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Alt 21.01.2018, 17:19
Briele Briele ist offline
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Standard Gedanken an meine Mama

Heute wäre der 100ste Geburtstag meiner Mama. Vielleicht hätte sie diesen ohne Krebserkrankung erreicht, aber vermutlich ist das nichts was man anderen oder sich selbst wünschen sollte.

Neunzehn Jahre wird es, daß sie nicht mehr lebt. Ihr Tod war das einschneidenste Erlebnis, die größte Zäsur in meinem Leben. Andere, von mir geliebte Menschen sind nach ihr gestorben und in meiner Trauer um diese, kam dann jedesmal die Trauer um Mama aufs Neue hinzu. Weil niemand vermag mich so zu trösten, wie sie es konnte, ich sie dann verzweifelt herbeisehnte.

Aber sonst ist der Verlust nicht mehr schmerzhaft und es ist so, wie mir damals eine Trauerbegleiterin beim ersten Termin klar machte: der Schmerz wird vergehen, die Liebe und die Sehnsucht bleiben. Was viele Jahre nahezu unbegreiflich war, ist mit der Zeit zu einer Art resignierter Einsicht geworden, daß ich Mama nie mehr wieder sehen werde.

Man kann ja nicht willentlich an etwas glauben. Entweder ist es einem möglich, oder eben nicht. Der tröstende Gedanke, dereinst wieder mit meinen lieben Toten vereint zu sein, ist für mich nicht möglich, was ich durchaus bedaure.

Was mir aber stets Trost war, ist die Tatsache, daß wir eine so gute, liebevolle, nahe Beziehung hatten. Mittlerweile weiß ich, daß dies nicht selbstverständlich ist, zwischen Müttern und Töchtern knirscht es oft gewaltig. Wir hatten beide Glück miteinander. Und ich hatte noch einmal Glück, sie doch lange gehabt zu haben.

Vieles ist seit ihrem Tod passiert. Gutes, Trauriges. Bei jedem Buch das ich lese denke ich, das hätte ihr gefallen, dieses nicht so, ich höre Opernsänger die zu ihren Lebzeiten noch nicht auf der Bühne waren und bedaure daß Mama sie nicht kennenlernen konnte, neue Menschen sind in meinem Leben, die sie in ihr Herz geschlossen hätte. Oft höre ich, ich werde ihr immer ähnlicher und empfinde das als Kompliment. Ich habe mich bemüht ihre guten Eigenschaften am Leben zu halten (mit nichts kann man nach meiner Meinung die Toten besser ehren) und im Laufe der Zeit sind sie mir ganz selbstverständlich geworden.

Man kann sich nun fragen warum ich hier noch einmal schreibe. Ich gehöre selbst zu den Alten, meine alte Mama ist schon lange tot. So manch junger trauernder Mensch mag da kopfschüttelnd sagen, meine Güte was hat sie denn. Das verstehe ich ja. Es ist seit Tagen eine gewisse Wehmut in mir. Alle Menschen aus ihrem Leben sind tot, ganz wenige denken noch manchmal an sie, über kurz oder lang wird es keiner mehr tun. Das ist der Lauf der Dinge. Wenn es keinen mehr gibt, der eine persönliche Erinnerung an einen mehr hat, dann ist man so richtig tot. Nun trifft dies, bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Menschen und es ist eigentlich töricht etwas zu beklagen, was immer so war, so sein wird. Diese Tatsache ist für mich nun völlig bedeutungslos was meine eigene Person betrifft, es tut mir aber leid wenn kaum mehr jemand an meine Lieben denkt.
Liebe Grüße und gute Wünsche an alle, die hier lesen.

Briele

Geändert von gitti2002 (21.01.2018 um 21:12 Uhr)
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