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  #1  
Alt 02.01.2007, 12:13
Benutzerbild von Vanilla
Vanilla Vanilla ist offline
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Standard Wie geht ihr damit um?

Liebe Frauen,

ich hoffe, ich darf dieses Thema hier ansprechen und stecke niemanden mit meiner momentanen Traurigkeit an.

Wie geht ihr damit um, wenn ihr erfahrt, dass wieder eine Frau ins Regenbogenland gereist ist?

In unserem Bekanntenkreis mußte im Sommer eine junge Frau mi 37 Jahren gehen. Sie hat lange gegen den Brustkrebs gekämpft...vergeblich. Nun saßen ihre beiden Mädchen das erste Mal ohne ihre Mama an der von Freunden ausgerichteten Silvestertafel. Es war eine schöne Party, trotzdem blieb bei mir dieses bedrückende Gefühl.

Im Herbst starb die Mama eines 7 jährigen Jungen, der in die gleiche Grundschule geht wie mein Jüngster...Brustkrebs.

Es zerreißt mir das Herz, wenn ich an meine Kinder denke. Ich muß solange durchhalten, bis sie auf eigenen Füßen stehen können. Das ist mein großes Ziel. Alles, was danach an Zeit noch bleibt, ist bonus. Ich hoffe, die Eine oder Andere kann mich ein bißchen verstehen.

Natürlich kämpfe ich auch für mich und ich glaube fest daran,dass ich dem Krebs den Mittelfinger zeigen werde...für immer.
Trotzdem weiß ich nicht, wie ich mit solchen Schicksalen umgehen soll und die Sorge erdrückt mich dann manchmal fast.

Ach mensch...

Liebe Grüße

Claudia

Geändert von Vanilla (02.01.2007 um 12:16 Uhr)
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  #2  
Alt 02.01.2007, 12:22
sanne_47_HH sanne_47_HH ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

liebe claudia,

ich denke der umgang mit diesem thema ist für fast alle heutigen menschen sehr schwer.
ich bin von beruf krankenschwester und musste das recht früh und schnell lernen.
sterben in jedem alter gehört einfach zum leben mit dazu, auch wenn es in unserer gesellschaft gerne geleugnet wird. es gibt in solchen situationen keine verhaltensregeln oder sinnvolle worte. das ist von mensch zu mensch unterschiedlich. gefühle wie hilflosigkeit, wut, verzweiflung, etc. gehören alle mit dazu, auch wenn sich das für uns sehr ungewohnt anfühlt.
in früheren zeiten war schon kinder der umgang mit solchen situationen nicht so unvertraut wie uns, da in einer grossfamilie das sterben zum alltag gehört hat. in unserer zeit wird sterben und krank sein verdrängt und versteckt und wir müssen erst mühsam und schmerzhaft lernen dass dies alles eben auch zum leben gehört und wie man damit umgehen kann.
ich glaube für manche menschen sind selbsthilfe- oder betroffenen-gruppen ganz sinnvoll, um zu erkennen dass sie mit all diesen schwierigkeiten nicht alleine sind.
ich wünsche dir viel kraft.

lg aus hamburg
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  #3  
Alt 02.01.2007, 15:52
Benutzerbild von Claudia C.
Claudia C. Claudia C. ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Liebe Namensvetterin :-)

wenn nicht hier, wo dann können und sollen solche Gedanken ausgesprochen werden.

Ich habe es glücklicherweise noch nicht erleben müssen, dass eine Frau mit BK gehen musste, die ich kannte.
Aber ich kann Deine Gedanken sehr gut verstehen, denn ich habe auch ein Kind, einen Sohn, der im Sommer erst (schon?!) 5 wird. Ich glaube herauszulesen, dass Dir nicht der Tod als solcher Angst macht, sondern die ganz besondere Situation, wenn ein Elternteil - und eben ganz speziell eine Mutter - ihre Kinder zurücklassen muss...? Auch wenn man die Kinder noch so gut versorgt weiß, kann allein der Gedanke daran sehr schmerzhaft sein, dass sie leiden können durch diesen Verlust.

Habe grade am Wochenende mit meiner Schwägerin über dieses Thema geredet, so ganz allgemein, nicht weil mich diese Ängste grade plagen. Natürlich will auch ich noch gerne weiterleben (und werde es auch tun, davon mal ganz abgesehen! :-)), aber wenn ich tot wäre, dann wäre es eben so und ich selbst bekäme es am allerwenigsten mit. Was mich aber sehr traurig machen würde ist die Vorstellung, dass mein Kind mich als Mama verlieren würde. Und dass er diese Erfahrung als Kind machen müsste. Es ist was anderes, wenn man später als Erwachsener ein Elternteil verliert, auch schmerzhaft, aber anders und man kann das Ganze nicht nur emotional besser verarbeiten, sondern auch drüber reden, wenn's sein muss. Habe meinen Vater vor fast 1,5 Jahren verloren.

Es tut gut, hab ich gemerkt, solche Gedanken und Gefühle auch mal zuzulassen und drüber zu reden. Habe ich auch mit meinem Mann getan, obwohl nun wirklich erst mal überhaupt kein Anlass besteht, dass ich so bald gehe...Erstdiagnose im Mai, keine Metastasen. Trotzdem kommen solche Gedanken. Nur sollten man sich nicht von ihnen überrollen lassen, das ist nicht gut. Das tust Du wahrscheinlich auch nicht.
Aber ruhig mal ansprechen, wie es um Deine Gefühle steht.

Mir hat es z.B. unheimlich gut getan, mit meinem Mann mal über das Thema zu reden, dass es für mich schlimm wäre, zu befürchten, dass alles über ihn und unsern Sohn hinwegbrechen würde. Vielleicht würde es das erst mal, keine Ahnung, da steckt niemand drin, kann man auch nicht üben... Aber, und das war in gewisser Weise beruhigend, wir haben uns dann beide 'versichert', dass wir beide noch jung gesund sind, um uns noch mal zu binden, wenn einem von uns was passiert. Auch ganz unabhängig von meiner Erkrankung, denn jeden Tag kann's einen treffen...Danach haben wir sogar drüber gewitzelt. Naja, das klingt vielleicht blöd, aber es gibt ja auch Paare, die sich "ewige Treue" (über den Tod hinaus) schwören und dann vielleicht in emotionale Bedrängnis geraten. Hat mir meine Therapeutin mal erzählt.

Ich möchte meinem Sohn noch so viel geben - und natürlich ihn auch sich entwickeln sehen, Schule, Freundschaften, Verliebtsein... - und hab schon gedacht, ob ich alles mal aufschreibe? Andererseits erscheint mir das auch nicht ganz richtig, so als ob ich mit meinem Ableben rechne.

Zum Glück bleibt immer noch genug Zeit, um solche Dinge anzugehen, wenn es wirklich mal irgendwann sein sollte.

Ansonsten hoffe auch ich ganz stark, dass meine neoadjuvante Therapie dem Krebs den Rest gegeben hat! OP hab ich erst Mitte Februar etwa.

Wie alt sind Deine Kinder denn? Wie geht es Dir?

Ich schicke Dir ganz viele liebe Grüße aus Darmstadt

Claudia

Erstdiagnose: 05/2006, T1c, positive Hormonrezeptoren, HER2/neu 3+, neoadj. Chemo in der GeparQuattro Studie (Arm C) bis Ende Januar 2007, dann OP.
Alter: 42
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  #4  
Alt 02.01.2007, 16:22
Benutzerbild von Vanilla
Vanilla Vanilla ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Liebe Sanne, liebe Claudia,

ich danke euch für eure behutsamen Worte.

Meine Kinder sind 9 und 13 und ich bin alleinerziehende Mama. Das ist wohl mein größtes seelisches Problem. Es käme einer Katastrophe gleich, wenn meine Jungs bei ihrem leiblichen Vater aufwachsen müssten. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
Ich habe zwar einen lieben Lebensgefährten, der mit uns durch dick und dünn geht, alles für meine Zwei tut, aber er ist eben nicht der Vater.

Das ist es, was mich in solchen Momenten so sehr belastet. Meist schiebe ich es von mir und sage:" Hey...du hast im Moment keinen Grund für solch trübsinnige Gedanken!"
Meine Prognose ist zwar nicht die beste, aber da pfeif ich drauf. Meine Diagnose ist jetzt 16 Monate her und es geht mir gut.

Meine Kinder mussten in ihrem jungen Leben schon so viel aushalten. Trotzdem sind es zwei so tolle Jungs, die mir nur Freude bereiten (naja, Thema Zimmer aufräumen mal augeklammert )
Ich wünsche mir einfach, dass sie sorglos zu jungen Männern heranwachsen können und ich sie dabei begleiten darf, für sie dasein kann.

Wenn dann solch schlimme Dinge um mich herum geschehen, kreisen meine Gedanken wochenlang um dieses Thema.

Ich hoffe, es wird mit der Zeit besser.

Liebe Grüße aus Thüringen!

Claudia

Geändert von Vanilla (02.01.2007 um 16:24 Uhr)
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  #5  
Alt 02.01.2007, 20:51
sanne_47_HH sanne_47_HH ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

liebe claudia,

da muss ich gleich nochmal schreiben.
"Meine Kinder mussten in ihrem jungen Leben schon so viel aushalten. Trotzdem sind es zwei so tolle Jungs, die mir nur Freude bereiten "

vielleicht solltest du das wort "trotzdem" geistig da wieder raus nehmen.
deine kinder wachsen genau so auf wie das leben eben ist. nicht immer gerecht, selten verständlich, manchmal schmerzhaft..........
ich glaube sorglosigkeit ist nicht unbedingt wirklich dein erziehungsziel. dir sind doch selbstbewußtsein, gerechtigkeitssinn, ehrlichkeit, einfühlungsvermögen......etc. mit sicherheit sehr viel wichtiger.
ich bin feste davon überzeugt, dass der umgang mit kranken, nicht hundert prozent funktionsfähigen menschen, gar nicht früh genug gelernt werden kann. also mein sohn wurde mit all diesen dingen schon lange vor meiner diagnose konfrontiert. (durch meinen beruf als krankenschwester) er hat früh schlimme dinge gesehen und gehört. durch offenen umgang und viel reden, hat er damit gelernt klar zu kommen. er ist nicht irritiert wenn behinderte in den bus steigen. er sieht nicht weg wenn auf der strasse jemand stürzt. er weiß das krankheit und tod ein fester bestandteil des lebens sind und das kann nicht schlecht sein zu lernen.

lieben gruss
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  #6  
Alt 02.01.2007, 22:27
Anke66 Anke66 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Liebe Claudia!

Das war einer meiner ersten Gedanken, als ich die Diagnose Brustkrebs bekommen habe: Und meine Kinder? Sie sind 6 und 14 Jahre alt und die Vorstellung, dass sie ohne mich leben müssen, zerreißt mir fast das Herz.

Auch ich habe mir gedacht, ich muss durchhalten, bis auch der Jüngere erwachsen und aus dem Haus ist. Alles Weitere ist Luxus.

Ich habe auch mit meinem Mann darüber gesprochen, dass er doch, wenn ich sterben sollte, möglichst nicht alleine bleiben sollte.

Obwohl ich nicht vorhabe, in absehbarer Zeit zu sterben, ist es eben ein wichtiges Thema für mich geworden und ich will es nicht verdrängen. Aber wenn es mich zu überwältigen droht, schiebe ich es zur Seite, denn dann bekomme ich das Gefühl, in dieser Traurigkeit zu ertrinken. Und das bringt dann mir nichts und meinen Kindern schon gar nichts.

Vielen Dank, dass Du dieses Thema angesprochen hast, denn ich denke, dass doch einige hier gleiche oder ähnliche Gedanken haben.

Viele liebe Grüße
Anke
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  #7  
Alt 03.01.2007, 08:23
Brigitte2 Brigitte2 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo zusammen,
das ist eine interessante Diskussion. Allerdings glaube ich, dass man gerade diese Krankheit als Chance nutzen sollte, diese Themen anzusprechen und zwar im familiären Umkreis. Das hat nichts damit zu tun, dass man denkt, man würde bald sterben. Man kann nicht nur an BK sterben. Da hat man vielleicht noch Zeit alles zu regeln. Aber da tun es auch viele nicht, weil man ja die Hoffnung nicht aufgeben will. Für jeden von uns kann das Leben morgen zu Ende sein. Und dann? Sprecht mit Verwandten und Bekannten, regelt eventuelle Vormundschaften und haltet es schriftlich fest. Wenn die Kinder volljährig sind, ist es ja dann egal.
Eine Bekannte, die BK hatte und wusste, dass sie sterben würde, ist mit ihrem Mann nach Holland gefahren und da haben die zwei über alles gesprochen, auch über Partnerschaften und wie es mit der Tochter, die damals 12 war, weitergehen soll. Diese Gespräche sind wichtig und man ist es den Kindern schuldig. Jede Mutter möchte so lange wie möglich bei ihren Kindern bleiben, aber wenn es nicht geht, sollte jede Mutter es so geregelt haben, dass die Kinder am besten versorgt sind.
Ich wünsche Euch alles Gute und dass Ihr die ganzen Verfügungen nicht braucht.
LG
Brigitte
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  #8  
Alt 03.01.2007, 11:07
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Vanilla Vanilla ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Ihr Lieben,

es tut so gut, hier darüber reden zu können. Vielleicht ist es ja der erste Schritt dazu, es auch mit meiner Familie zu können. Es fällt mir so unsagbar schwer, da ich nicht weiß, wie ich was regeln könnte/sollte. Ich müßte die Kinder fragen und das schaffe ich nicht. Sie haben sich gerade so von dem Schock meiner Krebserkrankung erholt, nicht ohne Narben auf ihren kleinen Seelen. Ich merke das so oft. Und da soll ich sie fragen, wie es weiter gehen soll, wenn ich sterben müßte? Ich weiß es ja selbst nicht!

Und ja...ich möchte meinen Kindern eine sorglose Kindheit schenken. Das heißt nicht, dass ihnen die anderen von Sanne genannten Eigenschaften fehlen. Gerade die werden ihnen von außen immer wieder bestätigt, was sicherlich mit den Erfahrungen zusammenhägt, die sie leider, und ich schreibe bewußt leider, in den letzten Jahren machen mußten.

Mir geht es wie Susanne, auch ich tu mich so schwer damit, allen Eventualitäten ins Auge zu sehen. Ich fühle mich oftmals wie zerrissen, ich möchte darüber reden aber auch wieder nicht. Eigentlich überhaupt nicht! Und dann wieder doch! Die Sorgen sind da und lassen sich nicht so leicht verscheuchen.

Ich wünsche euch allen von Herzen, dass ihr als tatterige Oma auf der Hochzeit eurer Enkel feiert!

Liebe Grüße

Claudia
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  #9  
Alt 03.01.2007, 21:03
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Sunpower77 Sunpower77 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Liebe Claudia,

du schreibst hier über ein Thema, dass in mir schon lange brodelt, aber über das Nachzudenken ich vermeide. Nichtzuletzt auch deshalb, weil meine Umwelt ganz furchtbar wütend auf solche Gedanken meinerseits reagiert. Man will einfach nichts davon hören. Gut, dann spielt man eben nach Aussen die Starke, Positive. Aber ganz innen drinnen bin ich furchtbar schwach und ängstlich. Wenn ich mir vorstelle, was alles den Bach runtergeht, wenn ich gehen muss - ich könnte in Heulkrämpfe ausbrechen. Wir haben eine wunderbare Patchworkfamilie, meine Großen müssten dann zu ihrem Vater, der seit Jahren kein Interesse an ihnen zeigt. Mein Mann hätte eine 12 und eine 4 jährige zu versorgen, wo er doch arbeiten muss. Meine 3 Golden Retriever müssten abgegeben werden, weil niemand sich mehr um sie kümmern könnte/wollte. Ich würde mich im Grabe umdrehen!!! Wenn ich mir vorstelle, mein Mann würde schnell wieder eine neue Partnerschaft eingehen, die Frau würde meine Kinder großziehen, meine Stelle einnehmen, dann wird mir wirklich schlecht. Nein diese Gedanken kann ich nicht ertragen - jetzt noch nicht.
Ich habe ganz im Anfang nach der Diagnose meine Beisetzung geplant und meine Anweisungen aufgeschrieben, das ist mir schon sehr sehr schwergefallen, aber ich hab mich durchgerungen, weil es mir auch wichtig war.

Aber im Moment kann und will ich mich mit dem Thema Tod einfach nicht auseinandersetzen, obwohl die Gedanken immer da sind.
__________________
LG

Pia


*Streite nie mit einem Dummen - dazu musst du auf sein Niveau herab und dort schlägt er dich mit seiner Erfahrung*
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  #10  
Alt 03.01.2007, 22:50
Ele50 Ele50 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Hallo zusammen,
mir geht es wie Sunpower. Hier wird über ein Thema geschrieben, dass mich seit meiner Diagnose beschäftigt, obwohl ich noch gar nicht weiß, wie meine Prognose aussieht, weil ich erst nächste Woche operiert werde. Auch meine Umwelt reagiert eigentlich so mit dem Standardsatz "Das wird schon wieder. BK ist heute kein Todesurteil mehr". Man will einfach nichts davon hören und es bleibt einem nichts anderes übrig, als nach Aussen die Starke, Positive zu spielen. Aber eigentlich habe ich nur ganz furchtbare Angst, wenn ich mir vorstelle, was aus meinem Sohn wird, wenn ich gehen muss - ich könnte nur noch heulen. Auch ich bin allein erziehend und die Vorstellung, dass mein Sohn bei seinem Vater groß wird, ist einfach nur furchtbar. Aber eine andere Alternative gibt es eigentlich nicht.
Im Moment ist einfach alles nur furchtbar, ich wünsche mir nur, dass ich nach der OP und dem Befund alles wieder etwas optimistischer sehen kann.
Ele
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  #11  
Alt 04.01.2007, 00:07
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Vanilla Vanilla ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Liebe Pia, liebe Ele,

ihr habt mit Worten genau das ausgedrückt, was auch ich empfinde.

Ja, die Starke, die Positive...nach außen! Meine Familie hat mehr als einmal gesagt, dass sie sich an meiner Stärke aufgerichtet haben.

Auch ich möchte nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn...trotzdem sind diese Gedanken da. Und dass ich vom Vater meiner Kinder getrennt bin, macht es nicht unbedingt leichter. Auch er kümmert sich so gut wie gar nicht um seine Söhne, zahlt keinen Unterhalt und auch nach meiner Erkrankung hat sich daran nichts geändert. Da habe ich in Bezug auf die Kinder keinerlei Unterstützung zu erwarten. Ich habe es vor einiger Zeit telefonisch einmal angesprochen, dass ich es schön fände, wenn er sich ein kleines bißchen mehr für seine Jungs interessieren würde, sie vielleicht auch mal anruft. Fragt, wie es ihnen geht. Da kommt gar nichts. Und das bereitet mir solch große Sorgen. Wie Pia schreibt...es brodelt...in Ansätzen versuche ich Lösungen zu finden...doch ich vermeide das wirkliche Nachdenken.

Ich wünsche euch eine gute Nacht!

Claudia
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  #12  
Alt 06.01.2007, 00:17
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Amba Amba ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Ihr Lieben alle,
danke für das Thema! Ich finde, das ist noch das Beste am Krebs: daß man/frau sich wirklich mit Tod und Leben auseinandersetzt!

Ich hatte nach meiner Diagnose in 4/05 (hatte jetzt wieder ein Lokal-Rezidiv) Phasen mit heftiger Todesangst! Meine jüngste Tochter ist 13 (meine Große schon 21), da will ich natürlich noch nicht "abtreten".....und in diesen Phasen passierte eigentlich immer das Gleiche: nach kurzer Zeit wurde mir immer das Irreale dieser Angst bewußt!

Schließlich könnte ich vom Tag meiner Geburt an Todesangst haben, denn nichts ist so sicher, wie die Tatsache, daß ich sterblich bin! Ich könnte täglich sterben! Soll ich da täglich Angst vor haben? Ich kann "nur" das Leben, das ich habe, leben. Und das so gut es geht!

Blöd finde ich natürlich, wenn man alle möglichen Leiden (wie z.B. Chemo!) hinter sich gebracht hat, und dann fällt einem ein Ziegelstein auf den Kopf! Na ja, ab und zu hab ich einen Hang zum Makabren, sorry....

Ich finde schön, daß die meisten Leute - mit einer "schlimmen" Krankheit - ihre Oberflächlichkeit ablegen; daß es auf einmal um das Wesentliche geht; daß manche endlich lernen, ihr Leben wirklich wie ein Geschenk zu sehn - und genießen! Daß alles intensiver wird... meiner Ehe hat der Krebs sehr gut getan! Wir sind immer zwei Streithammel gewesen - jetzt ist eine Weichheit zwischen uns, eine Echtheit, ein fester Wille, nur noch wirklich Wichtiges auch ernst zu nehmen!

Deshalb bin ich meinem Krebs dankbar! ich muß jetzt nur noch lernen, die Positiven Dinge (s.o.) so fest in meinem Leben zu verankern, daß ich keinen Krebs "brauche" - aber das ist was ganz spezielles, was vielleicht nur mich betrifft. Jeder und jede hat den Krebs aus unterschiedlichen Gründen - und vielleicht auch aus gar keinem Grund. Krankheit ist einfach da, Gesundheit kriegt eine andere Gewichtung. Ich fühle mich mit Krebs z.T. gesünder als vorher....

Danke für diesen Thread! Seid umarmt von Amba
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  #13  
Alt 06.01.2007, 17:03
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Sunpower77 Sunpower77 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Liebe Amba,

du hast tatsächlich recht.... ich will versuchen, auch das Positive für mich rauszuziehen, naja, klappt nicht immer, aber hey, ich hab ja noch laaaaaange Zeit dafür!!!!

Ich umärmle euch alle!!!
__________________
LG

Pia


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  #14  
Alt 07.01.2007, 00:15
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Vanilla Vanilla ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Liebe Amba,

du hast so recht. So viele Dinge sehe ich erst seit meiner Erkrankung mit anderen Augen, nehme nicht mehr alles als selbstverständlich und gegeben hin.
Ich kann mich an so vielen Dingen mehr freuen als vorher. Wenn es also überhaupt eine positive Seite an diesem ganzen Mist geben sollte, dann ist es wohl diese.
Der Blick für das Wesentlich im Leben ist schärfer geworden.
Wenn der Alltag mich einmal wieder eingeholt hat und ich mich gerade über verkippte Milch oder zerrissenen Hosen ärgern will, dann halte ich mir vor Augen, wie schön es doch sein kann, sich darüber zu ärgern.

Ich kann mich noch an eine Situation kurz nach meiner Diagnose erinnern. Ich stand morgens in der Küche und schmierte die Schulbrote für meine Kinder. Normalerweise ist das eine Arbeit die ich nicht wirklich gern mache. Damals habe ich Rotz und Wasser geheult und mir nichts mehr gewünscht, als noch 20 Jahre Schulbrote für meine Jungs schmieren zu dürfen...

Auch ich versuche die positiven Dinge in meinem Leben zu verankern, wie du so schön schreibst, Amba. Und dazu gehören auch Schulbrote.

Schlaft gut!

Claudia
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  #15  
Alt 07.01.2007, 15:53
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Renate2 Renate2 ist offline
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Standard AW: Wie geht ihr damit um?

Als ich mir noch Gedanken um das Altwerden gemacht habe, kam mir die Vorstellung, mit einem Laufwägelchen durch die Gegend zu ziehen, mehr als absurd vor und ich habe gedacht, nie im Leben. Jetzt wäre ich dankbar, wenn ich so alt werden würde, wie manche Menschen, die ich damit rumschieben sehe und würde dann mit Freude dieses kleine Wägelchen vor mir herschieben.
Aber da meine Prognose nicht so gut ist, wird es dazu wohl nicht kommen.

Ansonsten bemerke ich auch, daß die Nebensächlichkeiten , um die ich früher immer so ein Geschrei gemacht habe, einfach nur Nebensächlichkeiten sind. Ich bin gelassener geworden.

Mit dem Tod anderer Betroffener kann ich nur sehr schlecht umgehen. Die meisten Menschen, die ich hier und auch beim Arzt kennenlernen durfte, waren durchweg so mutig und hoffnungsvoll, daß es mich unendlich traurig macht, wenn ich eine Todesnachricht erhalte und dann kommt bei mir auch wieder die Angst.

Liebe Grüße
Renate
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