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  #1  
Alt 12.05.2010, 21:44
GeorgK. GeorgK. ist offline
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Standard Meine Diagnose

Guten Abend,
ich brauche Rat. Und hoffe, Ihr könnt ihn mir geben.

Ich bin 54 Jahre alt und habe mich mit 16 Jahren, also vor 38 Jahren, im Verlauf einer 5jährigen Drogensucht mit Hepatitis C angesteckt. Seit 28 Jahren, also nach 10 Jahren Drogen- und Alkoholmißbrauch, habe ich eine Endziehungskur gemacht und bin seitdem clean und trocken. Meine Hep C wurde 1999 entdeckt, nach der Ansteckung 1971 hieß sie Non-A,Non-B. Bis dahin hatte ich nie größere Probleme damit, war ab und zu müde, aber wer ist das nicht. Nach meiner Suchtkarriere habe ich geheiratet, die Ehe hat 25 Jahre gehalten. Ich habe zwei mittlerweile erwachsene Kinder von 19 und 23 Jahren.

Seit etwa 2 Jahren war mein Blutwert der Alkalischen Phospatase stark erhöht. Meine Leberwerte waren sowieso immer höher als normal. Vor einigen Wochen mußte ich an einem Wochenende in die Notfall-Ambulanz des örtlichen Krankenhauses, ich hatte starke Schmerzen rechts unter dem Rippenbogen, tippte auf Gallenprobleme. Dort wurde die Entzündung eines Nerves diagnostiziert (Fehldiagnose, kann passieren) und im Verlauf der Ultraschall-Untersuchung wurde festgestellt, daß meine Leber vergrößert und "höckrig" sei. Mir wurde empfohlen, den Hausarzt zu konsultieren. Das habe ich gemacht, der schickte mich nach einem erneuten Ultraschall zu einem Radiologen, der ein CT erstellte.

Befund: Eine sehr große RF von 17 cm x 15 cm x 11 cm. Ich war versucht, anzurufen, um zu fragen, ob die Schreibkraft vielleicht cm und mm verwechselt habe. Hat sie aber nicht. Er diagnostizierte ein Hepatom. Der Radiologe rief mich einige Tage später an und äußerte, er sei sich sicher, daß es sich um ein Primäres Leberkarzinom handele.

Mein Hausarzt veranlaßte sofort ein neues großes Blutbild und Ermittlung der Tumormarker AFP und Crea. Der AFP-Wert war um das Dreifache erhöht, der Crea-Wert normal. Er überwies mich zur MNR-Klinik der Uniklinik Düsseldorf. Dortt war ich heute. Man machte neben einem großen Blutbild ein Ultraschall ohne Kontrastmittel. Ich sollte auch eine zweite Ultraschalluntersuchung mit Kontrastmittel bekommen und eine Biopsie. Wegen des Feiertages morgen, am Donnerstag, konnte ich dann nach Hause gehen und muß nun Freitagvormittag um 10 Uhr wieder hin, um eine Ultraschall-Untersuchung mit Kontrastmittel machen zu lassen und eine Biopsie.

Dennoch wurde schon heute die Diagnose des Radiologen besätigt: Bösartiger Tumor in der Leber, inoperabel, da zu groß. Die Stationsärztin erklärte mir, daß nur noch palliative, also lebensverlängernde Maßnahmen möglich seien, keine Chance mehr auf Heilung. Wie lange sie mir noch gebe, hänge davon ab, was für ein Tumor es sei. Das müßte die Gewebeuntersuchung der Biopsie ergeben, auf die ich 8-10 Tage zu warten habe. Es könnten nur Wochen sein oder aber mehrere Monate.

Es scheint nur so, als wäre ich sehr ruhig. Um ehrlich zu sein: Mir ist, als schreibe ich über jemand anderen. Ich kann nicht glauben, daß es mich betrifft.

Ich habe soviele Fragen. Ich lebe seit 14 Monaten alleine, bin in meinen Betrieb gezogen. Meine Frau hat sich von mir getrennt. Und ich kann hier nur solange leben, wie ich die Miete bezahlen kann. Bin aber selbständig. Das heißt: Ich muß arbeiten können, um meine Miete zahlen zu können. Kann man mit solchen palliativen Maßnahmen arbeiten? Was bedeutet es, wenn sie einem sagen, man könne dann "seinem normalen Tagesablauf folgen"? Muß man liegen? Hat man Schmerzen?

Was soll ich tun? Vielleicht nach der Diagnose in 10 Tagen zur Uniklinik Essen wechseln? Die Uni Düsseldorf ist furchtbar. Ein riesiger wuselnder Ameisenhaufen. Ich empfinde mich dort als Nummer, nicht als Person. Aber vielleicht ist das überall so. Bzw. vielleicht ist das nicht wichtig, solange man mir dort helfen kann. Kann denn der Arzt so eine Diagnose überhaupt stellen, ohne Biopsie-Ergebnis?

Ich habe keinerlei Beschwerden, die auf so etwas deutlich hinweisen. Meine Blutwerte sind nicht sehr gut, aber auch nicht dramatisch. Ich leide nicht an Appetitlosigkeit, im Gegenteil: Ich wiege derzeit etwa 105 kg bei 1,87 m Größe.

Was mache ich nun?
  #2  
Alt 12.05.2010, 22:38
lyra lyra ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg, die Uni Düsseldorf ist sicher nicht schlecht, aber genau so ein wuselnder Betrieb wie die Uni Bonn- überlastete und genervte Assistenzärzte, die psychologisch diesem Leberkrebselend nicht gewachsen sind- und Patient und Angehörige werden letztendlich sich selbst überlassen. Grauenvoll, ich weiß, wovon ich rede.
Die Uni-Essen war meines Erachtens etwas besser, melde Dich für eine Zweitmeinung in der HCC-Ambulanz Dr. Hilgart/ Frau Dr. Ertle an 0201- 7233615.
Lass Dich informieren, was Du an Überweisungen mitbringen musst- alles andere werden die Leute in Essen in die Wege leiten.
Ich wünsche Dir alles Gute
Liebe Grüße
Lyra
  #3  
Alt 13.05.2010, 10:29
sissy sissy ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg!

Ich wünsche dir auch alles Gute und mögest du gut betreut werden.

Mein Mann hatte ein HCC auf Basis einer chronischen Hepatitis B, die man nie erkannt hat.
Bei ihm war zuerst "nur" ein kleiner Herd - den man mittels Radiofrequenztherapie weg brachte. Leider ist das HCC nach ca. 1 Jahr wiedergekommen. Leider auch, oder trotz ständiger Kontrolle, in einem Ausmaß, dass es nicht mehr operabel war.

Melde dich, wenn du Fragen hast, ich verstehe deine Ängste und Sorgen.

L. G.
Sissy
  #4  
Alt 13.05.2010, 13:09
GeorgK. GeorgK. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Ja, ich melde mich: MELD.
Entschuldigung, ich hatte schon immer einen eigenartigen Humor.

Nun habe ich eine Nacht darüber geschlafen. Tief und fest. Wenn ich schlafe, bin ich weg. Deshalb war mir das alles andere als unangenehm. Und seit heute morgen drehen sich meine Gedanken wieder. Mehr oder weniger im Kreis. Es ist ja Feiertag. Sowieso denken wohl die meisten, daß ich im KH liege und deshalb ruft auch keiner an. Ich habe mit meiner älteren Schwester noch einmal per Email kommuniziert und wir haben uns gegenseitig entschuldigt, daß wir gestern beide losgeheult haben. Ich habe ein furchbar schlechtes Gewissen, sie und auch meine Tochter, die mich heute noch besuchen kommt, zu sehr zu belasten.

Die Fragen, die mir durch den Kopf gehen, werden Euch wahrscheinlich völlig verblödet vorkommen. Aber mich beschäftigen sie äußerst. Alles,was ich im Netz über Leberkrebs und der Prognose der Lebenserwartung gefunden habe, kann wohl aufgrund der großen individuellen Unterschiede keine definitive Aussage machen, aber mir scheint, es geht so an die 6 Monate von der Entdeckung eines inoperablen, weil zu großen Leberkarzinoms bis zum Exitus.

Ich bin selbständig, lebe allein hier in meinem Betrieb in einem Raum, den ich mir privat eingerichtet habe vor rund 1,5 Jahren, als meine Frau sich von mir trennte. Für mich tatsächlich ein Optimum. Ich liebe meine Arbeit, lebe auch gern hier. Aber - wie absurd sich das liest und schreibt - man kann hier wohl nicht in Ruhe sterben. Wie sollte das gehen? Dazu kommt: Ich muß hier natürlich Miete bezahlen und nicht zu knapp. Die kommt durch die Arbeit normalerweise gut rein, aber wie lange werde ich noch arbeiten können? Konkrete Frage also: Wenn man von diesen 6 Monaten ausgeht: Wie lange bleibt man halbwegs bei Kräften. Ich fand nur "kann man seinem Tagesablauf nachgehen". Aber bedeutet das: Man kann im Bett liegen? Oder heißt es: Man kann (körperlich) arbeiten?

Ich muß doch irgendwie und irgendwo einen Platz finanzieren, an dem ich leben bzw. sterben kann.

Ich habe mir Informtionen über Dignitas besorgt im Netz, halte die aber für nicht koscher. Versteht mich bitte richtig: Ein solches Mittel hier zu haben, würde mir ganz einfach die Kraft geben, mich von Tag zu Tag zu hangeln. Ich wüßte, daß, wenn... könnte ich... Aber gefunden habe ich nichts. Jedenfalls nichts akzeptables. Ich weiß nicht, ob sie in den Niederlanden auch Deutsche als Patienten akzeptieren.

Kernfrage für mich ist: Wie lange habe ich noch in menschenwürdiger Form? Ja, genau das ist mein Kernding. Ich wollte immer ein selbstbestimmtes Leben führen und mag damit nicht zum Ende aufhören.

Ich habe gestern Nacht sehr viele Eurer Berichte gelesen. Mir scheint, Ihr seid alle Angehörige und Eure Berichte haben mich äußerst berührt. Ich möchte gern dieses Leiden von meiner Tochter weghalten, sie nicht damit belasten. Aber offen mit ihr reden. Auch hier: Ich verstehe Euer Kämpfen und bewundere es. Aber ich habe Panik davor, so zu leiden wie Eure kranken Angehörigen.

Im Moment versuche ich, mir vor Augen zu halten, daß es mir heute weder besser, noch schlechter geht als vorige Woche, als ich von diesem ganzen Mist noch nichts wußte. Ich habe mir heute morgen also wie sonst auch an Feiertagen ein Baguette-Brötchen gekauft und ein Croissants. Habe mit Appetit gegessen.

Ich weiß ehrlich nicht, ob ich hier richtig bin. Ihr habt soviele eigene Sorgen und Leiden...
  #5  
Alt 13.05.2010, 13:40
lyra lyra ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg,
doch Du bist schon richtig hier und Deine Fragen sind keineswegs verblödet. Auch wenn diese Fragen häufig gestellt werden- es geht immer um das Individuum und jetzt eben um Dich und Du musst mit dieser Situation ganz plötzlich umgehen.
Es ist natürlich schwierig, eine Aussage zu machen über die verbleibende Zeit, das hast Du ja selbst schon heraus bekommen. Aber irgendwann wirst Du- wenn man dem Krebs keinen Einhalt gebieten kann und auch eine Transplantation nicht möglich ist- zu schwach sein, um Dich selbst zu versorgen oder gar zu arbeiten.

Jetzt mal zu Deinen zusätzlichen Sorgen bezüglich der finanziellen Seite: wenn Du selbständig bist, bist Du doch auch krankenversichert und wirst Krankengeld beziehen (je nachdem, wie Du versichert bist, fällt es sicher unterschiedlich hoch aus). Davon kannst Du doch auch Deine Kosten bestreiten oder liege ich falsch?

Von Dignitas würde ich mal ganz schnell die Finger lassen, so einfach ist der Tod mit deren Cocktails auch nicht und Du würdest sie auch nicht locker mit nach Hause bekommen- wenn Du schon jetzt über Dein Ende nachdenkst (was ich persönlich sehr konsequent und mutig finde), befasse Dich lieber mit der Hospizbewegung. In Hospizen wird alles getan, um den Menschen ein würdiges Ende zu ermöglichen- insbesondere auch, was unnötigen Schmerz betrifft. Dafür kommt dann die Pflegeversicherung auf.

Nochmal:frag einfach drauflos, Du bist hier richtig und es wird einige geben, die Tips und Rat für Dich haben.

Liebe Grüße
Lyra
  #6  
Alt 13.05.2010, 13:51
sissy sissy ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg!
ich habe mal nachgeschauft, was du mit MELD und Dignitas meinst,
MELD - ist ja das Meldesystem, wegen ev. Transplantation, da hast du dich auch schon damit beschäftigt. Ich möchte dir dazu sagen, falls für dich ev. eine Transplantation in Frage käme, da musst du schnell sein, weil auch hier die Zeit davon läuft. Wird dann mal eine Pfortaderthrombose mit diagnostiziert, dann ist da auch nichts mehr möglich.
Von Dignitas würde ich auch die Finger lassen, da gibt es auch für dich sicherlich andere Anlaufstellen.
Wenn ich dir jetzt schreibe, dass mein Mann bis 1 Woche vor seinem Tod noch so viel gemacht hast, ich weiß nicht, wie du das jetzt aufnimmst.
Und deine Tochter da raus halten?? Meine (unsere) Tochter hat schon gewollt, dass sie daran teilnehmen darf, kann.

Ich wünsche dir so viel Kraft und Mut und Ausdauer und stelle deine Fragen und alles was dich beschäftigt.

Alles liebe

Sissy
  #7  
Alt 13.05.2010, 14:31
GeorgK. GeorgK. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Meine Bemerkung MELD sollte nur ein blöder Witz sein, weil jemand zuvor schrieb, ich solle mich melden, Bitte einfach vergessen.

Eine Transplantation kommt nicht mehr in Frage, da der Tumor zu groß ist. Im Moment klammere ich mich noch an den Fakt, daß die Biopsie ja erst morgen stattfindet und daß doch eigentlich nur anhand des pathologischen Befundes dieser Gewebeprobe gesagt werden, kann, daß es sich um einen bösartigen Tumor handelt, was für einer es ist und eine Einschätzung der zeitlichen Entwicklung gemacht werden kann (Wachstumsgeschwindigkeit). Wenn die Ärzte das alles jetzt schon so definitiv wüßten - wozu dann noch eine Biopsie?

Es ist kein Mut, wenn ich über einen Freitod nachdenke, es ist die nackte Angst, lange leiden zu müssen, starke Schmerzen zu haben.

Ich denke, ich suche genau das, was Ihr alle hier für Eure kranken Angehörigen sucht: Eine realistische Chance auf Überleben. Und wie bei Euch geht es mir auch: Ich suche und finde nichts. Nicht einmal eine Hoffnung. Und das verrückte dabei ist: Es geht mir ja jetzt überhaupt nicht schlecht. Mir ist vormittags ein bißchen übel. Ein bißchen schwindelig, ein bißchen unsicher beim Gehen. Ich bin körperlich nicht sehr belastbar. Aber alles das habe ich schon seit 2 Jahren, seit meinem Herzinfarkt damals. Es geht immer am späten Vormittag weg und dann geht es mir gut.

Diese Angst macht mir körperliche Symptome im Moment. Ich bin regelrecht starr, meine Hände und Arme prickeln. Ich bin einfach fassungslos.
  #8  
Alt 13.05.2010, 14:49
Kerstin N. Kerstin N. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg,

was du schreibst berührt mich zutiefst.

Da steckst du ja in einer sehr schweren Lage.

Wenn du selbstständig bist, bist du sicher privat krankenversichert, oder?

Da ich selber auch selbstständig bin, weiß ich wie schwierig da die finanzielle Lage sein kann.

Aber ich habe zum Glück meinen Mann an meiner Seite, der Angestellter eines großen Unternehmens ist.

Wenn du Hilfe und Rat brauchst, egal ob finanziell oder gesundheitlich, kannst du dich an den KID(Krebsinformationsdienst)wenden. Google einfach mal die Telefonnr.

Deine Familie solltest du aus deiner Krankheit nicht heraushalten. Das geht sie etwas an. Außerdem brauchst du die Hilfe deiner Familie, deiner Freunde.

Da ich Angehörige(bzw. Hinterbliebene)und Betroffene(war), spreche ich da aus Erfahrung.

Wir hatten eine Frau(42J.)im Bekanntenkreis, die vor ein paar Wochen an Leberkrebs gestorben ist. Sie hat bis zu ihrem Tode zu Hause gelebt. Es ging ihr (wohl auch wegen der Chemotherapie, die sie noch bekommen hat)nicht immer gut. Aber sie hat noch Vieles unternommen und am Anfang auch noch gearbeitet.

Was du jetzt mitmachst, welche Gefühle du Hast, deine Ängste und Sorgen, die kann niemand erfassen, allenfalls erahnen. Das ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Nur eines kann ich dir sagen: Mach´das nicht mit dir alleine ab! Laß dir helfen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten. Soziale Dienste z. B., kirchliche Einrichtungen, wie die Diakonie, die Caritas, den Hospizdienst usw.

Und vergiß diesen unsäglichen Sterbehilfeverein. Das ist ja furchtbar.

Schreib hier weiter und tausch dich mit den Leuten aus. Auch wenn viele hier Angehörige sind. Wir stehen dir gerne zur Seite und hören dir zu.

Ich schicke dir eine virtuelle Umarmung!

Viele Grüße
Kerstin
  #9  
Alt 13.05.2010, 19:17
GeorgK. GeorgK. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Hallo Kerstin,
nein, ich bin pflichtversichert. Das habe ich vor rund 20 Jahren gerade noch hinbekommen, als wir noch als Familie zusammenwohnten und die Kinder klein waren.

Gerade ist meine Tochter mit ihrem Freund wieder abgefahren, die mich besucht haben. Sie studiert in einer anderen Stadt, braucht noch 2 Semester bis zu ihrem Master. Den Freund habe ich heute erst kennengelernt, sie sind wohl seit rund einem halben Jahr ein Paar. Ein guter Junge, denke ich. Der Besuch war wirklich sehr schön. Wir haben nur die ersten 15 Minuten ruhig und sachlich über meine Situation gesprochen. Und die restliche Zeit habe ich dem Jungen meinen Betrieb gezeigt und erklärt. Er kann sich ja nicht wehren, mußte Interesse heucheln (harr, harr...). Nein, aber er ist, glaube ich, wirklich in Ordnung. Eine Sorge weniger. Meine Tochter und ich sind uns sehr ähnlich. Sie sagt immer "Papa und ich sind wie eine einzige Münzen - halt die beiden Seiten davon.) Hört Papa natürlich gern.

Ich habe eine PDF-Studie im Netz gefunden mit über 100 Seiten, wo die Klassifizierungen von Tumoren der Leber u.a. erläutert wird. Tatsache ist: Die Größe von dem Ding bringt nach dieser Klassifizierung Negativpunkte ein, ansonsten habe ich die dort im Zusammenhang genannten Blutwerte überhaupt nicht. Im Moment glaube ich das alles einfach nicht. Wozu machen sie eine Biopsie, wenn sie vorher, nach einer normalen Sono ohne Kontrastmittel so zielsicher sagen: Primär Karzinom? Und ich habe lange mit meinem Betriebsnachbarn und Freund gesprochen. Sein Vater hat seit 30 Jahren Morbus Croon, ihm haben die Ärzte schon dreimal gesagt, er hätte jetzt noch ein halbes Jahr. Niemand weiß im Moment, was es ist. Und auch, wenn es das schlimmstdenkbare ist, dann werde ich nicht tot umfallen, sobald ich die Diagnose in Händen halte. Im Moment geht es mir gut, ich habe gerade mit Genuß und Appetit zwei Baguette-Brötchenhälften mit geräuchterter Forelle gegessen.

Morgen früh fahre ich in die Uniklinik, lasse die Sono mit Kontrastmitteln machen und dann sollen sie mir über die Biopsie die Probe entnehmen und sie untersuchen. Ich werde dort bleiben bis Samstagvormittag und dann nach Hause fahren. Und dann halt auf das Ergebnis warten. Ich stecke den Kopf nicht in den Sand, versuche aber, mich nicht verrückt zu machen.

Im Moment geht es mir psychisch sehr gut. Physisch auch. Also was will ich mehr?

Vielen Dank für's zu"hören". Ich werde in jedem Fall weiter berichten. Ich habe gesehen, wie meine Tochter mich anschaute. Diese Mischung aus Hoffnung machend und Verzweiflung. Ich glaube, ich weiß, was Ihr als Angehörige durchmacht.

Georg
  #10  
Alt 13.05.2010, 19:57
lyra lyra ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg, auch wenn Du pflichtversichert bist, bekommst Du doch Krankengeld? Meines Wissens 80% des vorherigen Verdienstes.
Lass mal morgen in Ruhe die Untersuchungen machen und überlege dann erst weiter.
Ich drücke Dir die Daumen und das soll jetzt wirklich nicht makaber klingen- ich habe meinen Humor während der Erkrankung meines Mannes, der übrigens auch eine alte nie erkannte Hep. C hatte, auch nie verloren- möge alles erträglich für Dich ausgehen.

Liebe Grüße
Lyra
  #11  
Alt 13.05.2010, 23:52
Kerstin N. Kerstin N. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Hallo Georg,

es klingt gut was du schreibst. Das Bild mit den zwei Seiten der Münze gefällt mir.

Ich kann mich Lyra nur anschließen: laß erst mal alle anliegenden Untersuchungen machen. Das elende Abwarten auf die Untersuchungsergebnisse ist doof, aber unumgänglich.
Ich weiß noch wie das bei mir war. Ist schon was her, ging auch alles gut für mich aus, aber so in der Schwebe zu hängen, macht einen mürbe.

Ich habe übrigens auch eine erwachsene Tochter, die gerade einen neuen Freund hat.

Als ich vor über zwanzig Jahren einen Knochentumor hatte, war sie gerade etwas über ein Jahr alt.

Es ist gut, daß du in der gesetzlichen Kasse bist. Wie das mit dem Krankengeld, weiß ich nicht. Da würde ich bald mal nach erkundigen.

Ich wünsche dir eine gute Nacht und schicke liebe Grüße.

Kerstin
  #12  
Alt 14.05.2010, 07:10
GeorgK. GeorgK. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Guten Morgen,
nein, ich bekomme keinerlei Krankengeld. Das hatte ich schon vor zwei Jahren abgeklärt, als ich aufgrund eines Herzinfarktes ein paar Monate ausfiel. Die Dame vom Sozialdienst sagte damals "Aber Sie sind durch ALG II abgesichert." Joh.

Ich bekomme die Situation morgens nicht in den Griff. Ich habe solche Panik, daß meine Unterarme ganz taub sind.

In einer Stunde muß ich los. Ich habe jetzt zwei Tage lang intensiv im Internet gesucht, um zu verstehen, wie sie dort in der Uniklinik nur aufgrund einer Sono ohne Kontrastmittel zu dem Schluß kommen, daß es ein Primäres Karzinom ist, das inoperabel ist. Wozu brauchen sie dann noch eine Biopsie? Aber sie würden das wohl kaum so definitiv behaupten, wenn sie sich nicht sehr sicher wären. Und wenn die Diagnose stimmt, wovon ich ausgehen muß, dann konnte ich bisher nichts finden im Netz, was mir "noch ein paar halbwegs gute Jahre geben würde".

Ich muß fragen, ob es möglich ist, mir irgendetwas zu geben, so daß ich morgens funktioniere, was mir die Panik nimmt. Ich will mich nicht volldröhnen, aber wenn ich nicht mehr funktioniere, dann kann ich meine Existenz hier nicht halten, so klein die ist.

Wenn stimmt, was sie mir sagen, bin ich Samstagnachmittag wieder hier zu Hause.

Bis dahin...
Dake für Eure geduldigen Kommentare.

Georg
  #13  
Alt 14.05.2010, 09:35
Kerstin N. Kerstin N. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg,

ich drück´dir die Daumen, daß du schnell wieder zu Hause bist.

Für deine Panikanfälle kann ich dir nur den Tipp geben, es mit deinen Ärzten zu besprechen und dir so schnell wie möglich psychologischen Beistand zu holen. Mach´das nicht alleine mit dir ab.

Das habe ich stets so gehalten. Mir ging es damit immer schlechter. So funktioniert das nicht.

Ich sag´dann mal bis Sonntag. Meld´dich dann!

Gruß Kerstin
  #14  
Alt 16.05.2010, 16:29
GeorgK. GeorgK. ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Guten Tag,
bitte versteht nachfolgenden Link als Zeichen meines Dankes für Eure mitfühlenden Worte und Gedanken. Und auch als Zeichen meines Vertrauens:

http://www.preussen-blog.de/mnr-klin...dusseldorf/386

Mit sehr freundlichem Gruß

Georg
  #15  
Alt 16.05.2010, 19:40
sissy sissy ist offline
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Standard AW: Meine Diagnose

Lieber Georg!

Danke für deine Offenheit und dein Vertrauen.
Du bist sehr mutig und das wird dir sicher zugute kommen in deinem weiteren Leben.
Und, gut, dass du andere daran teilhaben lässt.

Viel Glück und Kraft und alles Gute und Liebe


Sissy
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