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  #1  
Alt 23.01.2016, 07:55
Anchilla Anchilla ist offline
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Standard Krank oder Simulant?

Eigentlich ist es keine Frage, aber ich muss mal was los werden, was mich sehr getroffen hat.

Kurze Einleitung: Krank bis Diagnose, Whipple-OP, Chemo, Reha nach 1 Woche abgebrochen wegen erneuter Krebs-OP an der Leber. Erholung, Aufbau, Teilnahme an Sport-Studie. Mit starken Hormontabletten wurden die Wechseljahre zurück geholt, da die Frauenärztin ebenfalls den Verdacht hatte, dass am Gebärmutterhals was nicht in Ordnung sei. Diese starken Hormone haben mir mächtig zugesestzt. Dann Narbenbruch der operiert werden muss. Vergrößerter Lymphknoten auf der Lunge, MRT wegen sehr starken Schmerzen seit langer Zeit. Diagnose Bandscheibenvorfall. Vorerst starke Morphin-Pflaster und Schmerzmittel. Übermorgen gehe ich dann in Reha (wobei die OP Ende März erfolgen wird.

Wenn ich beim Arzt sage dass ich endlich wieder fit werden will und arbeiten will wird mir gesagt ich solle nicht so ungeduldig sein, sondern mal überlegen, was mein Körper alles verkraften muss. Das würde nun mal lange dauern.

Bei dem Geburtstag der Nachbarin war eine Freundin von mir, die kurz nach mir die Diagnose Lungenkrebs erhielt. OP und Chemo.

Dann kam die Schwester vom Geburtstagskind und fragte meine Freundin wie es ihr geht. Diese sagte es gehe ihr gut, sie würde am 1.2. wieder anfangen zu arbeiten.

Zu mir sagte diese Schwester: Und wie geht es Dir? Ach, bestimmt auch gut, du bist ja schon sooo lange krank geschrieben, da wird es jetzt ja auch wieder ok sein
Drehte sich um und sprach mit der nun gesunden Freundin weiter ohne eine Antwort von mir zu erwarten.

Ich war irgendwie geschockt und schwer getroffen.

Ich liebe meinen Job, komme dort mit allen, auch mit dem Chef supergut zurecht und würde gerne schnellstens wieder arbeiten. Muss ich mich nun als faule Simulantin fühlen, weil ich länger brauche um fit zu werden? Einfach weil bei mir auch viel mehr im Körper passierte?

Ich weiß, ich sollte mich über so viel gedankenlose Dummheit gar nicht aufregen. aber mir kamen trotzdem die Tränen. Und die Gedanken, ob auch andere aus meinem Umfeld so denken???

So, jetzt hab ich Euch die Ohren voll gejammert...sorry, aber irgendwie musste es mal raus

LG Anchilla
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  #2  
Alt 23.01.2016, 09:01
Benutzerbild von Piepenbring
Piepenbring Piepenbring ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Liebe Anchilla,

ich komme aus dem “Lungenkrebslager“ und bin, nachdem ich seit Juni 2015 Metastasen im vorher nichtbefallenen rechten Lungenflügel habe, jetzt seit 16 Monaten krankgeschrieben. Ich fühle mich auch noch nicht so und kann nicht arbeiten gehen. Ich habe mir auch schon einige Dinge anhören müssen, die mich zum Weinen gebracht haben. Sobald einige Zeit nach Operation und Chemo vergangen sind und man nicht mehr todkrank aussieht, meinen einige Mitmenschen das man sich nur zusammenreißen muss damit alles wieder klappt.
Ich nehme mir immer vor, dass nicht an mich ranzulassen, aber das klappt nur in den wenigsten Fällen. Seit der Krebsdiagnose bin ich einfach viel empfindlicher geworden und habe auch “näher am Wasser gebaut“ und denke nachher noch lange über solche Äusserungen nach, obwohl ich das gar nicht will. Ich kann mich dann auch nicht “wehren“ obwohl ich sonst nicht auf den Mund gefallen bin. Schlimmer ist das alles noch geworden, seitdem ich palliativ aus dem Krankenhaus entlassen worden bin. Wir simulieren alle nicht und der Körper und die Seele muss soviel wegstecken mit Diagnose, Operationen, Chemotherapien und körperlichen Einschränkungen. Dazu kommt noch die Todesangst, die unterschwellig - bei mir jedenfalls - immer da ist. Mach dir keine Gedanken darüber was andere denken oder sagen, dein Körper sagt dir, wenn du wieder zum Arbeiten bereit bist.

Liebe Grüße
Angela
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  #3  
Alt 23.01.2016, 11:33
Adlumia Adlumia ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Hallo,

ich bin zwar nicht vom Krebs direkt betroffen dennoch ist es mir ein Bedürfnis was dazu zu schreiben. Ehrlich gesagt machen mich eure Erfahrungen sehr traurig. Das Schicksal oder wer/was auch immer hat euch diese Krankheit auferlegt, es ist sicher hart damit überhaupt erst einen Umgang zu finden. Dann die vielen Strapazen die ihr auf euch nehmt, um gesund zu werden oder zumindest das Krebswachstum zu stoppen, und dann kommen solche Aussagen?
Leider ist das von den Mitmenschen wenig feinfühlig aber dieses mangelnde Einfühlungsvermögen habe ich schon öfter festgestellt. Am Anfang hat es mich wütend gemacht aber nun denke ich: vielleicht können die gar nicht anders? Die sind so wie sie sind und ich bin so wie ich bin.
Es darf euch zu recht traurig machen, denn es ist verletztend aber ich glaube auch, dass die meisten gar nicht groß darüber nachdenken, über ihre Worte - wie gesagt es fehlt an Feingefühl und das nicht unbedingt immer aus Boshaftigkeit, nein sie wissen und können es nicht anders.

Ich möchte nur sagen: Bitte schämt euch doch nicht, weil ihr länger für die Heilung braucht, länger braucht um überhaupt wieder ansatzweise euer altes Leben aufzunehmen. Seid gut zu euch und eurem Körper, der all das mit aushalten muss. Er leistet euch gute Dienste und bei dem anderen geht es vielleicht schneller (manchmal aber auch weil vielleicht einige etwas überstürzen). Aber jeder Körper, jeder Mensch hat sein eigenes Tempo zur Genesung.

Warum müssen wir (damit schließe ich mich auch ein!) uns eigentlich immer selbst verurteilen. Warum fragen wir immer: Was ist falsch mit uns, an uns, mit unserem Körper? Hat er es, haben wir es nicht verdient einfach uns selbst als besten Freund zu lieben?

Nehmt euch alle Zeit der Welt. Niemand steckt in euren Schuhen.
Verzeiht diesen "Grobianen", denn wahrscheinlich wissen sie es einfach nicht besser. Oder je nachdem wer der Mensch ist, der so etwas sagt, versucht zu erklären, dass das nicht so einfach ist oder vielleicht lohnt es sich auch mal direkt zum Angriff zu blasen: Ihr steckt nicht in meinem Körper und es dauert so lange wie es dauert! Es ist verdammt noch mal keine Grippe!

Alles Gute!
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  #4  
Alt 23.01.2016, 16:05
p53 p53 ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Hallo Anchilla,

oh man, das ist echt übel, dass ihr Krebspatienten euch überhaupt für eurer Befinden rechtfertigen müsst. Ich bin dann immer ganz baff, weil ich es fast nicht für möglich halte, weil das auch solch ein krasser Widerspruch ist....

Da haben so viele Menschen solche (manchmal echt irrationale) Todesangst vor Krebs und rennen schon bei dem Wort panisch davon.... oder erklären es gleich zum Tabuthema...

um dann gleichzeitig diese genauso irrationale Erwartungshaltung zu haben, Krebspatienten sollen doch bitte nach der akuten Erkrankungsphase recht schnell zur normalen Tagesordnung übergehen? Wie nach einem Schnupfen?

Ich denke mir, beides entsteht nur aus eigener Angst heraus.
Und generell sind funktionierende Mitmenschen natürlich viel angenehmer als solche, auf die man Rücksicht nehmen muss (sollte).

Ihr solltet keinesfalls diesen Wünschen nach Bequemlichkeit nachkommen und ins Schweigen verfallen oder gar noch ins Verleugnen eurer Erkrankung.... auch wenn ihr offiziell als geheilt geltet.
Das würde nur diesem Verhalten noch Vorschub leisten.
Eurer Umfeld, auch Kollegen usw, müssen sich damit auseinandersetzen. Das ist meist vor allem auch ein Auseinandersetzen mit sich selbst, dem eigenen Leben und auch der eigenen Endlichtkeit.

Ich glaube wirklich, ihr solltet das gar nicht so sehr persönlich nehmen deshalb.... und je mehr und offener über Krebs und alle seine oft auch sehr unananehmen Facetten gesprochen wird, umso normaler wird das Thema und ist nicht länger mit so einem großen Tabu behaftet.

Mir macht das auch angst, ich beobachte mich viel genauer, betreibe "Ahnenforschung", um das eigene Risiko besser einschätzen zu können und ggfl. rechtzeitig Vorsorge zu treffen, wo ein erhöhtes Risiko bestehen könnte.
Zur Verarbeitung habe ich letztes Jahr eine Krebszelle gezeichnet in den Pausen auf der Arbeit, was die meisten meiner Kollegen toll fanden, diese Idee. Ich hing das Bild dann auf und Chef verlangte, es wieder zu entfernen.... soviel dazu
Er ist starker Raucher und möchte wohl nicht damit konfrontiert werden, dass er in diesem Bereich nicht gerade gesund lebt. Kann ich ja verstehen, ist aber eigentlich SEIN Problem und nicht unseres. Naja, was solls, das Bild hängt jetzt bei mir zu Hause und ich wurde schon einige Male drauf angesprochen. Die meisten erkennen es gar nicht als Krebszelle, nur Leute, die damit beruflich zu tun haben.

Anchilla, du hast absolut nichts falsch gemacht, und lass dir das bloß auch nicht einreden oder vermitteln.
Nicht du hast an dir zu arbeiten sondern die, die so wenig Verständnis für dich haben, weil es so einfacher und bequemer für sie ist.
Kläre dein Umfeld auch ruhig über die Nachwirkungen und Langzeitfolgen der Tumorbehandlung auf! Die wissen das oft echt nicht (besser) und so entstehen manchmal auch Missverständnisse... nicht alle sind ja so und wollen nichts über Krebs hören, sie trauen sich auch oft nicht nachzufragen, weil sie einen Krebspatienten nicht verletzen möchten.

Hoffe, das war jetzt nicht zu viel Getexte... dein Beitrag, Anchilla, ging mir sehr nahe und tat mir in der Seele weh.
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  #5  
Alt 23.01.2016, 17:37
Anchilla Anchilla ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Danke für Eure lieben Worte, sie haben mir echt gut getan. Ich bin jemand, der sehr offen mit der Krankheit ist und es wird oft darüber gesprochen. Aber ich bin halt auch jemand der sich nicht so leicht klein kriegen lässt und sagt: es ist ganz ok.

Mein ältester Enkel hatte mit 6 Wochen den plötzlichen Kindstot. Ich habe ihn wiederbelebt. Heute ist er 9 Jahre und hat dank der schnellen Reaktion nichts zurück behalten.

Mein kleinster Enkel (fast 3), wurde bereits im Mutterbauch am offenem Rücken operiert. Er ist Schwerbehindert, aber zum Glück geistig vollkommen normal. Hier wird auch schon mal Oma gebraucht.

In die Zeit der Erkrankung viel die Demenz, die Pflege und dann der Tod meines Vaters.

Ich bin stark, war und bin sehr optimistisch. Aber so eine Bemerkung trifft dann eben doch. Nein, ich habe nichts dazu gesagt. Es gibt keinen Grund mich zu verteidigen, denn ich habe nichts falsch gemacht, sondern habe nur eine Krankheit, die manche Leute einfach nicht begreifen.

Ich Danke Euch

LG Anchilla
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  #6  
Alt 24.01.2016, 07:38
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KesGa KesGa ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

liebe Anchilla,
solchen oberflächlichen Menschen wirst du immer mal wieder begegnen,daher kann es auch immer wieder passieren,dass jemand dir gegenüber eine Bemerkung macht,die dich verletzt.
Manchmal braucht diejenige Person gar nicht d.Mund zu öffnen,man spürt die Erwartungen auch so...geht mir jedenfalls so.Ich finde es richtig,dass du nicht darauf eingegangen bist,was soll man auch dazu sagen?Denn es ist ein Schutz derjenigen selbst,die Panik vor Krebs hat jeder,der ihn selbst nicht hat.
Achte auf dich und wie du dich fühlst und nimm dir alle Zeit,die du brauchst
,ich frage mich sowieso,wie du es schaffst,wieder arbeiten zu gehen,wenn es denn so weit ist oder so weit kommt.

Ich bin ja Rentnerin,aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen,nach meiner OP,der Chemo und der Reha ,dass ich hätte wieder arbeiten können.Wenn ich jetzt,zu diesem Zeitpunkt,nur mit den Hunden spazieren gehe,bin ich nach 1 Stunde ausgepowert.Ab nachmittags nimmt mein Aktivitätspegel kontinuierlich ab...
ab und zu dekoriere ich meine Wohnung wieder mal um und selbst dazwischen muss ich immer Pausen machen.
Ich könnte nicht mehr so funktionieren wie vor der Erkrankung.Egal,ob das nun eine Arbeit im Sitzen wäre o.ä.m.wie willst du das schaffen?


Morgen geht es für dich zur Reha,ich wünsche dir Freude und auch Ruhe,Spass und mach nur Dinge,die dir gut tun.
__________________


ED :9/2013 Pankreaskopfkarzinom
Whipple OP:April 2014
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  #7  
Alt 24.01.2016, 07:46
Anchilla Anchilla ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Lieben Dank Kesga,

ja, ich weiß auch noch nicht genau wie ich dann wieder arbeiten soll, denn es geht mir ja nicht anders wie Dir. Immer müde und sehr erschöpft. Und wenn es mich packt und ich mal was mache wie Bett beziehen, bin ich danach schlagskaputt und hab Schmerzen.

Ich freue mich richtig auf die Reha, denn ich hoffe, dass es danach zumindest etwas besser ist.

Ich hoffe dort ist wenigstens genug Empfang, dass ich hier auch mal was lesen oder schreiben kann.

Ganz lieberg Gruß

Anchilla
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  #8  
Alt 24.01.2016, 08:57
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KesGa KesGa ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

genau das meine ich Anchilla,setz dich bloss nicht unter Druck.Am besten,du sprichst das in der Reha mit deiner behandelnden Ärztin an!
Und wenn ich eins raten darf,überfordere dich nicht dort,wenn du so einen straffen Zeitplan wie ich i.d.Reha hatte,dann lass auch mal was ausfallen,nur nicht überfordern.
Ich hoffe auch,dass du dort Empfang hast,wäre schön,von dir zu lesen.
__________________


ED :9/2013 Pankreaskopfkarzinom
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  #9  
Alt 24.01.2016, 21:09
Anchilla Anchilla ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Ich glaube es fangen alle an zu spinnen und ich bin froh, dass ich eine Weile weg bin. Brauchen mich auch keine Bekannte zu besuchen.

Da werd ich heute gefragt wie es mir geht. Ich antworte: "Es geht halt".
Da wird mir gesagt: Quatsch, es geht dir gut (sollte aufmunternd sein) und dann kam: Weißt du, wenn du mal abnehmen würdest, würde es dir auch besser gehen.

Tja....also bin ich schon wieder mal selbst schuld, dass es mich erwischt hat.

Na klar wäre es gut wenn ich abnehme, aber trotzdem ist es nicht das, was man hören will, denn das weiß man selbst.

Leute, was bin ich froh, dass ich morgen weg fahre !!!!

Lieben Gruß an Euch alle
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  #10  
Alt 25.01.2016, 11:46
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heikea heikea ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Liebe Anchilla,
ich möchte dir auch meine Meinung und Erlebnisse dazu mitteilen.
Meine Chefin hat mich nach der OP im Juni 2015 für September 2015
wieder voll eingeplant. Die Fragen: "Und wann kannst du wieder arbeiten" und "Kannst du vielleicht auch stundenweise arbeiten während der Chemo" habe ich von fast jedem, der mit mir gesprochen hat, erhalten.
In dieser Gesellschaft dreht sich alles nur um das Funktionieren und Arbeiten.
Das fängt schon damit an, dass Säuglinge so schnell wie möglich ihrer wichtigsten Bezugsperson entzogen werden, damit die Mutti wieder ARBEITEN gehen kann. Als wenn es nichts wichtigeres gäbe.
Und wir Kranken sollen möglichst auch so schnell wie möglich wieder gesund werden und arbeiten. Ich bin auch so getrimmt (gewesen?), als wenn es nichts wichtigeres gäbe. Diese Leistungsgesellschaft macht uns kaputt. Ich habe auch schon überlegt, wenn es ein Grundeinkommen gäbe oder ich Rente bekommen würde, dann würde ich mich die nächsten Jahre um meine Tochter kümmern und nur einige Stunden in der Woche arbeiten. Wer weiß, ob ich noch die normale Rente erlebe.
Ich habe in den letzten Jahren immer gearbeitet, auch zu der Zeit, als ich zwei kleine Kinder zu versorgen hatte und auch für wenig Geld. Weil ich immer dachte, dass sei das Wichtigste. In den letzten Monaten hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und ich glaube, dass es mir und auch meinen großen Kinder nicht immer gut getan hat.
Ich möchte dir Mut machen - und mir/uns auch, wir sind wertvoll, egal ob wir arbeiten gehen oder nicht. Arbeit ist nicht der Sinn unseres Lebens.
Sicher fragen die meisten Menschen auch nur, um irgendetwas zu fragen. So ist es ja oft auch bei der Frage Wie geht es Ihnen? Die meisten wollen die Wahrheit gar nicht wissen.
Ich wünsche Dir alles Gute und eine erholsame Reha.
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  #11  
Alt 25.01.2016, 15:52
Anchilla Anchilla ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Hallo, ich bin in der Reha angekommen. Mit Handy kann ich schreiben. Aber das ist schon bisschen schwierig. Es gefällt mir bisher gut, alle sind sehr freundlich. Programm fängt morgen so richtig an. Gleich gibt es noch eine Führung. Bis später.
LG Anchilla
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  #12  
Alt 25.01.2016, 16:08
aquila aquila ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Liebe Anchilla,

ich möchte da auch unbedingt etwas zu sagen, weil mich das auch immer total aufregt. Wenn Menschen noch - weitgehend - "normal" aussehen, dann schwingt bei vielen Menschen immer schnell der Unterton von "Simulant" oder "Ansteller" mit.
Was oftmals aber aus Unwissenheit resultiert, denke ich.
Wer das Glück hatte und sich nie intensiver mit dem Thema Krebs auseinandersetzen musste, der stellt sich vermutlich einen Krebspatienten meist als ausgezehrten und abgemagerten, oftmals (chemobedingt) haarlosen und blassen und körperlich sichtbar geschwächten Menschen vor
Sieht man NICHT so aus, kann man ja nix Wildes haben
Die mir sehr nahestehende Person, die kürzlich die Whipple hatte, wurde dann auch mal so eben unter der Chemo vom Wohnungsvermieter gekündigt
(obwohl sie da schon viele Jahre wohnt, sie nie in Mietrückstand geraten wäre, immer gearbeitet hat usw. usf., aber das hängt in dem Fall mit den Flüchtlingen zusammen, nehmen wir an, da gibt es konkrete Anhaltspunkte (Vermieter stammt aus einem der Länder, aus dem die meisten Flüchtlinge zu uns kommen, derzeit und in der Region werden händeringend Whg für die Flüchtlinge gesucht und ganz gute Preise dafür gezahlt, die auf dem freien Whg-Markt nicht mal ansatzweise erzielt werden könnten).
Jedenfalls sieht diese Person auch nicht "krank" aus. OP gut überstanden, Chemo auch einigermaßen, sie hat sogar schon wieder ein wenig zugenommen (ist noch nach wie vor etwas rundlich , wenn auch nicht direkt dick, vorher auch nicht und hat nicht wesentlich abgenommen, bisher), hat ihre langen Haare größtenteils noch, lebt, lacht, atmet, ißt und fährt Motorrad und was sogar in Urlaub.
Also ich denke, der Vermieter dachte sich wohl auch: na so schlimm kanns ja nicht sein, ist ja alles prima und tutti.
Und in DEM Punkt ist es vermutlich bei Krebs wie mit vielen anderen Krankheiten, die man nicht "sieht"... Meine beste Freundin hat MS, die kann da ein Lied von singen von Anstellerei, über "psychosomatisch" oder einfach schlicht "psychisch" oder "nervlich" usw. können sich viele MS-Patienten alles mögliche anhören
Und solange der Krebs noch nicht für jeden gut sichtbare Probleme und Zeichen offenbart, wird da, glaube ich, auch ganz oft Anstellerei usw. angedichtet oder vermutet...

Wie gesagt, ich glaube, das hat oftmals einfach mit Unwissenheit, Ignoranz und auch oft mangelndem Interesse zu tun. Wobei man letzteres sogar bißchen verstehen kann, weil es nunmal gerade für die, die noch nicht viel damit zu tun hatten, ein beunruhigendes, oftmals trauriges und auf jeden Fall unangenehmes Thema ist...
Da WOLLEN viele vermutlich schlicht nichts drüber wissen / hören (was wie gesagt auch ein bißchen verständlich, wenn auch mitunter verletzend ist). Und es ist ja im Grunde auch viel einfacher, bequemer und weniger belastend, wenn derjenige noch "gut" und "gesund" aussieht und man sich einreden kann, dem geht's doch prima. Auch das ist vielleicht eine menschlich verständliche Reaktion, denke ich. Was es nicht besser macht! Aber vielleicht durchaus ein wenig nachvollziehbar ist... So kränkend, ungerecht und ignorant es auch oftmals für die Betroffenen ist.
__________________
Mein Schatz... Es ist so ungerecht
Verzeih mir, dass ich Dich nicht retten konnte...

Geändert von aquila (25.01.2016 um 16:11 Uhr)
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  #13  
Alt 25.01.2016, 17:18
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KesGa KesGa ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Heike,wieso bekommst du keine Rente wegen Erwerbsminderung?Hast du einen Grad der Behinderung beantragt?Ich bin 100% schwerbehindert.Ist das nur bei mir so?
Durch die Erkrankung bekomme ich z.B. zusätzlich persönliches Budget.
Anchilla,wie ist dein Zimmer,hast du eins allein?
__________________


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  #14  
Alt 25.01.2016, 18:30
p53 p53 ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

ja, aquila, ich kenne vieles was hier beschrieben wird während meiner Depressionszeiten.... da war ich eigentlich schwer krank (Depression + Süchte), aber man sah es mir nicht an, wenn ich mich zurecht machte und raus ging.
Andererseits passiert es mir heute, dass ich sobald ich auch nur diese Erkrankungen erwähne sofort in die Psycho-Schublade gesteckt werde oder aber das Gegenteil.... ich soll voll leistungsfähig und belastbar sein, weil ist ja alles Vergangenheit....

Ich ordne das unter Unwissenheit ein, an manchen Tagen regt es mich aber auch total auf. Dann überlege ich, ob ich Energie investiere um mich zu erklären oder einfach nur mal auch schnippisch und frech reagiere! Komischerweise ist letzteres am effektivsten

Lasst euch nicht unterkriegen! Man weiß selbst am besten, wie man sich fühlt und wieviel man schafft und wo die eigenen Grenzen sind. Die sind immer wichtig, egal wie die Erwartungen anderer sind. Wir sind ja nicht auf der Welt, um die Erwartungen der anderen zu erfüllen. Man kann es eh nie allen recht machen.
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  #15  
Alt 26.01.2016, 09:24
Anchilla Anchilla ist offline
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Standard AW: Krank oder Simulant?

Naja, ich hoffe ja, dass mein "dickes Fell" zurück kommt, wenn ich keine starken Schmerzmittel mehr nehmen muss. Vielleicht bin ich dann ja wieder weniger empfindlich.

Kesga, ich habe ein sehr schönes Einzelzimmer. Es gibt hier aber bewußt keinen Wlan-Empfang im Zimmer. Zum Glück habe ich aber einen Surf-Stick...griiiins

Aber was heißt, du hättest wegen den 100% ein zusätzliches Budget?
Welches Budget und für was meinst Du?
Ich habe auch 100%

LG Anchilla
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