück, dass mich Ärzte betreuen, die meine persönliche Einstellung zu meiner Erkrankung, deren Behandlung und diesbezügliche Wünsche berücksichtigen und akzeptieren (was sie vielleicht denken oder nicht, ist mir wurscht). Auch habe ich mein „altes“ Alltagsleben und manche anderen persönlichen Befindlichkeiten hinter mir gelassen.

Und heute kann ich sagen, dass es mir ohne Arbeit wirklich gut geht. Sie fehlt mir überhaupt nicht. Trotzdem habe ich erfüllte Tage und lerne eine Menge an neuen Dingen dazu. Ich lebe und genieße unwahrscheinlich das Jetzt und Hier und das Morgen ist weit weg.

Gerade durch diese Einstellung habe ich mich befreit von Zukunftsängsten, von Statistiken und dem Grübeln: was, wäre, wenn.

Und Kerejon, als Arzt ist es bestimmt nicht so leicht, all den Zahlenkram hinter sich zu lassen und zu vertrauen, sich, seinem eigenen Körper. Vor längerer Zeit habe ich eine sehr gute Reportage gesehen, die sich mit dem Thema Krebs auseinander gesetzt hatte. In ihr wurde ein Prof. der Onkologie vorgestellt, der auch selber erkrankt war und seinen eigenen Weg zu sich selber in der Stille des Waldes z. B. wieder gefunden hat. Heute ist er gesund und berät seine Patienten anders – er sieht sie als Mensch mit Körper, Geist und Seele und für ihn ist das Vertrauen zu sich selber, zu den behandelnden Ärzten und der Therapie ganz wichtig, wie auch das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele. Fand ich sehr interessant und weiß jetzt leider nicht mehr, wie die Reportage hieß.

Du weißt doch selber, der Glaube vermag Berg versetzen bzw. Placebos heilen erstaunlich gut und können Wunder verbringen!

Was ich damit sagen will ist eigentlich, dass du vielleicht versuchen kannst, dir eine positive Chance auszumalen, an dich selber zu glauben und nicht so sehr deine Gedanken auf das konzentrierst, was sein könnte – es kommt doch meistens eh anders, als geplant.

Auch habe ich hier im Forum ein wirklich interessantes Buch entdeckt, über Nierenkrebs, geschrieben von einer Betroffenen. Dort findest du darüber alle Informationen und vielleicht hilft es dir ein wenig, dass Kopfkino anzuhalten und mal Luft zu holen.
Zitat:
Zitat von Rudolf Beitrag anzeigen
Dies ist eine Mutmachgeschichte anderer Art

Es ist sehr interessant, wissenschaftlich erklärt.

In diesem Sinne alles Liebe für Alle und ein Kopfkino, dass man ausschalten kann.
Evelyn
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  #27  
Alt 25.08.2013, 01:45
Kerejon Kerejon ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Liebe Evelin,

Ein sehr schöner Beitrag, der mich zum Nachdenken angeregt hat.

Kopfkino... Wow. Ein allgemein genutzter Begriff, aber für mich unglaublich passend, denn hier genau findet das Drama statt. Betroffene können es sicher nachvollziehen wie es ist, an einem Tag in Schreckensstarre vor dem eigenen Tod zu stehen, während am nächsten es erträglich scheint... meinetwegen auch Antidepressivabedingt... Kopfkino! Dein Geist, Deine Seele versucht sich zu schützen, was ihr erstaunlich gut gelingt je mehr die Tage Vergehen. Ein Freund fragte mich heute wie ich es überhaupt schaffe, des morgens aufzustehen und ich antwortete "keine Ahnung, aber morgens geht's mir immer ganz gut".

Kopfkino... Das ist ein feiner Gedanke, den ich so schnell nicht vergessen werde und in der kommenden Zeit in meinem Denken behalte.

Danke hierfür und ganz liebe Grüße.
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  #28  
Alt 25.08.2013, 02:59
Kolibri62 Kolibri62 ist offline
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Standard AW: Wie macht ihr das mit dem Arbeiten gehen...?

Liebe, liebe Evelyn!
Du sprichst mir aus der Seele!
Ein wunderbarer Beitrag!
Ich bin selbst nicht Betroffen, mein Mann ist es!
Aber auch wir Angehörigen leiden Höllenqualen!
Er ist Physiker und Informatiker! Sein Leben besteht nur aus Zahlen......und Sachen, von denen ich keine Ahnung habe! Für mich gab es schon immer Körper, Seele, Geist.....untrennbar verbunden! Statistik.....was ist das?
4 Wochen nach der Diagnosenstellung wußte er alles! Er wußte genau (statistisch gesehen) wie lange er noch hat! Trotz allem hat er erst einmal alle Behandlung abgelehnt.....er hatte einen genauen Plan und den hat er penibel verfolgt! Er hat den Ärzten seinen Plan vorgelegt......und siehe da, sie haben mitgemacht! Nach fast 1 1/2 Jahren geht es ihm hervorragend! Tumor ist geschrumpft, aber noch da. Metastasen im ganzen Körper, aber sie stören nicht!
Er macht Pläne für die Zukunft.........
Was seine Arbeit angeht, sie ist sehr wichtig....Hobby zum job gemacht!
Hilft ihm abzuschalten, bringt viel positive Energie......manchmal nicht so schön, da er selbständig ist und Mangel an Aufträgen Sorgen bereiten.

Kerejon, dir wünsche ich ganz viel Kraft.....und auch Gelassenheit zu akzeptieren, was du nicht ändern kannst!
Du bist bestimmt ein wunderbarer Arzt. Wenn auch die Patienten ihren Chirurg nicht immer zu Gesicht bekommen Kämpfe, damit sie ihn nicht verlieren!!

Conquerer, auch ein dich ein dickes Kraftpaket! Egal ob gegen die Metas oder junge Schnösel!

Liebe Grüße Kolibri
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  #29  
Alt 25.08.2013, 03:00
Kolibri62 Kolibri62 ist offline
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PS
Statistisch gesehen ist mein Mann seit 4 Monaten tot!
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  #30  
Alt 27.08.2013, 19:19
evelyn-wieda evelyn-wieda ist offline
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Ein ganz liebes Hallo in die Runde,

und lieber Kerejon schön, dass ich dich ein wenig zum Nachdenken angeregt habe. Manchmal hilft ja so ein kleiner Schupps.
Weißt du, all diese Angst, all diese Schreckensvisionen, die du beschreibst, kenne ich auch. Ich stand ebenso wie wohl viele, viele Betroffene davor. Auch stand ich vor der Frage – Antidepressiva zu nehmen, halt dieses Kopfkino in den Hintergrund zu drängen. Doch durch mein Umfeld und meine Therapeutin bin ich einen ganz anderen Weg gegangen und ich habe mich von den eventuell, vielleicht, es könnte sein Szenarien befreit.

Hier in den Beitrag über Angst habe ich mehr geschrieben, wenn es interessiert:
http://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=60283

Und weißt du, als ich das geschafft habe, begann ich mit dem meditieren und visualisieren und kam auch dadurch wieder oder überhaupt in mein Gleichgewicht, in meine Mitte.
Genau das wünsche ich dir herzlich, lieber Kerejon, dich wieder zu finden und zu leben.

Ach ja, im Übrigen habe ich die erwähnte Reportage im Internet gefunden. Hier der Link dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=9bOSk...ature=youtu.be

Liebe Kolibri,

sei herzlich gegrüßt und oh ja, die Angehören haben auch ganz viel Angst und leiden wie verrückt. Ich weiß es von meiner Tochter. Sie ist manchmal einfach auch wütend auf mich, wenn es mir mal nicht gut geht, weil sie einfach Angst um mich hat. Mein Sohn nimmt all das anders wahr und mein Freund auch. Jeder auf seine Weise und jeder ist auch auf seine Weise irgendwie alleine damit.

Ganz toll finde ich es, dass dein Mann Zukunftspläne macht. Einfach klasse. Das mache ich auch. Ich habe mir z. B. eine Collage gemacht, in der all meine wichtigen Wünsche, was ich unbedingt erleben, erreichen will, eingemalt und eingeklebt sind. Dein Mann hat sich damit aus meiner bescheidenen Sichtweise für das Leben entschieden, für seine Zeit. Das ist einfach schön.

Und positive Energie, überhaupt, positives Denken ist für mich sehr wichtig. Manche können das nicht verstehen und das ist auch vollkommen ok so. Aber mir gibt es Kraft und Freude.

So wünsche ich Euch, dir und deinem Mann, ganz viel Lebenskraft und –freude und noch viele Monate und Jahre, die wider der Statistik lebenswert schön sind.

In diesem Sinne Allen alles Gute
Evelyn
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