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  #1  
Alt 11.09.2013, 23:13
MyDadMyHero MyDadMyHero ist offline
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Unglücklich Mein Papa, mein Held.

Hab mich eben erst hier angemeldet und weiß nicht so recht wohin mit meinem Text
Ich weiß gar nicht richtig wo ich anfangen soll...Ich war gerade einfach so verzweifelt, dass ich im Internet nach Leukämieforen für Angehörige gesucht habe und dann auch diese Seite gestoßen bin.
In der Hoffnung, dass es mir etwas bringt, wenn ich mir mal alles von der Seele schreibe, fange ich mal ganz von vorne an.

Wie vielleicht schon zu erkennen war, geht es nicht um mich selber sondern um meinen Vater. Ein regelrechtes Arbeitstier von dem man dachte, er wüsste nicht mal was krank sein bedeutet, da es ihn sehr sehr selten erwischte und wenn, dann nur ein kleiner Schnupfen, von dem er sich aber auch nicht beeindrucken ließ. Meine gesamte Familie und ich haben in der Vergangenheit sehr viel durchgemacht und mussten viele Schicksalsschläge verkraften. Dadurch hing ich mit der Zeit immer mehr an meine Eltern und irgendwann vorallem an meinem Vater.
2012 sind starke Rückenbeschwerden bei ihm aufgetreten weswegen er dann auch krankgeschrieben wurde. Damit begann ein regelrechter Ärzte-Marathon. Angefangen vom Hausarzt zum Orthopäden, über zig MRT's, weiterleitung an Untersuchungen von Ärzten in Krankhäusern, zur Krankengymnastik und einer Reha-Maßnahme, zum Kardiologen und und und. Obwohl ich überall dabei war kann ich mich sogar selbst nicht mehr an alles erinnern. Leider blieb jedoch bei allen Versuchen der Erfolg aus. Ab Januar 2013 fing es aber an immer schlechter zu werden. Wo vorher nur Rückschmerzen das Thema waren, begannen nun extreme Kraftlosigkeit, Abgeschlagenheit, und Appettitlosigkeit in den Vordergrund zu rücken. Kurz danach fing er regelrecht an zu frieren worauf sehr hohes Fieber folgte und daraus extreme Schweißausbrüche entstanden.
Am Anfang hat man sich nicht so viel dabei gedacht und ist einfach von einer starken Grippe ausgegangen. Trotzdem habe ich ihn zum Hausarzt "geschleppt" worauf dieser uns aber auch nicht wirklich weiterbrachte. Eine Erkältung, eine Grippe, das wechselnde Wetter wären dafür verantwortlich. Auch nach einer Blutnahme wurde uns kein Grund zur Sorge gegeben. Jedoch verbesserte sich sein Zustand auch nach diesen Arztbesuchen nicht und er war irgenwann mit seinen Kräften absolut am Ende worauf wir uns entschieden hatten ihn ins Krankenhaus einliefern zu lassen.
Dort wurde er direkt in ein isoliertes Zimmer gebracht, welches man nur mit Schutzkleidung betreten durfte, da sein Immunsystem so am Ende war, das es nicht mehr viel gebraucht hatte damit er völlig K.O ist.
In dem Krankenhaus wurde nach unzähligen Untersuchungen festgestellt, dass er eine Herzmuskelentzündung hat. Diese Entzündung versuchten sie fast 3 Wochen lang mit verschiedenen Antibiotikern zu behandeln. Da kein sichtbarer Erfolg eintrat und sie das Fieber nicht in den Griff bekamen, wurde er in eine Uniklinik eingwiesen.
Dort wurde er sofort auf die Intensivstation verlegt in der er fast 2 Wochen lang blieb mit der Ungewissheit ob er es schafft oder nicht. Das Fieber bekamen die Ärzte dort "sofort" in den Griff und nach langer Zeit sah ich wieder Farbe im Gesicht meines Vaters. Jedoch schien dies nicht alles zu sein denn man merkte den Ärzten an, dass sie noch etwas anderes vermuteten. Viele Untersuchungen und schlaflose Nächte später kam dann die Diagnose mit der niemand nicht mal im Ansatz gerechnet hätte: Haarzellleukämie. Da ich vorher nicht viel über diese Form wusste, sank ich zu Boden als sich nur das Wort "Leukämie" in mein Gedächnis brannte. Man klärte uns zwar ein wenig darüber auf aber das meiste suchte ich mir nach dem Krankenhausbesuch aus dem Internet zusammen. Sie leiteten noch in der Uniklinik die Chemotherapie ein, und entließen ihn danach aus dem Krankenhaus zur Weiterbehandlung beim Hämatologen. Am Anfang waren seine Ergebnisse bei den Blutnahmen eher düfrtig wobei es sich mittlerweile für seine Verhältnisse recht gut hält. Vor Kurzem wurde eine Knochenmarkspunktion durchgeführt um festzustellen, ob die Chemo angeschlagen hat.
Ich hatte bisher regelrecht keine Zeit um das ganze Geschehen zu verarbeiten bzw mich wirklich damit auseinander zu setzten und mich mit meiner Angst auseinanderzusetzten. Das ist dann meiner Meinung nach auch der Grund, warum diese endlos tiefe Trauer und teilweise Panik mich nachts heimsuchen. Mein Vater ist alles für mich und daher ist diese Situation doppelt so schwer für mich. Ich bin die jüngste in der Familie (bin dieses Jahr 19 geworden) und war in den 2 Monaten in denen mein Vater im Krankenhaus lag diejenige, die allen anderen Mut zugesprochen hat und ihnen Kraft und Zuversicht gegeben hat. Ich bin eigentlich recht stark da ich ziemlich früh "erwachsen" werden musste und von meinem Umfeld würde niemand auf die Idee kommen dass es mich wirklich derart belastet da ich es nach Außenhin perfekt verstecken kann. Aber innerlich bin ich eigentlich schon längst mit meinen Kräften am Ende.
Woher auch immer nehme ich mir trotzdem noch die letzten Tropfen Kraft die ich irgendwo in mir habe und lasse mir vorallem vor ihm nichts anmerken. Bis vor kurzem war er eigentlich auch recht positiv gestimmt und stellte die Krankheit in den Hintergrund aber seit ein paar Tagen seh ich ihn nur noch traurig. Teilweise liegt es glaube ich auch daran, dass seine Beine/Füße nicht mitmachen. Sie sind immer kühler als der restliche Körper und halten ihn auch nicht lange wenn er steht oder versucht zu gehen. Ich hab zwar im Internet nachgeschaut aber finde nirgendswo Tipps, wie man da eine Verbesserung erzielen könnte.
Wenn ich dann wieder sehe dass er wieder mehr im Bett liegt kommen die Ängste wieder hoch. Ich würde alles dafür tun ihn nocheinmal so wie früher zu sehen...Ganz sicher auf eigenen Beinen ohne irgendeine Stütze.

Falls sich wirklich jemand die Mühe gemacht hat, diesen Text zu lesen, dann ziehe ich meinen Hut vor ihr/ihm.

Gute Nacht.
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  #2  
Alt 12.09.2013, 08:28
Bremensie Bremensie ist offline
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Standard AW: Mein Papa, mein Held.

Hallo,
ich habe mir die Mühe gemacht deinen Text zu lesen und kann deine Angst verstehen.
Ja wenn bei einem Familienmitglied Krebs diagnostiziert wird fällt die Welt bei dem Erkrankten und seinen Angehörigen auseinander.
Klar das du im I-net danach suchst welche Hilfe dein Paps bekommen kann und ihm wieder sprichwörtlich auf die Füße hilft. Ich finde es bewundernswert wie du versuchst für deinen Paps da zu sein und ihn zu den Untersuchungen begleitest. Dein Vater braucht jetzt auch Zeit um sich mit seiner Krankheit auseinander zu setzen.
Ich wünsche euch allen viel Kraft für die Zeit die jetzt auf euch zu kommt.
__________________
Jeder Tag ist der Anfang des Lebens.
Jedes Leben der Anfang der Ewigkeit.
(Rainer Maria Rilke)
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  #3  
Alt 12.09.2013, 08:37
Nina1380 Nina1380 ist offline
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Beiträge: 13
Standard AW: Mein Papa, mein Held.

Guten Morgen!

Darf ich fragen wie Dein Name ist?

Es tut mir ganz schrecklich leid das auch ihr von diesem furchtbaren Schicksal betroffen seid. Ich weiß wie Du Dich fühlst, welche Sorgen und Ängste Dich plagen. All die schlaflosen Nächte die Du schon hinter Dir hast, es ist einfach grauenhaft. Machtlos musst Du all das Leid mit ansehen.

Mein Name ist Nina, ich bin schon ein bisschen alter als Du (33) doch ich habe einen kleinen Bruder, er wird morgen 17. Wie Du, sind auch wir in der schrecklichen Situation das unser Papa schwer krank ist, und ihm nicht mehr viel Zeit bleibt.

Mein kleiner Bruder frisst auch alles in sich hinein und nur selten spricht er über alles.

Vielleicht wäre es besser Du würdest Deine ganzen Ängste und den Kummer mal rausbrüllen, weine, schreie und sei wütend denn das darfst Du!

Ich schicke Dir ganz viel Kraft!

Liebe Grüße
nina
__________________
Life will never be the same again!
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  #4  
Alt 12.09.2013, 09:42
tochter02 tochter02 ist offline
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Registriert seit: 06.09.2013
Beiträge: 24
Standard AW: Mein Papa, mein Held.

wenn ich das lese, dann kommt mir das so verdammt bekannt vor, nur das es bei mir um meine mutter geht und auch ich schon etwas älter bin als du (30). aber ich bin auch die jüngste aber auch die die für alle da ist.
dieses "für alle dasein" schafft man aber nur wenn man erlich mit sich selbst ist und eine person oder einen ort hat wo man auch mal schwach sein kann. setz dich ruhig mal in eine ruhige ecke und weine, manchmal dauert es, aber es hilft. ich konnte auch erst nicht weinen, wollte nix an mich ran lassen aber irgendwann kommt die traurigkeit, und zwar mit voller wucht.
meine mutter hat metastasierenden brustkrebs welcher höchst agressiv und schnellwachsend ist und wir alle haben angst, dass wir unsere mama nicht mehr lange bei uns haben. aber so nach und nach lernen alle damit umzugehen und was noch viel wichtiger ist, nun endlich wird auch darüber gesprochen. reden ist sooo wichtig. und wenn du nicht mit deinen papa über deine ängste reden möchtest, weil du vielleicht angst hast, dann such dir ne freundin mit der du über alles reden kannst.
auch hier kann man sich super "ausheulen" mir hilft das auch schon wahnsinnig, aber friss bitte nicht alles in dich hinein.

du siehst du bist nicht allein
lg
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  #5  
Alt 12.09.2013, 15:03
IrisA88 IrisA88 ist offline
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Registriert seit: 12.09.2013
Ort: Ostfriesland
Beiträge: 24
Standard AW: Mein Papa, mein Held.

Hallo,

ich kann sehr gut nachvollziehen, was du durchmachst, da ich in einer ähnlichen Situation bin.

Ich wünsche dir und deinem Vater viel Kraft!
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  #6  
Alt 13.09.2013, 12:07
MyDadMyHero MyDadMyHero ist offline
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Registriert seit: 11.09.2013
Beiträge: 2
Standard AW: Mein Papa, mein Held.

Ich danke euch allen von Herzen für eure Antworten. Es hat so unglaublich gut getan mal von Außenstehenden ein wenig Zuspruch zu bekommen. Ich habe mir die Zeilen mehrmals durchgelesen weil es einfach Balsam für die Seele war.

@nina1380 Vielen Dank für deine lieben Worte ! Ich heiße Dona. Ich habe keine Worte dafür, dir zu beschreiben wie leid mir das für euch tut Deinen Bruder kann ich sehr gut verstehen...Obwohl es das schlimmste ist bin ich auch so ein Mensch der alles mit sich selber ausmachen will und mit niemandem über seine Sorgen und Ängste reden will Auch wenn er mit Sicherheit nicht in Feierstimmung ist wünsche ich ihm trotzdem alles Gute zum Geburtstag und nur das Beste für seine Zukunft. Es ist schrecklich mit solchen Dingen konfrontiert zu werden wenn man noch so jung ist
Ich wünsche dir und deiner Familie alle Kraft der Welt für alles was noch kommen mag.

@tochter02 Auch dir ein herzliches Dankeschön für deine tröstenden Worte. Es tut mir unbeschreiblich leid, dass du diese Erfahrung machen musst Du hast absolut recht egal wie sehr man das Ganze ignoriert, die Traurigkeit kommt trotzdem, ob man will oder nicht. Zu dieser Erkenntnis bin ich im Krankenhaus gekommen. Als mein Vater auf der Intensivstation lag und keiner wusste ob er es schafft oder nicht, bin ich irgendwann auf dem Flur zusammengebrochen weil sich dieser Druck viel zu lange angestaut hat. Ein schrecklicher Augenblick. Ich schicke dir ganz liebe Grüße und besonders viel Kraft um das Ganze zu überstehen

@IrisA88 Vielen Dank ! Das wünsche ich dir auch

@Bremensie Ganz lieben Dank!
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  #7  
Alt 16.09.2013, 10:15
Nina1380 Nina1380 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.09.2013
Beiträge: 13
Standard AW: Mein Papa, mein Held.

Guten Morgen Dona!

Wie geht es Dir heute?
Gibt es Neuigkeiten?

Ich glaube wir zwei sind in einer ganz ähnlichen Situation.
Mein Papa kann momentan auch gar nichts mehr, er liegt nur in seinem Bett und ich glaube oder befürchte er hat den Kampf aufgegeben.

Ganz liebe Grüße
nina
__________________
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Stichworte
angehörige, angst, leukämie


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