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Alt 18.02.2011, 21:12
Birdie Birdie ist offline
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Standard INFO: Misteltherapie beim Nierenzellkarzinom

Aufgrund der aktuellen und immer wieder aufkommenden Diskussionen habe ich ein paar Bücher gewälzt und Rücksprachen gehalten und stelle hiermit gerne ein paar Information zur Mistelbehandlung beim Nierenzellkarzinom zur Verfügung.

Das wichtigste vorab – weitere Erklärungen folgen:

Unter der Misteltherapie kann es bei bestimmten malignen Erkrankungen zu einer Stimulation der Tumorzellen kommen – die Stimulation erfolgt durch Interleukin-6.
Zu diesen malignen Erkrankungen gehören neben dem Nierenzellkarzinom auch noch Leukämien, Melanome und Lymphome.

Das bedeutet, dass bei diesen Tumoren die Mistel auf keinen Fall eingesetzt werden sollte!

Kurzgefasst:
• Inhaltsstoffe der Mistel sind u.a.: Viscotoxine, Lektine, Polysaccharide, Flavoide, Triterpene und Polypeptide.

• Die Mistel enthält 3 Lektine, von denen hauptsächlich das Lektin Viscum-album-Aggulitin 1 wirksam ist.
In vitro setzt dieses Mistellektin 1 verschiedene Zytokine wie Interleukin-1, -6, 10, -12, Interferon-α , -γ, GM,-CFS, Rantes und TNF- α frei.

• Bei Gabe der Mistel wird also u.a. Interleukin-6 freigesetzt/angereichert.

Interleukin-6 ist bei der Tumorentstehung beim Nierenzellkarzinom involviert - hat also zumindest für das Nierenzellkarzinom eine wachstumsstimulierende Funktion.

• Beim Menschen geht eine rasche Tumorprogression unter der Misteltherapie mit einem hohen Interleukin-6 Serumspiegel einher.

• Im Reagenzglas sind bestimmte Tumorzellen bei Gabe von Mistelextrakt gestorben – JEDOCH NICHT BEIM NIERENZELLKAZINOM

• Es liegen Untersuchungen vor, die für einige andere Tumorarten im Laborexperiment eine wachstumsfördernde Wirkung zeigten.


• Kritikpunkte an bisher durchgeführten Studien an erkrankten Patienten sind
o zu geringe Patientenzahlen
o Studien, die wissenschaftlichen Kriterien nicht genügen

• Bei der Mistel werden 3 verschiedene Wirkmechanismen diskutiert:
o Aktivierung des Immunsystems
o direkte antitumorale Wirkung
o Endorphinausschüttung (Endorphin = Eiweißstoff, der auch schmerzstillend wirken kann)

• Oft wird eine Verbesserung der Lebensqualität unter der Misteltherapie beschrieben – es wird vermutet, dass das mit der Erhöhung des Endorphinspiegels zusammenhängt.

• Übrigens - die Mistel erfreut sich nur im deutschsprachigen Raum so großer Beliebtheit. In den USA z.B. ist der Einsatz in der Krebstherapie NICHT erlaubt

Einsatz der Mistel in Kombination mit Tyrosinkinase-inhibitoren:
Wie eine andere Nutzerin dieses Forums ja schon geschrieben hat, werden alle Tyrosinkinase-inhibitoren (beim Nierenzellkarzinom Sunitinb, Sorafenib, Pazopanib) wie alle -ibs, über Cytochrom P450 3A4 verstoffwechselt, wie auch sehr viele natürliche Substanzen. In diesem Zusammenhang nenne ich noch einmal die Grapefruit.
Dieses nur als Beispiel, dass auch pflanzliche Mittel (wie beispielsweise die Grapefruit) die Wirkung eines Medikaments abschwächen, ganz aufheben oder auch verstärken.

Nach Rücksprache mit Fr. Dr. Hübner auf einem im Januar stattgefunden Symposium über komplementäre Onkologie betonte Sie eindringlich die Mistel bei Nierenzellkarzinom nicht zu verwenden.

Im Gegensatz zu dem antroposophischen Konzept die Misteltherapie grundsätzlich in eine Krebstherapie zu integrieren sprach sich eine auf dem Symposium anwesende anthroposophische Ärztin (Dr. Wolf - erst schulmedizinisches, dann anthroposophische Studium) gegen den Einsatz der Mistel beim Nierenzellkarzinom aus.

Anbei die für das Nierenzellkarzinom relevantesten Mistel Studien:
- An meist kleinen Probandengruppen wurde die Wirkung eines Mistelextraktes auf verschiedene Zellen des Immunsystems überprüft. So führt die Gabe von Mistellektin zu einem deutlichen Anstieg von Interferon γ und Interleukin 4 und 6, TNF ß und GM-CSF. Monozyten, Eosinophile und Granulozyten nehmen zu. (Stein 1998, Huber 2002)

- Stein, G., et al. "Modulation of the cellular and humoral immune responses of tumor patients by mistletoe therapy." Eur.J.Med.Res. 3.4 (1998): 194-202.

- Huber, R., et al. "Effects of a lectin- and a viscotoxin-rich mistletoe preparation on clinical and hematologic parameters: a placebo-controlled evaluation in healthy subjects." J.Altern.Complement Med. 8.6 (2002): 857-66

- Interleukin 6 hat zumindest für einige Tumorarten wachstumsstimulierende Funktionen (Lymphome, fortgeschrittene Melanome und Nierenzell-Karzinome). (Thies 2005)

- Thies A et al., Influence of mistletoe lectins and cytokines induced by them on cell proliferation of human melanoma cells in vitro, Toxicology, 2005, Feb. 1, 207(1):105-16

Quellen:
Komplementäre Onkologie – Dr. Jutta Hübner – ISBN: 987-3-7945-2586-7
Aloe, Ginko, Mistel & Co. – Dr. Jutta Hübner – ISBN: 987-3-7945-2691-8

Frau Dr. Hübner ist Ärztliche Leiterin der Komplementären Onkologie Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Komplementäre Onkologie an der Uniklinik Frankfurt

Frau Dr. med. Ursula Wolf ist gehört zur Fakulatät „Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin“ der Universität Bern.
Das Institut an der Uniklinik Bern

Hilfreich ist hierbei vielleicht noch der Link zur Misteltherapie von der Habichtswaldklinik, die wissenschaftliche und komplementäre Medizin
zu einer Ganzheitsmedizin verbindet.
http://www.habichtswaldklinik.de/Onk...ltherapie.html

Zitat:
"Aus Labor- und Tierexperimenten wurde berichtet, dass die durch die Misteltherapie geförderte Ausschüttung von Botenstoffen (Zytokinen) das Wachstum von Tumorzellen fördern könne. Die Ergebnisse verschiedener Versuche sind an diesem Punkt widersprüchlich. Eine neue Untersuchung an malignen Zellen des Immunsystems (Lymphome und Leukämien) zeigt, dass eine Förderung der Tumorzellen nachweisbar ist.

Bei diesen Erkrankungen, beim Melanom und auch beim Nierenzellkrebs ist deshalb von einer Misteltherapie abzuraten ist."

Im Gegensatz zu den obigen Ausführung gibt die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. in Ihrem Informationsmaterial über die Mistel an, dass "generell die Misteltherapie bei allen soliden Tumoren (Karzinome, Sarkome, Melanome) wirksam ist , unabhängig von Lokalität und Histologie. Zurückhaltung
ist bei der Behandlung von Hämoblastosen (Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems ohne Bildung solider Tumoren) angezeigt."

Jedoch wird auch hier ein Hinweis gegeben: "Bei Leukämien und Lymphomen, besonders bei akuten Formen sollte eine Misteltherapie nur äußerst vorsichtig eingesetzt werden."

Das Nierenzellkarzinom wird an dieser Stelle nicht genannt.
Bei Lymphomen wird allerdings - wie beim Nierenzellkarzinom - das Wachstum über Interleukin-6 stimuliert.

Bitte zieht eure eigenen Rückschlüsse und genießt alles mit Vorsicht und klärt UNBEDINGT VOR einer Einnahme noch einmal ab, ob es Interaktionen gibt

Diese Zusammenfassung habe ich nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt - für weiterreichende Literatur bin ich offen und werde den Thread jederzeit erweitern.

Ich hoffe, dass ich dazu beigetragen habe, dass ihr euch eure eigene Meinung diesbezüglich bildet.

Geändert von gitti2002 (07.04.2015 um 15:06 Uhr) Grund: Links erneuert
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